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Das Brot des Lebens für ein verwundetes Land

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Leo XIV.: Über Glaube, Freiheit und Gerechtigkeit. Glaube oder Nutzen? Warnung vor Aberglauben, Eigennutz und religiösem Missbrauch. Christus nicht als Mittel, sondern als Ziel des Glaubens. Von Armin Schwibach


Saurimo (kath.net/as) Am achten Tag seiner Afrikareise feierte Papst Leo XIV. in Saurimo, im Herzen der angolanischen Bergbauregion Lunda Sul, eine heilige Messe unter freiem Himmel mit Zehntausenden Gläubigen. In seiner Predigt stellte er das Evangelium vom Brot des Lebens in den Mittelpunkt und richtete den Blick auf die Frage nach den Beweggründen des Glaubens.

Ausgehend von den Worten Jesu machte der Papst deutlich, dass der Mensch Christus auf unterschiedliche Weise suchen könne: aus Liebe oder aus Eigennutz, aus Glauben oder aus Berechnung. Er warnte vor einer Haltung, die Gott auf einen bloßen Nutzen reduziere und ihn wie einen „Dienstleister“ behandle. Ein solcher Zugang verfälsche den Glauben und führe dazu, dass selbst die Gaben Gottes missverstanden und instrumentalisiert würden. Demgegenüber rief Leo XIV. zu einer echten Begegnung mit Christus auf. Es genüge nicht, seine Worte zu hören oder seine Taten zu sehen; entscheidend sei die Nachfolge, die Bereitschaft, sich von ihm formen zu lassen und sein Handeln nachzuahmen. Der Glaube sei nicht Konsum, sondern Beziehung, nicht Anspruch, sondern Antwort auf eine Liebe, die sich schenkt.

Im Zentrum stand dabei die Aufforderung Jesu, nicht nur nach der vergänglichen Speise zu streben, sondern nach der Nahrung, die zum ewigen Leben führt. Diese Gabe sei Christus selbst, gegenwärtig in der Eucharistie. In ihr finde der Mensch die Kraft, sein Leben zu erneuern und über die Grenzen des rein Materiellen hinauszugehen. Der Papst verband diese Botschaft mit der konkreten Situation vieler Menschen. Er sprach von Ungerechtigkeit, Ausbeutung und Gewalt, die die Sehnsucht nach einem würdigen Leben unterdrückten und das „Brot aller“ zum Besitz weniger machten. In diesem Zusammenhang wurde deutlich, dass der Glaube nicht nur eine geistliche Wirklichkeit ist, sondern auch eine Kraft, die den Menschen von Formen der Unterdrückung befreit und ihn zur Verantwortung für andere ruft. Leo XIV. betonte, dass die Auferstehung Christi eine reale Befreiung bedeute: Der Mensch sei nicht zur Knechtschaft, sondern zur Freiheit berufen. Jede Form von Ausbeutung, Lüge und Gewalt widerspreche dieser Wahrheit. Der Glaube eröffne deshalb bereits im Alltag einen Weg der Erneuerung, der sich im Dienst am Nächsten konkretisiere.

Abschließend rief der Papst die Gläubigen dazu auf, ihren Glauben durch das Zeugnis ihres Lebens sichtbar zu machen. Die Eucharistie, das geteilte Brot, solle sie befähigen, die Wunden der Gesellschaft zu heilen, zerstörte Beziehungen wieder aufzubauen und neue Formen der Geschwisterlichkeit zu schaffen. So wachse die Kirche als Gemeinschaft der Hoffnung, deren Ziel das Reich Gottes, deren Licht der Glaube und deren Seele die Liebe sei.

kath.net veröffentlicht die Predigt von Papst Leo XIV. bei der Heiligen Messe auf der Esplanade von Saurimo (Saurimo)

Liebe Brüder und Schwestern,

überall auf der Welt lebt die Kirche als Volk, das in der Nachfolge Christi, unseres Bruders und Erlösers, unterwegs ist: Er, der Auferstandene, erleuchtet uns den Weg zum Vater und heiligt uns durch die Kraft des Heiligen Geistes, damit wir unseren Lebensstil nach seiner Liebe umgestalten. Das ist die Frohe Botschaft, das Evangelium, das wie Blut in unseren Adern fließt und uns auf unserem Weg stärkt. Einem Weg, der mich heute hierher zu euch geführt hat! In der Freude und Schönheit unserer Versammlung, die im Namen Jesu zusammengekommen ist, hören wir mit offenem Herzen auf sein Wort des Heils, denn es lässt uns über den Grund und das Ziel unserer Christus-Nachfolge nachdenken.


Als der Sohn Gottes Mensch wurde, vollbrachte er nämlich vielsagende Werke, um den Willen des Vaters zu offenbaren: Er bringt Licht in die Finsternis, indem er den Blinden das Augenlicht schenkt, er gibt den Unterdrückten eine Stimme, indem er die Zunge der Stummen löst, er stillt unseren Hunger nach Gerechtigkeit, indem er das Brot für die Armen und Schwachen vermehrt. Wer von diesen Taten hört, begibt sich auf die Suche nach Jesus. Gleichzeitig sieht der Herr in unser Herz und fragt uns, ob wir ihn aus Dankbarkeit oder aus Eigennutz, aus Berechnung oder aus Liebe suchen. Er sagt nämlich zu den Menschen, die ihm folgten: »Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid« (Joh 6,26). Seine Worte offenbaren die Absichten derer, die nicht die Begegnung mit einer Person suchen, sondern den Konsum. Die Menge sieht Jesus als Mittel zum Zweck, als Dienstleister. Würde er ihnen nicht etwas zu essen geben, wären seine Taten und Lehren nicht interessant.

Dies geschieht, wenn der echte Glaube durch ein abergläubisches Geschäft ersetzt wird, in dem Gott zu einem Götzen wird, den man nur dann sucht, wenn man ihn braucht, und solange man ihn braucht. Selbst die schönsten Gaben des Herrn, der sich stets seines Volkes annimmt, werden dann zu einem Anspruch, einer Belohnung oder einer Erpressung und so werden sie gerade von denen missverstanden, die sie empfangen. Die Erzählung im Evangelium macht uns also deutlich, dass es falsche Motive gibt, Christus zu suchen, vor allem wenn er als Guru oder Glücksbringer betrachtet wird. Auch das Ziel, das sich diese Menschenmenge setzt, ist unangemessen: Sie suchen nämlich keinen Meister, den sie lieben wollen, sondern einen Anführer, den sie aus Eigennutz verehren.

Ganz anders ist die Haltung Jesu uns gegenüber: Er weist diese unaufrichtige Suche nämlich nicht zurück, sondern ermutigt sie zur Umkehr. Er schickt die Menge nicht weg, sondern lädt alle ein, zu prüfen, was in unserem Herzen vor sich geht. Christus ruft uns zur Freiheit: Er will keine Diener oder Kunden, sondern er sucht Brüder und Schwestern, denen er sich mit ganzem Herzen widmen kann. Um dieser Liebe im Glauben zu entsprechen, reicht es nicht aus, von Jesus zu hören: Man muss den Sinn seiner Worte aufnehmen. Es reicht auch nicht aus, zu sehen, was Jesus tut: Man muss seiner Initiative folgen und sie nachahmen. Wenn wir im Zeichen des geteilten Brotes den Willen des Erlösers erkennen, der sich für uns hingibt, dann nähern wir uns der wahren Begegnung mit Jesus, die zur Nachfolge, zum Auftrag und zum Leben wird.

Die Mahnung, die der Herr an die Menge richtet, verwandelt sich so in eine Einladung: »Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt« (Joh 6,27). Mit diesen Worten weist Christus auf sein wahres Geschenk für uns hin: Er verlangt nicht, dass wir uns für das tägliche Brot nicht interessieren, welches er vielmehr überreich vermehrt und um das zu bitten er uns lehrt. Er erzieht uns zur rechten Art und Weise, das Brot des Lebens zu suchen, die Nahrung, die uns für immer am Leben erhält. Das Verlangen der Menge findet so eine noch größere und überraschendere Antwort: Jesus gibt uns keine Nahrung, die vergeht, sondern ein Brot, das uns nicht vergehen lässt, weil es Nahrung für das ewige Leben ist.

Sein Geschenk wirft ein Licht auf unsere Gegenwart: Wir sehen heute nämlich, dass viele Sehnsüchte der Menschen von Gewalttätern zunichtegemacht, von Tyrannen ausgenutzt und vom Reichtum getäuscht werden. Wenn Ungerechtigkeit die Herzen verdirbt, wird das Brot aller zum Besitz einiger weniger. Angesichts dieser Übel hört Christus den Schrei der Völker und erneuert unsere Geschichte: Er richtet uns nach jedem Sturz wieder auf, er tröstet uns in jedem Leid und ermutigt uns in unserer Mission. Wie das lebendige Brot, das er uns immer gibt – die Eucharistie –, so kennt auch seine Geschichte kein Ende; und deshalb entfernt er das Ende, also den Tod, aus unserer Geschichte, die der Auferstandene mit der Kraft seines Geistes öffnet. Christus lebt! Er ist unser Erlöser. Das ist das Evangelium, das wir weiterverkünden, wodurch alle Völker der Erde zu Brüdern und Schwestern werden. Das ist die Botschaft, die Sünde in Vergebung verwandelt. Das ist der Glaube, der das Leben rettet!

Das österliche Zeugnis bezieht sich also gewiss auf Christus, den Gekreuzigten, der auferstanden ist, aber gerade deshalb betrifft es auch uns: In ihm findet die Verkündigung unserer Auferstehung ihre Stimme. Wir sind nicht auf die Welt gekommen, um zu sterben. Wir sind nicht geboren, um Sklaven zu werden, weder der Verderbnis des Fleisches noch der der Seele: Jede Form von Unterdrückung, Gewalt, Ausbeutung und Lüge leugnet die Auferstehung Christi, jenes höchste Geschenk unserer Freiheit. Diese Befreiung vom Bösen und vom Tod geschieht nämlich nicht erst am Ende der Tage, sondern im Alltag. Was müssen wir tun, um dieses Geschenk anzunehmen? Das Evangelium selbst lehrt uns dies: »Das ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat« (Joh 6,29). Ja, wir glauben! Heute sagen wir dies gemeinsam mit Nachdruck und in Dankbarkeit gegenüber dir, Herr Jesus. Wir wollen dir folgen und dir in unserem Nächsten dienen: Dein Wort ist für uns Lebensregel und Maßstab der Wahrheit.

»Selig, der nach der Weisung des Herrn wandelt« (vgl. Ps 119/118,1): So haben wir im Psalm gesungen. Liebe Brüder und Schwestern, es ist der Herr, der uns zeigt, wie wir diesen Weg gehen können, der nicht immer dem entspricht, was uns dringlich erscheint und auch nicht den Moden der Zeit. Deshalb ist der kirchliche Weg in der Nachfolge Jesu immer eine »Synode der Auferstehung und der Hoffnung« (Nachsynodales Apostolisches Schreiben Ecclesia in Africa, 13), wie der heilige Johannes Paul II. in seinem Apostolischen Schreiben für Afrika bekräftigte: Lasst uns in dieser weisen Richtung weitergehen! Mit dem Evangelium im Herzen werdet ihr Mut haben angesichts von Schwierigkeiten und Enttäuschungen: Der Weg, den Gott uns eröffnet hat, verliert sich nicht im Nichts. Der Herr geht nämlich immer in unserem Tempo mit, damit wir auf seinem Weg weitergehen können: Christus selbst gibt dem Weg Orientierung und Kraft, diesem Weg, den wir immer mehr so leben lernen wollen, wie er sein soll, nämlich synodal.

Insbesondere »verkündet [die Kirche] die Frohbotschaft nicht allein durchdie Verkündigung des Wortes,das sie vom Herrn empfangen hat, sondern auch durchdas Zeugnis des Lebens,durch das die Jünger Christi Rechenschaft geben über den Glauben, die Hoffnung und die Liebe, die sie in sich tragen« (ebd., 55). Indem wir die Eucharistie, das Brot des ewigen Lebens, teilen, sind wir aufgerufen, unserem Volk mit einer Hingabe zu dienen, die nach jedem Hinfallen wiederaufrichtet, die wiederaufbaut, was die Gewalt zerstört, und die mit Freude brüderliche Bande knüpft. Durch uns bringt das Wirken der göttlichen Gnade vor allem in Widrigkeiten gute Früchte hervor, wie das Beispiel des Protomärtyrers Stephanus zeigt (vgl. Apg 6,8-15).

Liebe Brüder und Schwestern, das Zeugnis der Märtyrer und Heiligen ermutigt uns und spornt uns zu einem Weg der Hoffnung, der Versöhnung und des Friedens an, auf dem die Gabe Gottes zur Aufgabe des Menschen in der Familie, in der christlichen Gemeinschaft und in der Zivilgesellschaft wird. Indem wir diesen Weg gemeinsam im Lichte des Evangeliums beschreiten, wächst die Kirche in Angola in jener geistlichen Fruchtbarkeit, die von der Eucharistie ausgeht und sich in der ganzheitlichen Fürsorge für jeden Einzelnen und das gesamte Volk fortsetzt. Insbesondere ist die Lebendigkeit der Berufungen, die ihr erlebt, ein Zeichen der Antwort auf die Gabe des Herrn, die für den, der sie mit reinem Herzen empfängt, stets reichlich vorhanden ist. Dank des Brotes des neuen Lebens, das wir heute miteinander teilen, können wir den Weg der ganzen Kirche fortsetzen, deren Ziel das Reich Gottes, deren Licht der Glaube und deren Seele die Liebe ist.

 


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