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„In unendlicher Liebe durch das Leben geführt“

vor 30 Stunden in Spirituelles, 4 Lesermeinungen
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Der norddeutsche Wallfahrtsort feiert seinen größten Seelsorger, den 100jährigen Pfarrer Johannes Brinkmann. Von Michael Hesemann


Heede (kath.net) Als ein wohlmeinender Kardinal Papst Leo XIII. (1878-1903), dem ältesten regierenden Papst der Geschichte, wie in Italien üblich „cent’anni“, „hundert Jahre“ wünschte, wiegelte dieser ab mit den Worten: „Man darf der göttlichen Barmherzigkeit keine Grenzen setzen!“

Dass ein hundertjähriger Priester ein starkes Zeichen der Gnade und Barmherzigkeit Gottes ist, davon legte Pfarrer i.R. Johannes Brinkmann aus Heede im Emsland an diesem Wochenende ein beredtes Zeugnis ab. „Gott hat mich mit unendlicher Liebe durch mein Leben geführt“, erklärt er in seinen Erinnerungen, die am Sonntag anläßlich seines 100. Geburtstages unter dem Titel „Was ich Euch noch sagen wollte…“ veröffentlicht wurden. In Dankbarkeit und Zufriedenheit blickt er darin auf ein Jahrhundert zurück, das von Kriegen, Krisen und Pandemien, von neun Päpsten und der Wegscheide des Zweiten Vatikanischen Konzils und schließlich der Glaubenskrise der Gegenwart geprägt war – aber auch von Wundern, die Gottes Gegenwart immer wieder erfahrbar machten.

Das größte dieser Wunder, deren Zeuge er wurde, waren die Ereignisse von Heede. Nicht nur die Marienerscheinungen von 1937 bis 1940, von denen der damals Elfjährige aus Lingen im Emsland zunächst nur indirekt erfuhr. Umso mehr aber der weitere, von tiefer Mystik geprägte Lebensweg eines der vier Sehermädchen, Grete Ganseforth, die ab 1946 bis zu ihrem Tod im Jahr 1996 die Wundmale Christi trug und deren Seelenführer „Pastor Brinkmann“ (wie man im Norden sagt) ab 1981 wurde. Bei ihr war und durch sie wurde auch für Pfr. Brinkmann, „das Übernatürliche zum Teil des Alltags“.

Wie ihn die göttliche Vorsehung auf diese Aufgabe vorbereitete, verrät schon sein Geburtstag. Grete Ganseforth wurde am 12.1.1926 geboren, Pastor Brinkmann exakt einen Monat später – am 12.2.1926. Der 12.2. liegt „auf halber Strecke“ zwischen dem Lourdes-Fest am 11.2. und dem Fatima-Tag, dem 13.2., der 2005 darüber hinaus noch zum Todestag der wichtigsten Seherin von Fatima, Lucia dos Santos, wurde und voraussichtlich ihr Gedenktag wird, wenn sie einmal in nicht allzu ferner Zukunft seliggesprochen wird. Heede ist das „Lourdes“ oder „Fatima“ Norddeutschlands, seit vier Dorfmädchen am Allerheiligentag 1937 die Gottesmutter sahen. Es war die erste von insgesamt 105 Erscheinungen bis 1940, in denen sich Maria als „Königin des Weltalls und der Armen Seelen“ offenbarte, die Katholiken im geistigen Widerstand gegen das antichristliche NS-Regime bestärkte und dem Papst ein Geheimnis offenbarte, das exakt auf die beiden größten Sorgen und täglichen Gebetsanliegen Pius XII. antwortete, wie wir seit seiner Freigabe im Oktober 2022 wissen. Sie würde die Kirche in Deutschland und auch ihn, den Papst, vor dem Zugriff der Nazis schützen; Deutschland aber würde den Krieg verlieren und für seine Sünden, d.h. die NS-Verbrechen, bestraft werden. 


Auch Johannes Brinkmann, ein Lehrersohn, fand in seinem katholischen Glauben das Gegengift gegen die teuflische NS-Ideologie. Sein ebenso gebildetes wie gläubiges Elternhaus bot dazu einen guten Resonanzboden. Sein Vater, der es zum Schulleiter gebracht hatte, wurde von den braunen Machthabern entlassen, als dieser sich weigerte, seine katholische Grundschule im Sinne der Nazis neu auszurichten. Die Hitler-Jugend, in die er vom Staat gezwungen wurde, war ihm eine Qual, im Krieg wuchs bei ihm das Verlangen, Priester zu werden. Wie durch eine unsichtbare Hand geführt entging er den Gefahren des Krieges. Nach dem Krieg wollte sein Onkel, dass er Bauer wird und dessen Hof übernimmt, doch auch diese Perspektive hatte keine Chance. Kaum nahm Johannes Brinkmann an einer Eucharistischen Prozession teil, da hörte er schon, laut und deutlich, den Ruf des Herrn. Selbst seine Freundin hielt ihn nicht mehr auf und sollte schließlich seinen Kriegskameraden heiraten. 

Er aber ging zum Studium nach Münster, begegnete noch dem prophetischen Bischof Clemens August Graf von Galen, der Zentralfigur des katholischen Widerstands gegen Hitler, doch er begriff auch, dass er dort nie eine Heimat finden würde: zum Bistum Münster gehörten auch Teile des Ruhrgebiets, dessen durch die Industrie geprägten Menschen dem norddeutsch und ländlich geprägten Brinkmann zu wesensfremd waren. Er entschloss sich, in das Bistum Osnabrück zu wechseln. Ohne diese Entscheidung wäre er nie – drei Jahrzehnte später – nach Heede gekommen. Im selben Jahr wie die Ratzinger-Brüder, die (geb. 1924 und 1927) seiner Generation angehörten, nämlich 1951, allerdings am 30.11., dem Andreastag, wurde Johannes Brinkmann in St. Johann zu Osnabrück zum Priester geweiht – der Dom war noch nicht wieder aufgebaut. Es folgten diverse Kaplansstellen und 20 Jahre als Diözesan-Frauenseelsorger. 

Erst als ihm Ordensfrauen empfahlen, einmal in Heede zu beten, fuhr er in das Dorf bei Papenburg und empfand es spontan als „Kurort für die Seele“. Doch dann, der Pfarrer von Heede war verstorben und auf seiner Beerdigung, spürte Brinkmann in sich die Gewissheit, dass dies sein Platz sein würde. Gegen alle Widerstände kam es dann auch genauso. Brinkmann aber, auf dem Weg zu seiner Amtseinführung, ließ einen Kilometer vor der Dorfgrenze das Auto stehen, stieg aus und segnete erst einmal seine neue Wirkungsstätte; kein Wunder, dass er selbst zum größten Segen für Heede werden sollte.

Für ihn wurde das Dorf zum „heiligen Ort … an dem der Himmel die Erde berührt“. „Das Wichtigste in Heede ist die Eucharistiefeier. Und die Nähe der Muttergottes“, schreibt er in seinen Erinnerungen. Das spüren die zahlreichen Pilger, die auch aus der Ferne in das Dorf im Emsland strömen und im Beichtstuhl bei Pastor Brinkmann Trost für einen Neuanfang fanden. Noch heute, mit 100 Jahren, spendet er jeden Tag das Sakrament der Versöhnung. Er wurde zum marianischen Beichtvater und Seelenführer des Wallfahrtsortes. 

Zum Seelenführer wurde er auch für das ehemalige Seherkind Grete Ganseforth, damals (1981) mittlerweile eine reife Frau von 55 Jahren. Er wurde nicht nur Zeuge ihrer Ekstasen, als sie die Stationen der Leidensgeschichte Jesu schaute und an ihrem Körper miterlebte, bis sie blutüberströmt und wie tot in ihrem Leidensbett zusammensackte. Er erlebte auch zahlreiche Wunder, etwa, wie Grete über Nacht hunderte Rosenkränze herstellte, nach eigenen Angaben mit Hilfe der Engel. Oder, ebenfalls in kürzester Zeit, herrliche Osterkerzen, mit tiefgründiger Symbolsprache und himmlischen Bildern verziert. Noch heute strahlen seine Augen, wenn er davon erzählt, wie er als großer Skeptiker begann und dann doch erlebte, wie sich ihm Stück für Stück durch Grete der Himmel offenbarte. 

Dass er die Gebetsstätte Heede erst groß gemacht hat, ihre Pilgerkirche um ein Priesterhaus und ein Haus der Begegnung erweiterte und in ihrem Park Statuen des Erzengels Michael und des hl. Johannes Paul II. aufstellen ließ, dass der Pilgerstrom zunahm und auch Grete und ihre „nicht mehr zeitgemäße Leidensmystik“ unterstützte, war einigen Amtsbrüdern in Osnabrück bald ein Dorn im Auge. Zunächst sollte er versetzt, dann verfrüht in den Ruhestand geschickt werden. Die Heeder, die ihren „Pastor“ liebten und wussten, was sie an ihm hatten und wie viel sie ihm verdankten, erklärten ihn kurzerhand zum Ehrenbürger ihrer Gemeinde. So konnte er bleiben, wohin ihn offenkundig der Himmel geschickt hatte.

Als an diesem Sonntag sein 100. Geburtstag gefeiert wurde, war das ganze Dorf samt seinem Umland, auf den Beinen. Aus allen Teilen Deutschlands waren Gratulanten angereist. Zur Festmesse platzte die geräumige Wallfahrtskirche „aus allen Nähten“, am Nachmittag lud der Musikverein Heede, den Brinkmann mitbegründet hatte, zu einem großartigen Konzert ein. Es zeigte sich, wie ein einziger Priester, wenn er vom Geist Gottes erfüllt ist, einen Ort prägen und ein einfaches Dorf zu einer geisterfüllten Oase in einer dunklen Zeit gestalten kann. Die Heeder und jeder, der mit diesem Gnadenort verbunden ist, wissen jedenfalls, was sie an „ihrem Pastor“ haben. Und welch ein Geschenk Gottes und seiner grenzenlosen Barmherzigkeit er ist. Ad multos annos, Pastor Brinkmann! 

Foto (c) Michael Hesemann


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Lesermeinungen

SalvatoreMio vor 23 Stunden: Marienheiligtum im Emsland - nicht weit von der Nordsee entfernt

@Samira! Ihrem Bericht kann man glauben, und es ist nicht nur Ihre Gemeinde, die so etwas erlebt. - Dennoch: in die einzigartige Nachfolge Jesu treten, ist etwas außergewöhnlich Großes. Wer sich berufen sieht, müsste es spüren und sich mit den Evangelien und dem Leben Jesu intensiv auseinandersetzen- vor allem im Gebet. Das Studium und die Zeit im Priesterseminar bietet genügend Zeit. Anscheinend fehlt es auch an überzeugenden Vorbildern. Das Empfinden für die einzigartige Nachfolge Jesu scheint weitgehend nicht vorhanden. Und manche Kandidaten nehmen das zölibatäre Leben von vornherein nicht ernst, wie man liest. - Vor wenigen Jahren stellten Seminaristen sich im TV vor: auf dem Sofa sitzend, teilweise die Beine halb auf dem Tisch, Bierflaschen am Hals und herumalbernd. Es war beschämend!- Wir haben übrigens genügend Mitbürger aller Art, deren Alltag sehr hart ist und für die es schwer ist, das nötige Einkommen nach Hause zu bringen und der eigenen Familie gerecht zu werden. -

lesa vor 26 Stunden: Was hätte ich noch tun können für meinen Weinberg (vgl Jes 5)

@Zeitundewigkeit: "Welche Zeichen soll Gott noch geben, um seine Huld und Barmherzigkeit zu erweisen?"
Wieviel Gnade kann nicht geschenkt werden aufgrund der bockbeinigen Abwehr, Besserwisserei "es kann nicht sein, was nicht sein darf" ... Der Teufel hat es nicht selten leichter mit den Zweifeln, die er sät, anzukommen als der Himmel mit seinen Gnadenerweisen, die er schenken möchte...
Doch Gottsei Dank: Nicht alle leiden an dieser Krankheit. In diesem Sinn: Danke für diesen Artikel!

zeitundewigkeit vor 27 Stunden: Einladung an Bischöfe

Die Ereignisse in Heede sind vom ersten Tag an von qualifizierten Pfarrern (Diekmann, Brinkmann)genauestens dokumentiert und veröffentlicht worden. Es gibt noch genug gläubige Menschen, die das wunderbare Geschehen bezeugen können und um Anerkennung der Erscheinungen und der anderen wunderbaren Ereignisse beten. Ich wünsche mir, dass gläubige Bischöfe einmal drei Tage dort verbringen, intensiv zum Hl. Geist um Klarheit beten/ringen und sich mit den Fakten auseinandersetzen. - Welche Zeichen soll Gott noch geben, um seine Huld und Barmherzigkeit zu erweisen?

Samira vor 31 Stunden: Heede

Meine verstorbene Schwiegermutter fuhr regelmäßig mit einer Gruppe Frauen nach Heede und immer tief berührt. Mein Mann hat seine Mutter früher oft begleiten müssen und fühlte sich als junger Mann äußerst unwohl zwischen den älteren Herrschaften. Wenn wir in die Niederlande fahren, sehen wir stets die Hinweisschilder. Ich bin noch nie dort gewesen und mein Mann hat als Jugendlicher Zuviel davon bekommen und möchte dort nicht hin. Seit ein paar Jahrzehnten ist die Gebetsstätte wohl durch das Bistum Osnabrück anerkannt, aber die Erscheinungen nicht.

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