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vor 29 Stunden in Kommentar, 5 Lesermeinungen
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Die ca. 35.000 ermordeten Regimegegner im Januar waren für den Kardinal erst dann ein Thema, als es bereits deutliche Kritik am Schweigen des Vatikans gab. Ein Kommentar von Roland Noé
Rom (kath.net/rn)
2007 erschien in Deutschland das Buch „Prisoner of Tehran“ der Christin Marina Nemat. Darin schildert sie unfassbare Schreckenserlebnisse in iranischen Gefängnissen. Marina sollte mit 16 Jahren hingerichtet werden, weil sie gegen den Politikunterricht an ihrer Schule protestiert hatte. Ihre Hinrichtung wurde nach einer Zwangsheirat mit einem Gefängniswärter in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt. Nach über zwei Jahren wurde sie freigelassen, weil sich die Familie des Wärters für sie eingesetzt hatte. Heute lebt Marina Nemat in Kanada und berichtet an Universitäten und Schulen von ihren Erlebnissen.
Nemat erzählt in dem Buch auch, wie junge Mädchen vor der Hinrichtung systematisch vergewaltigt wurden. Laut einer pervertierten "Islam-Logik" des Regimes darf eine Jungfrau nicht hingerichtet werden, da angenommen wird, dass diese sonst direkt in den Himmel einginge. Um dies zu verhindern, folgen vor der Exekution Zwangsheirat und Vergewaltigung. Diese Praxis betrifft teilweise sogar erst elfjährige Mädchen und geschieht im Iran seit vielen Jahrzehnten.
Vielleicht sollte sie demnächst auch einmal einen Vortrag im Vatikan halten und dort gewissen Kirchenmännern die Realität schildern. Dort erklärte uns Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin in einem Interview nämlich, dass laut „UN-Charta“ ein Angriff auf den Iran nur erlaubt sei, nachdem alle Instrumente des politischen und diplomatischen Dialogs ausgeschöpft wurden. Parolin meinte zudem, dass die Unterdrückung der Menschenrechte durch das Mullah-Regime aus seiner Sicht kein hinreichender Kriegsgrund sei. Herr Kardinal, wie viele zehntausend Tote und Leichensäcke brauchen Sie denn noch, damit ein Eingreifen legitimiert ist?
Er frage sich, ob wirklich geglaubt werde, dass eine Lösung durch den Beschuss mit Raketen und Bomben herbeigeführt werden könne. Hier könnte man mit dem ehemaligen österreichischen Bundeskanzler Bruno Kreisky sinngemäß antworten: „Lernen Sie Geschichte!“ Einen Hitler konnte man ebenfalls erst mit Bomben und Raketen verjagen.
Mit den Menschen im Iran hat Parolin offensichtlich nicht geredet; deren Wünsche scheinen dem Kardinal völlig egal zu sein. Diese Menschen wollen die Angriffe auf das Regime und die Befreiung von den Mullahs. Sie bejubeln die Schläge der Israelis und der USA. Doch das interessiert den Diplomaten, der theoretisch gerne von der „Einhaltung des internationalen humanitären Rechts“ spricht, in der Praxis offensichtlich nicht. Die ca. 35.000 ermordeten Regimegegner im Januar waren für den Kardinal erst dann ein Thema, als es bereits deutliche Kritik am Schweigen des Vatikans gab. Parolin, der auch für das umstrittene Vatikan-Abkommen mit der chinesischen Diktatur verantwortlich zeichnet, hat offensichtlich wenig Interesse am Schicksal der Menschen vor Ort.
Der SPD-Iran-Experte Danial Ilkhanipour sprach gestern bei WELT TV (https://www.youtube.com/watch?v=dEpKHXwzLJ8) über die angespannte Lage, die Hoffnung auf Demokratie und den Wunsch nach einem Regimewechsel. Der aus dem Iran stammende Politiker teilte mit, dass man der Demokratie im Iran jetzt so nah wie noch nie zuvor sei. Er erinnerte zudem daran, dass die Menschen im Iran geradezu darum gefleht haben, Hilfe von außen zu erhalten. Ilkhanipour betont, dass die Bevölkerung einen Umsturz will und sich darauf vorbereitet. Eine Iranerin auf X bringt es auf den Punkt. "Ich bin Iranerin. 1. Bomben sind beängstigend. 2. Das Regime ist beängstigender als Bomben."
Auch Armin Laschet (CDU) brachte die Völkerrechts-Heuchelei bei „Maischberger“ klar auf den Punkt: „Der Iran ist in allem, was er seit 40 Jahren macht, völkerrechtswidrig, und niemand hat eingegriffen. Jetzt, wo dies passiert und die Menschen im Iran auf den Straßen jubeln, fangen wir Völkerrechtsdebatten an.“
Und ja, jeder leidet unter höheren Benzinpreisen. Doch Bernhard Heinzlmaier bringt es bei „eXXpress“ in einem Kommentar pointiert zum Ausdruck: „Seit Trump die Mullahs bekämpft, kann man endlich Empathie-befreite Ego-Wesen von Menschen unterscheiden. Ersteren ist der Dieselpreis wichtiger als das Leid der Opfer der Mullahs, das deren fanatische und kranke Politik weltweit seit 50 Jahren verursacht. 30.000 Tote in den letzten zwei Monaten, aber der europäische Kleinbürger zerbricht sich den Kopf über den Benzinpreis. ‚Dekadent‘ ist hier nur noch ein Hilfsausdruck.“
Eine Frage an Kardinal Parolin hätte ich zum Abschluss noch: Geht es Ihnen wirklich um die Menschen im Iran?
My compatriots in the diaspora,
— Reza Pahlavi (@PahlaviReza) March 4, 2026
Your efforts and work in recent weeks, and your remarkable presence on the Global Day of Action, have played a key role in changing global public opinion and influencing decision-makers to support the people of Iran.
In the sensitive days and… https://t.co/ESiH76waNe
Wenn der dt. Bischof #overbeck beim Thema #iran und #usa jetzt mit den Wölfen heult, dann sollte man einfach mal GROK befragen - Ein Service für @dbk_online pic.twitter.com/3OXW6KRx87
— KATH.NET (@KatholikenNet) March 4, 2026
I’m Iranian.
— ?? ?? تنتنانی?? ?? (@mooshulina) March 4, 2026
1.Bombs are scary.
2.Regime is scarier than bombs.
„Der #Iran ist in allem, was er seit 40 Jahren macht, völkerrechtswidrig“, sagt @ArminLaschet (@CDU) – und niemand habe eingriffen. Jetzt, wo dies passiere und „die Menschen im Iran auf den Straßen jubeln, fangen wir Völkerrechtsdebatten an“.#maischberger pic.twitter.com/w7FuNmYwCS
— Maischberger (@maischberger) March 4, 2026
Gibt kaum Anstrengenderes als Talkshows im deutschen und österr. Fernsehen, wenn es um Militäreinsätze gegen das Mullahregime, Islamisten und Terrororganisationen geht: Länder, die selbst zu Militäreinsätzen kaum oder nicht fähig sind, aber stets den Rest der Welt belehrend.
— Thomas Mayer (@TomMayerEuropa) March 5, 2026
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chorbisch vor 3 Stunden: @ Gandalf
gmx ist, wie web.de ursprünglich ein Portal gewesen, bei dem man sein privates E-Mail-Konto einrichten konnte und kann.
Da diese Konten kostenlos sind, finanzieren sich die Portale durch Werbung und Artikel. Früher waren die Themen hauptsächlich Klatsch und Tratsch, aber weil sich immer mehr Menschen weniger über die klassischen Medien, sondern über das Internet informieren, gibt es dort inzwischen auch Berichte zu politischen Themen.
Oft sind es Meldungen von Nachrichtenagenturen, aber sie haben auch Mitarbeiter, vermutlich freie Journalisten, die für sie arbeiten.
Natürlich kann niemand in die Zukunft sehen, aber der Artikel, den Her Fleischer meinte, zeigt Richtungen auf, in die sich die Lage im Iran entwickeln könnte. Das gab es auch bei anderen Medien und muss deshalb nicht automatisch unseriös sein, denn in diesen Artikeln werden mögliche "Szenarien" aufgezeigt. Diejenigen, die ich gelesen habe, haben auch nicht den Anspruch erhoben, zu wissen, wie es da weitergeht.
Gandalf vor 7 Stunden: Thomas Mayer vom linken STANDARD heute auf X
"Gibt kaum Anstrengenderes als Talkshows im deutschen und österr. Fernsehen, wenn es um Militäreinsätze gegen das Mullahregime, Islamisten und Terrororganisationen geht: Länder, die selbst zu Militäreinsätzen kaum oder nicht fähig sind, aber stets den Rest der Welt belehrend."
Gandalf vor 8 Stunden: Kurze Antworten:
@cosmas: Ich habe doch den Gedanken, dass das mit dem 2. Vatik. wenig zu tun hat.
@Stefan Fleischer: Der Irak ist heute relativ stabil. Die Folgen des Iran-Kriegs sind minimalst bis jetzt, ausser für die Militärs usw. Denn die werden täglich bombardiert. Gut so. Fast alle Iraner freuen sich darüber und bejubeln das täglich.
Zu einem "Artikl in gmx" - Keine Ahnung, ich kenne das Medium "gmx" nicht und halte Analysen über die Zukunft sehr fraglich. Die Bevölkerung im Iran will die Bombardierung des Regimes. Man sollte auch einmal den Willen der Menschen respektieren, die nach 45 Jahren Tyrannei genug haben. Stimmt, mit dem Hitler-Regime kann man es nur bedingt vergleichen, denn das dauerte nur ein paar Jahre und wurde dann durch das Eingreifen der USA, GB usw. beendet, durch ganz viel Gewalt gab es dann Frieden. Für allle immer wieder zur Erinnerung. Danke an die Amis+GB für alle Zeiten für die Befreiung.
Stefan Fleischer vor 21 Stunden: Lieber Herr Noé
Die Situation mit Hitler ist nur sehr bedingt mit der Situation heute im Iran zu vergleichen. Eher müsste man den Irakkrieg heranziehen. In einem Artikel unserer Zeitung wurden die Folgen jenes Eingreifen der USA aufgezeigt, welche zum Teil bis heute noch nachwirken. Die Folgen des derzeitigen Krieges dürften in etwa gleich sein, wenn nicht sogar schlimmer, viel weiter verbreitet und länger spürbar. Und dies nicht nur für den Iran, sondern für die ganze Welt.
Ein Artikel in gmx wies nach, dass heute niemand sagen kann, wie alles ausgehen wird. Es wurden dort 4 grundlegend verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt und darauf hingewiesen, dass nicht einmal die USA eine Ahnung hat, wie sie den «Frieden» managen will.
Cosmas vor 23 Stunden: Das ist der Ökumenismus seit Vat. II,
der sich hier und auch in der China-Politik und seinerzeit der vatikanischen Ostpolitik niedergeschlagen hat.
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