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Südtiroler Bischof Muser fordert Ende von "Kultur des Ausblendens" bei Missbrauch

vor 3 Tagen in Österreich, 11 Lesermeinungen
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Diözese Bozen-Brixen startet Plakat- und Sensibilisierungkampagne "Stopp dem Missbrauch im kirchlichen Bereich!" - Hirtenbrief von Bischof Muser in voller Länge


Bozen (kath.net/dbb) kath.net dokumentiert den Hirtenbrief "Für eine Kultur des Hinschauens und der Mit-Verantwortung" von Bischof Ivo Muser (Diözese Bozen-Brixen) in voller Länge:

Liebe Schwestern und Brüder in unserer Diözese Bozen-Brixen!

Mit diesem Hirtenbrief wende ich mich an euch mit einem Anliegen, das uns alle angeht und das mir sehr wichtig ist. Die weltweit erschütternden Berichte von sexuellem Missbrauch in der Kirche, um die wir wissen, haben ein Tabu gebrochen, das zu lange das Leid der Betroffenen und deren Umfeld ausgeblendet hat. Endlich haben die Leidtragenden Gehör gefunden. Endlich hat man begonnen, Anklagen ernst zu nehmen, zu überprüfen und entsprechende Maßnahmen für Betroffene und deren Umfeld zu ergreifen. Ebenso wurden für jene, die sich an Kindern und Jugendlichen vergangen und sich strafbar gemacht haben, verschärfte kirchenrechtliche Bestimmungen und Maßnahmen erlassen, um sie zur Verantwortung zu ziehen. Die Macht des Schweigens wurde gebrochen und die vertuschte Wirklichkeit durch den Aufschrei der Betroffenen und die Medien an die Öffentlichkeit gebracht. Das war und ist leidvoll und auch beschämend; aber es ist gut und notwendig, dass wir uns verantwortungsvoll dieser Wirklichkeit stellen - und dass wir es heute auch tun.
Weg von einer Kultur des Ausblendens

Im Johannesevangelium steht der Satz: „Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch befreien“ (Joh 8,32). Wir müssen uns alle fragen, wie wir mit Macht, Autorität, menschlicher Sexualität und zwischenmenschlichen Beziehungen im Sinne der christlichen Grundwerte umgehen. Das erfordert eine ehrliche und radikale Gewissenserforschung auf persönlicher wie auch auf struktureller Ebene, das heißt als Kirche mit all ihren Einrichtungen. Ebenso ist die Gesellschaft aufgerufen, sich auf ihre Grundwerte zu besinnen, damit die Würde eines jeden Menschen, die Menschenrechte und die Rechte der Kinder und Jugendlichen, erfahrbar und einklagbar werden. Hier können und müssen Kirche und Gesellschaft in einen neuen Dialog treten. Ohne von der Verantwortung der Kirche auf irgendeine Weise abzulenken, dürfen wir nicht verschweigen, dass der größte Teil sexualisierter Gewalt in unseren Familien und im verwandtschaftlichen und nachbarschaftlichen Kontext geschieht. Außerdem sind wir mit der Besorgnis erregenden Tatsache konfrontiert, dass sexualisierte Gewalt an Minderjährigen immer häufiger über die sozialen Medien und das Internet erfolgt. Eben weil Missbrauch häufig und überall – innerhalb und außerhalb der Kirche – geschehen kann und geschieht, braucht es eine radikale und zutiefst menschliche und christliche Mentalitätsänderung: Weg von einer Kultur des Ausblendens hin zu einer Kultur des Hinschauens; weg von einer Kultur des Sich-nicht-Einmischens, hin zu einer Kultur der Transparenz, der Offenheit und der Mit-Verantwortung.
Das geht uns alle an

Ich lade alle Priester, Diakone, Ordensleute, Religionslehrpersonen, Pfarrgemeinden, kirchlichen Organisationen, Schulen und Heime, Einrichtungen und Gruppierungen ein, ein klares Signal zu setzen.

Unsere Diözese will für eine offene Gesprächskultur sensibilisieren, damit Missbrauch nicht länger ein Tabu bleibt und das Leben von Menschen zerstört. In einer Informations- und Sensibilisierungskampagne werden Plakate mit der Aufschrift „Stopp dem Missbrauch im kirchlichen Bereich“ verteilt, die in den Schaukästen ausgehängt und über andere Medien bekannt gemacht werden. Sie rufen auf, sich bei Verdacht, Hinweisen oder Missbrauchsfällen an die diözesane Ombudsstelle zu wenden. Zusammen mit den Plakaten informieren Flyer über die Ziele und Aufgaben des diözesanen Dienstes für den Schutz der Minderjährigen und schutzbedürftigen Personen und über die Ombudsstelle.

Mit dieser Kampagne drückt unsere Diözese ihre Grundhaltung aus, dass jegliche Formen von Missbrauch und Gewalt dem Geist des Evangeliums widersprechen. Entsprechend den Leitlinien der Italienischen Bischofskonferenz setzen wir auf die Präventionsarbeit als ureigene seelsorgliche Aufgabe, um einen sicheren Lebensraum für Kinder und Jugendliche zu schaffen.
Eine Priorität für unsere Diözese

Alle Verantwortlichen im kirchlichen Bereich sind aufgerufen, dafür zu sorgen, dass innerhalb der eigenen Reihen der Schutz der Minderjährigen gewährleistet wird. Das Wohl von Kindern und Jugendlichen sowie von schutzbedürftigen Erwachsenen hat entsprechend dem christlichen Gottes- und Menschenbild höchste Priorität. Die Diözese setzt sich für eine klare und entschiedene Haltung aller gegenüber sexuellem Missbrauch und allen Formen von Gewalt ein.

Bei Verdacht, bei Hinweisen und bei Missbrauchsfällen im innerkirchlichen Bereich ist unmittelbar die Ombudsstelle zu kontaktieren. Dort werden die weiteren Schritte abgeklärt und eingeleitet. Jede Meldung wird ernst genommen, unabhängig davon, ob das Ereignis aktuell ist oder schon länger zurückliegt.

Die Ämter des Bischöflichen Ordinariates, die kirchlichen Organisationen, Einrichtungen und Gruppierungen sowie die Ordensgemeinschaften sind aufgerufen, in ihren Programmen, Aussendungen und Angeboten immer wieder die Themen des Schutzes von Minderjährigen und schutzbedürftigen Erwachsenen, der Prävention von sexuellem Missbrauch und von anderen Formen von Gewalt zur Sprache zu bringen. Dadurch soll einerseits eine Vertrauensbasis geschaffen werden, dass über das Thema Missbrauch offen geredet werden kann und damit das Tabu gebrochen wird; zum anderen wird zur Zivilcourage ermutigt, bei Verdacht, Hinweisen oder Missbrauchsfällen das Schweigen zu brechen und die Ombudsstelle davon in Kenntnis zu setzen.
Wir alle sind mitverantwortlich

Papst Franziskus ruft in seinem „Schreiben an das Volk Gottes“ (2018) alle Mitglieder der Kirche auf, sich aktiv daran zu beteiligen, um die Kultur des Missbrauchs aus unseren Gemeinschaften auszumerzen. Nur gemeinsam sind wir in der Lage, so der Papst, die nötigen Dynamiken für eine gesunde und wirksame Umgestaltung einzuleiten.

Am 18. November wird der „Europäische Tag zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch“ begangen. Der 20. November ist der internationale Tag der Kinderrechte. Ich lade dazu ein, am Sonntag, 22. November 2020, dem Hochfest Christkönig, auf die Sensibilisierungskampagne unserer Diözese hinzuweisen. Wir alle sind mitverantwortlich, eine Kultur zum Schutz und zur Sicherheit der Kinder und Jugendlichen zu fördern, sowohl im kirchlichen wie auch im familiären und gesellschaftlichen Bereich.

Gottes Segen begleite unsere Kinder und jungen Menschen und uns alle in unserer Verantwortung für sie. Klarer als im Evangelium des Christkönigssonntags kann es nicht gesagt werden: „Was ihr für meine  geringsten Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan. Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr mir nicht getan“ (vgl. Mt 25,40.45). An uns alle ergeht der Auftrag von Papst Franziskus: „Lernen, zu schauen, wohin der Herr geschaut hat. Lernen, dort zu stehen, wo der Herr uns haben will, um das Herz, das in seiner Gegenwart steht, zu bekehren“ (Schreiben an das Volk Gottes, 2018). Auf der Seite Jesu, unseres Königs am Kreuz, stehen nur diejenigen, die auf der Seite der Menschen stehen.

Euer Bischof

+ Ivo Muser
Hochfest Christkönig, 22. November 2020
 

Pressefoto Bischof Muser (c) Diözese Bozen-Brixen


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Lesermeinungen

Fink vor 2 Tagen: @ y.stark - Eine merkwürdig spitzfindige Argumentation von Ihnen

80 % der Missbrauchsopfer von katholischen Klerikern sind männliche Jugendliche (nicht "Kinder") ! Da wollen Sie in Zweifel ziehen ,dass man da nicht auf die homosexuelle Orientierung der Täter schließen kann?
Klar ist, die Studien versuchen alles, um den Zusammenhang von Homosexualität und Missbrauch zu verschleiern. Über Homosexualität, über "Schwule und Lesben", darf nämlich NUR POSITIVES berichtet werden. So einfach ist das. Sind Sie so naiv oder tun Sie nur so?

J. Rückert vor 2 Tagen: Gewissen auf Befehl?

Die Rede kommt zu spät. Offene Türen einrennen und sich gar zum Vorreiter einer Bewegung machen ... Jedermann spreche nun: Oh, die Helden kommen!
Die Predigt könnte von einem Politiker stammen. Es ist der gleiche Jargon.
Wer jeden Verdacht nun meldet wird oft genug Denunziant des Bösen sein. Hier eine (wahrscheinliche) Gewissheit: Kardinal Becciu wurde sofort entlassen, als ein negativer Bericht in einer Zeitung stand. Dabei wusste der Papst schon monatelang um die Sache. Braucht klerikales Gewissen weiterhin den Anschub einer äußeren Macht?

laudeturJC vor 2 Tagen: noch ein Hinweis

auf einen Trick der weltlichen Presse (es gibt noch ein anderes Wort dafür...):

Soll ein Problem kleingeredet werden, spricht man überwiegend von der Anzahl der Täter, nicht der Taten; Beispiel Ausländerkriminalität.

Soll ein Problem dagegen grossgeredet werden, spricht man überwiegend von der Zahl der Taten, nicht der Täter; Beispiel Missbrauchsskandal.

Korrekt wäre, beide Aspekte zu betrachten.

laudeturJC vor 3 Tagen: @y.stark

Es scheint Ihnen ein wichtiges Anliegen zu sein, das Homoproblem zu verharmlosen. Nun gut...

Niemand hält die pädophilen Fälle für bedeutungslos, aber 80 % sind 80 %.

Sie finden im Netz einen Artikel von Felizitas Küble mit dem Titel „ Homosexualität, Mißbrauch und Päderastie: Sollen aus Tätern jetzt Opfer gemacht werden?“ und viele andere ähnliche, auch kritische Analysen der MHG Studie.

Schliesslich verweise ich nochmals auf den noch zu analysierenden wahrscheinlichen Zusammenhang zwischen der derzeitigen Homosexualisierung des Katholizismus und dem Missbrauchsskandal...

y.stark vor 3 Tagen: @Laudetur JC

"80 % Homotäter". Das kann aber muss nicht sein. Das habe ich so in keiner der Missbrauchsstudien gelesen. Über die sexuelle Präferenz der Täter habe ich dort nichts gesehen. In den Studien ist dagegen das Geschlecht der Opfer aufgelistet und das zeigt, dass ca. 80% der Opfer männlich sind. Da man aber nicht weiß, wie oft ein Opfer missbraucht wurde (einmal bis über Jahre hinweg) lässt das erst einmal keinen zwingenden Rückschluss auf die Präferenz Täter zu.
Und wenn es so wäre, wie Sie geschrieben haben, was ist dann mit den 20% Mädchen? Das sind bei der Gesamtzahl der Missbrauchsopfer auch noch sehr viele. Haben die aus Ihrer Sicht einfach nur Pech gehabt? Das kann doch wohl nicht sein!

lesa vor 3 Tagen: Der Wirrnis kann man nur an ihren Wurzeln wirksam begegnen.

@laudetur JC @Stephan Fleischer: Gewiss liegen Sie richtig.
„Wir brauchen eine nüchtern sachliche Beurteilung der Gefahren, die eine entfesselte Natur nun einmal mit sich bringt. Letztlich ist damit aber eine intensivierte Hinkehr zu Gottes Schöpfungsordnung nötig. Dem muss in unserer modernen Welt neu und sehr gesundheitsbewusst begegnet werden, indem wir gehorsambereit und sehr bewusst auf Gottes Willen und auf seine Grenzsetzungen achten. Eine solche Ursachenfindung wäre der erste Schritt zur Sanierung. Doch dazu ist Umkehr in der gesamten Gesellschaft nötig.
In der Kirche aber brauchen wir mithilfe der Bibel, dem KKK, und der Beschäftigung mit der Ökologie des Menschen– und das heißt mit den biologischen Grundlagen unserer von Gott geschaffenen Natur – wie auch mithilfe von Beichte und brüderlicher Hilfe – neue bewusste klare Grundlagen des Wissens, um der jetzigen Wirrnis wirksam begegnen zu können."(Christa Meves)
Zu den neuen klaren Grundlagen gehört die ungegenderte Sprache.

bernhard_k vor 3 Tagen: Lehre Jesu und der Kirche

Man sollte klar sagen: Missbrauch passiert, weil sich die Menschen (Kleriker sowie alle anderen) gerade nicht an die Lehre Jesu und der Kirche halten.

Und dann muss die Lehre klar verkündet und begründet werden: "Kein Sex außerhalb der sakramentalen Ehe!"

Damit ist gleichzeitig klar, dass sowohl Homo- wie auch Hetero-Sex außerhalb der Ehe Sünde sind.

martin fohl vor 3 Tagen: Das Anliegen von Bischof Yvo Muser ist verständlich und richtig,

doch kann mit diesen allgemeinen Aufruf zur Wachsamkeit auch ein Klima für Denunziantentum geschaffen werden. Bitte auch das nicht zu vergessen!
Der Missbrauchsskandal wird nun schon seit über 10 Jahre in den Reihen der Kirche diskutiert und die nötigen Schlussfolgerungen gezogen. Es wird jedoch vielerorts so getan als sei der Skandal erst seit gestern bekannt!
Sind in Südtirol so viel neue Fälle bekanntgeworden?

Stefan Fleischer vor 3 Tagen: Ob es nicht

viel wichtiger und nützlicher wäre, die Lehre der Kirche in Bezug auf die Sexualität ganz generell (Sex gehört in die Ehe, und sonst nirgends wohin) wieder unmissverständlich zu verkünden, ob man es hören will oder nicht? Dass man dabei der Frage nach Sünde und Schuld und Erlösung nicht ausweichen kann, sollte klar sein. Oder hat vielleicht die moderne Theologie die Sünde abgeschafft? Das wäre aber ganz und gar nicht biblisch.
Übrigens, nicht nur in diesem Bereich sollte man nicht vergessen den Menschen immer wieder zu sagen: «Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!» (Joh 8,11) oder sogar «sündige nicht mehr, damit dir nicht noch Schlimmeres zustößt.» (Joh 5,14)

Winrod vor 3 Tagen: @laudeturJC

Meine Zustimmung.
Ich finde auch , dass man so eine Schieflage in der Beurteilung der Kirche herbeiruft.
Die Kirche ist keine "Kultur des Missbrauchs"!
Judas, der Verräter" ist auch nicht "die Apostel" gewesen.

laudeturJC vor 3 Tagen: Völlig übertrieben

und letztlich im Dienste der Feinde der Kirche, die darüber jubeln werden. Es ist richtig, Fehler zu bekämpfen, aber nicht so! Man darf den „Patienten“ mit der „Therapie“ nicht zusätzzschaden.

Auch wenn das hier im Forum keine Zustimmung findet:

Die meisten Kleriker und Mitarbeiter verhalten sich korrekt und werden mit solchen Aktionen in falsches Licht gestellt. Von einer „Kultur des Missbrauchs in der Kirche“ zu sprechen, ist übertrieben. Es ist im Kern ein HOMOPROBLEM, keine Pädophilie (80 % Homotäter). Davon kein Wort im Text. Warum wohl?

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