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Erstmals wieder öffentliche Messe mit Patriarch Sako in Bagdad

10. Oktober 2020 in Weltkirche, 1 Lesermeinung
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Sieben Monate waren in irakischer Hauptstadt wegen Corona-Maßnahmen keine öffentlichen Gottesdienste möglich - Bei Messfeier bleibt Zahl der Mitfeiernden beschränkt, hygienisch-sanitäre Vorschriften müssen strikt beachtet werden


Bagdad  (kath.net/KAP) Der chaldäisch-katholische Patriarch, Kardinal Mar Louis Raphael Sako, hat erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie wieder einen öffentlichen Gottesdienst in Bagdad gefeiert. Bei dem Gottesdienst am Sonntag in der Rosenkranzkirche lud er zum Gebet für Armenien, den Libanon, Syrien und Libyen ein. Wegen der coronabedingten Restriktionsmaßnahmen waren zuvor sieben Monate keine öffentlichen Gottesdienste in der irakischen Hauptstadt möglich. Die ganze Welt bedürfe eines "spirituellen Erwachens", um sich "des Friedens und der Stabilität" zu erfreuen, sagte der Kardinal-Patriarch und zitierte den Aufruf von Papst Franziskus zum Gebet für die Kirche, damit diese ihre Aufgabe "ehrlich, umfassend und wachen Auges" erfüllen kann.

Die Zeit der häuslichen Quarantäne sei schwierig gewesen, sie habe aber dazu beigetragen, die Beziehungen zwischen den Familienmitgliedern zu stärken; auch die christliche Spiritualität sei durch Gebet und Schweigen, Meditation und vertiefte Bibellektüre gewachsen, stellte der chaldäisch-katholische Patriarch fest. Der gläubige Mensch könne inmitten des Dunkels einen "Lichtstrahl" entdecken und ein würdiges Leben führen.

Das chaldäische Patriarchat hatte die Wiederaufnahme der öffentlichen Messfeiern für 4. Oktober angekündigt. Dabei wurde betont, dass die Zahl der Mitfeiernden beschränkt sein müsse, Abstand zu halten sei und hygienisch-sanitäre Vorschriften wie etwa das Tragen von Masken und Handschuhen beachtet werden müssten. Im Gespräch mit dem Pressedienst "AsiaNews" hatte Weihbischof Basil Yaldo - ein enger Mitarbeiter des Kardinal-Patriarchen - angekündigt, dass pro Kirchenbank maximal zwei Personen zugelassen sind: "In einem Gotteshaus mit 550 Plätzen werden wir maximal 100 Teilnehmende zulassen können."

Achtsam mit dem Virus leben lernen

Die Entscheidung zur Wiederaufnahme der öffentlichen Messfeiern sei nichtsdestotrotz eine "schöne Nachricht" und Frucht einer "kollektiven Überlegung", sagte der Bischof: "Im Hinblick darauf, dass wir lange Zeit mit dem Coronavirus werden leben müssen, haben wir beschlossen, die Tore der Kirchen schrittweise wieder zu öffnen." In diesen Tagen machten auch Moscheen wieder auf und die Regierung habe die Wiederaufnahme vieler Aktivitäten beschlossen. "Daher haben auch wir diesen Schritt gewagt. Es ist notwendig, mit dem Virus zu leben und dabei die Anweisungen der Ärzte und der Behörden zu beachten; man muss achtsam sein und zugleich die Unterstützung der Gläubigen garantieren."

In den vergangenen sieben Monaten hätten die Menschen in Bagdad viel Angst gehabt, die meisten seien aus Furcht vor Ansteckung zu Hause geblieben, berichtete Bischof Yaldo in dem Interview. Die Kirche habe sich bemüht, trotz allem den Menschen nahe zu sein und vor allem die Familien in wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu unterstützen. Das Patriarchat habe den Pfarrgemeinden finanziell geholfen, damit sie Hilfsgüter für die besonders Bedürftigen kaufen können. Auch die spirituelle Nähe sei nach Möglichkeit aufrechterhalten worden, durch Besuche bei den Familien und durch die Online-Übertragung der Gottesdienste. Es sei ein "positives Element" der schwierigen Monate gewesen, dass die Solidarität unter den Menschen spürbar war: "Und die Leute haben gespürt, dass die Kirche lebendig ist und niemand vernachlässigt."

Yaldo selbst positiv getestet

Der Bischof wurde selbst positiv getestet, ebenso wie ein anderer Bischof in der Patriarchatsverwaltung, ein 68-jähriger Priester (der binnen von vier Tagen an der Krankheit starb) und drei Nonnen. Er sei zehn Tage in seinem Zimmer im Patriarchatsgebäude isoliert gewesen, berichtete Bischof Yaldo. Nur hie und da habe er in den Garten gehen können, um frische Luft zu schnappen. Er habe keine starken Symptome gehabt und die Krankheit habe spontan aufgehört. Abschließend meinte Bischof Yaldo: "Die Hoffnung ist, dass sich die Situation in nächster Zukunft bessert, aber es wird nichts mehr so sein wie früher. Es bleibt der Optimismus, mit dem wir uns an die Gläubigen wenden und sie einladen, wieder in die Kirchen zu kommen. Ein erster Schritt auf einem langen Weg".

Irak stark von Viruskrise betroffen

Der Irak ist eines der am stärksten vom Coronavirus betroffenen Länder; die Pandemie hat das Land zusammen mit den althergebrachten Problemen wie Armut und Gewalt an den Rand des Kollaps gebracht. Kardinal Sako hatte öfter zur Krise Stellung genommen und dabei betont, dass die Pandemie als Gelegenheit wahrgenommen werden sollte, um einen vertieften Glauben und eine solidarischere Gesellschaft anzustreben.

Auf der Website des chaldäischen Patriachats wurden detaillierte Vorschriften für das Verhalten im Gottesdienst veröffentlicht, u.a. gibt es keinen Friedensgruß und keine "zu nahen Verbeugungen". Ausdrücklich wird älteren Personen wegen des erhöhten Risikos von der Teilnahme am Gottesdienst abgeraten. Wenn jemand nach der Messfeier sich krank fühlt, müsse er das Patriarchat verständigen, damit die Infektionskette verfolgt werden kann. Da zu jeder Messfeier nur 50 bis 100 Personen zugelassen sind, dürfen die Priester bis zu drei Gottesdienste pro Tag zelebrieren.

 

Copyright 2020 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich

 

Foto: (c) vaticannews


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Lesermeinungen

SalvatoreMio 10. Oktober 2020: Freude, Freude!

Ich freue mich einfach, wie die (noch ansässigen) Christen im Irak tapfer ihren Weg gehen! Sie haben lange Jahre hindurch so viele Erschütterungen durchstehen müssen, so dass manchen gewiss Widerstandskräfte fehlen, um Krankheiten leichter zu überwinden. Und wie schön, dass Patriarch Sarko den Krieg durchgestanden hat (solche Spuren bleiben lange bestehen) und jetzt auch wieder Eucharistie feiern kann. Der Herr segne Sie, Herr Bischof, und alle Gemeinden im Irak!

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