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Vertrauliche Vorlagen des vatikanischen Konsistoriums sind aufgetaucht

vor 6 Stunden in Weltkirche, 6 Lesermeinungen
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Präfekt des Glaubensdikasteriums, Fernández: "Wir müssen den Inhalt unserer Predigten und Interventionen regelmäßig überprüfen", um nicht "immer wieder über dieselben Fragen der Lehre [Doktrin], der Moral, der Bioethik und der Politik zu sprechen".


Rom (kath.net/KAP) Aus den jüngsten Beratungen des Kardinalskollegiums mit dem Papst sind in Medien wichtige Textvorlagen im Wortlaut veröffentlicht worden. Als eine der ersten hatte die Tageszeitung "il Giornale" ausführlich über die Debattenvorlage zum Thema Liturgie informiert. Später brachte der Blog "Missa in latino" (Messe auf Latein) am Dienstag drei der vier Texte im Wortlaut, die beim Auftakt des Treffens zur Abstimmung über die Tagesordnung vorgelegt worden waren.

Im Einzelnen handelt es sich um den Einführungsvortrag des vatikanischen Liturgie-Präfekten, Kardinal Arthur Roche, zum Thema Liturgiereform und um den Text des Glaubenspräfekten Victor Fernandez zur programmatischen Schrift "Evangelii gaudium". Ferner um die Einführung von Kardinal Fabio Baggio über die neue Verfassung der Römischen Kurie.

Der vierte Vortrag, in dem Kardinal Mario Grech über das Thema "Synode und Synodalität" sprach, fehlt bislang. Zu diesem Punkt wurden jedoch in anderen Medien kritische Reaktionen einzelner Kardinäle bekannt. Insbesondere hat Kardinal Joseph Zen aus Hongkong in einem Redebeitrag beklagt, dass die Anwendung von "Synodalität" unter Papst Franziskus ausgeufert sei, ohne klar die Entscheidungs-Kompetenzen von Bischöfen und anderen abzugrenzen, siehe kath.net hat berichtet (Link)..

In dem nun im Wortlaut vorliegenden Vortrag zur Liturgie erinnerte der zuständige Kardinal Roche daran, dass die Liturgie der katholischen Kirche im Laufe der Jahrhunderte immer wieder reformiert worden sei. Er verteidigte den Beschluss des Zweiten Vatikanischen Konzils zur Liturgie und die nach dem Konzil realisierte Liturgiereform. Zugleich erkannte er an, dass es bei deren Umsetzung Probleme gab und gibt, führte diese allerdings nur auf "Mängel in der Priesterausbildung" zurück.


Roche verteidigte ferner die Entscheidungen von Papst Franziskus zum Zurückdrängen der alten Form der lateinischen Messe und sagte: "Die Einheit der Kirche wird nicht erreicht, indem man die Spaltung einfriert." Die Toleranz der Päpste seit Johannes Paul II. für den Gebrauch älterer Messbücher sei lediglich ein Zugeständnis an eine Minderheit gewesen und nicht in der Absicht erfolgt, die Ausbreitung der alten Messformulare zu propagieren.

Franziskus-Thesen unverändert aktuell

Auch der Text von Kardinal Fernandez zu Evangelii gaudium enthält spannende Passagen. So erklärt der einstige theologische Intimus von Papst Franziskus (2013-2025), dass der jetzige Papst Leo "uns anzeigt, dass es sicherlich Änderungen im Vergleich zum Vorgängerpontifikat geben kann, aber dass die Herausforderung, die von Evangelii gaudium vorgebracht wurde, nicht begraben werden kann".

Vor allem zwei Thesen der päpstlichen Programmschrift von 2013 erklärte Fernandez in seinem Vortrag für unverändert aktuell: Zum einen, dass die Kirche offen dafür bleiben müsse, ihre "Praktiken, Stile und Organisationen zu reformieren", damit sie auch künftig dem Auftrag der Verkündigung entsprechen. Eng damit zusammen hängt die zweite Forderung, dass die Kirche die Inhalte ihrer Predigten und Stellungnahmen immer wieder dahingehend überprüfen müsse, ob sie den Kern der christlichen Botschaft treffen.

"Doppelter Dienst" der Kurie

Auch das von Kardinal Baggio vorgetragene Papier über das Zusammenspiel von Römischer Kurie und Weltkirche enthält interessante Punkte. Er betont in einem Atemzug die völlige Abhängigkeit der Zentralverwaltung der katholischen Weltkirche vom Papst und gleichzeitig deren Daseinszweck, den einzelnen Bischöfen und dem Bischofskollegium in seiner Gesamtheit zu dienen. Diesen "doppelten Dienst" fordere die von Franziskus in Kraft gesetzte neue Kurienverfassung ein.

Dass es zwischen beiden Dienst-Perspektiven mitunter Spannungen gibt, deutet das Papier nur indirekt an. Zugleich macht es sich unter Verwendung früherer Franziskus-Zitate dafür stark, noch stärker in Richtung Dezentralisierung zu gehen und den Bischöfen vor Ort viele Entscheidungen zu überlassen. Und da, wo die Zentrale in Rom in Prozesse eingebunden sei, sollten diese "synodal" fallen - also nicht per Anordnung von oben, sondern in einem gemeinsamen Prozess des "Zuhörens und Unterscheidens".

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Ergänzung (kath.net): Der Blog "Rorate Caeli" schildert wörtlich: "Fernández, einer der engsten Vertrauten von Papst Franziskus, schrieb (und verlas im Saal): ‚Es mag im Vergleich zum vorherigen Pontifikat sicherlich Veränderungen geben, aber die Herausforderung durch Evangelii Gaudium darf nicht unter den Teppich gekehrt werden.‘ Der Präfekt des ehemaligen Heiligen Offiziums appelliert an die Gläubigen, das erste Apostolische Schreiben neu zu lesen, demzufolge die Verkündigung nicht „eine obsessive Verkündigung aller Lehren und Normen der Kirche“ sei. Laut dem argentinischen Präfekten erfordere Evangelisierung ‚Kreativität‘. Die Reflexion über das Evangelium umfasse ‚zwei konkrete Forderungen‘: ‚Wir müssen offen für die Reform unserer Praktiken, Stile und Organisationen bleiben, im Bewusstsein, dass unsere bewährten Muster oft die besten sind‘, und ‚Wir müssen den Inhalt unserer Predigten und Interventionen regelmäßig überprüfen‘, um nicht ‚immer wieder über dieselben Fragen der Lehre [Doktrin], der Moral, der Bioethik und der Politik zu sprechen‘."


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Lesermeinungen

lesa vor 8 Stunden: Prozessdenken, subjektivistische Willkür oder Verwurzelung im Glauben der Kirche

Danke an alle Kommentatoren hier, dass Sie sich die Mühe machen! Danke, Kath.net, dass sie die Auseinandersetzung ermöglichen!
"Die Tradition ist so gleichsam „das gesamtkirchliche Gewissen, welches die Wahrheit der Heiligen Schrift mit untrüglichem Urteil aufnimmt und in lebendiger Überzeugung vom Ursprung her über die Gegenwart zur Zukunft weitervermittelt“. Dies schließt allerdings den heutigen unbekümmerten Umgang mit der Glaubensüberlieferung aus, „der unter Überspringen der ganzen Geschichte, bei der Urkunde der Schrift allein ansetzen möchte, … dass man die eigene Zeit und Situation als Nullpunkt der Entwicklung ansieht und alles Vergangene als unbedeutend erklärt“. Ein organisches Gesamtverständnis des Glaubens schließt für Scheffczyk ein Auswahlchristentum aus: „Die Ablehnung auch nur einer einzigen Offenbarungswahrheit bedeutet eine Abkehr vom Prinzip des Glaubens“.(Leo Kard. Scheffczyk)
Die Glaubenswahrheit kann entfaltet, aber in ihrer Substanz nicht geändert werden.

SpatzInDerHand vor 8 Stunden: Ich weiß nicht, von welcher Kirche Fernandez spricht, aber

aber die Kirche im deutschsprachigen Raum kann das nicht sein! Wenn er kritisiert, dass man zuviel über "Fragen der Lehre [Doktrin], der Moral, der Bioethik und der Politik" spreche, kann ich ihm versichern: Fragen der Lehre [Doktrin], der Moral, der Bioethik kommen bei uns hierzulande in den Predigten exakt NULL vor. Fragen der Politik kommen häufiger vor, aber in völliger Einseitigkeit - obwohl wir Katholiken "mündige Staatsbürger" sind und nicht ohne Widerspruchsmöglichkeit völlig einseitig belehrt werden wollen.

heikostir vor 9 Stunden: Wenig aufregend.

Dass Stil, Organisation, Liturgie, Kurie usw. im Lauf der Kirchengeschichte immer wieder reformiert wurden, ist nicht verwunderlich, sondern ein historisches Faktum und eine Notwendigkeit.

Denn das alles ist nicht Selbstzweck sondern Mittel zum Zweck: Das alles steht im Dienst der Verkündigung des Evangeliums. Daher müssen sie angesichts sich verändernder Herausforderungen der Zeit immer wieder neu bedacht und aktualisiert werden. Das war immer so und wird auch immer so sein. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit und wenig überraschend.

Entscheidend aber ist, dass auch Reformen und Aktualisierungen nicht Selbstzweck sind und nicht zu einer andauernden fruchtlosen Nabelschau werden. Da sehe ich gerade in Deutschland eine große Gefahr. Alle Reform- und Aktualisierungsvorschläge müssen sich daher daran messen lassen, dass der Kern der Frohen Botschaft unverkürzt bewahrt bleibt und dass sie dem Ziel der Verkündigung der Frohen Botschaft (siehe missionarischer Auftrag der Kirche) dienen.

T.L.D vor 9 Stunden: @Cejazar

Sie stellen eine berechtigte Frage! Wenn man die Entstehungsgeschichte des Novus Ordo Missae anschaut, kommt sie einem mehr wie eine Räubergeschichte vor. Der hl. Papst Paul VI. musste persönlich eingreifen, damit es überhaupt Gebete zur "Gabenbereitung" (früher Opferung) gibt!

Cejazar vor 9 Stunden: Kardinal Roche streut hier m. e. Sand in die Augen

Die wenigsten "Traditionalisten", die sich in Einheit mit Rom befinden, stellen Sacrosanctum Concilium in Frage.

Man sollte aber darüber diskutieren dürfen (und müssen), ob die Änderungen an den liturgischen Büchern durch das Consilium unter Bugnini nicht über das Ziel hinaus geschossen sind und die Anforderungen des Konzils nicht bereits im 1965er-Ritus als umgesetzt gelten können.

Leider geht Kardinal Roche auf diesen Punkt überhaupt nicht ein. Schade, dass man nicht bereit ist, hier Selbstreflektion zu üben.

Ich habe immer mehr den Eindruck, dass bestimmte Kreise den Ritus in seiner jetzigen Form als sakrosankt behandeln und kein Jota daran ändern möchten - ein Umstand, den sie aber den "Traditionalisten" vorwerfen.

Stefan Fleischer vor 9 Stunden: Wir müssten aber diskutieren,

Wir müssten aber diskutieren, ob eine solche Einstellung gegenüber unserem Glauben überhaupt noch christlich, geschweige denn katholisch ist. Vgl. Mt 5,17-21: «Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen. Amen, das sage ich euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird auch nicht der kleinste Buchstabe des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist. Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein. Wer sie aber hält und halten lehrt, der wird groß sein im Himmelreich. Darum sage ich euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und der Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.»

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