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vor 9 Stunden in Weltkirche, 14 Lesermeinungen
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Hirten der Kirche sollten Verwirrung vermeiden, indem sie den Gläubigen helfen, Geheimnisse des Glaubens anzunehmen, anstatt den Eindruck zu erwecken, bereits klargestellte Dinge wie die Männern vorbehaltene Priesterweihe stünden zur Diskussion.
Washington D.C. (kath.net/jg)
Der Theologe und Autor George Weigel (Foto), bekannt durch seine zweibändige Biographie von Papst Johannes Paul II., hat in einem offenen Brief an Kardinal Jean-Claude Hollerich SJ, den Erzbischof von Luxemburg, dessen Stellungnahme zur Frauenordination kritisch analysiert. Hollerich hatte sinngemäß geäußert, er könne sich nicht vorstellen, dass die Kirche Frauen den Zugang zum geweihten Dienst auf Dauer vorenthalte.
kath.net bringt den auf dem Portal First Things veröffentlichten offenen Brief von George Weigel an Kardinal Hollerich in voller Länge in eigener Übersetzung:
Eure Eminenz,
in einem kürzlich auf einer großen deutschen katholischen Website veröffentlichten Artikel haben Sie den Eindruck erweckt, die Frage, ob die Kirche Frauen weihen könne, sei noch nicht endgültig entschieden: „Ich kann mir nicht vorstellen, wie eine Kirche auf Dauer weiterbestehen kann, wenn die Hälfte des Volkes Gottes leidet, weil sie keinen Zugang zum geweihten Amt hat.“
Lassen wir für einen Moment die Fragen beiseite, was genau und auf welche Weise das Leiden durch die uralte Praxis der Kirche verursacht wird, nur Männer zum heiligen Weiheamt zu berufen. Ihre Formulierung wirft Fragen zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf.
Wollen Sie zum Beispiel sagen, dass das katholische Verständnis des Weihesakraments seit zwei Jahrtausenden grundlegend falsch gewesen sei? Wie würde sich eine solche Vorstellung mit der Verheißung des Herrn vereinbaren lassen, seine Kirche durch das fortwährende Ausgießen des Heiligen Geistes in der Wahrheit zu bewahren (Joh 15,16; 16,13)? Die Frage, wer zum heiligen Weiheamt zugelassen werden kann, wurde nie als eine nebensächliche Angelegenheit der kirchlichen Disziplin verstanden. Sie wurde vielmehr als etwas betrachtet, das das Wesen des geweihten Amtes selbst berührt – und dieses Amt ist ein wesentlicher Bestandteil der Struktur der Kirche. Die Kirche aber ist Christi Schöpfung, nicht unsere eigene. Hat die Kirche Christus zweitausend Jahre lang missverstanden? Oder hat Christus sich geirrt, als er die Kirche und ihr Weiheamt so gestaltet hat, wie sie seit zwei Jahrtausenden bestehen?
Zu Ihrer Unfähigkeit, sich eine Zukunft der Kirche vorzustellen, in der Frauen nicht zum Weiheamt berufen werden: Legt das nicht ein recht klerikales Verständnis des Lebens im Reich Gottes nahe, das wir bereits jetzt führen (Mk 1,15)? Wenn das Reich Gottes in der Zeit des Herrn unter uns hereingebrochen ist und wenn dieses Hereinbrechen und seine Verheißung des ewigen Lebens die Wirklichkeit ist, in der wir jetzt leben (so oft wir das auch vergessen), wie kann dann „die Hälfte des Volkes Gottes“ von der Fülle des Lebens im Geist abgeschnitten sein? Und was sagt Ihre Sorge um die Zukunft über Ihr Verständnis des Hereinbrechens des Reiches in der Vergangenheit aus? War die Gottesmutter von der Fülle des Lebens im Reich Gottes abgeschnitten, das ihr Sohn verkündet hat, weil er sie nicht zum Weiheamt berufen hat? Galt das für Katharina von Siena, Teresa von Ávila und Edith Stein – allesamt Patroninnen Europas? Galt das für Ihre Mutter? Für meine?
Dann die Gegenwart. Die katholische Kirche nimmt die göttliche Offenbarung ernst. Das bedeutet, dass Gottes Erschaffung des Menschen als Mann und Frau – gleichermaßen menschlich, unterschiedlich menschlich und einander ergänzend menschlich – nicht einfach eine Sache des Schöpfers war, der durch die Mechanismen der Evolutionsbiologie wirkte. Genesis 1,27 – „Als Mann und Frau schuf er sie“ – ist keine bloße Beschreibung, sondern offenbart tiefe Wahrheiten, die in die menschliche Existenz eingeschrieben sind. Deshalb kann und will die katholische Kirche das spätmoderne und postmoderne Konstrukt einer unisexuellen Menschheit nicht akzeptieren, in dem Männlichkeit und Weiblichkeit auf unterschiedliche anatomische Merkmale reduziert werden.
Im fünften Kapitel des Epheserbriefes beschreibt der heilige Paulus das Verhältnis des Herrn zu seiner Kirche als bräutlich: Der Herr liebt die Kirche, wie ein Ehemann seine Frau liebt. Der geweihte Priester verkörpert nach katholischem Verständnis genau diese bräutliche Beziehung Christi zur Kirche. Priester sind nicht bloß Mitglieder eines klerikalen Standes, dem bestimmte kirchliche Funktionen zugewiesen sind. Vielmehr ist der geweihte Priester ein Bild Christi, des Hohenpriesters, des Bräutigams der Kirche.
Kulturen, die nur in einem Geschlecht denken, tun sich mit dieser Vorstellung schwer. Ebenso Kulturen, die sich einbilden, zwei Männer oder zwei Frauen könnten einander „heiraten“. Die Kirche ist jedoch nicht verpflichtet, sich den Verwirrungen irgendeiner Kultur zu unterwerfen. Und sie kann erst recht nicht ihre Überzeugung aufgeben, dass Gott wichtige Wahrheiten über unser Menschsein offenbart hat – sowohl als der Heilige Geist den Verfasser von Genesis 1,27 inspirierte, als auch als derselbe Geist den heiligen Paulus inspirierte, das 5. Kapitel des Epheserbriefs zu schreiben.
Der heilige Paulus hat diese bräutliche Beziehung Christi zur Kirche, die für das katholische Verständnis entscheidend ist, wer zum Weiheamt berufen werden kann, auch als „großes Geheimnis“ bezeichnet – also als eine tiefe Glaubenswahrheit, die nur in der Liebe erfasst werden kann, so sorgfältig wir sie auch intellektuell zu verstehen versuchen. Gestatten Sie mir den Vorschlag, Eure Eminenz, dass die Hirten der Kirche weitere Verwirrung (und tatsächlich auch das Leiden, das durch solche Verwirrungen entsteht) vermeiden sollten, indem sie dem Volk Gottes helfen, die Geheimnisse des Glaubens in Liebe anzunehmen – statt den Eindruck zu erwecken, dass etwas, das durch die göttliche Offenbarung und die verbindliche Lehre der Kirche (im Apostolischen Schreiben Ordinatio Sacerdotalis von 1994) entschieden wurde, in Wirklichkeit noch nicht entschieden sei.
In der Gemeinschaft des österlichen Glaubens
GW
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lakota vor 5 Stunden: @Lupivius
Auf die Aussage von Kardinal Hollerich zu den "leidenden Frauen" die nicht geweiht werden können, habe ich letzte Woche in meiner Tageszeitung einen Leserbrief geschrieben.
U.a. habe ich geschrieben: "ICH leide jeden Sonntag in der Hl. Messe, wenn ich die anwesenden Frauen im Rentenalter sehe und frage mich, wo sind die "leidenden Frauen" zwischen 20-40 Jahren, die gern Priesterin werden möchten?"
Ich weiß nicht, wie das woanders ist, aber bei uns ist die Altersgruppe 20-40 gleich Null.
Wem die Hl.Messe gleichgültig ist, soll doch nicht nach dem Priesteramt für Frauen schreien.
Sextus vor 6 Stunden: Verschiedenes über das Zölibat der Priester in den östlichen Kirchen
Sowohl den Orthodoxen Kirchen als auch den 24 mit Rom unierten Kirchen östlichen Ritus ist das Zölibat nicht egal.
Verheiratete Männer dürfen so sein vor der Weihe als Diakone (!) und Priester. Danach dürfen sie, zB beim Tod der Ehefrau, nicht wieder heiraten.
Nach der Weihe darf ein geweihter unverheirateter Mann nicht heiraten.
Verheiratete Priester dürfen nicht Bischöfe werden. Bischöfe werden ausschließlich aus dem zölibatären Priestertum gewählt.
Übrigens, ist die Verfügung des Papstes in "Ordinatio Sacerdotalis" wohl "de fide".
elmar69 vor 8 Stunden: @modernchrist
Das Zölibat ist viel einfacher aufzuheben, als die Frauenordination einzuführen, insofern wird letztere sicherlich nicht der Anstoß für ersteres sein.
Im Übrigen gibt es bereits katholische Priester ohne Zölibat: regulär in Gemeinschaften nach orthodoxer Tradition und als Ausnahme beim Übertritt evangelischer Pastoren.
Lupivius vor 9 Stunden: Wurde da Theologie studiert oder Ostfriesische Minne des Frühmittelalters?
Diese Frage stelle ich mir immer wieder, wenn ich solch hanebüchenen Unsinn lese oder höre über Frauenordination und die "armen, leidenden Frauen in der Kirche". Haben einige Theologen und sogar Bischöfe nie die Evangelien gelesen?
Die Heilige Schrift und speziell die Evangelien geben doch Narrensicher und Glockenklar Auskunft über diese Frage. Atheisten und Neuheiden sehe ich diese Frage nach - sie kennen die Heilige Schrift nicht. Aber ein Katholiken und erst Recht ein Kleriker haben Bescheid zu wissen.
modernchrist vor 9 Stunden: Wunderbar, der Brief von George Weigel!
Eigentlich ist es ja völlig uninteressant, dass und ob sich Hollerich eine Kirche in Zukunft ohne Frauenweihe nicht vorstellen kann. Mit der Frauenweihe wäre alles sofort anders, es fiele auch sofort der Zölibat: Warum? Selbst wenn diese Frauen bei der Weihe zölibatäres Leben versprechen würden, so hätten wir doch spätestens zwei Jahre später die erste schwangere Priesterin am Altar. Und dann ginge das Geschrei los: Seht die Herzenshärte dieser Kirche! Sie erlaubt nicht den Einzug des Kindsvaters ins Pfarrhaus! Sie erlaubt nicht die Ehe für diese Schwangere! Und wenn die Frauen heiraten, dann sofort natürlich auch die männlichen Priester! Es ist daher völlig töricht und unverantwortlich von Bischöfen, hier immer wieder aufzustacheln und anzuzweifeln! Es sollte von Rom aus endlich untersagt werden.
Sextus vor 9 Stunden: Peinlich!
Der Kardinal argumentiert, wie üblich, soziologisch über Dinge, die sich nur der theologischen Betrachtung zugänglich sind. Bei Laien ist dies entschuldbar, bei einem Kardinal, nicht.
Es ist peinlich, dass solche elementaren Wahrheiten den Verwirrungen eines Kardinals entgegengesetzt werden müssten.
Schon di Tatsache, dass einem Mann wie Jean-Paul Hollerich, S.J., dessen Ansichten dem Vatikan gewiß nicht verborgen waren, die Kardinalwürde verliehen wurde, lässt über die Blüten des Franziskus Pontifikats den Kopf schütteln.
In Ordinatio Sacerdotalis beruft sich Johannes-Paul II bei seiner Entscheidung ausdrücklich auf sein apostolisches Amt und erklärt die Frage des Priestertum der Frau als eins für allemal für alle Katholiken entschieden. Roma locuta, causa soluta.
Meinetwegen eine noch offene Frage! ....
serafina vor 12 Stunden: Mutter Teresa zum Thema "Frauenpriestertum"
Sie argumentierte, dass niemand würdiger für das Priesteramt gewesen wäre als Maria, die Mutter Jesu, die „ihm seinen Leib gegeben hat“. Da Jesus sie jedoch nicht zum Priester berufen habe, sah sie darin eine Bestätigung, dass das Amt nicht für Frauen vorgesehen ist. Sie betonte, Maria sei „zufrieden mit ihrem Los“ gewesen, die Magd des Herrn zu bleiben, und habe ihm in Demut gedient. Jesus hat sie beim letzten Abendmahl nicht zum Priestertum berufen. Wenn er Frauen nicht zu Priestern gemacht hat, warum sollten wir das ändern?«
SalvatoreMio vor 12 Stunden: Maria ist unsere Mutter und Stütze
@Versusdeum: noch eine Nebenbemerkung: die Mutter unseres Herrn verschwindet immer mehr aus dem Leben unserer Gemeinden. Rosenkranzandachten sind verpönt; zu Beerdigungen gehört das "Lichtergebet". Ich finde es zwar ganz angenehm, aber im Rosenkranz sprechen wir eine Person an, die ihr himmlisches Ziel erreicht hat, die uns helfen kann: Maria! - Wo sind die Priester, die die noch vorhandenen Kirchgänger an den Unterschied erinnern - zumindest im Pfarrbrief? (Danke für Ihre Beiträge!)
SalvatoreMio vor 12 Stunden: Ordinatio Sacerdotalis
@Herr George Weigel: Ich bin Ihnen aufrichtig dankbar für Ihren Brief an Kardinal Hollerich. Das Drängen mancher Christen nach Frauenpriestertum ist nicht neu, wurde aber u. a. enorm verstärkt durch den eigenwilligen Synodalen Weg in Deutschland. - Hätten die deutschen Bischöfe ihr klares "Nein" zu diesen Ambitionen ausgesprochen, so wären nicht ständig neue Forderungen aufgetaucht. Aber manche Bischöfe haben klar mit protestierenden Frauengruppen geliebäugelt. Diesbezüglich sind mir noch ekelhafte Szenen vor Augen. Zumindest die katholische Kirche in Westeuropa ist in sich deutlich gespalten und dadurch geschwächt. Doch was sagte unser Herr und Meister? "Jedes Reich, das in sich gespalten ist, geht zugrunde". Statt immer wieder das Thema Frauenpriestertum anzufeuern, hätten unsere Bischöfe gut daran getan, die Pfarreien zu verpflichten, zumindest monatliche eucharistische Andachten zu halten mit der Intention, Priesterberufungen zu erbitten.
girsberg74 vor 13 Stunden: „Sie wollten sich einen Namen machen !“
Es ist der Turmbau zu Babylon,
der bei Hollerich und (seinesgleichen) Pate steht.
Versusdeum vor 13 Stunden: Gott selbst hat keine Frau
zum Apostel berufen, obwohl er mit seiner Mutter den buchstäblich begnadetsten (reinen) Menschen an der Seite hatte und mit Maria Magdalena eine ebenfalls bis unter das Kreuz treue Jüngerin. Die er sehr geschätzt hatte. Nein, auch Flucht oder Verleugnung durch offenbar fast alle Apostel haben den Auferstandenen nicht dazu gebracht, seine Kirche zu ändern, deren Struktur ohnehin seit Anbeginn der Zeiten schon Feststand. Eine "Kirche" mit Priesterinnen mag sich ein Kardinal vorstellen können, aber sie wäre nicht (mehr) die Kirche Christi.
Wirt1929 vor 13 Stunden: Die Irrwege,
von Kardinal Hollerich aufgeworfen, führen einmal mehr zur Aufwertung jener, die sich innerlich von der sakramentalen Kirche bereits gelöst haben und andere kirchendemokratische Wege, Abseits des Evangeliums, einzuführen anstreben. Der hoffnungslose deutsch-synodale Weg erfährt zusätzliche Bestärkung. Mich nerven die intellektuell verpackten Besorgnisbekundungen einiger Hirten zur Zukunft der Kirche ohne demokratischer Beteiligung in allen kirchlichen Belangen. Darauf zielen unter anderem doch derartige Gedankenspiele. Was dann von der Kirche Jesu Christi bleibt, mag ich mir nicht vorstellen. Dies hat rein nichts mit Frauenfeindlichkeit zu tun, sondern ausschließlich mit evangeliumstreuen Gehorsam. George Weigel ist zuzustimmen.
Freude an der Kirche vor 13 Stunden: Es ist von Gott her entschieden
Vielen Dank, sehr geehrter Hr. George Weigel, für diesen offenen Brief an Kardinal Hollerich!
naiverkatholik vor 13 Stunden: Gilt Ordinatio Sacerdotalis endgültig? Rom: Ja!
Rom, Kongregation für Glaubenslehre, 1995, Anfrage zu Zweifel, ob Ordinatio Sacerdotalis endgültig ist, dass Kirche nicht Vollmacht hat, Frauen Priesterweihe zu spenden, ob das festes Glaubensgut ist? Antwort: Ja!
Jeder darf anderer Meinung sein, erst recht jeder kleine Laie. Dass aber Bischöfe, auch deutsche, den Zweifel befördern, ist formell ungehorsam.
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