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Katholische Influencer öffnen neue Zugänge zum Glauben für die junge Generation

vor 8 Stunden in Jugend, 2 Lesermeinungen
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Die Gen Z sucht inmitten von Chaos, Fluidität und digitaler Oberflächlichkeit nach etwas Festem – nach Sinn, Gemeinschaft und Hoffnung. In den sozialen Medien gibt es Antworten.


Washington D.C. (kath.net/jg)
In den USA sorgt eine neue Generation junger katholischer Influencer in den sozialen Medien für Aufsehen. Mit Humor, ansprechenden Inhalten und Veranstaltungen für gleichgesinnte Interessenten bringen sie die katholische Kirche bei der Gen Z (Geburtsjahrgänge 1997 bis 2012) in Mode – und das mitten in einer Zeit großer Unsicherheit und Angst. Statt verstaubter Predigten gibt es lustige Videos über „aufdringliche Gedanken beim Beichten“, das „Evangelium nach Shrek“ oder eine Rangliste der besten katholischen Kirchen in New York City.  Die New Yok Post hat dem Phänomen einen Beitrag gewidmet.

Der Trend zeigt sich deutlich: Viele junge Menschen, vor allem zwischen 18 und 35 Jahren, strömen der Kirche zu. Bei den diesjährigen Feiern der Osternacht am 5. April wurden in den USA so viele Neueintritte verzeichnet wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Experten sprechen von einem Pendelschwung: Nach Jahren, in denen Religion bei jungen Leuten eher negativ konnotiert war, wird der katholische Glaube jetzt durch die sozialen Medien sichtbar und akzeptabel.

Zu den prominentesten Influencern gehören:

David Henrie (36), ein bekannter Schauspieler mit 2,9 Millionen Abonnenten auf Instagram. Er teilt offen seinen katholischen Glauben und unterhält sich mit Größen wie Bischof Robert Barron, der selbst 654.000 Abonnenten hat.

David Michael Moses, ein junger Priester mit 1,1 Millionen Instagram-Followern. Seine Videos tragen Titel wie „Ein Wochenende als katholischer Priester“ oder „Das Evangelium nach Shrek“ und sind humorvoll und gut verständlich.


Anthony Gross (22) aus New York mit 125.000 Instagram-Abonnenten (@anthonygross_). Er kombiniert katholische Inhalte mit Fitness-Videos und wurde durch seine Rangliste katholischer Kirchen in New York City bekannt. Gemeinsam mit seiner Freundin Kate DePetro organisiert er Treffen in der Pizzeria vor der Messe, bei denen fast 100 junge Erwachsene (22–30 Jahre) zusammenkommen – etwa in St. Joseph’s in Greenwich Village. Gross betont: „Gen Z fühlt sich oft verloren und ohne Richtung. Die besten Gegenmittel sind erstens Gott und zweitens echte Verbindung mit Menschen, die ähnliche Werte haben.“

John French (22) mit 180.000 Instagram-Abonnenten (@johniscatholic). Der Theologie-Absolvent der University of Notre Dame Australia produziert leichte, humorvolle Videos mit Titeln wie „Die drei aufdringlichsten katholischen Gedanken“ (z. B. „Was, wenn ich einfach so einen Mord beichte?“) oder Fantasien, wie Heilige auf Livestreams auftreten würden. Er orientiert sich an J.R.R. Tolkien: Nicht direkte Evangelisierung, sondern Unterhaltung, die auf natürliche Weise zu Wahrheit, Güte und Schönheit führt. „Die Leute sind heute unsicher, was sie glauben sollen. Die Kirche kann ein Anker sein – sie bietet Hoffnung in einer Kultur der Beliebigkeit“, sagt er.

Eliza Monts (27) aus Charleston mit 82.600 Abonnenten (@elizawritesthings). Sie schreibt auf Substack und postet intellektuellere, teils politische Inhalte, um eine inklusive Glaubens-Community aufzubauen. „Manche Leute reden einfach gerne über das, was sie lieben – ob Sauerteigbrot, Mode oder eben den katholischen Glauben.“

Emily Dinneny (@catholic.converts) mit fast 100.000 TikTok-Followern, die ihre eigene Konversionsgeschichte teilt.

Diese Influencer mischen Humor mit Bildung, Popkultur-Referenzen und echten Treffen. Sie machen aus der Messe kein steifes Ritual, sondern etwas Lebendiges und Gemeinschaftliches.

Mitchell Thomas Rozanski, Erzbischof von St. Louis, erklärt den Trend so: „In unserem Zeitalter der Unsicherheit und großen Angst gibt es einen Durst und Hunger nach Gott und der Stabilität, die der Glaube mitbringt.“ Die Wahl von Papst Leo XIV. – dem ersten US-amerikanischen Papst – im Jahr 2025 hat vielen US-Amerikanern die Kirche zusätzlich nähergebracht.

Anthony Gross beobachtet: „Vor ein paar Jahren hatte Glaube noch eine negative Konnotation. Jetzt hat das Pendel umgeschlagen. Heute sei der Glaube in den traditionellen Medien aber vor allem in den sozialen Medien sichtbarer als früher: ‚Oh, viele machen das. Das ist akzeptabel. Jemand, den ich respektiere, geht wieder zur Messe – vielleicht sollte ich das auch tun.‘“

Nicht alle sehen dieses Phänomen positiv. Dr. Michael E. Heyes vom Institut für Religionswissenschaft am Lycoming College in Williamsport warnt: Die sozialen Medien könnten auch hier bei den Zuschauern ein Gefühl der Unzulänglichkeit erzeugen, weil das gezeigte Leben oft perfekt kuratiert wirke. Zudem führe die Mischung aus Religion und Politik häufig zu kontroversen Inhalten, die Spaltung und Streit erzeugen, statt alle an einen Tisch zu holen.

Trotzdem überwiegt der positive Effekt: Die jungen Influencer zeigen, dass Glaube nicht altmodisch sein muss, sondern modern, witzig und gemeinschaftsstiftend sein kann.

Was früher als „uncool“ galt, wird durch TikTok-Videos und Instagram-Geschichten plötzlich interessant. Die Gen Z sucht inmitten von Chaos, Fluidität und digitaler Oberflächlichkeit nach etwas Festem – nach Sinn, Gemeinschaft und Hoffnung. Diese jungen katholischen Creator liefern genau das: Sie machen die Kirche nicht nur wieder sichtbar, sondern richtig angesagt.

Ob Pizza vor der Messe, Shrek und der Gospel oder humorvolle Alltagsgedanken – der Glaube kommt dort an, wo die junge Generation sowieso ist: auf dem Smartphone. Und offenbar funktioniert es. Die steigenden Konversionszahlen sprechen für sich.

 


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Lesermeinungen

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