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Beschließen ohne zu entscheiden?

vor 23 Stunden in Kommentar, 8 Lesermeinungen
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Die Kirche ist kein Bundestag, kein Verein, kein politisches Gremium, das Mehrheiten organisiert und anschließend Vollzug anmeldet. Sie ist Leib Christi, Sakrament des Heils und Zeugin der Wahrheit. BeneDicta am Freitag von Dorothea Schmidt


Rom (kath.net)
Wenn ich etwas beschließe – entscheide ich dann nicht? Genau diese Unterscheidung wollte die deutsche Delegation beim letzten Gespräch in Rom den Kurialen plausibel machen, wie der Passauer Bischof in einem Interview von dieser Woche berichtete. Er zeigte sich gespannt, wie der Vatikan darauf reagieren werde.

Man möchte sich von seiner Gelassenheit eine Scheibe abschneiden. Da tricksen die Deutschen seit Jahren herum, dass sich die Balken biegen, um Veränderungen der kirchlichen Lehre weltkirchlich einzukleiden – und Oster stellt dem, zumindest nach außen hin, Gelassenheit und Gottvertrauen entgegen. Er hat Recht: Dem einfachen Gläubigen bleibt die Macht des Gebets und das Vertrauen darauf, dass Gott seine Kirche führt bis ans Ende der Welt (vgl. Mt 28,20). Und dies ist bei allem Engagement das Entscheidende.

Und doch erstaunt die Kühnheit der synodalen Wortführer – nicht, dass deren Doppelspurigkeit neu wäre. Aber die scheinbar subtile Differenz zwischen „Beschluss“ und „Entscheidung“ ist kein harmloses Wortspiel. Sie berührt die Frage kirchlicher Verbindlichkeit. In der Rechtssprache haben sowohl Entscheidungen als auch Beschlüsse verbindlichen Charakter. Was die Deutschen hier versuchen, ist ein weiterer semantischer Trick, um nicht zu sagen eine perfide Fakenummer. Auf der letzten Synodalversammlung haben die Wortführer des Synodalen Wegs gezeigt und sogar ausgesprochen, was sie unter Beschluss verstehen: eine bindende Entscheidung. Nach Rom signalisieren sie jedoch, keine Entscheidungen getroffen zu haben. Diese semantische Feinmechanik gleicht einem Spiel mit dem Feuer – einem Feuer, das nicht im Heiligen Geist entzündet, sondern die Substanz der Kirche langsam verzehrt.


Was bedeutet es denn konkret, wenn eine Synodalkonferenz behauptet, sie habe Beschlüsse gefasst, aber keine (endgültige) Entscheidungen getroffen? Dass sie formal nicht lehramtlich bindend sind, faktisch aber normative Erwartungen erzeugen? Dass sie beschließt – und der einzelne Bischof entscheidet, ob er sich daran hält? Entsteht hier nicht eine Spannung zwischen formaler Unverbindlichkeit und moralischem Druck? Hier wird nach innen Entschlossenheit signalisiert, nach außen die eigene Verantwortung relativiert. Verbindlichkeit wird so zur rhetorischen Kategorie, während faktisch ein Prozess etabliert wird, der Druck erzeugt und normative Kraft entfaltet. Genau hier liegt der Sprengstoff der semantischen Feinmechanik. Sauber wäre einzig, wenn „Beschluss“ als unverbindliches Beratungsvotum gekennzeichnet und als solches auch dem Bischof vorgelegt würde, der dann in aller Freiheit darüber entscheiden kann.

Kirche lebt von der Einheit von Wort und Wirklichkeit. Wenn sie spricht, soll ihr Ja ein Ja und ihr Nein ein Nein sein. Wenn „Beschluss“ nicht mehr das meint, was auch die Rechtssprache darunter versteht, wird Sprache strategisch. Wenn kirchliche Sprache strategisch wird, dient sie nicht mehr primär der Wahrheit, sondern der Steuerung von Prozessen. Sie untergräbt Vertrauen – jenes Vertrauen, das der Synodale Weg doch eigentlich wiedergewinnen wollte.

Hier liegt der Kern des Problems. Die Kirche ist kein Bundestag, kein Verein, kein politisches Gremium, das Mehrheiten organisiert und anschließend Vollzug anmeldet. Sie ist Leib Christi, Sakrament des Heils und Zeugin der Wahrheit. Ihre Einheit gründet nicht in Verfahren, sondern in der Wahrheit des Glaubens. Der heilige Cyprian von Karthago schrieb im 3. Jahrhundert: „Die Kirche ist im Bischof und der Bischof in der Kirche.“ Einheit entsteht aus dem gemeinsamen Hören auf Christus, nicht aus geschickter Satzungsarchitektur und der Ausgrenzung derer, die an der weltkirchlichen Einheit festhalten. Reform heißt Vertiefung, nicht Mutation. Und Synodalität meint gemeinsames Hören auf den Heiligen Geist, nicht strategische Sprachtricks zur Machterweiterung. Wenn aber semantische Differenzierungen vor allem der taktischen Absicherung und letztlich auch der Verschleierung dienen, verliert Synodalität ihre geistliche Tiefe.

Vielleicht aber geschieht doch noch ein Wunder und die deutsch-synodalen Verantwortlichen begreifen, dass die entscheidende Frage nicht lautet: Wie formulieren wir Satzungen so, dass sie maximalen Spielraum eröffnen und wir die Lehre der Kirche so lange zu dehnen, bis sie den Erwartungen unserer Zeit entspricht? Sondern: Sind wir wirklich bereit, uns selbst vom Evangelium korrigieren zu lassen?

Im christlichen Verständnis sind Worte nicht neutral, auch die Psychologie weiß, das Worte Macht haben. Die Kirche erneuert sich nicht durch semantische Kunstgriffe. Sie erneuert sich durch Wahrheit, durch Umkehr, durch Heiligkeit. Joseph Ratzinger erinnerte immer wieder daran, dass die Kirche nicht durch Strukturen, sondern durch Heilige erneuert wird, nicht durch Anpassung, sondern durch Vertiefung des Glaubens.

Die Glaubenskrise ist eine Krise der Gottesbeziehung, der Glaubenspraxis, der missionarischen Kraft. Wer wirklich Erneuerung will, würde fragen, warum junge Menschen, die neu zur Kirche finden, gerade Liturgie, Tradition und klare Identität suchen – und nicht Gremienarchitektur. Vielleicht ist dies die Antwort Gottes auf das synodale Chaos. Während in Ausschüssen um Kompetenzen und Definitionshoheit gerungen wird, sprießen jenseits kirchenpolitischer Bühnen neue Glaubensknospen. Sie haben Christus die Tür des Herzens geöffnet. Er ist das fleischgewordene Wort, in dem Gott selbst sich offenbart. „Im Anfang war das Wort“, heißt es zu Beginn des Johannesevangeliums. Und dieses Wort ist keine taktische Größe, sondern die wahre lebensverändernde — reformatorische — Kraft. Es ist nicht Objekt kirchlicher Beschlussfassung, sondern Subjekt göttlichen Handelns. Und es ruft zur Entscheidung. Nur dort, wo es angenommen wird, entsteht wahre, nachhaltige Erneuerung.


 


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Lesermeinungen

JP2B16 vor 10 Stunden: Der Synodale Weg oder die "Autoimmunreaktion" des mystischen Leibs Christi ...

... eine Parallele zur Medizin.
Es sind einmal mehr sich hemmunglos selbst Überschätzende deutscher Sprache, die sich mit Chuzpe anmaßen, Rom und dem Lehramt Nachhilfe erteilen zu müssen und in dieser Hybris dem mystischen Leib Christi einen immensen, unsäglichen und nachhaltigen Schaden zufügen, der schon einmal im Schisma endete. Die Synodalen sind in diesem "Leib" gleichsam die Autoantikörper, die fälschlicherweise körpereigene, gesunde Zellen und Gewebe angreifen und bekämpfen (weil das gestörte Immunsystem (die synodal-bewegten Gläubigen) bei dieser Autoimmunreaktion die eigenen Zellen (die dem Lehramt die Treue Haltenden) für "fremd" oder "gefährlich" hält).

SarahK vor 14 Stunden: Es ist schon komisch

naja auf der anderen Seite logisch, dass die nicht einfach in die schon vorhandene evangelische Kirche wechseln. Ich meine wenn meine Freundin, die max 5 mal im Jahr sagt „das kann msn auch anders sehen“, ok aber die Bischöfe müssen es doch besser wissen. Ist denn da gar keine Ehrfurcht oder Gottesfurcht mehr? Die sollten definitiv das Buch „hell there is“ lesen. :-(

Versusdeum vor 16 Stunden: „Im Anfang war das Wort“

In der Tat. Aber nicht das zerredete und oft glaubensleere Wort eines willkürlich aus der eigenen Blase heraus entworfene und ausgemauschelte, zu 2/3 mit Laien-Apparatschiks und -aktivisten besetzen Gremium, in dem die Bischöfe als Statisten gnädigerweise noch mit auf Bild dürfen, sondern das Wort Gottes, das Himmel und Erde erschaffen hat. Und dan wurde das Wort Mensch und erschuf die Kirche mit Wort und Tat. Und nicht weniger als das maßen sich jetzt das Zd"K" und die "Deutsche Bischofskonferenz" gemeinsam an.
"Und Ihr werdet sein wir Gott"? Wie das ausging, ist bekannt.

SalvatoreMio vor 16 Stunden: Ich meine, man kann das Synodale Theater in einem einzigen Satz zusammenfassen...

nämlich: "Der Zweck heiligt die Mittel".
Es ist meiner Meinung nach beschämend und verlogen und entspricht nicht der katholischen Lehre.

gebsy vor 18 Stunden: Vergelt's Gott!

Klare Darstellung ist wichtig, um die Fallstricke Satans zu erkennen ...
@AlbinoL - kurz und wesentlich wird es unmissverständlich.

Versusdeum vor 18 Stunden: @AlbinoL

Sie haben das "Frauen Priestertum" vergessen. Aber auch das, Sie und der Artikel beschreiben wäre schon lange eine protestantische Sekte. Ach so, das hat die Mehrheit unserer "Hirten" in buchstäblich unendlich großer Anmaßung beschlossen? Verbindlich! Aber natürlich nur, ohne zu entscheiden.

AlbinoL vor 20 Stunden: Es ist eigentlich ganz einfach das ganze weniger abstrakt zu machen:

Angenommen es gibt Überschriften wie:
Die synodale Konferenz der katholische Kirche in Deutschland hat beschlossen...
dass Frauen predigen dürfen.
dass homosexuelle Segensgottesdienste möglich sind.
dass Laien die Krankensalbung spenden können.
dass der Beschluss XY von Papst Leo in Deutschland bis auf weiteres nicht umgesetzt wird.

Dann wird das ganze auch noch von Jahr zu Jahr einem Monitoring unterzogen.

Die synodale Konferenz der katholische Kirche in Deutschland hat festgestellt dass Bistümer 1,2,3 den Beschlüssen zur Einführung von Gottesdiensten zur Segnung nicht gefolgt sind.

Zusätzlich noch aller linksgrünen politischen Stellungnahmen die bei der Zusammensetzung des Gremiums zu erwarten sind.

marlin vor 23 Stunden: die deutsch-synodalen Verantwortlichen

Zitat: „Vielleicht aber geschieht doch noch ein Wunder und die deutsch-synodalen Verantwortlichen begreifen, dass die entscheidende Frage nicht lautet: Wie formulieren wir Satzungen so, dass sie maximalen Spielraum eröffnen und wir die Lehre der Kirche so lange zu dehnen, bis sie den Erwartungen unserer Zeit entspricht? Sondern: Sind wir wirklich bereit, uns selbst vom Evangelium korrigieren zu lassen?“

Hätten sich die Synodalen vom Evangelium leiten und sich vom Evangelium korrigieren lassen, dann gäbe es keine Synodalen.

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