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„Weitergabe des Glaubens von Generation zu Generation scheiterte, Neuevangelisierung ist notwendig“

vor 2 Stunden in Weltkirche, keine Lesermeinung
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Neuernannter Prager Erzbischof Stanislav Přibyl: „Christus als eine Person zu vermitteln, der wir begegnen“ und „den Schatz des Glaubens, das Depositum fidei, zu vermitteln, das der Kirche anvertraut ist, um es zu schützen … und zu teilen.“


Prag (kath.net/pl) „Die Weitergabe des Glaubens von Generation zu Generation ist gescheitert, und die Neuvangelisierung ist notwendig. Ich weiß aus der Realität im Bistum Litoměřice [Leitmeritz], dass dieser Weg hilfreich ist. Mir bereitet jedoch ein zweiter Schritt Sorgen, wenn Menschen Christus bereits kennengelernt haben oder ihm auf irgendeine Weise begegnet sind, beispielsweise bei Evangelisierungsveranstaltungen. Wir müssen Wege finden, mit diesen Menschen im Gespräch zu bleiben, sie zu begleiten und sie in das christliche Leben einzuführen.“ Das erläutert Stanislav Pribyl, der bisherige Bischof von Litoměřice und ernannte Erzbischof von Prag, ernannter Primas von Böhmen und aktueller Vizevorsitzender der tschechischen Bischofskonferenz, im Interview mit der tschechischen Ausgabe von „Vatican News“.

Es gehe darum, so lautet die Diagnose des künftigen Prager Erzbischofs, „Christus als eine Person zu vermitteln, der wir begegnen und die das Leben eines Menschen beeinflussen kann und soll (Benedikt XVI., Deus Caritas est, 1). Es ist aber auch notwendig, den Schatz des Glaubens, das Depositum fidei, zu vermitteln, das der Kirche anvertraut ist, um es zu schützen und mit Gläubigen und allen Menschen guten Willens zu teilen.“

Die „Vatican News“-Interviewerin Johana Bronková fragte Přibyl: „Es ist unübersehbar, dass in einigen westlichen Ländern ein neues Interesse an der katholischen Kirche wächst. Wie sieht die Situation in unserem Land diesbezüglich aus?“


Erzbischof Přibyl erläuterte daraufhin, dass die Entwicklung in der tschechischen katholischen Kirche derjenigen in Westeuropa sehr ähnle, „nur ist der Anstieg noch nicht so dramatisch wie in Frankreich. Ich sehe es hier im Bistum Litoměřice: Die Zahl der Erwachsenentaufen steigt, und es gibt auch neue Berufungen. Das hängt viel vom persönlichen Zeugnis und der Authentizität unserer Beziehung zu Christus ab, aber auch vom Gemeinschaftsleben in der Kirche. In diesem Sinne müssen wir wahrhaftig „fratelli tutti“, Brüder und Schwestern, sein und in Freundschaft leben.

Starke Sorgen macht sich der ernannte Primas von Böhmen über die Polarisierung in der Gesellschaft. Auf die Frage nach seinem Herzensanliegen antwortet er: „Mir liegt vor allem die Versöhnung innerhalb der Kirche am Herzen. Meiner Meinung nach muss das Streben danach der erste Schritt sein.“ Dabei sei dies keineswegs „nur eine Angelegenheit der Kirche und des Erzbistums Prag. Oftmals scheint es, als würden wir, wenn wir auf eine Idee stoßen, als Allererstes prüfen, wer sie gesagt oder geschrieben hat, und dann den Inhalt entsprechend bewerten. Alles ist zu persönlich.“ Er sehe „nicht nur im Erzbistum Prag, sondern in der Gesellschaft insgesamt große Spaltungen, Spannungen und Meinungsblasen, die unüberwindbar scheinen. Dies liegt vor allem daran, dass wir uns zu sehr von den Algorithmen der sozialen Medien beeinflussen lassen und vergessen, dass ‚Freunde‘ in den sozialen Medien etwas völlig anderes sind als wahre Freundschaft zwischen Menschen.“

Er sehe seine Aufgabe darin, „– und darin stimme ich Papst Leo XIV. vollkommen zu – darin, Brücken zu bauen und Barrieren zwischen den Menschen zu überwinden. Genauer gesagt bedeutet es, jene sozialen Blasen zu verbinden, die es den Menschen nicht erlauben, anderen als Gleichgesinnten zu begegnen und sich stattdessen gegenseitig zu immer größerer Spaltung und Spannungen anstacheln. Ich möchte auch nie vergessen, dass Christus über allen Blasen und Interessengruppen steht und dass wir nur in ihm wahrhaft eins sein können. Dies ist der Leitspruch des Wirkens des Papstes [Leo XIV.]: „In illo uno unum“. Übrigens korrespondiert dies auch mit meinem bischöflichen Motto „Pax vobis“. Christus bringt Frieden, und in ihm sind wir eins.“

„Vatican News“ fragte danach, wie der künftige Prager Erzbischof „zur Einheit oder Versöhnung einer gespaltenen Kirche beitragen“ wolle. Er antwortete: „Es ist notwendig, miteinander zu reden und noch wichtiger, einander zuzuhören. Ich lerne das gerade, und der synodale Prozess [des Vatikans] hilft mir dabei. Darüber hinaus ist es der Dienst der Kirche an den Menschen. Wir haben Schulen, wir haben karitative Einrichtungen, wir haben viele Möglichkeiten, zum würdevollen Alltag unserer Mitmenschen beizutragen. Wo das Wort aufgrund der Informationsflut versagt, gibt es immer noch einen sehr kraftvollen Akt der Liebe. Ich bin überzeugt, dass ein gemeinsames christliches Zeugnis und der Dienst am Nächsten, verbunden mit der Erklärung der Gründe unserer Hoffnung, wie der Apostel Petrus in seinem ersten Brief schreibt (1 Petr 3,15), sowohl zur inneren Einheit als auch zu einem guten Ruf nach außen beitragen kann.“

Erzbischof Přibyl erinnerte auch daran, dass „Prag mit dem Leben und Tod des heiligen Johannes Nepomuk verbunden“ sei, „der als Heiliger auf der Brücke gilt. Auch wir sollten wie er ‚Heilige auf der Brücke‘ sein und mit unserer Lebenseinstellung die oft unüberbrückbar scheinenden Ufer verbinden.“

Archivfoto: Stanislav Přibyl noch in seiner Zeit als Bischof von Litoměřice im Petersdom © Erzbistum Prag

 


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