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Jesus ist lebendige Gegenwart

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Eucharistische Anbetung in der Schule der hl. Therese von Lisieux, der hl. Margareta Maria Alacoque, der hl. Mutter Teresa von Kalkutta und des hl. Charles de Foucauld. Zusammenfassung des Vortrags von Père Florian Racine (MSE) von Stefan Borneis.


Saint-Maximin-la-Sainte-Baume (kath.net/ pm)
Pfarrer Florian Racine, MSE, spricht in der Folge 4 seiner Vortragsreihe „Ewige Eucharistische Anbetung“ über die eucharistische Anbetung am Beispiel großer Heiliger wie der heiligen Thérèse von Lisieux, der heiligen Margareta Maria Alacoque, der heiligen Mutter Teresa von Kalkutta und des heiligen Charles de Foucauld. Die intensive und tägliche Praxis der eucharistischen Anbetung hat das christliche Leben dieser bedeutenden Heiligen geprägt und ihnen die notwendigen Gnaden für ihre Mission geschenkt.
Pfarrer Florian Racine beschreibt die Heilige Therese von Lisieux als zentrale Lehrerin der eucharistischen Anbetung: Ihr kurzes, aber intensives Leben zeigt, wie man jeden Augenblick im Licht der Liebe Gottes leben kann. Therese glaubt, dass die Mission eines Christen darin besteht, wie eine kleine Blume neben dem Tabernakel Jesus nahe zu sein und ihn durch die eigene bloße Gegenwart zu erfreuen. Ihre Hingabe zeigt sich auch in einer großartigen Geste: Als junges Mädchen schenkt sie ihr goldenes Armband her, ihr einziges Schmuckstück, um damit einen Beitrag zur Finanzierung einer Monstranz für die ewige Anbetung in der Basilika Sacré Coeur in Paris zu leisten. Damit bekräftigt sie ihren Wunsch, Jesus in der Eucharistie stets nahe zu sein und sich vollkommen auf das göttliche Wirken einzulassen. Liebe muss sich erniedrigen, um vollkommen zu sein – eine Devise, die ihr innerstes Gottesverhältnis prägt.

Therese war überzeugt, dass Jesus in der heiligen Eucharistie wirklich gegenwärtig ist, auch wenn das Brot äußerlich Brot bleibt. Bei der eucharistischen Anbetung lernt der Mensch, die Tugenden Jesu zu leben, die er vor 2000 Jahren vorlebte und heute in der konsekrierten Hostie aktualisiert. Mit einfachen, doch tiefgründigen Worten erklärt sie, dass der Herr in der kleinen Hostie präsent ist – „klein wie ich” – und dass man sich in Demut der Demut Gottes nähern soll. 
Ganz in diesem Sinn erinnert der heilige Papst Paul VI. daran, dass die heilige Eucharistie das lebendige Herz der Pfarreien sei, woraus die Gläubigen Kraft schöpfen können, um die Tugenden des Verborgenseins, des Gehorsams und der Selbstvergessenheit zu leben. 

Die Verehrung der heiligen Eucharistie ruft dazu auf, Jesus nicht als ferne Idee, sondern als lebendige Gegenwart zu erfassen und in der Nachfolge Jesu die eigene Berufung als Jünger und Apostel zu leben. Therese von Lisieux dient somit als Vorbild dafür, wie man durch kontemplative Nähe zu Jesus in der heiligen Eucharistie die Liebe in konkrete Lebensvollzüge verwandelt.
Eine anschauliche Anekdote illustriert diese Einsicht: Therese schläft während ihrer Gebete oder der eucharistischen Anbetung oft ein, worüber sie anfangs sehr traurig ist. Doch dann begreift sie, dass es dem Herrn darum geht, dass seine Kinder sich in seine Gegenwart begeben. Die Heiligkeit während einer Stunde der eucharistischen Anbetung entsteht weniger durch das, was wir tun, als durch die Entscheidung, Zeit in der Gegenwart Christi zu verbringen. Gott ist es, der diese Stunde heilig macht, indem er seinen Heiligen Geist schenkt und auf diese Weise Herz und Leben der Gläubigen heiligt. So wird klar, dass die Gottesgegenwart im Zentrum steht und die Gläubigen ihr Herz auf Gott ausrichten sollen. Die Praxis der Anbetung ist eine Antwort unseres Glaubens, durch die wir unsere Liebe zu Gott ausdrücken. 


Eine weitere bedeutende Anbeterin ist die heilige Margareta Maria Alacoque. Im 17. Jahrhundert sprach Jesus zu ihr in Paray-le-Monial. Er teilte ihr mit, dass außerhalb seines liebenden Herzens im Allerheiligsten Sakrament weder Vergnügen noch Freude oder Trost im Leben zu finden seien. Die Eucharistie ist keine Sache, sondern eine Person: das Herz Jesu, ein menschliches Herz, das von der Göttlichkeit durchdrungen ist und die unendliche Liebe Gottes in sich birgt. Dieses Herz hat in der Menschheitsgeschichte geliebt und gelitten; es sehnt sich danach, von jedem Menschen mit gleicher Liebe geliebt zu werden. Margareta Maria erkennt, dass das menschliche Herz Jesu Gefühle hat – es seufzt, weint, freut sich und leidet – und dass all dies in der Eucharistie gegenwärtig ist. 
Die Heilige hat mehrere Visionen. Sie sieht wie sich das Herz Jesu in der Monstranz als brennende Glut zeigt, vor der Sünden wie Wassertropfen verdampfen, und wie es zugleich von einer Dornenkrone umgeben ist, ein Bild, mit dem die Undankbarkeit der Menschen symbolisiert wird. Die unendliche Liebe Gottes brennt und verlangt nach einer Erwiderung dieser Liebe. Jesus bittet darum, in der heiligen Eucharistie geliebt zu werden, und lädt zur Wiedergutmachung ein – einer Liebe, die das Herz Jesu tröstet. Dies ist auch das Anliegen, das in dem Gebet thematisiert wird, das der heilige Erzengel Michael die Kinder in Fatima lehrt. Margareta Maria verbringt deshalb viel Zeit vor der heiligen Eucharistie, um auf die Liebe Gottes mit ihrer Liebe zu antworten und für diejenigen zu lieben, die nicht lieben, Dadurch möchte sie den Mangel an Liebe in der Welt ausgleichen.

Die sich in diesem Kontext stellende Frage, ob Jesus heute im Allerheiligsten leidet, wird mit ja und nein beantwortet. Einerseits hat Jesus vor zweitausend Jahren gelitten; andererseits wird dieses Leiden in der Gegenwart der heiligen Eucharistie gegenwärtig gemacht. Wie der Engel Jesus am Ölberg tröstete, so können auch wir Jesus heute während der eucharistischen Anbetung durch unsere Treue trösten. 
Mutter Teresa von Kalkutta war ebenfalls eine glühende Anbeterin. Sie betont, dass das höchste Gebot das der Liebe ist: Gott von ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit aller Kraft zu lieben und den Nächsten wie sich selbst. 

Nach der Gründung ihrer Gemeinschaft erkennt Mutter Teresa, dass sie nicht genug Zeit hat, um sich um all die Armen in Kalkutta zu kümmern. Im Gebet bittet sie Gott um Hilfe und erhält eine überraschende Antwort: Sie solle mehr Zeit vor dem Allerheiligsten Sakrament verbringen. Daraufhin widmet sie täglich eine Stunde der eucharistischen Anbetung, was zu einer besseren Organisation ihres Tages führt und es ihr ermöglicht, den Bedürfnissen der Gemeinschaft gerecht zu werden und neue Helfer zu gewinnen. Mutter Teresa betont, wie wertvoll die Zeit mit Jesus im Allerheiligsten Sakrament ist: „Die Zeit, die du mit Jesus im Allerheiligsten Sakrament verbringst, ist die beste Zeit, die du auf der Erde verbringen kannst. Jeder Augenblick, den du mit Jesus verbringst, wird deine Vereinigung mit ihm vertiefen, deine Seele unsterblich, herrlicher und schöner im Himmel machen und dazu beitragen, ewigen Frieden auf die Erde zu bringen." In einem Brief erklärt sie, das Gebet könne die Welt retten, und rief die Pfarreien dazu auf, der Anbetung Zeit einzuräumen. Sie ist fest davon überzeugt, dass dieses Gebet die notwendigen Gnaden schenkt, um die eigene Berufung zu erfüllen.
Während ihrer Gebetszeit empfängt Mutter Teresa drei besondere Gnaden. Erstens eine tiefe Liebe zu ihren Mitschwestern; zweitens ein tieferes Bewusstsein für die Gegenwart Christi in der Eucharistie, das ihr hilft, Christus in den Ärmsten zu erkennen, und drittens die Erkenntnis, dass die Menschen Gott mehr suchen. Ihr wird bewusst, dass Gott durch die Anbetung, die die Heilige Messe verlängert, ihr Herz verwandelt und mit seiner Liebe in Einklang bringt. 

Papst Benedikt XVI. fasst all das in Sacramentum Caritatis zusammen: „Das Gebet als Mittel, um immer wieder neu die Kraft Christi zu schöpfen, wird hier zu einer ganz konkreten Dringlichkeit. Wer betet, vertut nicht seine Zeit, selbst wenn die Situation alle Anzeichen der Dringlichkeit besitzt und einzig zum Handeln zu treiben scheint. Die Frömmigkeit schwächt nicht den Kampf gegen die Armut oder sogar das Elend des Nächsten. Die heilige Teresa von Kalkutta ist ein sehr offenkundiges Beispiel dafür, dass die Gott im Gebet gewidmete Zeit dem tatsächlichen Wirken der Nächstenliebe nicht nur nicht schadet, sondern in Wirklichkeit dessen unerschöpfliche Quelle ist. Und sie bezeugt: ‚Die heilige Stunde vor der Eucharistie muss uns zur heiligen Stunde vor dem Armen führen.“
Pfarrer Racine berichtet, dass er und seine Gemeinschaft ebenfalls jeden Tag mit eucharistischer Anbetung beginnen. Dies helfe ihnen, ihre Zeit gut zu strukturieren und effektiver auf die Bedürfnisse der Menschen einzugehen.

Der heilige Charles de Foucauld lebte von 1858 bis 1916 und ist für seine tiefe Frömmigkeit und Liebe zu Jesus in der heiligen Eucharistie bekannt. Nach einem ausschweifenden Leben begibt er sich schließlich auf die Suche nach Antworten auf die existentiellen Fragen. Eines Tages wendet er sich an Abbé Huvelin, der ihn zur Beichte auffordert. Diese drei- bis vierstündige Beichte hilft Charles de Foucauld, Gottes Liebe wiederzuentdecken und sein Leben radikal zu verändern. Er widmet sich intensiv dem Gebet, insbesondere nach seinem Umzug nach Tamanrasset in der Wüste, wo er täglich bis zu fünfzehn Stunden vor dem Allerheiligsten betet und den Wunsch hat, die Tuareg zu bekehren und eine Gemeinschaft zu gründen. Er sagt: „Die am besten genutzte Stunde unserer Lebenszeit ist die, in der wir Jesus am meisten lieben. Je mehr wir Jesus lieben, desto mehr Sinn hat unser Leben. Die Anbetung des Allerheiligsten Sakraments ist Erholung, Erfrischung, Freude. Die Anbetung der heiligen Hostie sollte der Kern des Lebens eines jeden Menschen sein. Welche unermessliche Freude, mein Gott, mehr als 15 Stunden damit zu verbringen, nichts anderes zu tun, als dich anzuschauen und zu dir zu sagen: ‚Herr, ich liebe dich.‘“ 

Trotz seines starken Wunsches erlebt Charles de Foucauld zu Lebzeiten keine Bekehrungen. Er tauft lediglich ein paar Kinder und gründet keine Gemeinde. Daher könnte man denken, sein Leben sei unfruchtbar gewesen. Doch nach seinem Tod entstehen zahlreiche Gemeinschaften, die von seinem Leben und seinem Zeugnis inspiriert wurden. Seine Geschichte spiegelt Jesu Worte wider, dass man in ihm bleiben müsse, um Frucht zu bringen, und zeigt, dass das Gebet tiefere, oft zunächst unsichtbare Wirkungen hat. Er vergleicht seine Mission mit der der Jungfrau Maria. Sie brachte Jesus, der in ihrem Schoß war, zu Elisabeth, woraufhin es eine Ausgießung des Heiligen Geistes gab, die Johannes den Täufer im Schoß von Elisabeth hüpfen ließ. Elisabeth spürte die Gegenwart des Heiligen Geistes. Auf die gleiche Art und Weise will Charles de Foucauld dem Volk der Tuareg die heilige Eucharistie bringen. Er ist davon überzeugt, dass es dadurch, dass er Jesus anbetet, eine eucharistische Ausstrahlung gäbe, durch die Jesus die Herzen berührt, das Leben erleuchtet und die Seelen rettet, die vielleicht Gott anbeten, ohne ihn im christlichen Glauben zu kennen, durch Jesus Christus, der allein uns zum Vater führt.

Der 39-minütige Vortrag von Père Florian Racine aus dem Jahr 2015 kann bei bonifatius.tv unter folgendem Link auf Deutsch angeschaut werden:
https://www.bonifatius.tv/home/pere-florian-racine-ewige-eucharistische-anbetung-folge-4_7689

 


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