
Aktuelles | Chronik | Deutschland | Österreich | Schweiz | Kommentar | Interview | Weltkirche | Prolife | Familie | Jugend | Spirituelles | Kultur | Buchtipp

vor 2 Stunden in Aktuelles, keine Lesermeinung
Artikel versenden | Tippfehler melden
Leo XIV.: Gebot, Gnade und Versöhnung. Das neue Gesetz Christi als inneres Werk des Heiligen Geistes. Über das Gesetz Christi, die Verantwortung des Herzens und die Sendung der Gemeinde bei seinem Pfarreibesuch in Ostia. Von Armin Schwibach
Rom (kath.net/as) Am Nachmittag des 6. Sonntags im Jahreskreis besuchte Papst Leo XIV. die Pfarrei Santa Maria Regina Pacis in Ostia Lido und feierte mit der Gemeinde die heilige Messe. In seiner Predigt stellte er den inneren Zusammenhang von Sonntag, Auferstehung und christlichem Leben heraus und erklärte, es sei für ihn „ein Grund großer Freude, hier zu sein und mit eurer Gemeinde die Handlung zu leben, von der der ‚Sonntag‘ seinen Namen erhält“. Der Sonntag sei der Tag des Herrn, weil „der auferstandene Jesus in unsere Mitte kommt, uns hört und zu uns spricht, uns nährt und uns sendet“. In diesem Zusammenhang eröffne das Evangelium das neue Gesetz Christi, „nicht nur eine Lehre, sondern die Kraft, sie zu verwirklichen“. Diese Wirklichkeit sei „die Gnade des Heiligen Geistes, die in unser Herz unauslöschlich eingeschrieben wird und die Gebote des alten Bundes zur Vollendung führt“.
Der Papst führte aus, dass Gott durch den Dekalog nach dem Auszug aus Ägypten seinen Bund mit dem Volk besiegelt und „einen Plan des Lebens und einen Weg des Heils“ geschenkt habe. Die „Zehn Worte“ seien Teil eines Weges der Befreiung gewesen, durch den ein unterdrücktes und zerstreutes Volk zur Einheit geführt worden sei. Die Gebote erschienen „wie ein Licht, das den Weg zeigt“, und ihre Erfüllung sei nicht als äußere Pflichterfüllung zu verstehen gewesen, sondern „als ein Akt der Liebe, als eine dankbare und vertrauende Antwort auf den Herrn des Bundes“. Daraus werde sichtbar, dass „das Gesetz, das Gott seinem Volk gegeben hat, nicht im Gegensatz zu seiner Freiheit steht, sondern im Gegenteil die Bedingung ist, damit sie erblühen kann“.
Die Lesungen dieses Tages hätten eingeladen, in den Geboten nicht eine Last, sondern eine Führung der Menschheit zu erkennen. Sie führten dazu, „in den Geboten des Herrn nicht ein unterdrückendes Gesetz zu sehen, sondern seine Pädagogik für die Menschheit, die nach der Fülle des Lebens und der Freiheit sucht“. In diesem Zusammenhang erinnerte der Papst an die Worte des Zweiten Vatikanischen Konzils: „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen seinen Widerhall fände“.
Die Predigt Christi habe diese Bewegung zur Vollendung geführt, indem sie die innere Bedeutung des Gesetzes offenbarte. Christus selbst habe gesprochen: „Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten. Wer aber tötet, soll dem Gericht verfallen sein. Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder zürnt, soll dem Gericht verfallen sein“. In diesen Worten erscheine die Wahrheit, dass die Treue zu Gott im Herzen beginne, denn dort entstünden sowohl die Bewegungen des Guten als auch die Wurzeln des Bösen. Deshalb habe die Schrift erklärt: „Jeder, der seinen Bruder hasst, ist ein Mörder”. Daraus werde verständlich, dass das Böse seinen Ursprung dort habe, „wo das Herz kalt, hart und arm an Barmherzigkeit wird“.
Diese Wirklichkeit sei auch in Ostia erfahrbar, wo Gewalt vorhanden sei und verletze, insbesondere junge Menschen und solche, die durch Strukturen des Unrechts und des Verbrechens gebunden seien. Angesichts dieser Situation richtete Papst Leo XIV. einen Aufruf an die Gemeinde und erklärte: „Angesichts solcher Phänomene lade ich euch alle als Pfarrgemeinde ein, vereint mit den anderen Kräften, die in diesen Vierteln wirken, euch weiterhin mit Großherzigkeit und Mut einzusetzen, um auf euren Straßen und in euren Häusern den guten Samen des Evangeliums auszusäen.“ Die Gemeinde wurde aufgefordert: „Ergebt euch nicht der Kultur des Unrechts und der Ungerechtigkeit“. Stattdessen sei der Auftrag gegeben, „Respekt und Harmonie zu verbreiten, beginnend damit, die Sprache zu entwaffnen und dann Kräfte und Mittel in die Erziehung zu investieren, besonders der Kinder und der Jugend“.
In der Gemeinde sollten die Menschen lernen, „Ehrlichkeit, Aufnahmebereitschaft und eine Liebe, die Grenzen überwindet“, und lernen, auf alle Menschen in unentgeltlicher und freier Weise zuzugehen. Der Papst rief das Wort Christi über die Versöhnung in Erinnerung: „Wenn du deine Gabe zum Altar bringst und dich dort erinnerst, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, dann lass deine Gabe vor dem Altar liegen. Geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder; dann komm und opfere deine Gabe“.
Die Gemeinde wurde unter das Ziel gestellt, durch ihr Leben Zeugnis zu geben, „damit auch der, der dem Bösen unterworfen ist, durch euch dem Gott der Liebe begegnen kann, dem Einzigen, der das Herz befreit und wirklich glücklich macht“. In Erinnerung gerufen wurde die Gründung der Pfarrei durch Papst Benedikt XV. während des Ersten Weltkriegs, der diese Gemeinde als Zeichen in einer von Konflikt gezeichneten Welt errichtet hatte. Auch die Gegenwart erscheine von Kräften geprägt, „die die Vorherrschaft des Stärkeren verherrlichen, die Gewalt fördern und die Versuchung des Sieges um jeden Preis nähren, ohne auf den Schrei der Leidenden zu hören“.
Demgegenüber stellte der Papst den Weg des Evangeliums und erklärte: „Setzen wir dieser Entwicklung die entwaffnende Kraft der Sanftmut entgegen und fahren wir fort, um den Frieden zu bitten und seine Gabe anzunehmen und zu bewahren“. In diesem Zusammenhang erinnerte er an das Wort des heiligen Augustinus von Hippo: „Es ist nicht schwer, den Frieden zu besitzen. Wenn wir ihn wollen, ist er da, in unserer Reichweite“. Diese Wahrheit wurzele darin, dass „unser Friede Christus ist“, und dieser Friede werde empfangen, indem der Mensch sein Herz öffne und sich von ihm verwandeln lasse.
Die Predigt schloss mit einem Aufruf an die Gemeinde, diesen Weg im täglichen Leben zu verwirklichen: „Tut dies auch ihr, liebe Brüder und Schwestern, Tag für Tag. Tut es gemeinsam als Gemeinschaft, mit der Hilfe Mariens, der Königin des Friedens“.
Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!
Um selbst Kommentare verfassen zu können nützen sie bitte die Desktop-Version.

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz