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vor 4 Stunden in Kommentar, 15 Lesermeinungen
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„Still für mich füge ich manchmal hinzu: Wir beten heute auch für alle, die an den Fürbitten leiden …“ Von Thorsten Paprotny
Hannover (kath.net) Der „Novus Ordo“ – auch wenn er würdig gefeiert ist, zugleich verbindlich an den approbierten Hochgebeten aus dem Messbuch orientiert, vermag die treuen Gläubigen zu erfreuen, so dass sie an der Feier der Eucharistie mit der Kirche aller Zeiten und aller Orte teilhaben – verfügt dennoch über Einfallstore der Weltlichkeit, besonders an einer Stelle: die sogenannten „Fürbitten“, die nach dem Credo von Lektoren vorgetragen werden, sorgen verbreitet für Ärger und manches Stöhnen in den Kirchenbänken. Schuldlos sind die Laien, die zum Dienst bestellt sind, parteipolitisch getönte Bittgebete und vielleicht die Agenda der deutsch-synodalen Reformgeister aus dem kirchenpolitischen Gemischtwarenladen vortragen müssen, denn über die Fürbitten entscheiden in der Regel die Zelebranten. Es gibt einen Reigen an Arbeitshilfen für diese Fürbitten, die von zahlreichen Gemeinden genutzt werden, mit Themen und Gedanken, die den klassischen Nachrichtensendungen des linearen öffentlich-rechtlichen Fernsehens oder aus stabil kirchenkritischen Radiosendern entstammen könnten.
Wie an jedem Sonntag wurden auch an „Laetare“ vom Bistum Trier Fürbitten angeboten, darunter etwa: „Wir beten für die Menschen in der Ukraine und auch in den afrikanischen Krisenregionen: Für die Kinder, Frauen und Männer, die weiter auf vielfache Weise unter den russischen Angriffen leiden. Für die Menschen im Kongo, im Sudan und in anderen Krisenregionen Afrikas, die wir oft aus dem Blick verlieren. Für die aus politischen, religiösen, rassistischen oder geschlechtsspezifischen Gründen Verfolgten weltweit, die unterm Radar bleiben.“
Abgesehen von der Textlänge einer einzigen Bitte, die schon trotz bester Absichten eine Herausforderung für das Zuhören und die Aufmerksamkeit darstellt, sind stilistische Aspekte problematisch: das Gebet für die Verfolgten, „die unterm Radar bleiben“? Die Leser- und Hörerschaft fragt sich: Welches oder wessen Radar ist gemeint? Vor Gottes Augen werden Sünden und Verbrechen nicht verborgen bleiben, und der Herr wird Gericht halten, auch über jene, die nicht an ihn glauben. Gott sieht, worum wir bitten und wovon wir schweigen.
Was aber, um die unglückliche Metapher aufzugreifen, ständig und fast überall in der Kirche des Herrn bei so vielen professionellen Fürbittautoren „unterm Radar“ bleibt, also schlicht übersehen und vergessen wird, das sind etwa die Gebete um Priesterberufungen, das sind mehr noch – wie das Zweite Vatikanische Konzil in der Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“ lehrt – die „verabscheuungswürdigen Verbrechen“, nämlich die massenhafte Tötung ungeborener Kinder im Mutterleib – allein in Deutschland werden etwa 100.000 Abtreibungen jährlich durchgeführt. Von diesem Skandal spricht in den Fürbitten fast niemand. Das ist für gläubige Katholiken unverständlich, ja ein himmelschreiendes Ärgernis.
Ein weiteres Beispiel vom ersten Sonntag der Österlichen Bußzeit zeigt, wie sehr die Kirchenprovinz Deutschland sich für „unsere Demokratie“ (Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier) einsetzt: „Für die Menschen in unserem Land und in ganz Europa, die in den nächsten Monaten wichtige Wahl-Entscheidungen zu treffen haben. Und für alle, die Aufgaben und Ämter zu übernehmen bereit sind und tun wollen, was demokratisch und gerecht ist.“ Beten dürften wir für alle, die nicht mit letzter Eindeutigkeit zu wissen meinen, „was demokratisch und gerecht“ in dieser Welt ist. Niemand möchte sich bei den Fürbitten darüber belehren lassen, was er demokratisch und gerecht zu finden hat.
Von Fürbittautoren werden nicht selten Entscheidungen, etwa die Aktionen des demokratisch eindeutig legitimierten amtierenden US-Präsidenten Donald Trump, zum Anlass genommen, um apokalyptische Fantasien in Gestalt von Fürbitten vorzutragen. Als die Mittelkürzungen für die amerikanische Hilfsbehörde USAID 2025 bekannt wurden, formulierte die Organisation „Brot für die Welt“ in Österreich: „Guter Gott, der du Wollen und Vollbringen in uns wirkst, sei bei uns und gib uns Kraft in diesen schwierigen Zeiten. Sei bei allen, die für Gerechtigkeit unter den verwundbarsten Menschen wirken, in Lateinamerika, Afrika, Asien, Südosteuropa, und die nun ohne die Hilfe aus den USA auskommen müssen, ohne die Kolleg:innen von dort und mit viel weniger Geld. Wehre dem Verzagen und schenke Ausdauer und Beharrlichkeit, wo es gilt, neue Kooperationspartner zu finden und Geldquellen zu erschließen. Erbarme dich, Gott, und lass nicht zu, dass Machtspiele einiger weniger die Lebensgrundlagen Vieler zerstören.“
Solche Fürbitten – „Machtspiele“ – sind ein reines politisches Statement. Dazu mag ein jeder seine ganz persönliche Meinung haben, die vom Schutz auf Meinungsfreiheit gedeckt ist, aber eine meinungsbildende Fürbitte wie diese gehört nicht in die Heiligen Messe. Stattdessen dürften und sollten wir um Gottes Führung bitten und um die Einsicht und den Mut, dass sich die Regierenden, dasss wir uns alle Seiner Weisung anvertrauen, ob gelegen oder ungelegen. Er allein, niemand sonst, ist der Herr der Geschichte, ist uns das noch bewusst?
Ein letztes Beispiel noch, das fast zum Schmunzeln einlädt, erneut aus den verbreiteten Fürbittvorschlägen des Bistums Trier: „Für die Sportlerinnen und Sportler, die bei den Olympischen Spielen Medaillen und Ehre gewonnen haben. Für die vielen, bei denen es nur knapp oder deutlich danebengegangen ist. Und für alle, die sich mit ihnen gefreut oder die mit ihnen getrauert haben.“ Ja, wir beten für Sportler, für Fernsehzuschauer – und es scheint, als ob irgendwelche Emotionen dieser Zeit aufgegriffen werden sollten. Lebensnähe, Lebenswirklichkeit? Manchem erscheint solches einfach nur absolut verzichtbar. Die Fußballweltmeisterschaft kommt bestimmt, wir dürfen uns sicher auch schon über die Fürbitten zu dem nächsten Spektakel dieser Art … „freuen“. Aber einfach gläubige Katholiken, auch jene, die einen Fernseher besitzen und mit Begeisterung Fußball schauen, wollen davon nichts in der Heiligen Messe hören. Deutlich wird hier vor allem die Banalisierung des Gebets, die Einzug in die Liturgie hält, und die Instrumentalisierung des Gebets für irgendwelche beliebigen säkularen Absichten.
Wer die Fürbitten in der Heiligen Messe vernimmt, dem kommt es vielfach vor, als sehe er die „Tagesschau“ oder das „Heute-Journal“, denn auch dort spielen Themen wie die Bitte um Evangelisierung und Erneuerung in Christus keine Rolle. Es scheint vielfach, als hätten wir den Adressaten der Gebete vergessen – den dreifaltigen Gott, zu dem wir uns zuvor im Credo der Kirche bekennen. Still für mich füge ich manchmal hinzu: Wir beten heute auch für alle, die an den Fürbitten leiden … Wer übrigens gute, gut verständliche und lesbare Fürbitten sucht, wird leicht fündig: Das Schott-Messbuch ist empfehlenswert, doch leider wird der Schott sonntags viel zu selten genutzt. Und das nicht nur, wenn Wahlen, Olympische Spiele oder Fußballweltmeisterschaften stattfinden.
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Cyprian63 vor 30 Minuten: @SalvatoreMio - kleine Korrektur
Die Fürbitte lautete (ist schon einige Zeit aus) ungefähr so: Dass die Menschen aller geschlechtlichen Orientierungen akzeptiert werden. Derartige Partnerschaften wurden nicht erwähnt, aber letztlich geht es ja auch darum. Nicht wenige Priester segnen Paare in ungeordneten Verhältnissen, was nichts anderes suggeriert als dessen Billigung.
"Fiducia supplicans" ist nicht unproblematisch.
Versusdeum vor 3 Stunden: @Aegidius
Einen Gottesdienst bei einer solchen Sekte würde ich nur ziemlich genau ein halbes Mal besuchen.
Tante Ottilie vor 4 Stunden: @Cyprian63
Auch unser übrigens noch relativ junger Pastor lässt gelegentlich anstelle der Fürbitten von uns allen gemeinsam ein passendes Grbet aus dem Gotteslob-Gebetbuch beten - finde ich gut!
Ich selbst verweigere übrigens Lektorendienst, weil ich keine mir nicht genehmen Fürbitten vortragen will.
Beim sog. Friedensgruß habe ich mir seit der Coronazeit statt des Händegebens die asiatische Namastegeste angewöhnt: Vor der Brust gefaltete Hände kombiniert mit höflicher stummer und meist ernster Vorbeugung zum Gegenüber- wird in unserer Gemeinde inzwischen vielfach ähnlich gehandhabt.
serafina vor 5 Stunden: Wenn der Mensch zum Maß aller Dinge wird ---
SalvatoreMio vor 6 Stunden: Inhalt der Fürbitten
@Cyprian63: Schlimm, was Sie da berichten! Es wird sogar gebetet für sündige Verhaltensweisen?! In meinem Ort gibt es gottlob mehrere Kirche, aber wo bleibt man, wenn es nur eine einzige Möglichkeit gibt zum Messbesuch? Einfach schrecklich, der Zustand, vor allem, wenn man nirgendwo protestieren kann, und wahrscheinlich nicht einmal beim Bischof!
Aegidius vor 6 Stunden: Die selbst erlebte/erlittene Krönung
V: Laß uns regionale Produkte kaufen.
A: Gott, Vater und Mutter, wir bitten Dich, erhöre uns.
Cyprian63 vor 7 Stunden: @doda; @Tante Ottilie
Manche Priester sind der Fürbitten schon überdrüssig und lassen sie werktags weg - habe ich erlebt. Nach "Sacrosanctum Concilium" sind sie auch nur für Sonn- und Feiertage vorgesehen.
Das Problem ist vor allem heute der Inhalt der Fürbitten: Gebetet wird nur zu oft, dass sich die Kirche ändert und nicht, dass die Welt und die Menschen sich ändern: Gleichberechtigung der Frau in der Kirche, Anerkennung aller geschlechtlichen Orientierungen und der dazugehörigen Partnerschaften, etc. Aber: keine Fürbitte um geistliche Berufungen, keine um die Umkehr der Menschen, keine für die wirkliche Not der Menschen. Da kann man durchaus verstehen, wenn Gläubige nicht antworten (können) oder gar hinausgehen, sich die Ohren zuhalten oder was auch immer.
Fink vor 7 Stunden: Selbstgebastelte Fürbitten - Nein Danke, das halten meine Nerven nicht mehr aus !
Bei Fernseh-Messfeiern drehe ich bei den Fürbitten den Ton aus.
Zum Schott-Messbuch der Erzabtei Beuron: das gibt es als gedrucktes Buch (Lesejahr A-B-C). Das gibt es aber auch online, allerdings nur jeweils für den aktuellen Tag.
SIEHE LINK
SalvatoreMio vor 7 Stunden: Bitten aus den Reihen der Gläubigen oder in Stille
@Gebsy: die allgemeinen Fürbitten sind Sache der ganzen Gemeinschaft, und sie sollten grundlegende Themen aufgreifen: Kirche und Nachfolge Christi; für Staat und Politiker; für die Völker und um Frieden; gegen Armut und Not; für die Verstorbenen. Wird persönlich aus den Reihen etwas vorgebracht, so ist es oft ein unverständliches Gemurmel.Für persönliche, stille Anliegen oder auch Danksagung, wird in der hl. Messe manchmal zu wenig Raum gegeben, z. B. nach Empfang der hl. Kommunion.
Tante Ottilie vor 7 Stunden: Respons-Verweigerung auf mir nicht passende Fürbitten
habe ich gelegentlich auch schon praktiziert.
Die Umgebung kriegt von diesem stillen Protest idR aber nichts mit.
Kürzlich machte der Poster antony den selbst mit Erfolg bei politischen Fürbitten erfolgreich in der eigenen Gemeinde praktizierten Vorschlag, sich bei solchen Fürbitten (zusätzlich) zu setzen und bei der nächsten genehmen Fürbitte dann wieder aufzustehen.
Ein sichtbares Zeugnis der Zustimmungsverweigerung, das ich durchaus sehr gut und angebracht finde!
Wirt1929 vor 8 Stunden: Banalisierung des Gebets
umschreibt es nur gelinde. Die Stellen des auf Durchzug Schaltens in der heiligen Messe häufen sich. Als junger Christ freute man sich an der neuen Form im Hören zu verstehen. Heute sehnt man sich immer öfter in die Zeit zurück, in der ich als junger Messdiener gern in der stillen Frühmesse diente. Weniger war schon immer mehr, besonders im Wort.
doda vor 8 Stunden: Ja, in unserer letzten Pfarrei habe ich die Kirche vor der Predigt verlassen und bin nach den Fürbit
gebsy vor 9 Stunden: Es gibt auch Vorlagen,
welche Raum für Bitten aus den Reihen der Mitfeiernden lassen. Diese können in Stille oder mit Worten eingebracht werden ...
Johannes14,6 vor 9 Stunden: Leider ist das Leiden nicht begrenzt auf die Fürbitten -
den verirrten Hirten möchte man zurufen:
Besinnt euch auf euren Kernauftrag und bleibt dabei !
dalex vor 9 Stunden: So ist es!
…wenn „unsere Demokratie“ auf „unsere Kirche“ trifft. Entscheidend ist das Uns, das Wir: die Omphaloi (Nabel) der Welt. Ach, ich habe schon häufig den Respons auf den Käse aus dem Ordinariat verweigert.
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