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Durch Straffreiheit für Mitwirkung am Suizid wird "erstes kleines Schwarzes Loch des Tötens gebohrt"

12. Februar 2021 in Prolife, 3 Lesermeinungen
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Wiener Weihbischof Scharl in Predigt am Welttag der Kranken: Suizidbeihilfe hat in den Niederlanden oder Belgien zerstörerische Folgen für die Kultur eines Landes


Wien (kath.net/KAP) Eine gute Therapie erfordert einen "Pakt zwischen Pflegebedürftigen und Pflegenden", der auf Vertrauen, gegenseitigem Respekt und Hilfsbereitschaft  gegründet ist. Nach Überzeugung des Wiener Weihbischofs Franz Scharl hat das Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes vom 11. Dezember, wonach Mitwirkung am Selbstmord nicht mehr strafbar sei, dieses notwendige Vertrauen "folgenreich und mehr oder weniger subtil attackiert und untergraben". Damit sei "ein erstes kleines Schwarzes Loch des Tötens" gebohrt worden, was wie in den Niederlanden oder Belgien zerstörerische Folgen für die Kultur eines Landes habe. Das kritisierte Scharl am Donnerstagabend im Stephansdom, wo er anlässlich des Welttags der Kranken einen auch im Internet übertragenen Gottesdienst leitete.

Das berufliche Selbstverständnis von Menschen in medizinischen und pflegerischen Berufen sei durch das Höchstgerichtsurteil schwer betroffen. Der Bischof erinnerte in diesem Zusammenhang an die Botschaft von Papst Franziskus zum Welttag: "Eine Gesellschaft ist umso menschlicher, wie sie sich ihrer schwachen und leidenden Glieder anzunehmen vermag ..."


Die gegenwärtige COVID-19-Pandemie bezeichnete Scharl in seiner Predigt als "Nagelprobe": Sie offenbare Unzulänglichkeiten der Gesundheitssysteme mancher Länder ebenso wie Mängel bei der Betreuung Kranker. Der Weihbischof würdigte die Einsatzbereitschaft des Personals im Gesundheitswesen, darunter viele haupt- und ehrenamtliche Krankenhaus- u. Pflegehaus-Seelsorgerinnen und -Seelsorger. Deren Arbeit erfordere Nähe als "kostbaren Balsam für Leidende", die derzeit physisch allerdings sehr eingeschränkt sei. Scharl äußerte die Frage, ob eine Pflege Infektionserkrankter zuhause nicht "systemisch ungefährlicher" sei als in Institutionen. Denn eine zahlenmäßige Konzentration von vulnerablen und direkt Covid-19-betroffenen Personen relativiere alle enormen Sicherheitsmaßnahmen.

Auf Augenhöhe mit Leidenden

Auf einen weiteren Aspekt in der Papstbotschaft zum Welttag der Kranken wies Weihbischof Scharl hin: gleiche Augenhöhe zwischen Pflegendem und Patient. Das Leitwort darin sei dem Matthäusevangelium entnommen: "Nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder" (Mt. 23,8). Das bedeute: "Hier gilt kein Hinabschauen. Hier gilt kein Kriechen! Die Job-Description heißt: Geschwister sein und sich als Geschwister benehmen", wie Scharl erklärte. Dem entsprächen Vorgangsweisen wie zuhören, einen direkten Kontakt zu anderen herstellen, sich vom Leid anrühren lassen und sich in den Dienst nehmen lassen.

Krankheit stelle immer auch vor die Endlichkeit des Lebens, vor die Sinnfrage und die nach Gott. Scharl warnte vor oberflächlichen bzw. unbedachten Worten gegenüber Kranken wie "Es wird schon wieder werden", "Das ist die Strafe für ..." oder aber "Das hat sicher nichts mit Gott zu tun". Scharl legte Pflegenden das Papstwort ans Herz, aus dem Geist einer geschwisterlichen Liebe zu agieren, "in einer Weise, dass keiner einsam zurückbleibt und keiner sich ausgeschlossen oder fallengelassen fühlt".

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Lesermeinungen

Rolando 12. Februar 2021: Die Lösung ist die Abkehr vom Töten, am Anfang und am Ende

Es hat jetzt der Vater der Lüge sehr große Macht, zugelassen von Gott aufgrund der Rechte, die ihm der Mensch durch die Sünde gab. Da die Umkehrwilligkeit fehlt, fast keine Beichtbereitschaft, ja keine Sündenerkenntnis und kein Sündenbewusstsein mehr da ist, darf er seine Rechte einfordern, ausspielen. Da seine Intelligenz die der Unseren weit überragt, ist nur ein Eingreifen Gottes, erfleht durch Umkehr die Lösung, ja das gottgewollte Ergebnis dieser Situation. Man wundert sich, warum die Lügen so akzeptiert werden, eben weil sie nicht erkannt werden, denn die Sünde macht blind, geistig blind.
Viele sind darin verstrickt, allein schon durch die jahrzehntelange hormonelle Verhütung, die auch frühabtreibend ist, da oft die Einnistung blockiert wird.

claude 12. Februar 2021: Das kleine schwarze Loch wurde schon längst gebohrt - mit der Abtreibung...

.... die hierzulande zwar noch immer illegal aber straffrei ist. Wie die Realität aussieht wissen wir. .... Das kleine schwarze Loch ist mittlerweile zu einem ziemlich großen schwarzen Loch geworden. Und es wird größer werden, denn die Dämme sind längst eingerissen. Zum quasi verpflichtenden Suizid ist es nicht mehr weit. Die Alten, die Behinderten, die, die nur Geld kosten und nix bringen in einer utilitaristischen Gesellschaft....

Stefan Fleischer 12. Februar 2021: Eine ssehr gute Frage

die Frage, ob eine Pflege Infektionserkrankter zuhause nicht "systemisch ungefährlicher" sei als in Institutionen.
Ich glaube, diese Frage muss unebdingt gestellt (und beantwortet werden), auch wenn es im heutigen Fall vielleicht bereits zu spät ist. Das gehört zu den Lehren, welche wir aus Corona zu ziehen und dann auch umzusetzen, d.h. vorzubreiten haben.

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