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vor 3 Tagen in Weltkirche, 10 Lesermeinungen
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Drei Jahre nach dem Heimgang Benedikts XVI. (1927-2022) werden immer mehr Stimmen laut, die eine baldige Eröffnung des Seligsprechungsprozesses für den Theologenpapst erbitten.
Vatikan (kath.net) Drei Jahre nach dem Heimgang Benedikts XVI. (1927-2022) werden immer mehr Stimmen laut, die eine baldige Eröffnung des Seligsprechungsprozesses für den Theologenpapst erbitten. Gewöhnlich kann ein solcher Prozess erst fünf Jahre nach dem Tod des Betroffenen eröffnet werden, Ausnahmen sind aber mit Einwilligung des amtierenden Papstes möglich, wie es auch bei Johannes Paul II. der Fall war. Die vatikanische „Fondazione Ratzinger“ (Ratzinger-Stiftung) dokumentierte bereits Dutzende Bittschreiben. Jetzt rief auch der deutsche Historiker und Autor Michael Hesemann dazu auf, sich diesen Gesuchen anzuschließen und bittet darum, an den Hochwürdigsten Herrn Präfekten des Dikasteriums der Selig- und Heiligsprechungsprozesse, Seine Eminenz, Marcello Kardinal Semeraro, Piazza Pio XII, 10, SCV - 00120 Città del Vaticano zu schreiben.
Nachfolgend dokumentiert kath.net Hesemanns Brief an Kardinal Semeraro in voller Länge:
Eminenz,
Hochwürdigster Herr Präfekt,
drei Jahre ist es her, dass Papst Benedikt XVI. in das Haus des himmlischen Vaters zurückkehrte; drei Jahre, in denen die Verehrung dieses vorbildlichen Dieners Gottes in der ganzen Welt anwuchs und mit ihr die Überzeugung, dass er jene heroischen Tugenden aufwies, die von der Kirche seit jeher den großen Heiligen zugeschrieben wurden. Er war ein Mann, der mit einzigartiger Klarheit und literarischer Schönheit das Wirken Gottes verkündete und Millionen bislang Glaubensferne für den christlichen Glauben gewann. Der dabei kompromisslos allein der Wahrheit, der er dienen wollte, verpflichtet war und heroisch dem Zeitgeist trotzte, ja der lieber Spott und Häme auf sich nahm, als nur ein Iota am Wort Gottes zu verändern. Aber auch ein Mann der Demut, der sich stets dem göttlichen Willen unterwarf, dessen Motto „serviam“ war, auch wenn es seine persönliche Planung zerstörte und er ahnte, dass für diese großen Aufgaben seine physischen Kräfte nicht ausreichen würden. Ein Mann, der von Zeichen Gottes umgeben war, der im Übernatürlichen und dem Glauben an die göttliche Vorsehung verankert war. Aber der auch bereit war, allem weltlichen Glanz zu entsagen und, wie einst Celestin V., gewissermaßen zu einem betenden Mönch zu werden, aus Liebe zur Kirche und der Sorge, dass seine physischen Kräfte für das Papstamt nicht ausreichten.
Ich hatte die große Ehre, gemeinsam mit seinem Bruder Georg Ratzinger sein Leben zu durchleuchten und die Biografie „Mein Bruder, der Papst“ zu schreiben. Dafür durfte ich dutzende Zeitzeugen aus seinem heimischen Umfeld in Bayern, Schulkameraden und Kommilitonen, Nachbarn und Freunde, interviewen – und jedes einzelne Zeugnis steigerte meine Hochachtung vor diesem Mann, der gegen seinen Willen, allein durch das Wirken des Heiligen Geistes, Papst wurde. Er hat zeitlebens Glaube, Hoffnung und Liebe gelebt, sein Leben in den Dienst des Evangeliums gestellt und allen Krisen mit unerschütterlichem Gottvertrauen getrotzt. Seine Freundlichkeit jedem Mitmenschen gegenüber, seine Bereitschaft, zu helfen und, wo es notwendig war, immer gleich zu verzeihen und seine Milde selbst Gegnern gegenüber zeugen von tiefer christlicher Nächstenliebe. Sein Eifer für das Studium der Heiligen Schrift und der Väter und Lehrer unseres Glaubens und die Reife und Klarheit seiner Gedanken machen ihn zu dem großen katholischen Theologen des 20./21. Jahrhunderts.
Ich erwähnte die Präsenz des Übernatürlichen und die Zeichen der göttlichen Vorsehung: Schon seine Geburt am Karsamstag wies ihm den Weg, ebenso sein Geburtsort Marktl auf halber Strecke zwischen dem Marienheiligtum Altötting und Braunau am Inn. Seine an ein Wunder grenzende Heilung von schwerer Krankheit, bewirkt durch einen Schlaganfall, 1991. Die Auffindung des Ankers vom Schiff des hl. Paulus vor der Küste Maltas am 24.4.2005, dem Tag seiner Amtseinführung. Der Regenbogen, der am Himmel über Auschwitz erschien, als Benedikt XVI., der deutsche Papst, Gott um Vergebung für die Verbrechen der Nazis anrief. Aber auch der Blitz als Mahnzeichen an die Welt am Tag seiner Rücktrittsankündigung 2013. Und schließlich die vielen Gebetserhörungen, von denen jene berichteten, die den „Papa emerito“ um sein Gebet in einer schwierigen Angelegenheit ersucht hatten.
Wer dort, im Monastero, Papst Benedikt begegnen durfte, bezeugt die Serenität und Demut, die tiefe Weisheit und wahrhaft heiligmäßige Ausstrahlung dieses großen Lehrers der Kirche, der im festen Vertrauen in Gott verankert war, in der Hoffnung auf das Ewige Leben lebte und den Himmel leidenschaftlich ersehnte.
Wie kein anderer wurde er zum Leuchtturm des Glaubens und der Wahrheit, zu einer prophetischen Gestalt in einer sturmumpeitschten Zeit in der Welt und auch in der Kirche. Eine Erhebung zur Ehre der Altäre könnte sein Vorbild die Zeiten überdauern lassen als Zeugen des Evangeliums, als heroischen demütigen und unerschütterlichen Kämpfer gegen die antichristliche Diktatur des Relativismus.
Millionen Christen in aller Welt, die durch sein Wirken reich beschenkt wurden, hoffen auf eine baldige Eröffnung seines Seligsprechungsprozesses. Bitte lassen Sie ihre Hoffnung nicht vergebens, ihre Stimmen nicht ungehört sein!
Ein gnadenreiches Neues Jahr wünscht Ihnen
Mit Segenswünschen
Michael Hesemann
Historiker und Autor
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SalvatoreMio vor 2 Tagen: "Heiligsprechungen am Fließband" ...
@Succentor: Papst Benedikt XVI muss man einfach sehr schätzen, aber in Erinnerung an die "wunderlose Heiligsprechung" eines seiner Vorgänger, bin auch ich sehr ernüchtert.
heikostir vor 2 Tagen:
Ich verehre den großen Theologen BXVI sehr. Allerdings bin ich skeptisch, wenn Selig- und Heiligsprechungen allzu schnell erfolgen. Es gilt intensiv zu prüfen. Besonders bei Päpsten, bei denen es ja nicht nur um ihre private Person sondern auch um ihre Amtsführung geht, sollte man sich viel Zeit lassen.
Zudem finde ich Herrn Hesemanns Argumentation teilweise etwas eigenartig. Was haben die Geburt an einem Karsamstag, die Auffindung des Ankers vom Schiff des hl. Paulus vor Malta oder ein Blitzschlag mit einem Seligsprechungsprozess zu tun, wo es um die Prüfung des heroischen Tugendgrades eines Menschen geht und nicht um irgendwelche mehr oder weniger spektakulären Nebensächlichkeiten?
Triceratops vor 2 Tagen: Ich bin auch für eine Heiligsprechung.
Aber man sollte doch die vorgesehenen Fristen einhalten. Man sollte warten, bis die Emotionen abgeklungen sind. Bei Johannes Paul II., so groß seine Verdienste auch waren, ist es mir persönlich zu schnell gegangen. Da hat Benedikt offenbar dem Druck der Straße (= Focolari mit den Santo subito-Transparenten) etwas zu schnell nachgegeben.
Bis Anfang 2028 warten mit der Prozesseröffnung und gut ist's. Für die, die ungeduldig sind: Es ist nicht verboten, Benedikt schon jetzt privat zu verehren und anzurufen. Eine Heiligsprechung macht den Betreffenden nicht zum Heiligen, sondern ist nur die offizielle Feststellung der Tatsache, dass er heilig ist, und sie ist die offizielle Erlaubnis der Kirche, den Betreffenden öffentlich zu verehren (bei Seligsprechungen: regional, bei Heiligsprechungen: gesamtkirchlich).
ottokar vor 2 Tagen: Zu Benetikt XVI bete ich heute bereits um Fürsprache beim Herrn
Unabhängig davon , ob Menschen ihn einmal heilig sprechen oder nicht.....Was wissen wir, wie viele völlig unbekannte ,einfache, unauffällige Menschen wir später einmal als Heilige antreffen werden. Aber Benetikt XVI mit absoluter Sicherheit..
Paulettinus vor 2 Tagen: Er war der Papst.....
.....mit all der ungeheuren Verantwortung, die der Papst hat. Verantwortung auch für das, was andere im katholischen Namen taten. Wer heilig ist, widerspricht dann, wenn ein Nichtpapst zum Papst gewählt ist und jeder Schurke sagt, was ihm beliebt.
Succentor vor 2 Tagen: Auch ich verehre Papst Benedikt . . .
. . . aber ich bin gar kein Freund von diesen rasend schnellen Selig- und Heiligsprechungen. Es hat schon seinen guten Grund warum es die Fristen gibt. Man muss Geduld haben. Und verehren kann man die betreffende heiligmäßige Person zunächst auch so. Es ist einfach nicht gut immer vorschnell zu handel. Übrigens bin ich auch der Meinung, dass die kirchlichen Normen eingehalten werden müssen. Die wunderlose Heiligsprechung von Papst Johannes XXIII. war m. E. so nicht korrekt, wie ich überhaupt kein Freund der inflationären Kanonisierung der Nachkonzilspäpste bin.
barbaletta vor 3 Tagen: Seligsprechungsprozess BXVI
„Wie kein anderer wurde er zum Leuchtturm des Glaubens und der Wahrheit, zu einer prophetischen Gestalt in einer sturmumpeitschten Zeit in der Welt und auch in der Kirche.“
In Deutschland? Bestimmt nicht!
Allein die Tatsache, dass BXVI in Polen beliebter war, als in seiner eigenen Heimat, sollte den Seligsprechungsprozesses beschleunigen, um die links-synodalen Katholiken auf die Palme zu bringen. Aber so wie die Bildzeitung im Jahre 2005 schrieb „Wir sind Papst!“, so wird man sich in D wieder mit fremden Federn schmücken und vermutlich schreiben: „Wir sind selig!“, sollte BXVI seliggesprochen werden.
girsberg74 vor 3 Tagen: Falscher Eifer ?
Schillerlocke vor 3 Tagen: Es ist noch nicht an der Zeit
Man sollte noch zuwarten. Die Umstände und Folgen seines Rücktritts müssen noch aufgearbeitet werden. Schließlich handelte es sich um ein einschneidendes Ereignis in der Geschichte der Kirche. Nach dieser Zeit der historischen Aufarbeitung wird man klarer sehen - insbesondere auch mit Blick auf seine Jahre nach dem Rücktritt vom Papstamt. Es ist zu klären, wie vollständig sein damaliger Rückzug, wie er ihn ja ursprünglich angekündigt hatte, tatsächlich war.
anjali vor 3 Tagen: Heilig
Danke für die Adresse! Ich will auch dass er Heiliggesprochen wird.
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