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Was kommt durch die Weinkelter ans Licht?

13. November 2020 in Kommentar, 4 Lesermeinungen
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Was fließt aus der Kelter des Jahres 2020? Wie können die Söhne Gottes offenbar werden, nach der die ganze Schöpfung sich sehnt? Gedanken über den Auftrag der Christen, dessen Erfüllung allerhöchste Zeit ist - BeneDicta am Freitag von Linda Noé


Linz (kath.net)

Puuuh! ... Langsam muss er her, der lange Atem. Das Jahr 2020 erscheint mir wie eine Kelter, in dem der Pressdruck von allen Seiten erhöht ist und einfach nicht lockerlassen will. So sehr man sich als Mensch an diverse und dauernd ändernde Maßnahmen- und generell quasi doch irgendwie an alles? - gewöhnen kann, wird mir im Innehalten immer mal wieder bewusst, wie verrückt das alles ist. Das, was wir weltweit alle- ALLE!! derzeit an ähnlichen Zuständen erleben müssen, wo doch noch vor einem lumpigen Jahr das Meiste davon völlig undenkbar schien. Das globale Level der Angst ist gestiegen- vor Krankheit, finanziellem Ruin. Vielerorts sind Kirchen, Kultur, Oper, Theater, Konzerthallen, Fußballstadien, Restaurants, Hotels, Schulen, die eben noch selbstverständlich waren, geschlossen. Gebetstreffen mit Präsenz- besser nicht. Kein Reisen. Masken tragen. Social distancing, Zoom, Quarantäne, (ich bekomme allergischen Ausschlag, wenn ich so manches Wort davon nur höre mittlerweile). Erdbeben. Überfüllte Krankenhäuser. Und das alles sind noch Luxusprobleme bei uns in Europa…

Der grässliche Terrorakt in Wien. Die anhaltende Aufregung um die amerikanischen Wahlen. Menschen mit Plakaten am Petersplatz, die den Papst um Erklärungen bitten, im Bezug auf Dinge, die doch eigentlich immer völlig klar gewesen sind. Ihnen fallen noch weitere Dinge ein!

Es rüttelt und schüttelt überall.

Keine Frage, wir dürfen nicht die Augen vor den momentanen Tatsachen verschließen, sondern müssen uns ihnen stellen. Aber wie schnell kommt man doch in eine Litanei des Jammers bei Betrachtung der momentanen Umstände?

Was fließt aus der Kelter des Jahres 2020, meiner persönlichen, der kirchlichen, der kollektiven, wo das Jahr sich bereits langsam dem Ende zuneigt? Saurer Saft? Trockenheit? Bitterkeit? Misstrauen? Rein menschliches?

Oder- völlig übernatürlich! - Lob Gottes, Durchbruch, guter Wein? Jetzt, wo es drauf ankommt, wäre das nicht DIE Stunde, in der aufgrund der allgemeinen Dunkelheit das Licht Christi heller denn je aufstrahlen könnte? Wie kann das eigentlich geschehen? Warum wirkt Gott das nicht einfach in Seiner Souveränität, nach Seinem Versprechen? Worauf wartet Er?

Ein Leben in Lobpreis und Dankbarkeit ist nicht nur die schönste Art zu leben, sondern in Wahrheit auch eine der stärkste Artenstärksten Weisen, Leben aktiv zu verändern. Gott zu loben und Ihm zu danken hat Auswirkungen auf mich selbst, auf den Teufel, und auf meine Beziehung zu Gott. Ebenso ist es mit dem Fehlen dessen. Niemand wird hier widersprechen, glaube ich. Niemand von uns aber allerdings auch wacht morgens auf und nimmt sich vor, heute genervt und deprimiert zu sein. Jeder von uns ist ja lieber froh und dankbar- aber vielleicht verstehen wir als Christen immer noch zu wenig davon, wie sehr das in unserer eigenen Verantwortung liegt? Verstehen wir Lobpreis und Dankbarkeit immer noch zu sehr als Antwort auf guten Umstände, die uns automatisch all das Gute fühlen lassen? In Johannes 14,1 sagt Jesus in der Nacht vor Seiner Kreuzigung zu den Jüngern: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich!“. Das ist eine klare Aufforderung. Trotz allem, was in den nächsten Stunden passieren würde, und von dem Jesus wusste.

In Johannes 16,33 heißt es: „Dies habe ich zu euch gesagt, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt.“ Klar ist: die Bedrängnis ist fix. Jesus spricht diese Worte vom Sieg über die Welt, obwohl er Seinen Kreuzweg noch nicht bis zum Ende gegangen und noch nicht zur Rechten des Vaters erhöht war. Im Glauben sollten die Jünger die Überwindung der Welt durch Jesus ergreifen.

So vieles von dem, was wir heute hören und sehen, besonders auch über alle Kanäle der ständig präsenten Medien, ist schlichtweg negativ, und wir müssen uns aktiv anstrengen, um gegen diese Kultur aufzustehen. Wie es mit unserer Dankbarkeit und dem Lob Gottes bestellt ist, sagt generell viel über unser geistliches Leben aus. In Philipper 4,4 (das ist leicht zu merken) sagt Paulus: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!“  Zweimal sagt er das. Zu jeder Zeit. Nicht nur, wenn wir uns danach fühlen. Wir wissen, dass Paulus das nicht nur gepredigt, sondern auch gelebt hat, wenn wir daran denken, wie er gemeinsam mit Silas in Apostelgeschichte 16 durch Lobpreis aus misslichster Lage, geschlagen und eingesperrt, aus dem Gefängnis befreit worden ist.

Erliegen wir nicht dem Irrtum, dass wir die Freude immer fühlen müssen- oder es „unehrlich“ und bloßes Theater wäre, Gott zu danken oder Ihn zu loben, wenn wir uns schlecht fühlen und bedrängt sind. Gott ist immer und als Einziger all unseres Lobes wert, das ist es, was wir sicher wissen, selbst wenn alles andere wankt! Wenn wir Ihn loben, tun wir das, was wir in Ewigkeit im Himmel tun werden. Wir schaffen Platz für den Himmel, in der Gegenwart!

Wir wissen, dass Freude eine Frucht des Heiligen Geistes ist, der uns gegeben ist, also können wir uns für Dankbarkeit und Lob Gottes entscheiden.

Wir sind als Menschen nach dem Bild Gottes geschaffen. Kreativ- nicht nur dazu, um auf Umstände zu reagieren. Erschaffen als Mitschöpfer Gottes. Ist das überwältigend? Ja! Aber jetzt ist die Zeit. Wir steigen sonst aus unserer tiefsten Berufung heraus und können ganz offensichtlich nicht froh werden, wenn wir diesen Auftrag nicht erfüllen. „Denn die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes“ (Röm 8,19)

Jeder von uns wird eigene Wege finden, Gott auch im Alltag zu loben, ob durch Gesang und Musik, durch das Gebet des Stundengebets, des Rosenkranzes, durch Weitergabe unseres Zeugnisses, oder einfach mit freien Worten (am besten auch mal laut!) im Gebet zu danken, Ihn zu loben und über alles zu erheben. Das ist kein frommes Spiel, sondern damit bewegen wir geistlich Himmel und Erde! Bereiten wir damit dem Herrn den Weg, jetzt ist die Zeit.


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Lesermeinungen

Diadochus 15. November 2020: Jetzt ist die Zeit

„Denn die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes“ (Röm 8,19) Die Welt wartet auf das Zeugnis der Christen. Die Welt wartet auf Worte der Ermutigung und der Freude im Herrn. Danke, denn "jetzt ist die Zeit".

lesa 15. November 2020: Für Glaubende sind Dunkelheit und Bedrängnis nicht die Endstation

Danke für diese Präsentation des biblischen Weges hinein in die Ewigkeit. Eine Art Routenplaner ins Licht. Besonders wertvoll auch der Hinweis, dass nicht das Gefühl ausschlaggebend ist. Der Glaube gründet auf einen Gott, der selber Dunkel, Nacht, Kreuz und Tod FÜR uns durchlitten und uns den Weg gebahnt hat in die Auferstehung, in die ewige Freude hinein. Dunkelheit und Not sind nicht die Endstation, so wenig wie der Karsamstag vor Ostern.
"Wenn all das zu geschehen beginnt, erhebt euer Haupt, denn eure Erlösung ist nahe" (Lk 21, 28)

pilgerreise 14. November 2020: Herzlichen Dank für die Ermutigung,

für diese hilfreichen und weiterführenden Gedanken! Sie sind vom HEILIGEN GEIST geschenkt und geleitet.
Bleiben wir auf diesem Weg und im Gebet verbunden.

Stefan Fleischer 13. November 2020: "Alles meinem Gott zu Ehren"

Dieses Lied sangen wir in meiner Jugend gern und oft. Es sagt genau das aus, wenngleich in einer eher "konservativen" Sprache, besonders wenn wir die Fassung von damals nehmen und nicht die ökumenisierte Version, wie sie heute im "Gotteslob" zu finden ist. Diese Haltung könnte unser ganzes Leben verändern, auch wenn dies für die allermeisten von uns ein lager Weg sein wird. Aber er lohnt sich.

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