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Der himmlische Komponist: Lorenzo Perosi (1872-1956)

3. Jänner 2022 in Kultur, 1 Lesermeinung
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Der Priester, Komponist und Kapellmeister des päpstlichen Chores machte in seiner Ausbildung auch Station in Regensburg, Seckau und Beuron. Gastbeitrag von Elmar Lübbers-Paal


Vatikan (kath.net) Bis zum 21. Dezember 2022 wird das Perosi-Jahr begangen. Es erinnert an den Komponisten und Kapellmeister des päpstlichen Chores, Lorenzo Perosi (Archivfoto), der an diesem Tag vor 150 Jahren auf die Welt kam. Dieser Ausnahme-Musiker hat eine prägende Zeit in Regensburg verbracht. Damit begann auch seine außergewöhnliche Schaffenskraft. Der Leiter der Kirchenmusikschule Regensburg, Domkapellmeister Franz Xaver Haberl, bietet dem italienischen Genie sogar eine Stellung an und sagt ihm eine glänzende Karriere voraus. Doch Perosi, der sich selbst immer als einen „armen piermontesischen Priester“ bezeichnet, lehnt dankend ab.

„Es ist als ob die Vollkommenheit seiner Kunst aus der Erkenntnis Gottes hervorgegangen wäre, die Lorenzo Perosi am Himmel seiner Seele und seines Glaubens ständig erleuchten sieht“, mit solchen und weiteren Lobeshymnen beschreibt die renommierte Wochenzeitung „Musica“ den priesterlichen Komponisten am 15. Januar 1911. Doch bis dahin war es ein weiter Weg.

Lorenzo Perosi wird am 21. Dezember 1872 in Tortona (Provinz Alessandria, Region Piemont) geboren. Das Wahre und Schöne in der Musik ist ihm quasi in die Wiege gelegt, da sein Vater Giuseppe vierzig Jahre Domkapellmeister in Cremona ist. Der Vater weckt die innige Leidenschaft zur sakralen Musik.

Der junge Perosi geht zu weiteren Studien an das Mailänder Konservatorium (1892-1893), nachdem er bereits seit 1887 das musikalische Lyzeum Santa Cecilia in Rom besucht. In seiner Mailänder Zeit ist er auch Seminarist. Perosi möchte Priester werden. Zunächst aber führt ihn sein Weg an die weltbekannte Domchorschule in Regensburg. Hier studiert er besonders die Technik des musikalischen Satzes, in der mehrere Stimmen gleichberechtigt nebeneinander geführt werden („Kontrapunkt“). Auf Grund seiner Genialität bekommt er in der bayerischen Stadt den gesicherten Posten sowohl als Kirchenmusikschulprofessor als auch als Domorganist angeboten. Doch auf diesen Positionen sieht er sich noch nicht.


Die italienische Heimat bekommt ihn wieder. Weiterhin bleibt Perosi der Schöpfung geistlicher Musik treu. Zu weiteren Studien des Gregorianischen Chorals besucht er abermals deutschsprachige Abteien auf, Seckau in Österreich und Beuron in Deutschland. Perosi wird Professor für Musik am Konservatorium in Parma und zum Direktor der Kapelle von Imola ernannt.

Der Ruf seiner himmlischen Kompositionen spricht sich herum. Als er am 25.5.1894 den Patriarchen von Venedig, Giuseppe Melchoiorre Sarto, den späteren Papst Pius X. trifft, setzt ihn dieser in das Amt des Kapellmeisters des St. Markus Doms (Capella Marciana) ein. Genau ein Jahr später erfolgt die Priesterweihe des Musikgenies.

Ende 1898 beruft ihn Papst Leo XIII., dem er als Heranwachsender schon eigene Kompositionen zuschickte, auf Lebenszeit (!), zum Kapellmeister der päpstlichen Musikkapelle. Dieser altehrwürdige Chor ist um das Jahr 600 gegründet worden. Aber nicht nur seine nun geschaffenen Werke, wie die Vielzahl an Motetten und Messen, beeindrucken den Papst. Durch die Beratertätigkeit in Musikfragen am Heiligen Stuhl mit engen Kontakt zum Heiligen Vater selbst, wird Perosi einer der Hauptgestalter des Motu proprio über die Kirchenmusik (1903).

Mit dem Zusammentreffen von Perosi und dem Stardirigenten Arturo Toscanini in Mailand, entsteht eine nachhaltige Freundschaft, die der Musik zu Gute kommt. Toscanini darf sich 1901 die Komposition der symphonischen Dichtung „Moses“ ansehen und kommentieren. Dieser ist von der Partitur sehr angetan, meint aber, dass, wenn es zur „Trennung des Wassers“ kommt, das Schäumen der Wellen deutlicher „instumentalisiert“ gehört. Der Dirigent schlägt vor, zwei Harfen Akkorde spielen zu lassen, wobei die einzelnen Töne nicht gleichzeitig, sondern nacheinander erklingen sollen (Arpeggios). Das harmonische Ergebnis wird am 16. November 1901, im heutigen Parosi-Saal, in Mailand uraufgeführt. Der endlose Applaus bestätigt die Meisterkomposition.

Nicht weniger grandiose Erfolge zeigen sich bei den Oratorien „Das Jüngste Gericht“ (1904) und „Transitus Animae“ (1907). Heute kennen wir mehr als 3000 Kompositionen des Maestro Perpetuo della Cappella Musicale Pontificia, der 1956 stirbt. Fünf Päpsten hat er dienen dürfen.

Auf seinem Totenbett betet er noch: „Ich danke Dir, Herr, dass Du mich als Christ auf die Welt hast kommen lassen, dass Du mich zum Priester berufen hast, dass Du mich das hast schreiben lassen, was die Welt zu Deinem Lob singt und singen wird. Amen.“

Durch seine Werke und auch durch die von ihm mitgestalteten internationalen Kongresse für Kirchenmusik, setzt Perosi neue Akzente. Dennoch bleibt er traditionsverbunden und ordnet stets die Musik der Liturgie unter. Die Liturgie soll durch den Gesang eine Erhöhung erfahren. Das ist und bleibt Sinn und Zweck seiner Schöpfungen.

Das Päpstliche Institut für Sakralmusik bezeichnet Perosi als „einen der bedeutendsten italienischen Komponisten des 20. Jahrhunderts“, der durchaus in seiner Genialität mit Puccini und Mascagni vergleichbar sei.

Im Rahmen des Perosi-Jahres wird die Sixtinische Kapelle eine neue CD veröffentlichen. Es sind viele Veranstaltungen innerhalb des Jahres geplant, ob sie wegen der Corona-Lage aber auch stattfinden können bleibt fraglich. Zum krönenden Abschluss des Perosi-Jahres wird das Päpstliche Institut für Sakralmusik am 21. Dezember 2022 über eine eigens eingerichtete Webseite ein Konzert live übertragen. Es werden Streich-Kompositionen von Perosi, Haydn und Schubert vom Trio „Roma Tre Orchestra“ gespielt werden.

Wer bis dahin aber nicht warten möchte, kann über die Internetplattform von „youtube“ kostenlos z.B. die Missa Secunda Pontificalis genießen. Vielleicht empfinden Sie dabei auch schon himmlische Momente.


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Lesermeinungen

Fink 3. Jänner 2022: Und heute- singt der Chor des Petersdoms angemessen ?

Opernhafte Tremolo-Stimmen vertragen sich nicht mit dem Charakter sakraler Musik, meine ich. (dementsprechend gehören "Mozart-Messen" nicht in die Liturgie, sondern in den Konzertsaal- meine ganz subjektive Meinung). Z.B. soll der Gregorianische Choral ganz "glatt" gesungen, also das Gegenteil von Tremolo-Bruststimme.
Dementsprechend gefallen mir auch die Stimmen des Chores von St. Peter in Rom nicht !
Ich weiß, das klingt anmaßend, aber ich muss es aussprechen.

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