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Papst-Interview zum Russland-Ukraine-Krieg schlägt Wellen

5. Mai 2022 in Weltkirche, keine Lesermeinung
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Kurienkardinal Czerny: Äußerungen von Franziskus zeugen von der "Kontinuitätslinie zwischen allem, was der Papst seit Beginn dieses Konflikts gesagt und getan hat


Rom (kath.net/KAP) Das Interview von Papst Franziskus zum russischen Angriffskrieg in der Ukraine sorgt weiter für Gesprächsstoff. Im "Corriere della Sera" (Dienstag) hatte Franziskus seine Bereitschaft erklärt, nach Moskau zu fahren, um Präsident Wladimir Putin zu treffen. Zugleich betonte er seinen an beide Kriegsparteien gerichteten Friedensappell und erklärte die Absage des Treffens mit Russlands Patriarch Kyrill I.

Er fand aber auch deutliche und kritische Worte für die Haltung der NATO gegenüber Russland. Es gehe in allen Konflikten stets um "internationale Interessen", so Franziskus. Aus Sicht von Kardinal Michael Czerny, Interimsleiter der Entwicklungsbehörde, zeugen die Äußerungen von der "Kontinuitätslinie zwischen allem, was der Papst seit Beginn dieses Konflikts gesagt und getan hat".

Für Moskaus Botschafter beim Vatikan, Alexander Awdejew, ist "in jeder internationalen Situation" der Dialog mit dem Papst wichtig. In Moskau sei der Papst "immer ein willkommener und gewünschter Gesprächspartner", sagte Awdejew dem "Corriere". Kiews Botschafter am Vatikan, Andrij Jurasch, reagierte etwas verhaltener auf das Papst-Interview: "Die Botschaft des Heiligen Vaters ist bedeutsam. Es ist jedoch eine Schande, dass Putin nicht nur für Bergoglios edle Bitte taub ist, sondern auch für die Stimme seines eigenen Gewissens", zitierte ihn die Zeitung.


Kardinal Czerny, den Franziskus als Vertrauten mehrfach in die Ukraine und das Grenzgebiet gesandt hatte, betonte im Interview mit "Il Messaggero" (Mittwoch), dass der Papst eine "sehr klare Sicht der Dinge" habe. "Franziskus hat seit den ersten Tagen der Invasion immer wieder betont, dass er bereit ist, alles Menschenmögliche zu tun, um diesen Krieg zu beenden, um die Parteien an den Verhandlungstisch zurückzubringen, um die Bemühungen auf ein Terrain zu lenken, das nicht mehr militärisch ist", so Czerny. Des Pontifex' fester Wille sei ein Kriegsende und da scheine die Reise nach Russland vorrangig.

Franziskus hatte in dem Gespräch mit dem "Corriere" berichtet, im März habe er Putin seine Bereitschaft mitgeteilt, nach Moskau kommen zu wollen, "aber ich fürchte, dass Putin diese Begegnung im Moment weder machen kann noch will", so der Papst weiter. Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. kann aus päpstlicher Sicht nicht als "Türöffner" fungieren. Ein ursprünglich für den 14. Juni geplantes Treffen mit Kyrill in Jerusalem wurde abgesagt. Derzeit seien beide sich einig, dass dies ein ambivalentes Zeichen wäre, so Franziskus.

Für Czerny ist diese Absage "keineswegs ein ökumenischer Bruch". Der Dialog sei schwierig und das angedachte Treffen hätte wohl nicht die erhofften Früchte getragen. "Aber wir müssen die Versuche fortsetzen, die Fäden des Dialogs in Zukunft wieder aufzunehmen", so Czerny. Zur Papst-Äußerung, dass es vielleicht die NATO gewesen sei, "die vor Russlands Tor bellt" und damit ein Faktor gewesen sei, der Putin mit zur Invasion getrieben habe, wollte Czernzy indes nichts sagen.

Für den Präsidenten der katholischen Bewegung Sant'Egidio, Marco Impagliazzo, zeugt der päpstliche Wille, nach Russland zu reisen "von großem Mut, Großzügigkeit und auch großem Realismus". Der Papst müsse "Putins Herz" berühren, so Impagliazzo im Gespräch mit "Avvenire" (Mittwoch). Dass Franziskus nicht erst Kyrill treffe, sei aus seiner Sicht von Vorteil für die Orthodoxe Kirche. Es bewahre sie vor dem Eindruck einer "übermäßigen Abhängigkeit" von der Kreml-Logik. Religiöse Führer müssten für den "Frieden und nicht für den Sieg" beten. Er hoffe, so Impagliazzo, dass Putin Franziskus anhöre.

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Archivfoto: Papst Franziskus zeigt eine Ukraine-Flagge aus einer umkämpften Region


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