kath.net katholische Nachrichten

Aktuelles | Chronik | Deutschland | Österreich | Schweiz | Kommentar | Interview | Weltkirche | Prolife | Familie | Jugend | Spirituelles | Kultur | Buchtipp


Von der Bewunderung Jesu hin zur Nachahmung

12. September 2021 in Aktuelles, 7 Lesermeinungen
Artikel versenden | Tippfehler melden


Franziskus: Wendepunkt der Gnade. ‚Ihr aber, für wen haltet ihr mich?’ Begnügen wir uns wie sie nicht mit dem Wenigen; finden wir uns nicht mit einem Glauben ab, der von Riten und Wiederholungen lebt - VIDEO Abschlussmesse Eucharistischer Kongress


Rom (kath.net) „1. Die Verkündigung Jesu. 2. Die Unterscheidung mit Jesus. 3. Die Nachfolge Jesu“.

„Was bedeutet es, Jesus nachzufolgen? Es bedeutet, im Leben mit eben seiner Zuversicht voranzuschreiten, jener, geliebte Kinder Gottes zu sein. Es bedeutet, den gleichen Weg wie der Meister zu beschreiten, der gekommen ist, um zu dienen und nicht um sich dienen zu lassen (vgl. Mk 10,45). Es bedeutet, jeden Tag unsere Schritte zum Bruder hin zu lenken. Dorthin drängt uns die Eucharistie: uns als ein Leib zu begreifen, uns für die anderen zu brechen.

Liebe Brüder und Schwestern, lassen wir zu, dass uns die Begegnung mit Jesus in der Eucharistie verwandelt, wie sie die großen und mutigen Heiligen verwandelt hat, die ihr verehrt; ich denke dabei an den heiligen Stephan und die heilige Elisabeth. Begnügen wir uns wie sie nicht mit dem Wenigen; finden wir uns nicht mit einem Glauben ab, der von Riten und Wiederholungen lebt, und öffnen wir uns für die Ärgernis erregende Neuheit des gekreuzigten und auferstandenen Gottes, der das gebrochene Brot ist, um der Welt das Leben zu schenken. Wir werden in der Freude sein; und wir werden Freude bringen.“

kath.net veröffentlicht die Predigt von Papst Franziskus zur Abschlussmesse des 52. Eucharistischen Weltkongresses in Budapest: heilige Messe, Heldenplatz in Budapest - Es haben rund 100.000 Pilger mitgefeiert:

In Cäsarea Philippi fragt Jesus die Jünger: »Ihr aber, für wen haltet ihr mich?« (Mk 8,29). Diese Frage treibt die Jünger in die Enge und markiert einen Wendepunkt auf ihrem Weg der Nachfolge des Meisters. Sie kannten Jesus gut, sie waren keine Neulinge mehr: Sie waren mit ihm vertraut, sie sind Zeugen vieler vollbrachter Wunder geworden, sie waren von seiner Lehre beeindruckt, sie folgten ihm überallhin, wo er hinging. Und doch dachten sie noch nicht wie er. Es fehlte der entscheidende Schritt, jener von der Bewunderung Jesu hin zur Nachahmung Jesu. Auch heute richtet der Herr den Blick fest auf jeden von uns und stellt uns persönlich die Frage: „Wer bin ich aber wirklich für dich?“. Wer bin ich für dich? Das ist eine Frage, die an jeden von uns ergeht und nicht nur eine genaue Antwort aus dem Katechismus erfordert, sondern eine persönliche Antwort des Lebens.

Aus dieser Antwort entsteht die Erneuerung der Jüngerschaft. Diese geschieht in drei Schritten, die die Jünger machten und die auch wir vollziehen können: die Verkündigung Jesu, die Unterscheidung mit Jesus, die Nachfolge Jesu.


1. Die Verkündigung Jesu. Auf jenes „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ antwortete Petrus als Vertreter der ganzen Gruppe: »Du bist der Christus«. Petrus sagt in wenigen Worten alles, die Antwort ist richtig, aber erstaunlicherweise gebietet ihnen Jesus nach dieser Erkenntnis, »niemandem etwas über ihn zu sagen« (V. 30). Warum so ein drastisches Verbot? Wegen eines genau bestimmten Grundes: zu sagen, dass Jesus der Christus, der Messias ist, ist richtig, aber unvollständig. Es besteht immer das Risiko, eine falsche Messianität gemäß den Menschen und nicht gemäß Gott zu verkünden. Daher beginnt Jesus von diesem Augenblick an seine Identität zu offenbaren, die österliche Identität, die wir in der Eucharistie finden. Er erklärt, dass seine Mission gewiss in der Herrlichkeit der Auferstehung ihren Höhepunkt finden würde, aber dass dies durch die Erniedrigung des Kreuzes hindurch geschehen sollte. Sie sollte also gemäß Gottes Weisheit stattfinden, »die nicht die Weisheit dieser Welt oder der Machthaber dieser Welt« ist, wie der heilige Paulus sagt (1 Kor 2,6). Jesus verhängt das Schweigen über seine messianische Identität, nicht aber über das Kreuz, das ihn erwartet. Im Gegenteil, so merkt der Evangelist an, Jesus beginnt »mit Freimut« (Mk 8,32) zu lehren: »Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohepriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er muss getötet werden und nach drei Tagen auferstehen« (V. 31).

Angesichts dieser erschütternden Verkündigung Jesu könnten auch wir bestürzt zurückbleiben. Auch wir würden lieber einen mächtigen Messias haben als einen gekreuzigten Knecht. Die Eucharistie steht vor uns, um uns zu erinnern, wer Gott ist. Sie tut es nicht in Worten, sondern konkret, indem sie uns Gott als gebrochenes Brot, als gekreuzigte und dargebrachte Liebe zeigt. Wir können viel Zeremonie hinzufügen, aber der Herr bleibt dort in der Einfachheit eines Brotes, das sich brechen, verteilen und essen lässt. Um uns zu retten, macht er sich zum Diener; um uns Leben zu geben, stirbt er. Es tut uns gut, uns von der Verkündigung Jesu erschüttern zu lassen. Und hier tut sich der zweite Schritt auf.

2. Die Unterscheidung mit Jesus. Angesichts der Verkündigung des Herrn ist die Reaktion Petri typisch menschlich: Wenn sich das Kreuz abzeichnet, die Perspektive des Leidens, begehrt der Mensch auf. Und nachdem Petrus die Messianität Jesu bekannt hat, nimmt er Anstoß an den Worten des Meisters und versucht, ihn davon abzubringen, auf seinem Weg fortzuschreiten. Das Kreuz ist niemals in Mode: heute wie in der Vergangenheit. Aber es heilt im Inneren. Vor dem Gekreuzigten erfahren wir einen heilsamen inneren Kampf, den harten Konflikt zwischen dem „gottgemäßen Denken“ und dem „menschengemäßen Denken“. Einerseits gibt es die Logik Gottes, die jene der demütigen Liebe ist. Der Weg Gottes scheut vor jeglichem Zwang, vor Zurschaustellung und Triumphalismus zurück, er ist immer auf das Wohl der anderen ausgerichtet, bis hin zum Opfer seiner selbst. Andererseits gibt es das „menschengemäße Denken“: Es ist die Logik der Welt, die an den Ehren und Privilegien hängt und auf Ansehen und Erfolg bedacht ist. Hier zählen Bedeutung und Stärke, das, was die Aufmerksamkeit der meisten auf sich ziehen kann und sich vor den anderen durchsetzen kann.

Geblendet von dieser Perspektive nimmt Petrus Jesus beiseite und beginnt, ihn zurechtzuweisen (vgl. V. 32). Auch uns kann es passieren, den Herrn „beiseite“ zu nehmen, ihn in eine Ecke des Herzens zu stellen, und dabei zu meinen, weiterhin gläubig und gut zu sein und auf unserem Weg weiterzugehen, ohne uns von der Logik Jesu ergreifen zu lassen. Er aber begleitet uns in diesem inneren Kampf, weil er wünscht, dass wir wie die Apostel seine Seite wählen. Es gibt die Seite Gottes und die Seite der Welt. Der Unterschied ist nicht zwischen dem, der gläubig oder nicht gläubig ist. Der ausschlaggebende Unterschied ist zwischen dem wahren Gott und dem Götzen unseres Ichs. Wie weit entfernt ist doch der, der in Stille am Kreuz herrscht, vom falschen Gott, von dem wir uns wünschen würden, dass er mit Gewalt herrsche und unsere Feinde zum Schweigen bringe!

Wie verschieden ist doch Christus, der nur ein Angebot der Liebe macht, von den mächtigen und siegreichen Messiassen, denen die Welt schmeichelt! Jesus rüttelt uns auf, er gibt sich mit Glaubensbekundungen nicht zufrieden, er verlangt von uns, unsere Religiosität vor seinem Kreuz, vor der Eucharistie zu reinigen. Es tut uns gut, vor der Eucharistie in Anbetung zu verharren, um die Schwäche Gottes zu betrachten. Widmen wir der Anbetung Zeit. Lassen wir zu, dass Jesus, das lebendige Brot, unsere Verschlossenheit löse und uns für das Teilen öffne, uns von der Starrheit und der Selbstbezogenheit heile; er befreie uns von der lähmenden Sklaverei, immer unser Ansehen zu verteidigen, er sporne uns an, ihm dahin zu folgen, wohin er uns führen will. Und so sind wir zum dritten Schritt gelangt.

3. Die Nachfolge Jesu. »Tritt hinter mich, du Satan!« (V. 33). So führt Jesus Petrus zu sich zurück, mit einem eindringlichen und harten Befehl. Aber wenn der Herr etwas befiehlt, ist er in Wirklichkeit da, bereit, um es zu schenken. Und Petrus nimmt die Gnade an, „einen Schritt zurück zu machen“. Der christliche Weg ist nicht eine Erfolgsjagd, sondern er beginnt mit einem Schritt zurück, mit einer befreienden „Selbstdezentrierung“, damit, sich selbst aus dem Lebensmittelpunkt herauszunehmen. So erkennt Petrus, dass der Mittelpunkt nicht sein Jesus, sondern der wahre Jesus ist. Er wird wieder fallen, aber von Vergebung zu Vergebung wird er das Angesicht Gottes immer besser kennenlernen. Und er wird von der bloßen Bewunderung Christi zur konkreten Nachahmung Christi übergehen.

Was bedeutet es, Jesus nachzufolgen? Es bedeutet, im Leben mit eben seiner Zuversicht voranzuschreiten, jener, geliebte Kinder Gottes zu sein. Es bedeutet, den gleichen Weg wie der Meister zu beschreiten, der gekommen ist, um zu dienen und nicht um sich dienen zu lassen (vgl. Mk 10,45). Es bedeutet, jeden Tag unsere Schritte zum Bruder hin zu lenken. Dorthin drängt uns die Eucharistie: uns als ein Leib zu begreifen, uns für die anderen zu brechen. Liebe Brüder und Schwestern, lassen wir zu, dass uns die Begegnung mit Jesus in der Eucharistie verwandelt, wie sie die großen und mutigen Heiligen verwandelt hat, die ihr verehrt; ich denke dabei an den heiligen Stephan und die heilige Elisabeth. Begnügen wir uns wie sie nicht mit dem Wenigen; finden wir uns nicht mit einem Glauben ab, der von Riten und Wiederholungen lebt, und öffnen wir uns für die Ärgernis erregende Neuheit des gekreuzigten und auferstandenen Gottes, der das gebrochene Brot ist, um der Welt das Leben zu schenken. Wir werden in der Freude sein; und wir werden Freude bringen.

Dieser Internationale Eucharistische Kongress ist ein Zielpunkt eines Weges, aber er möge vor allem Ausgangspunkt sein. Denn die Nachfolge Jesu lädt dazu ein, nach vorn zu schauen, den Wendepunkt der Gnade anzunehmen, in uns jeden Tag jene Fragestellung wieder aufleben zu lassen, die der Herr wie in Cäsarea Philippi an uns, seine Jünger, richtet: Ihr aber, für wen haltet ihr mich?

Eucharistischer Kongress Budapest - Papst Franziskus feiert mit 100.000 Pilgern die Abschlussmesse

Mehr dazu auf kathtube:


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!



Lesermeinungen

Diadochus 13. September 2021: @SalvatoreMio

Es wäre schön, wenn der Papst das so gemeint hätte, hat er aber nicht. Vielmehr sollen wir uns statt der "Riten und Wiederholungen" "für die Ärgernis erregende Neuheit des gekreuzigten und auferstandenen Gottes, der das gebrochene Brot ist, um der Welt das Leben zu schenken, öffnen." Hätte er das gemeint, hätte er die Riten der Tradition nicht billig entsorgt. Die hl. Eucharistie ist übrigens mehr als nur "gebrochenes Brot".

SalvatoreMio 13. September 2021: Riten und Wiederholungen

Wertvolle Anregungen birgt die Predigt! Zum Thema "Riten und Wiederholungen" meine ich: Genau diese brauchen wir mehr denn je - aber im Sinne des Herrn. Er hat der Schöpfung Strukturen gegeben, von denen alle leben wie z. B. den Tag und die Nacht: Mühe und Ausruhen usw. - Ganz irdische Riten und Wiederholungen lieben fast alle, und sei es das Rosinenbrot, das nur sonntags auf dem Tisch steht. - Gott hat den einen Ruhe- und Feiertag der Woche eingesetzt; er hat seinem erwählten Volk aufgetragen, einmal jährlich das "Fest der Befreiung", das Pessach zu feiern. - Ohne Riten und Wiederholungen stirbt Wesentliches!

Diadochus 12. September 2021: Zeremonie

Wir könnten die Frage auch anders stellen: Für wen sollen wir Jesus denn halten? Wo stehen wir im 21. Jahrhundert? Die Frage bleibt unbeantwortet in der Schwebe. Der hl. Stephan und die hl. Elisabeth haben die Frage noch beantwortet bekommen und fanden zum Glauben, denn sie fanden noch einen Glauben vor, "der von Riten und Wiederholungen lebt." Finden wir uns nicht mit dem "Wenigen" ab, das wir heute vorgesetzt bekommen.

Stefan Fleischer 12. September 2021: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“

Der grosse Fehler der modernen Theologie ist - gemäss meinem laienhaften Denken - dass sie die beiden entscheidenden Fragen unseres Lebens oft sehr einseitig beantwortet: «Wozu wurde Christus Mensch? Wozu sind wir auf Erden?»
Wenn wir Christus den Gekreuzigten nicht mehr auch als den Erlöser aus Sünde und Schuld sehen und verkünden, begnügen wir uns mit dem Wenigen des diesseitigen Heils und verfallen in einen Heilsautomatismus bezüglich des ewigen. Wenn wir den Sinn und das Ziel unseres Lebens im Diesseits suchen, laufen wir schnell einmal auf jener breiten Strasse, die ins Verderben führt, statt den schmalen Weg durch die enge Pforte zu gehen, welche in die Fülle des Heils führen.

Fink 12. September 2021: Te Deum laudamus

Unten als Link ein Beispiel für das lateinische Te Deum laudamus in der gregorianischen Melodie.
Den lateinisch- deutschen Text findet man auf Wikipedia.
Einen schönen Sonntag allerseits !

www.youtube.com/watch?v=Frml2A7xdO0

Fink 12. September 2021: Alle Gebete einschl. Hochgebet auf Lateinisch ! Na also, es geht doch.

Sogar bei Papst Franziskus.
Nach der Kommunionausteilung folgte das "Te Deum laudamus", und zwar - Überraschung!- das deutsche Kirchenlied "Großer Gott wir loben dich!".
(Warum wird eigentlich nie das originale lateinische Te Deum laudamus mit der gregorianischen Melodie gesungen? -die meisten werden es gar nicht kennen!?).

SVD98 12. September 2021:

Ich finde es ausgesprochen wichtig, was uns unser Papst hier sagt.

Um selbst Kommentare verfassen zu können nützen sie bitte die Desktop-Version.


© 2021 kath.net | Impressum | Datenschutz