kath.net katholische Nachrichten

Aktuelles | Chronik | Deutschland | Österreich | Schweiz | Kommentar | Interview | Weltkirche | Prolife | Familie | Jugend | Spirituelles | Kultur | Buchtipp


Christus beruft sich auf den Anfang - der Mensch vor dem Sündenfall

23. Jänner 2021 in Familie, keine Lesermeinung
Artikel versenden | Tippfehler melden


Die Theologie des Leibes als Blog - Von C. Klaus - Zweiter Blog-Beitrag


Wien (kath.net)

Die Pharisäer stellten Jesus eine Frage in Bezug auf die Ehescheidung. Jesus antwortete, indem er auf die Aussagen der Genesis über den Menschen vor dem Sündenfall hinwies: „Habt ihr nicht gelesen, dass der Schöpfer die Menschen am Anfang als Mann und Frau geschaffen hat und dass er gesagt hat: darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden und die zwei werden ein Fleisch sein? Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.“ (Mt 19,4 ff.). Daraufhin fragten die Pharisäer nach der Scheidungsurkunde, die Mose erlaubt hatte. In seiner Antwort berief sich Jesus zum zweiten Mal auf den „Anfang“: „Nur weil ihr so hartherzig seid, hat Mose euch erlaubt, eure Frauen aus der Ehe zu entlassen. Am Anfang war das nicht so“. Der „Anfang“ beschreibt den ursprünglichen Plan Gottes für die menschliche Liebe. Was sagt uns also die Genesis darüber? Den Menschen im Zustand der ursprünglichen Unschuld kennzeichneten drei Erfahrungen: die Erfahrung des ursprünglichen Alleinseins, die Erfahrung der ursprünglichen Einheit und die ursprüngliche Nacktheit ohne Scham.


Zuerst machte der Mensch in der Genesis die Erfahrung des ursprünglichen Alleinseins. Unter den Tieren konnte er kein Wesen finden, das ihm in seinem Menschsein entsprach. Denn der Mensch ist in der sichtbaren Welt das einzige Geschöpf, das eine Person darstellt. Nur der Mensch hat die Freiheit und Fähigkeit zu lieben. Im Gegensatz zu den Tieren, die nach ihrem Instinkt handeln, kann der Mensch zwischen Gut und Böse unterscheiden. Der Mensch ist von Gott „um seiner selbst willen gewollt – als einzigartig und unwiederholbar, erwählt in ewiger Liebe“ (Katechese 15:4). Gott möchte eine Beziehung zu dem Menschen. Denn er liebt ihn und möchte von ihm geliebt werden.

„Es ist nicht gut, dass der Mensch allein bleibt. Ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht“ (Gen. 2,18). Gott sah die Sehnsucht Adams nach einem ebenbürtigen Wesen und erschuf eine Frau. Als Adam sie zum ersten Mal erblickte, stieß er voll Staunen einen Freudenschrei aus: „Das endlich ist Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch“ (Gen. 2,23). Er verstand voll Dankbarkeit, dass sie ein Geschenk von Gott war. Der Ausdruck „Fleisch von meinem Fleisch“ drückt die Erkenntnis aus, dass der Leib den Menschen offenbart. Durch die tiefe Einheit von Adam und Eva war das ursprüngliche Alleinsein des Menschen beendet und seine Sehnsucht nach einer menschlichen Gemeinschaft der Personen gestillt. Gott hatte ihm den herrlichen Garten Eden mit den vielen verschiedenen Tieren und Pflanzen geschenkt, aber Eva war für ihn das größte Geschenk von Gott.

In Genesis 2,25 heißt es: „Beide, Adam und seine Frau waren nackt, aber sie schämten sich nicht voreinander.“ Scham bedeutet die Erfahrung der Furcht um sein eigenes „Ich“ angesichts des anderen „Ichs“ und stellt daher eine Schutzreaktion vor der egoistischen Begierde des anderen dar. Es gab aber keinen Grund für Furcht oder Misstrauen. Sie wussten, dass sie gut waren, weil sie keine egoistische Begierde kannten. In ihren nackten Leibern sahen sie die Berufung zu lieben und geliebt zu werden. Ihre Nacktheit ohne Scham zeigte die Bereitschaft, sich dem anderen ganz zu schenken.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

Tweet 




Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können nützen sie bitte die Desktop-Version.


© 2021 kath.net | Impressum | Datenschutz