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Bischof: „Bin durch diese Äußerungen von Staatsanwälten und Richtern verletzt. Das ist Hassrede“

vor 4 Stunden in Aktuelles, 2 Lesermeinungen
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Niederländischer Weihbischof Robert Mutsaerts kritisert Gerichtsurteil gegen ehemalige finnische Innenministerin Päivi Räsänen – „Es gab Zeiten, da suchten Menschen Trost in der Bibel. Heute suchen sie darin nach etwas Strafbarem.“


’s-Hertogenbosch (kath.net) „Es gab Zeiten, da suchten Menschen Trost in der Bibel. Heute suchen sie darin nach etwas Strafbarem. Das kann man wohl kaum Fortschritt nennen. Man hat entdeckt, dass bestimmte Verse verletzen können. Das ist eine bemerkenswerte Erkenntnis, denn jeder, der die Bibel auch nur ein wenig kennt, weiß, dass sie das schon seit Jahrtausenden tut. Die Bibel verletzt jeden (schließlich ist jeder ein Sünder), und das ist vielleicht ihre ehrlichste Eigenschaft. Die Bibel verschont niemanden, und das ist heutzutage natürlich verdächtig.“ Das schreibt Robert Mutsaerts, Weihbischof der Diözese ’s-Hertogenbosch, auf seinem Blog „Paarse Pepers“. Sein Beitrag trägt den Titel: „Leiden nun auch Richter unter Christenphobie?“ Er bezieht sich auf die Verurteilungen von Päivi Räsänen, ehemalige finnische Innenministerin (siehe Link), sowie Pastor Olaf Latzel aus der Evangelischen Kirche in Deutschland vor jeweils zuständigen Gerichten.

Der Weihbischof führt weiter aus: „Nun gibt es Menschen – darunter die bereits erwähnten Latzel und Räsänen –, die das Buch nicht nur lesen, sondern auch daraus zitieren. Das ist mutig, denn heutzutage weiß man nie, ob man ein Verbrechen begeht oder ob es lediglich Ausdruck der Frömmigkeit ist. In beiden Fällen lautete das Ergebnis: ein Verbrechen. Man spricht feierlich von ‚Anstiftung zum Hass‘. Es ist ein Wort, das so inflationär gebraucht wird, dass es mittlerweile wie ein kompliziertes Gerät klingt: Man schaltet es ein, und irgendwo fängt etwas an zu summen. Niemand weiß mehr genau, was vor sich geht, aber es fühlt sich ernst an, und das genügt.“


Er weist auf die Ironie hin, „dass sich ausgerechnet die Gesellschaft, die sich selbst als Verfechterin der Toleranz bezeichnet, wie ein überempfindlicher Sensor verhält. Alles darf gesagt werden – solange es niemanden an eine Wahrheit erinnert, die er lieber nicht hören möchte. Die Meinungsfreiheit ist somit zu einem Fetzen verkommen, auf den man besser nicht tritt.“

Dabei scheine das Problem zu sein, „dass Worte Konsequenzen haben“, schildert Mutsaerts. Dies sei zwar eigentlich „keine neue Erkenntnis, aber sie wurde neu interpretiert: Worte beeinflussen in erster Linie Gefühle. Und Gefühle, so hat man beschlossen, sind extrem zerbrechlich. Sie müssen geschützt, gehegt und – wenn nötig – juristisch gegen unerwünschte Urteile verteidigt werden. Das Merkwürdige ist, dass dieselbe Person, die in den sozialen Medien ungeniert alles Mögliche aneinanderschreien kann, plötzlich zu einem Porzellangefäß wird, sobald ein alter Vers zitiert wird. Man muss vorsichtig damit umgehen, denn es verträgt nicht viel.“

Weihbischof Mutsaerts äußert seine Befürchtung, „dass man in Zukunft auch Bücher mit Vorsicht behandeln muss. Vielleicht bekommen sie Warnhinweise auf dem Umschlag, wie bei Zigaretten. ‚Vorsicht: Dieses Buch regt zum Nachdenken an.‘ Oder noch schlimmer: ‚Dieses Buch enthält Meinungen.‘ Und doch hat diese ganze Entwicklung etwas Rührendes. Die Menschen wünschen sich eine Welt ohne schmerzhafte Worte, ohne scharfe Gedanken, ohne das unangenehme Gefühl, im Unrecht zu sein. Es ist ein bisschen so, als wolle man einen Garten ohne Dornen und wundere sich dann, warum die Rosen verschwinden.“

Ironisch bringt er in Überlegung, dass es „deshalb vielleicht am besten“ sei, „die Bibel vorerst einfach geschlossen zu lassen. Nicht weil sie gefährlich ist, sondern weil wir verlernt haben, sie zu lesen, ohne gleich vor Gericht zu ziehen. Und das wäre schade. Denn ein Buch, das jedem ein wenig widerspricht, könnte genau das Buch sein, das wir brauchen – und sei es nur, um uns daran zu erinnern, dass nicht alles, was uns stört, sofort verboten werden muss. Aber die Menschen lesen es lieber nicht. Und so verfolgen sie weiterhin, empört und von ihrer eigenen Nachsicht überzeugt, und beweisen dabei, dass sie jegliches Verständnis von Toleranz verloren haben. Ach ja, gegen ähnliche Äußerungen von Imamen schreiten sie selten ein. Der Grund dafür liegt auf der Hand. Ganz einfach: Sie sind Feiglinge.“

Abschließend weist er darauf hin: „Auch ich bin durch diese Äußerungen von Staatsanwälten und Richtern verletzt. Das ist Christenphobie. Das ist Hassrede. Wird der Richter mir da zustimmen? Auch hier ist die Antwort leicht zu erraten.“

Archivfoto Bischof Mutsaerts (c) Bistum ‘s-Hertogenbosch


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Lesermeinungen

Versusdeum vor 1 Stunden: Die Zeit offener Christenverfolgungen beginnt.

Wann wird es bei uns soweit sein?

Versusdeum vor 2 Stunden: Rechtsstaaten am Ende

Immerhin weiß jetzt jeder, dass in Finnland Grundrechte sowie Religions- und Bekenntnisfreizeit nicht mehr gelten. Ein über viele Jahre und Instanzen erzwungener Präzedenzfall und eine Blaupause für viele andere Staaten wie Deutschland, in denen sich schon lange solche Entwicklungen andeuten. Und da UvD jetzt keinerlei Widerstand aus den EU-Staaten mehr erwarten muss, kann sie vollenden, was sie angefangen hat - u.a. dank des geplanten EU-Geheimdienstes.

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