kath.net katholische Nachrichten

Aktuelles | Chronik | Deutschland | Österreich | Schweiz | Kommentar | Interview | Weltkirche | Prolife | Familie | Jugend | Spirituelles | Kultur | Buchtipp


Kardinal Müller: Deutsche machen sich bei Reformen Illusionen

31. Juli 2022 in Weltkirche, 17 Lesermeinungen
Artikel versenden | Tippfehler melden


Emeritierter Präfekt der Glaubenskongregation: Angestrebte Neuerungen des Synodalen Wegs haben keinerlei Chance auf Umsetzung - Gleichzeitig rate er nicht den Synodalen Weg komplett aufgeben - Kritik am Umgang des Papstes mit Woelki


Vatikanstadt (kath.net/KAP) Die deutschen Katholiken geben sich mit ihrem Reformprozess nach Meinung von Kardinal Gerhard Ludwig Müller einer Illusion hin. Die im Rahmen des Synodalen Wegs angestrebten Neuerungen hätten keinerlei Chance auf Umsetzung, sagte der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation und frühere Bischof von Regensburg der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Rom. "Der Grund dafür ist nicht, dass wir hier in Rom diktatorisch auf unseren Überzeugungen beharren oder Macht ausüben wollen. Der Grund ist, dass die Kirche von Jesus Christus eingesetzt und entworfen worden ist. Wir haben keine Vollmacht, diese Ordnung zu verändern."

Der Vatikan hatte kürzlich klargestellt, dass der Synodale Weg der deutschen Katholiken "nicht befugt" sei, die Leitungsstrukturen oder Kirche oder gar die Lehre zu verändern. Der Synodale Weg strebt konkrete Reformen in den Bereichen Sexualmoral, Umgang mit Macht, Stellung der Frau und Pflichtzölibat (Ehelosigkeit) der Priester an.

Müller betonte, er sei nicht dafür, den Synodalen Weg komplett aufzugeben. Eine Synodalversammlung, in der die deutschen Bischöfe mit Laienvertretern zusammenarbeiteten und etwa über die Frage diskutierten, wie sexueller Missbrauch künftig verhindert werden könne, sei durchaus sinnvoll. "Die Kirche ist eine Gemeinschaft der Glaubenden, in der alle mitwirken sollen. Sie besteht nicht aus Befehlsgebern und Befehlsempfängern", stellte Müller klar.


Die Laien hätten ein Recht, mitzuwirken, und dies geschehe ja auch auf vielfältige Weise etwa in Pfarrgemeinderäten und Diözesanräten. Die Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) sollten aber aufhören, den Eindruck zu erwecken, dass sie durch ihren nationalen Prozess die katholische Weltkirche in wesentlichen Punkten nach ihrem Gutdünken umkrempeln könnten.

Müller (74) war von 2002 bis 2012 Bischof von Regensburg, dann wurde er von Papst Benedikt XVI. zum Präfekten der römischen Glaubenskongregation berufen, die über die katholische Lehre wacht. Als seine erste Amtszeit 2017 auslief, wurde diese von Papst Franziskus nicht verlängert. Seit 2021 ist Müller Richter am obersten Kirchengericht im Vatikan.

Woelki Opfer von Diffamierungskampagnen

Müller kritisierte auch den Umgang von Papst Franziskus mit dem Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki. "Ich sehe nicht den geringsten Grund, warum Kardinal Woelki zurücktreten müsste", sagte er. Gegen Woelki liege absolut nichts vor, er sei lediglich das Opfer von Diffamierungskampagnen.

Papst Franziskus hatte der dpa am vergangenen Sonntag gesagt, er wolle sich mit seiner Entscheidung in Sachen Woelki Zeit lassen. "Schauen wir mal. So eine Entscheidung trifft man nicht unter Druck", sagte das 85 Jahre alte Oberhaupt der katholischen Kirche. Im Juni hatte Franziskus in einem Interview bereits gesagt, er habe Woelki dazu aufgefordert, ein Rücktrittsgesuch an ihn zu richten. Dieses liege ihm nun vor, und er könne jederzeit darüber entscheiden. Hintergrund sei die "turbulente Situation" im Erzbistum Köln.

Müller kritisierte diesen Schwebezustand scharf. "So wird der Eindruck erweckt, dass die Bischöfe nur Schachfiguren sind, die der Papst nach Belieben versetzen kann. Dabei sind die Bischöfe eigentlich von Christus eingesetzt, dem Papst im Bischofsamt gleichrangig. Der Papst ist nicht der Chef, der Arbeitgeber der Bischöfe. Er kann nur im äußersten Fall einen Bischof entlassen, wenn dieser sich etwa schwere Amtspflichtverletzungen zuschulden kommen lässt."

Papst Franziskus hatte Woelki im vergangenen Jahr "große Fehler" insbesondere in seiner Kommunikation vorgeworfen und ihn in eine fünfmonatige Auszeit geschickt. Zuvor war Woelki unter anderem ins Kreuzfeuer der Kritik geraten, weil er ein Gutachten zum Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Missbrauchsvorwürfen aufgrund von rechtlichen Bedenken zunächst nicht veröffentlicht hatte.

Copyright 2022 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten

Archivfoto: Kardinal Müller am Tag seiner Kardinalserhebung im Petersdom (c) Bistum Regensburg


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!



Lesermeinungen

lesa 4. August 2022:

@olga: Wie lautet das katholische Glaubensbekenntinis ...

Zeitzeuge 1. August 2022: Wir dürfen Em. Kardinal Müller schon zutrauen, daß er zwischen

göttlichem Recht und rein kirchlichem (menschl.)

Recht im kath. Kirchenrecht unterscheiden kann!

Die hierarchische Verfassung der hl. kath. Kirche

ist göttlichen Rechts und damit absolut

unantastbar!

Kein gebildeter Katholik wird aber behaupten,

daß der Zölibat der lateinischen Kirche göttlichen

Rechtes wäre, vgl. die Praxis der mit Rom

verbundenen Ostkirchen!

Allerdings ist es ein vom Tridentinum definiertes,

irreversibles Dogma, daß der jungfräuliche Stand,

um des Himmelreiches willen, der vollkommenere

Stand ist (DH 1810-NR 744).

Wenn z.B. synodal Bewegte dieses bestreiten

sollten, wären sie allein schon dadurch aus

der Kirche ausgeschlossen!

Ulrich Motte 1. August 2022: Chris 2

Ich wundere mich, daß Sie meinen Namen setzen vor eine Antwort zum Thema Zölibat. Ich äußerte mich doch dazu gar nicht, oder?

SCHLEGL 1. August 2022: @Revd. Karl/ @ Richelius

Schon im kirchlichen Altertum war Rom OBERSTE APPELLATIONSINSTANZ, das geben auch die Orientalen zu. Das ökumenische Problem besteht im "Universalepiskopat" des Papstes und natürlich im "Unfehlbarkeitsdogma".
Auf der anderen Seite sehen wir die verheerende Zerrissenheit der orthodoxen Nationalkirchen, die aufgrund der Einmischung des Staates (besonders jetzt Russland) in ihrer ganzen Tragik sichtbar wird!
@ Richelius: Die Tatsache, die Sie erwähnen, ist mir durchaus bekannt, nur auf den wenigen Zeilen, die hier zur Verfügung stehen, kann man das ganze nicht komplett darstellen! (Außer man schreibt einen Fortsetzungsroman, den dann niemand liest!) Das Kuppelkonzil hat jedenfalls jene Praxis festgehalten, die bis heute in der orthodoxen und griechisch katholischen Kirche gilt.

Chris2 1. August 2022: Petrus' Schwiegermutter

Fakt ist, dass Petrus ohne seine Frau Jesus nachfolgte. Ich nahme daher wie @Salvatioremio an, dass seine Frau gestorben war (dann wahrscheinlich am Kindbettfieber). Aber Jesus hat ja alle seine Apostel aus ihren sozialen Umfeldern herausgerissen. Also wäre es auch denkbar, dass die Frau Petri noch lebte oder er womöglich sogar Kinder hatte, die in der Sicherheit einer großen Verwandschaft verblieben (wie bei Klaus von der Flüe). Die dem Petrus von Gott zugedachte Aufgabe war jedenfalls eine andere...
@Ulrich Motte: Ja, der Zölibat ist kein Dogma, aber eine jahrhundertelang bewährte Lebensform, die der Jesu und der Apostel entspricht. Die Auswüche ohne ihn waren jedenfalls verheerend...

SalvatoreMio 1. August 2022: Petrus und die Ehe

Allein dadurch, dass der Herr die Schwiegermutter des Petrus heilte, steht noch nicht fest, dass Petrus noch verheiratet war. Nicht jede Ehefrau wurde alt; nicht jede bekam Kinder. Petrus hätte Witwer sein können. Im übrigen gab es auch in der Kirche fromme Ehepaare (wenngleich wohl nur wenige), die um des Herrn willen ihre eheliche Beziehung" einstimmig "auf Eis legten", um einer klösterlichen Berufung zu folgen.

Richelius 1. August 2022: @ Schlegl

Das zweite Trullanum hat die Weihe verheirateter nur bestätigt. Es spricht eindeutig, daß es gemäß der Akribie handelt. Die Priesterehe war demnach im Osten also schon ein lange geübter Brauch. Das wird auch vom Kirchenhistoriker Sokrates bestätigt, der die Ehe der Priester schon im 5. Jahrhundert erwähnt und sie für das 4. annimmt (im Osten).

Ulrich Motte 1. August 2022: FRAGE:

Und was passiert, nachdem die Illusionen eindeutig und endgültig geplatzt sind?

Revd. Karl 31. Juli 2022: Das Petrusamt ist für die "Gesamt"kirche wichtig

Gut so für die röm-kath. Kirche - ja. Gesamtkirche ??? Aber Petrus war doch verheiratet- oder irre ich mich? (Matthäus 8:14.15; Markus 1:29-31; Lukas 4:38.39)
Auch wenn "Zölibat" die LEBENSFORM Jesu Christi, des heiligen Evangelisten Johannes und des heiligen Paulus war!
Das Thema "Zölibat" ist leider nicht sooo einfach!

winthir 31. Juli 2022: Auch in der röm.-kath. Kirche gibt es Priester mit Ehefrau und Kindern -

konvertierte evang.-luth. Pfarrer (vier davon mir persönlich bekannt - hoch geachtet und geschätzt von ihren Pfarrkindern).

Und: Die Geschichte des Zölibats ist lang und durchaus sehr wechselvoll (hier ist allerdings nicht der Ort, das auszuführen - darüber gibt es Bücher).

SCHLEGL 31. Juli 2022: @olga.l 2.Versuch

Aus Platzgründen noch ein Anhang an Sie.
Niemand wird bestreiten, dass der Zölibat die LEBENSFORM Jesu Christi, des heiligen Evangelisten Johannes und des heiligen Paulus ist!
Die Einführung des verpflichtenden Zölibats für lateinische Priester ist ein Kirchengesetz, welches ab dem 4. Jh. im Westen nachweisbar ist (natürlich wäre es als Kirchengesetz aufhebbar!
Die byzantinische Kirche hat im Kuppelkonzil von Konstantinopel (690) die Weihe verheirateter Männer zu Diakonen und Priestern festgelegt.
Dieses Gesetz gilt auch in den KATHOLISCHEN Ostkirchen bis heute!
Auf der anderen Seite wissen Sie sicher, dass der ehelose Klerus (die Mönche) in den orthodoxen Kirchen höheres Ansehen genießt und als Bischöfe/Metropoliten/Patriarchen diese Kirche leitet.
Das größte Problem der Orthodoxen ist deren NATIONALKIRCHENTUM, das immer wieder Streitigkeiten verursacht!
Darum ist das Petrusamt für die Gesamtkirche wichtig!

Smaragdos 31. Juli 2022:

"Der Grund ist, dass die Kirche von Jesus Christus eingesetzt und entworfen worden ist. Wir haben keine Vollmacht, diese Ordnung zu verändern."

Da hat Kardinal Müller wie immer Recht. Doch weshalb behauptet dann der Vatikan (genauer: das Staatssekretariat, wie wir jetzt wissen) in seiner Mitteilung: "Es ist nicht zulässig, in den Diözesen vor einer auf Ebene der Universalkirche abgestimmten Übereinkunft neue amtliche Strukturen oder Lehren einzuführen".

Das ist doch verwirrend! Wenn Christus die Kirche eingesetzt hat, dann kann auch die Weltkirche nicht neue amtliche Strukturen oder Morallehren einführen, auch dann nicht, wenn die ganze Weltkirche darüber abstimmen würde und dafür wäre (was mit der weltweiten Befragung der Kirche vor der Synode über die Synodalität trügerisch insinuiert wird)! Seit wann steht die Universalkirche über Christus???

Wäre nur Kardinal Müller Präfekt der Glaubenskongregation geblieben!

olga.l 31. Juli 2022: Mgrs. Schlegl

Aber nicht nur in den orthodoxen Kirchen, sondern auch in den unierten Teilkirchen der Katholischen Kirche gibt es das Weiheamt auch für verheiratete Männer. Wenn das, was Kardinal Müller hier im Artikel sagt, wortwörtlich stimmen würde, dann dürfte es diesen Unterschied nicht geben.

SCHLEGL 31. Juli 2022: @olga.l

Wie es derzeit in der orth. Kirche (besser in den orth. Teilkirchen) aussieht, kann jeder relativ rasch herausfinden.
Die russ.-orth.Kirche wird von einem ehemaligen KGB Offizier geleitet, der der Aggression Putins Schützenhilfe leistet und ein Schisma mit Konstantinopel zu verantworten hat!
Als das Ehrenoberhaupt aller Orthodoxen, Patriarch Bartholomaios von seinem Recht Gebrauch gemacht hat, die ukr. Orth. Kirche für autokephal zu erklären, hat sich Moskau eingemischt und ein Schisma erzeugt! (Moskau selbst ist 1589 vom Patriarch Jeremias aus Konstantinopel zum autokephalen Patriarchat erhoben worden.
Von Moskau abhängige Patriarchate haben das allorthodoxe Konzil boykottiert! Serbien hat sich bis jetzt NICHT von Kyrill distanziert, sehr wohl aber Bukarest, Georgien, Alexandria und die Griechen. Die Sache mit Montenegro ist bis heute nicht gelöst...
Ich sage Ihnen das als Priester der ukr.-griech.-kath. Kirche,(3 Jahre habe ich auch orth. Theologie studiert)!

bernhard_k 31. Juli 2022: @ olga.l

Wir röm.-kath. Katholiken sind der Wahrheit Jesu Christi einfach am nächsten!

Das ist das Coole!
Das ist der Hammer!

Der männlich-zölibatäre Priester folgt Jesus Christus GANZ nach! 100%!!!

hosea141 31. Juli 2022:

Besser kann man es nicht sagen, danke Herr Kardinal. Jesus Christus ist der Herr der Kirche und der lässt sich doch nicht von irgendwelchen dahergelaufenen Quotengrünen in die Suppe spucken. Vielleicht wird Kardinal Müller ja nochmal Papst und dann ist für viele Schluss mit lustig.

olga.l 31. Juli 2022:

"Der Grund ist, dass die Kirche von Jesus Christus eingesetzt und entworfen worden ist. Wir haben keine Vollmacht, diese Ordnung zu verändern."
Wenn das so vollständig stimmt, dann müsste es in der Orthodoxen Kirchen genau so aussehen wie in der Römisch-Katholischen Kirche. Tut es aber nicht. Nur ein Beispiel, das Weiheamt von verheirateten Männern.

Um selbst Kommentare verfassen zu können nützen sie bitte die Desktop-Version.

© 2022 kath.net | Impressum | Datenschutz