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Wenn Teilen zum Wunder wird. Der Weg zu Gerechtigkeit und Frieden

vor 8 Stunden in Aktuelles, 1 Lesermeinung
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Leo XIV.: Die Speisung der Vielen als Maßstab christlichen Handelns. Die Verantwortung von Kirche, Gesellschaft und Familie. Von Armin Schwibach


Douala (kath.net/as) Im Japoma-Stadion von Douala feierte Papst Leo XIV. die heilige Messe mit rund 120.000 Gläubigen aus Kamerun. Ausgangspunkt seiner Predigt war das Evangelium von der Speisung der Vielen aus dem Johannesevangelium.

Der Papst stellte die Frage Jesu in den Mittelpunkt: „Was tut ihr?“. Diese Frage richte sich an alle Menschen - an Familien, an Hirten der Kirche, an Verantwortliche in Gesellschaft und Politik. Sie betreffe die grundlegende Erfahrung des Hungers, die den Menschen als Geschöpf kennzeichne und ihn auf Gott verweise. Anhand der Speisung mit fünf Broten und zwei Fischen erklärte der Papst, dass das Wunder im Teilen geschehe. Das Wenige werde ausreichend, wenn es weitergegeben werde. Jesus habe das Brot gesegnet, gedankt und es ausgeteilt, sodass alle satt geworden seien. Daraus folge, dass auch heute Nahrung für alle vorhanden sein könne, wenn sie nicht zurückgehalten, sondern geteilt werde.

Der Papst führte aus, dass dieses Zeichen nicht nur die leibliche Nahrung betreffe, sondern auch die geistliche. Neben dem Brot für den Körper brauche der Mensch die Nahrung für die Seele. Diese finde er in Christus selbst, der seine Kirche durch die Eucharistie nähre. Die Feier der Eucharistie sei daher Quelle der Gemeinschaft und Grundlage eines erneuerten Lebens im Glauben.

Mit Blick auf die konkrete Situation sprach der Papst von materieller und geistiger Armut im Land. Er rief dazu auf, sich nicht von Mutlosigkeit oder Gewalt bestimmen zu lassen, sondern Wege des Guten zu suchen. Jede Geste der Solidarität, der Vergebung und der Hilfe sei ein Beitrag zur Überwindung von Not. Besonders wandte sich der Papst an die jungen Menschen. Er forderte sie auf, ihre Fähigkeiten einzusetzen und Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen. Sie sollten sich nicht von falschen Versprechungen leiten lassen, sondern ihre Kraft in den Dienst der Gemeinschaft stellen.

Abschließend erinnerteLeo XIV. an das Zeugnis der ersten Christen, wie es in der Apostelgeschichte überliefert ist. Auch heute sei es Aufgabe der Gläubigen, das Evangelium zu verkünden und durch ihr Leben Spuren von Gerechtigkeit, Frieden und Glauben zu hinterlassen.

kath.net veröffentlicht die Predigt von Papst Leo XIV. bei der Heiligen Messe auf dem Gelände des Flughafens von Bamenda

Liebe Brüder und Schwestern,

das Evangelium, das wir gerade gehört haben (Joh 6,1-15), ist ein Wort des Heils für die. gesamte Menschheit. Überall wird diese Gute Nachricht heute verkündet, die für die Kirche in Kamerun als eine providentielle Botschaft der Liebe Gottes und unserer Gemeinschaft erklingt. Das Zeugnis des Apostels Johannes berichtet uns nämlich von einer großen Menschenmenge (vgl. VV. 2-5), so wie dieser hier. Für all die Menschen ist jedoch nur sehr wenig zu essen da: lediglich »fünf Gerstenbrote und zwei Fische«(V.9).Angesichts dieses MissverhältnissesfragtJesusunsheute so, wie er damals seine Jünger gefragt hatte: Wie wollt ihr dieses Problem lösen? Ihr seht, wie viele hungrige Menschen es gibt, die von der Mühsal erschöpft sind. Was tut ihr?


Diese Frage richtet sich an uns alle: Sie richtet sich an die Väter und Mütter, die sich um ihre Familien kümmern. Sie richtet sich an die Hirten der Kirche, die die Herde des Herrn hüten. Sie richtet sich an alle mit gesellschaftlicher und politischer Verantwortung für das Wohl des Volkes. Christus richtet diese Frage an die Mächtigen und die Schwachen, an die Reichen und die Armen, an die Jungen und die Alten, weil wir alle gleichermaßen Hunger haben. Diese Bedürftigkeit erinnert uns daran, dass wir Geschöpfe sind. Wir müssen essen, um zu leben. Wir sind nicht Gott. Aber wo ist Gott angesichts des Hungers der Menschen?

Während Jesus auf unsere Antworten wartet, gibt er die seine: »Dann nahm Jesus die Brote, sprach das Dankgebet und teilte an die Leute aus, so viel sie wollten; ebenso machte er es mit den Fischen« (V. 11). Ein ernstes Problem wird gelöst mit der Segnung der wenigen vorhandenen Speisen und mit ihrer Verteilung an alle, die Hunger haben. Die Vermehrung der Brote und Fische geschieht im Teilen: Das ist das Wunder! Es gibt Brot für alle, wenn man es allen gibt. Es gibt Brot für alle, wenn es nicht mit Händen genommen wird, die es für sich behalten, sondern mit Händen, die es weiterschenken. Betrachten wir die Geste Jesu genau: Wenn der Sohn Gottes das Brot und die Fische nimmt, sagt er zuallererst Dank. Er ist dem Vater dankbar für ein Gut, das zur Gabe und zum Segen für das ganze Volk wird.

Auf diese Weise gibt es reichlich Essen: Es wird nicht aus Not rationiert, es wird nicht im Streit geraubt, es wird nicht von denen verschwendet, die sich vor den Augen derer vollstopfen, die nichts zu essen haben. Als es von den Händen Christi in die Hände seiner Jünger übergeht, vermehrt sich das Essen für alle, ja, es ist im Überfluss vorhanden (vgl. VV. 12-13). Beeindruckt von dem, was Jesus getan hat, rufen die Menschen aus: »Das ist wirklich der Prophet« (V. 14), also derjenige, der im Namen Gottes spricht, das Wort des Allmächtigen. Das ist zwar wahr, doch Jesus verwendet diese Worte nicht, um einen persönlichen Erfolg zu erzielen: Er will kein König werden (vgl. V. 15), denn er ist gekommen, um in Liebe zu dienen, nicht um zu herrschen.

Das Wunder, das er vollbracht hat, ist ein Zeichen dieser Liebe: Es zeigt uns nicht bloß, wie Gott die Menschheit mit dem Brot des Lebens nährt, sondern auch, wie wir diese Nahrung allen Männern und Frauen bringen können, die wie wir nach Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit hungern. Jede Geste der Solidarität und Vergebung, jede Initiative des Guten ist ein Bissen Brot für die Menschheit, die der Fürsorge bedarf. Und doch reicht dies nicht aus. Der Nahrung, die den Leib stärkt, muss nämlich mit gleicher Liebe die Nahrung für die Seele beigegeben werden, eine Nahrung, die unser Gewissen nährt und uns in dunklen Stunden der Angst, in der Finsternis des Leidens, Halt gibt. Diese Nahrung ist Christus, der seine Kirche stets überreich nährt und uns auf unserem Weg durch seinen Leib stärkt.

Schwestern und Brüder, die Eucharistie, die wir feiern, wird somit zur Quelle eines erneuerten Glaubens, weil Jesus unter uns gegenwärtig ist. Das Sakrament erneuert nicht nur die Erinnerung an ein lang zurückliegendes Ereignis, sondern begründet eine Weg-Gemeinschaft, die uns verwandelt,weil sie uns heiligt. Selig, die zum Mahl des Herrn geladen sind! Bei der Eucharistie wird dieses Gastmahl selbst zu einer Botschaft der Hoffnung in den Prüfungen der Geschichte und in den Ungerechtigkeiten, die wir um uns herum sehen. Es wird zum Zeichen der Liebe Gottes, der uns in Christus einlädt, das zu teilen, was wir haben, damit es sich in der geschwisterlichen kirchlichen Gemeinschaft vermehrt.

Der Herr umspannt Himmel und Erde, er kennt unser Herz und alle freudigen oder traurigen Situationen, die wir erleben. Indem er zu unserem Heil Mensch wurde, wollte er die Nöte der Menschheit auch selbst erleben, angefangen bei den einfachsten und alltäglichsten. Der Hunger offenbart somit nicht nur unsere Bedürftigkeit, sondern vor allem seine Liebe: Erinnern wir uns daran jedes Mal, wenn wir dem Blick unserer Brüder und Schwestern begegnen, denen das Notwendigste fehlt. Denn diese Augen wiederholen die Frage, die Jesus seinen Jüngern gestellt hat: Was tut ihr für all diese Menschen? Zeugen Christi zu sein und seine Gesten der Liebe nachzuahmen, bringt sicher oft Schwierigkeiten und Widerstände mit sich, sowohl von außen als auch in uns drinnen, wo der Stolz das Herz verderben kann. In solchen Momenten aber lasst uns mit dem Psalmisten sagen: »Der Herr ist mein Licht und mein Heil: Vor wem sollte ich mich fürchten?« (Ps 27,1). Auch wenn wir manchmal wanken, Gott ermutigt uns immer: »Hoffe auf den Herrn, sei stark und fest sei dein Herz! Und hoffe auf den Herrn!« (V. 14).

Liebe Jugendliche, diese Einladung spreche ich vor allem euch aus, weil ihr die geliebten Söhne und Töchter Afrikas seid! Vermehrt als Brüder und Schwestern Jesu eure Gaben durch den Glauben, die Ausdauer und die Freundschaft, die euch beseelen. Seid die ersten Gesichter und Hände, die dem Nächsten das Brot des Lebens bringen: die Speise der Weisheit und der Befreiung von allem, was uns nicht nährt, sondern vielmehr unser gutes Trachten durcheinanderbringt und uns etwas von unserer Würde nimmt.

Auch in eurem so fruchtbaren Land, in Kamerun, leiden viele unter, materieller und geistiger Armut. Gebt dem Misstrauen und der Mutlosigkeit nicht nach; verweigert euch jeder Art von Übergriffen und Gewalt, die schnellen Gewinn versprechen, euch damit aber täuschen, die das Herz verhärten und gefühllos werden lassen. Vergesst nicht, dass euer Volk noch reicher ist als diese Erde, weil sein größter Schatz seine Werte sind: der Glaube, die Familie, die Gastfreundschaft und die Arbeit. Werdet also zu Protagonisten eurer Zukunft, indem ihr der Berufung folgt, die Gott einem jeden schenkt, und lasst euch nicht von den Versuchungen kaufen, die Kräfte vergeuden und nicht dem Fortschritt der Gesellschaft dienen.

Damit aus eurem stolzen Geist eine prophetische Stimme einer neuen Welt wird, nehmt euch das zum Vorbild, was wir in der Apostelgeschichte gehört haben. Die ersten Christen geben nämlich angesichts von Schwierigkeiten und Bedrohungen ein mutiges Zeugnis für Jesus und bleiben auch unter Beschimpfungen standhaft (vgl. Apg 5,40-41). Diese Jünger »ließen nicht ab, Tag für Tag im Tempel und in den Häusern zu lehren, und verkündeten das Evangelium von Jesus, dem Christus« (V. 42), das heißt, dem Messias, dem Retter der Welt. Ja, der Herr befreit aus Sünde und Tod. Dieses Evangelium beharrlich zu verkünden, ist die Sendung eines jeden Christen: Dies ist der Auftrag, den ich besonders euch Jugendlichen und der ganzen Kirche in Kamerun anvertraue. Werdet zu einer Frohbotschaft für euer Land, wie es zum Beispiel der selige Floribert Bwana Chui für das kongolesische Volk ist.

Brüder und Schwestern, lehren bedeutet Spuren zu ziehen, so wie es der Bauer mit dem Pflug auf dem Feld tut, damit das, was er sät, Frucht bringen kann. Auf diese Weise verändert die christliche Verkündigung unsere Geschichte, indem sie die Gedanken und Herzen verwandelt. Jesus, den Auferstandenen, zu verkünden bedeutet, Spuren der Gerechtigkeit zu ziehen in einem leidenden und unterdrückten Land, Spuren des Friedens inmitten von Rivalität und Korruption, Spuren des Glaubens, die uns von Aberglauben und Gleichgültigkeit befreien. Mit diesem Evangelium im Herzen werden wir nun gleich das eucharistische Brot teilen, das uns für das ewige Leben sättigt. Bitten wir den Herrn mit freudigem Glauben, dass er seine Gabe unter uns vermehre, zum Wohl aller.

 


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Lesermeinungen

Stefan Fleischer vor 7 Stunden: Ja, der Herr befreit aus Sünde und Tod.

Das ist die Botschaft, die uns Vertrauen auf Gott schenkt. Gottvertrauen aber ist die Basis der christlichen Zufriedenheit. Zufriedenheit wiederum schafft Friede, Friede mit Gott und Friede unter uns Menschen. «Friede ist allweg in Gott, denn Gott ist der Friede.» formulierte Bruder Klaus für seine zerstrittenen Miteidgenossen. Lasst uns also umkehren zu Gott, von dem wir modernen Menschen so weit entfernt haben. (vgl. Jes 31,6)

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