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Über 160.000 Besucher bereits am Sarg des Heiligen - Ärger um Internet-Verkaufsangebote zu angeblichen "Reliquien" - Von Sabine Kleyboldt
Assisi (kath.net/KAP) Seit gut zwei Wochen reißt der Besucher-Strom in der Basilika San Francesco in Assisi nicht ab. Sie alle wollen die sterblichen Überreste einer der populärsten Persönlichkeiten der katholischen Kirche sehen: Franz von Assisi (um 1182-1226), Ordensgründer, Schutzpatron der Tiere, italienischer Nationalheiliger und für viele Zeuge einer glaubwürdigen Kirche für die Menschen heute. Zu seinem 800. Todestag in diesem Jahr haben sich die Franziskaner entschlossen, erstmals seine Überreste der Öffentlichkeit zu zeigen. Dazu wurde für vier Wochen sein Plexiglas-Sarg aus der Krypta der Basilika vor den Altar in der Unterkirche gebracht.
Zur Halbzeit der "Ostensione", die noch bis 22. März dauert, zählten die Franziskaner bereits 160.085 Besucher am Sarg. Allein am Samstag waren 16.983 Menschen dort, 4.912 haben an den Gottesdiensten in der Oberkirche der Basilika teilgenommen. Auch hier ist während der Ausstellung eine Anmeldung erforderlich, weil das Gotteshaus mit den herrlichen gotischen Fresken nur 600 Leute fasst. In der ersten Woche hatten sich 76.262 Besucher über das kostenlose Buchungssystem angemeldet, in der nun zu Ende gegangenen zweiten Woche sogar 83.822.
Klar, dass mit 80 Prozent der Löwenanteil der Pilger aus Italien kommt, um ihren Nationalheiligen zu sehen, wie Bruder Giulio Cesareo wissen lässt. Er ist Kommunikationsdirektor der Basilika. Doch allein mehr als 5.000 Besucher reisen aus Kroatien an, gefolgt von Spaniern, Briten und US-Amerikanern. Aus deutschsprachigen Ländern gibt es knapp 2.000 Anmeldungen. Aber auch Gruppen aus Indonesien, Indien, Kenia, Brasilien, selbst aus Japan, Singapur und Äthiopien kommen nach Assisi.
Die Franziskaner sind sehr zufrieden mit dem großen Anklang aus aller Welt und auch mit der Atmosphäre von Freude und Dankbarkeit, wie Kustos Marco Moroni betont. Nun veröffentlichte der Orden die offizielle Hymne zur Reliquien-Ausstellung "Auf diesem Hügel". Auf YouTube ist das Werk mit vier gemischten Chören, Orgel und Streichorchester zu sehen und zu hören.
Dennoch wird die ungewöhnliche Reliquien-Ausstellung von Nebengeräuschen begleitet, etwa durch negative Kommentare in Sozialen Medien. Manche finden es respektlos, die 800 Jahre alten Gebeine des umbrischen Heiligen zur Schau zu stellen. Doch die meisten, die tatsächlich vor dem erstaunlich kleinen Skelett des großen Heiligen gestanden haben, seien angerührt, ergriffen und irgendwie getröstet, berichtet Bruder Thomas Freidel, Pilgerseelsorger für die deutschsprachigen Besucher in Assisi. "Es besteht für mich hier ein riesengroßer Kontrast zwischen Außenwahrnehmung und Wirklichkeit", meint der Ordensmann.
Ebenso scheint das neu erwachte Interesse an Reliquien des Heiligen Franziskus den Internet-Markt für vermeintlich heilige Fragmente des Mannes aus Umbrien zu befeuern. So finden sich Online-Anzeigen, die Gewebeteile seines Gewandes, Knochenpartikel oder Gegenstände bewerben, die angeblich mit dem Heiligen "in Kontakt" standen - versehen mit Fotos von Wachssiegeln und vermeintlichen Echtheitszertifikaten.
Das sei reiner Betrug, betonen die Franziskaner. "Reliquien sind nicht käuflich, der Handel mit angeblichen Reliquien ist zu verurteilen", sagt Sprecher Giulio Cesareo unter Verweis auf Kanon 1380 des Kirchenrechts. Doch das scheint weder Händler noch Kunden abzuschrecken.
Auf eBay bewirbt ein privater Anbieter in Franken "eine Reliquie 1. Klasse des Heiligen Franziskus von Assisi" - für 680 Euro. "Eine Knochenreliquie des Heiligen ist sehr, sehr selten zu finden!", so der Online-Händler, der sogar die Versandkosten der gut verpackten und versicherten Ware übernehmen will. Die Franziskaner betrübt auch die Naivität der Kunden. Schließlich gebe es seit fast 40 Jahren Fotos der Gebeine des Heiligen, die exakte Vergleiche möglich machten, betont Cesareo: "Es besteht kein Zweifel. Der Schrein ist seit 1978 versiegelt."
Dass von seinen Überresten seither nichts abgezweigt wurde, davon können sich die Menschen derzeit persönlich überzeugen. Die meisten Zeitfenster sind bereits ausgebucht, aber durch Stornierungen würden gelegentlich wieder Time-Slots frei, empfiehlt Bruder Thomas Freidel den spontanen Blick auf die Website.
Er ist froh über den reibungslosen Ablauf, für den rund 300 Freiwillige ebenso wie die diskret agierenden Polizei- und Sicherheitskräfte sorgen. Und: "In unseren Beichtstühlen herrscht Hochbetrieb, die Mitbrüder berichten von sehr schönen Gesprächen auch mit Menschen, die seit Jahren kaum Kontakt zur Kirche haben", so der Ordensmann. "Manchen kommen am Sarg des Franz von Assisi die Tränen, aber alle verlassen die Basilika in einer Stimmung von Freude und Gelassenheit. Das ist für mich immer noch ein Wunder."
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