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"Open Doors": Vertreibung von Christen oft "gezielte Strategie"

19. Juni 2022 in Aktuelles, keine Lesermeinung
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Religionsfreiheit-Organisation macht anlässlich des Weltflüchtlingstags auf prekäre Lage von verfolgten Christen weltweit aufmerksam.


Wien (kath.net/ KAP)

Die Vertreibung von Christen aus ihren Häusern und Dorfgemeinschaften ist in vielen Ländern "eine bewusst eingesetzte Strategie der religiösen Verfolgung". Das geht aus einem aktuellen Bericht des internationalen Hilfswerks "Open Doors" hervor, das sich gegen Christenverfolgung einsetzt. Es gehe gezielt darum, die Präsenz des Christentums in Regionen, in denen die Verfolgung am stärksten ist, auszulöschen, betonte das überkonfessionelle Hilfswerk in einer Aussendung im Vorfeld des Weltflüchtlingstags (20. Juni).

Der Bericht "The Church on the Run: IDP & Refugee Report 2022" befasst sich demnach mit dem Ausmaß und der Art der religiösen Verfolgung von Binnenvertriebenen und Menschen, die ins Ausland flüchten. Die "Open Doors"-Spezialistin für geschlechtsspezifische Verfolgung, Helene Fisher, betonte: "Um ein vollständiges Bild der religiösen Verfolgung zu erhalten, müssen wir sowohl die Kirche im Land selbst als auch die Kirche der Vertriebenen betrachten."

Teil der Strategie sei es, die Religionsgemeinschaften zu spalten. "Die Vertreibung ist nicht nur ein Nebenprodukt der Verfolgung, sondern in vielen Fällen ein bewusst eingesetztes Element einer umfassenderen Strategie, um das Christentum aus der Gemeinschaft oder dem Land zu vertreiben", präzisierte Fisher. Die häufigste Ursache für die Vertreibung von Christen seien Familienangehörige, die Konvertiten als "Abtrünnige und Verräter" betrachteten. Diese würden dann etwa überlebenswichtige Dinge, wie Nahrung oder Unterkunft vorenthalten, oder die körperliche Unversehrtheit bedrohen oder verletzen. "In einigen Fällen macht die Todesdrohung eine rasche Flucht erforderlich", so Fisher. Oft seien es kirchliche Identifikationsfiguren, die im Besonderen von Repressionen betroffen sind, denn, ihr Weggang sei oft der Auslöser dafür, dass auch andere christliche Familien aus der Gemeinde wegziehen, so das Kalkül der Verfolger.


Schwere Verfolgung höre nicht immer auf, wenn der Einzelne fliehe. "Christen, die zur Flucht gezwungen sind, können jederzeit verfolgt werden, auch wenn sie sich in einem Land niederlassen, in dem sie sich sicher fühlen", betonte Eva Brown, leitende Analystin für religiöse Verfolgung "bei Open Doors". Diese Herausforderungen könnten durch mangelndes Verständnis und mangelnde Reaktion der humanitären Akteure noch verschärft werden. "Das Bewusstsein für diese vielschichtige Gefährdung ist von entscheidender Bedeutung, damit auf die Bedürfnisse von marginalisierten Binnenvertriebenen und Flüchtlingen bestmöglich eingegangen werden kann", so Brown.

 

Verfolgung verändert Gesicht von Ländern

Die langfristigen Auswirkungen von Vertreibung können das Gesicht eines Landes über Generationen hinweg verändern, betonte "Open Doors". So hätten etwa im Irak vor der Machtergreifung Saddam Husseins über eine Million Christen gelebt, jetzt seien es nur noch etwas mehr 160.000 Menschen, die sich zum Christentum bekennen. So habe sich bereits während Husseins Herrschaft die Lage für Christen zugespitzt, aber erst nach dem Jahr 2003 sei die Verfolgung in der Region sprunghaft angestiegen. Mit dem Aufstieg des Islamischen Staats habe sich die Abwanderung von Christen aus der Region nochmals deutlich verstärkt.

Derzeit verzeichne man eine starke Zunahme der Verfolgung von Christen weltweit, so "Open Doors". 360 Millionen Christen seien im vergangenen Jahr aufgrund ihres Glaubens in hohem Maße von Unterdrückung, Kontrolle und Gewalt betroffen gewesen; das sind um 20 Millionen mehr als im Jahr davor, listete das Hilfswerk in seinem "Weltverfolgungsindex 2022" auf. Darin wurde erstmals das nunmehr von den Taliban regierte Afghanistan als gefährlichstes Land für Christen genannt. Es rangiert in der Negativ-Wertung nun vor Nordkorea, das 20 Jahre lang an der Spitze stand und nun auf Platz zwei verdrängt wurde, obwohl sich auch dort die extreme Verfolgungssituation der Christen noch weiter verschlechtert hat.

 

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Foto (C) Kirche in Not


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