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"... und eine klarere apostolische Leitung für notwendig hielt" - Neuer Osloer Bischof Fredrik Hansen über Lage der kleinen katholischen Minderheit in Norwegen und über seine Konvertierung zur katholischen Kirche
Wien/Oslo (kath.net/KAP) Wie überall in Skandinavien leben Katholiken in der norwegischen Diözese Oslo in einer extremen Minderheitensituation. Etwa 160.000 der rund 4,2 Millionen Einwohner des Gebietes sind als katholisch registriert. In der Realität sind es freilich deutlich mehr, wie der neue Bischof Fredrik Hansen im Interview mit Kathpress erläuterte. Seine Diözese zeichne sich durch eine große Vielfalt an Nationalitäten und Traditionen aus. Darin liegt seiner Meinung nach auch eine große Chance für die Kirche, so Hansen, der einen starken Österreich-Bezug hat, vor allem auch zum Stift Klosterneuburg.
Hansen wurde Mitte Juli als neuer Bischof von Oslo in sein Amt eingeführt. Er folgte auf Bischof Markus Eidsvig. Eidsvig - ein gebürtiger Norweger, der seit 1995 dem Augustiner-Chorherrenstift Klosterneuburg angehört - leitete die Diözese im hohen Norden seit 2005, musste sein Amt aus gesundheitlichen Gründen aber zurücklegen. Schon im November 2024 hatte Papst Franziskus den Professor und früheren Vatikandiplomaten Hansen zum Koadjutorbischof ernannt.
Die Bischofsweihe erfolgte im Jänner 2025 durch Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin. Altbischof Eidsvig wird künftig wieder in Klosterneuburg in der Gemeinschaft seiner Mitbrüder leben. Rund 160.000 Katholikinnen und Katholiken sind offiziell registriert. "Wir kennen sie und wissen, in welcher Gemeinde sie leben", so Hansen. Das sei für die Seelsorge sehr hilfreich, so der Bischof.
Für viele nicht-norwegische Katholiken sei das System der aktiven Registrierung aber ungewohnt und sie würden dies unterlassen. So schätze man die Gesamtzahl auf 250.000. Hansen: "Wir sind eine Diözese mit vielen Nationalitäten und ethnischen Gruppen. Die Polen und Litauer sind nach den in Norwegen Geborenen die beiden größten Gruppen, wobei auch die Vietnamesen und Philippiner in vielen unserer Gemeinden sehr aktiv und lebendig sind."
Sonntags werde in der St.-Olav-Kathedrale in Oslo die Messe in mehr als zehn Sprachen gefeiert. Für den Bischof ist dies ein großes Potenzial, "denn die verschiedenen Gruppen können sich gegenseitig viel geben und voneinander lernen". Es ermögliche auch, "eine Diözese aufzubauen, die die universelle Kirche widerspiegelt". Gleichzeitig stelle es für die Gemeinden klarerweise auch eine große Herausforderung dar, Gläubige vieler Sprachen, darunter auch einige Neuankömmlinge, zusammenzubringen.
Christliche Basis und säkulare Entwicklung
Zur Frage, ob Norwegen noch ein christliches Land sei, meinte der Bischof: "Ja und nein." Die Gesellschaft basiere auf dem Christentum. Die Mehrheit der Bevölkerung sei christlich, viele Nationalfeiertage seien christliche Feste und die Geschäfte blieben sonntags geschlossen. Dazu komme: "Unsere Flagge ist das christliche Kreuz. All dies deutet auf ein christliches Land hin." Aber es gebe auch andere Realitäten: "Die Säkularisierung ist stark, und Religion wird von vielen - vielleicht sogar von der Mehrheit - als Privatsache betrachtet." Wie in den meisten Ländern Europas seien auch in Norwegen Gesetze eingeführt worden, die der christlichen Moral widersprechen.
Er hoffe jedoch, "dass das wachsende spirituelle Interesse in der Gesellschaft, vor allem unter Jugendlichen, in Verbindung mit der klaren Verkündigung des katholischen Glaubens durch die Kirche einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft haben wird", so der Bischof. Auf die Beziehungen der Katholischen Kirche zu anderen Kirchen und Religionen im Land sagte der Bischof, dass sich die Beziehungen durch Offenheit und Dialog auszeichnen würden.
Die katholische Kirche pflege sowohl bilaterale Beziehungen zu anderen Kirchen und Glaubensgemeinschaften als auch zu den beiden großen nationalen Dialoggremien, dem Norwegischen Kirchenrat und dem Rat für Glaubensgemeinschaften. Sein Vorgänger Bischof Eidsvig sei ein sehr geschätzter Gesprächspartner gewesen, der die Zusammenarbeit suchte. Das wolle er auch so halten. "Obwohl nach wie vor große theologische Meinungsverschiedenheiten bestehen und einige davon offenbar zunehmen, funktioniert die Zusammenarbeit gut, insbesondere bei Fragen, die alle Kirchen und Glaubensgemeinschaften in Norwegen betreffen", so der Bischof wörtlich. Von der lutherischen zur katholischen Kirche Frederik Hansen kam 1979 in Norwegen als Sohn protestantischer Eltern zur Welt.
Mit 20 Jahren konvertierte er zur katholischen Kirche.
Nach dem Philosophie- und Theologie-Studium in London wurde er 2007 von Bischof Eidsvig in Oslo zum Priester geweiht. Nach einem Jahr in der Pfarrseelsorge war er bis 2011 Sekretär des Bischofs sowie Vizerektor des Priesterseminars. Außerdem war Hansen von 2009 bis 2011 Sekretär des Rates der norwegischen Bischöfe. 2013 promovierte er in Rom in Kirchenrecht und trat im selben Jahr in den diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls. Anschließend war Hansen in Honduras, dann dreieinhalb Jahre als Vatikanvertreter bei den internationalen Organisationen in Wien tätig sowie von 2019 bis 2022 als Ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls bei den UN-Organisationen in New York.
Seit 2022 ist Hansen Professor am St. Mary's Seminary and University in Baltimore. Seine Zeit in Wien habe er sehr genossen, bilanzierte der Bischof: "Es war ein Geschenk, das multilaterale Engagement des Heiligen Stuhls unterstützen zu dürfen." Da er die Klosterneuburger Chorherren bereits seit Längerem kannte, habe er das Stift oft besucht. "An den meisten Sonntagen half ich in der Pfarrei Donaufeld aus, meist bei der Abendmesse. Die Freundschaft und Brüderlichkeit, die mir die Chorherren entgegenbrachten, waren mir eine große Stütze." - Erst im vergangenen Februar war Hansen wieder in Klosterneuburg zu Gast, wo er u.a. einen Vortrag über die Berufung zu Priestertum hielt und thematisierte, wie geistliche Berufungen in den Pfarren gefördert werden können.
Der Vortrag fand im Rahmen des "Tages der Stiftspfarren" statt. Hansen stand in diesem Zusammenhang auch einem Festgottesdienst in der Stiftsbasilika vor. Im Interview mit Kathpress erläuterte Bischof Hansen auch die Beweggründe seines Wechsels zur katholischen Kirche. Schon als Jugendlicher sei er ein aktives Mitglied der Lutherischen Kirche gewesen und habe aufmerksam die damals aufkommenden Debatten in der Norwegischen Kirche verfolgt, insbesondere über das Bischofsamt und die Eucharistie. Diese Debatten hätten ihn bewegt, "sorgfältig über meinen eigenen Glauben nachzudenken" und er habe festgestellt, "dass ich mich nach einer regelmäßigeren Teilnahme an der Eucharistie sehnte und eine klarere apostolische Leitung für notwendig hielt". Es sei ihm klar geworden, dass er sich mit der katholischen Kirche und ihrer Lehre auseinandersetzen musste, "also begann ich Gespräche mit einem katholischen Priester".
Foto: (c) katholsk.no
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