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Nun läutet auch in Italien die erste Glocke „Stimme der ungeborenen Kinder“

vor 21 Stunden in Prolife, 1 Lesermeinung
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Bistum Ventimiglia-San Remo weiht am Bischofssitz die Glocke „Stimme der Ungeborenen“ – Dies geht auf die bemerkenswerte polnische Idee „Głos Nienarodzonych“ zurück. Von Petra Lorleberg


Ventimiglia (kath.net/pl) Das Bistum Ventimiglia-San Remo (Norditalien) hat in seinem Bischofssitz eine Glocke für ungeborene Kinder installiert. Die Glocke trägt den Namen „Stimme der ungeborenen Kinder“ und wurde am 28. Dezember 2025, dem Fest der Unschuldigen Kinder, eingeweiht. Die neue Glocke hängt im Turm des Kuriengebäudes und läutet täglich abends um 20 Uhr. Dieses Glockenprojekt ist eine Initiative von Bischof Antonio Suetta. Er möchte damit das Bewusstsein für das ungeborene menschliche Leben stärken, zur Reflexion über die Abtreibungsgesetzgebung anregen und eine Botschaft der Hoffnung und des Gebetes vermitteln.

Bischof Suetta erläutert im Interview mit Maria Bigazzi für das italienischen Portal „La nuova bussola quotidiana“, dass sich das Bistum schon seit mehreren Jahren „besonders für den Schutz und die Achtung des Lebens“ einsetze, „von der Empfängnis bis zu seinem natürlichen Tod, insbesondere am jährlichen Tag des Lebens und im Rahmen der Aktion ‚40 Tage für das Leben‘.“ „Die Glocke, die ‚den ungeborenen Kindern‘ gewidmet ist, soll, im Bewusstsein des Wertes des Lebens in all seinen Formen und Phasen, eine ständige Mahnung an die oft vergessene und verschleierte Geißel der Abtreibung sein. Gleichzeitig soll sie ein Gebet, ein Wunsch und eine Aufforderung sein, ungerechte Gesetze zu überdenken und mit ehrlichem Denken und konkreter Solidarität die Abtreibungspraxis und ihre ideologische Propaganda als vermeintliches Frauenrecht und zivilisatorische Errungenschaft, die in Wirklichkeit eine schmerzliche Schande darstellt, entschieden zu überwinden.“


Suetta führt weiter aus: „Leider hat die weltweite Legalisierung von Abtreibungen (in fast allen Ländern der Welt) und die wiederholte Praxis dieses schweren Verbrechens gegen das menschliche Leben zu einer zunehmenden Gewöhnung geführt.“ Er kritisiert: „Viele Menschen verstehen daher nicht mehr, was Abtreibung biologisch und medizinisch tatsächlich ist, und – noch wichtiger – betrachten sie nicht mehr als Verbrechen oder Sünde. Insbesondere progressive und feministische Kampagnen sehen Abtreibung als ein ‚Recht‘ der Frau und stellen die Entscheidung und Bewertung als absolut im Verhältnis zu ihrem Willen und ihrer Freiheit dar. Dabei versuchen sie, Naturrecht, wissenschaftliche Erkenntnisse, geltendes Recht und sogar moralische Urteile ausschließlich diesem subjektiven Bezugspunkt anzupassen. Ich halte es für wichtig und zwingend, das Bewusstsein für die Geißel der Abtreibung zu schärfen – ein Thema, das nicht religiös, sondern anthropologisch und wissenschaftlich ist.“

So appelliere „die Glocke für die ungeborenen Kinder … an das Gewissen“, stellt Bischof Suetta fest. „Sie vermittelt aber auch eine Botschaft der Hoffnung für all jene Mütter, die abgetrieben haben und die Nähe zu ihren Kindern erfahren können … Ganz gewiss. Entgegen den von vielen geäußerten Vorurteilen gegenüber dieser Initiative dient das Läuten dieser Glocke der Unterstützung des Lebens und ist nicht als Schmähung von Frauen gedacht, die abgetrieben haben. Die Kirche verurteilt Abtreibung entschieden als „abscheuliches Verbrechen“ (vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Gaudium et Spes Nr. 51), betrachtet aber auch die Frau, die sich für eine Abtreibung entschieden hat, als Opfer dieses Übels. Tatsächlich stirbt mit jeder Abtreibung ein Kind und zugleich die Mutter. Abtreibung hinterlässt eine schwere Last des Schmerzes, und die Glocke ruft zum Gebet und zur Verbundenheit mit allen Frauen auf, die darunter leiden.“

Abschließend erläutert der Bischof: „Aus der Perspektive des Glaubens und der Vernunft betrachtet man Abtreibung als äußerst schwerwiegend. Doch die christliche Hoffnung lehrt, dass sowohl ungeborene Kinder, die freiwillig vor der Geburt getötet werden, als auch solche, die aus natürlichen und spontanen Gründen abgetrieben werden, in Gottes Hand sind und in seiner unermesslichen Barmherzigkeit dazu berufen sind, die ewige Bestimmung zu erfüllen, für die sie empfangen und von der göttlichen Vorsehung gewollt wurden. In diesem Geheimnis, das als Gemeinschaft der Heiligen verstanden wird, sind diese ungeborenen Kinder wahrhaftig ‚an der Seite‘ und ‚gegenwärtig‘ im Leben ihrer Eltern. Wir dürfen auch die Väter nicht vergessen, die von menschlichen Gesetzen und Ideologien als von diesem Prozess ausgeschlossen betrachtet werden.“

Bildmaterial des Bistums Ventimiglia-San Remo zeigt, wie Papst Franziskus andere Glocken „Stimme der Ungeborenen“ segnet und zum ersten Mal läutet (Link). Der entsprechende Bistumsbericht nennt eigens Glocken, die dann nach Sambia gingen, in die Ukraine und nach Ecuador.

Hintergrund: Diese Glocken „Stimme der Ungeborenen“ [Głos Nienarodzonych] gehen auf eine polnische Initiave zurück. Diese Glocken werden in der Werkstatt von Jan Felczynski in Przemyśl (Südostpolen) gegossen und wiegen fast eine Tonne.

Weitere kath.net-Artikel über diese Pro-Life-Glocke "Głos Nienarodzonych": siehe Link

Archivfoto: Papst Franziskus und die Glocke „Stimme der Ungeborenen“, die für Sambia gegossen wurde (c) Justyna Grzyb/Polnische Bischofskonferenz

 


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Lesermeinungen

Paddel vor 9 Stunden: Was für eine wundervolle Initiative

Das ist ja so schön, irgendwie als ob diese Glocke(n) den Ungeborenen eine öffentliche Stimme verleiht.
Möge diese Glocke bald in jeder Gemeinde läuten.

So wie die Glocke für den Frieden (Paddy Kelly)

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