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Schuhe anziehen, rausgehen und zulassen, dass der gewöhnliche Akt des Gehens zu einem Ort wird, an dem das Gebet Wurzeln schlagen kann: Eine Einladung zum „walking prayer“ im schönen Frühling.
Wien (kath.net / pk) Wallfahrten, Bittgänge, Prozessionen. In der katholischen Kirche hat Gebet immer schon mit Bewegung zu tun. Lange bevor die Neurowissenschaften die Vorteile der Bewegung bestätigten, wussten Christen bereits, dass das Gehen Körper und Seele ins Gleichgewicht bringen kann. Dennoch assoziieren wir Gebet häufig mit Stille, Bewegungslosigkeit und bestimmten Orten, etwa einem geeigneten Raum.
Dies führt dazu, dass das Gebet aus unserem Alltag verschwindet. Denn wer hat schon Zeit, einen solchen stillen Ort zu besuchen? Christen haben seit Jahrhunderten auch im Gehen gebetet, während sie über Felder, durch Klostergänge und durch die Straßen der Stadt wanderten, heißt es in einem Beitrag von „Aleteia“. Sie haben dabei entdeckt, dass Bewegung selbst zu einer Form der Achtsamkeit werden kann. Erst viele Jahrhunderte später beginnt die Wissenschaft nun zu bestätigen, was früher einfach gelebt wurde.
Aktuelle Studien legen nahe, dass das Gehen, insbesondere wenn es bewusst erfolgt, dabei hilft, Stress zu regulieren, die Stimmung zu verbessern und die Konzentration zu schärfen. Der sanfte Rhythmus der Schritte scheint das Nervensystem zu beruhigen und den Geist von ängstlichen Gedankenschleifen weg und hin zu realen Gegebenheiten hin zu lenken.
Was Neurowissenschaftler heute in Bezug auf Gehirnaktivitätsmuster und Regulierung beschreiben, ist nicht gänzlich neu; es spiegelt etwas wider, das in spirituellen Traditionen seit langem bekannt ist: Der Körper kann den Geist zur Stille führen, wenn diese Stille selbst unerreichbar erscheint.
Genau hier passt das „walking prayer“, das „gehende Gebet“. Anstatt still zu sitzen und – oft erfolglos – zu versuchen, den Geist zur Ruhe zu bringen, beginnt man zu gehen und wahrzunehmen, sodass sich das Gebet in den Rhythmus der Bewegung einfügen kann. Der gleichmäßige Wechsel von Schritten, Atem und Aufmerksamkeit schafft eine Art ruhige Struktur.
Während sich der Körper bewegt, achten wir auf kleine Dinge, etwa das Geräusch von Kies unter den Füßen, das Rascheln der Blätter, das Licht, den Wind, die Anwesenheit von Menschen oder Tieren. All dies wird deutlicher wahrgenommen. In dieser Achtsamkeit geht es beim Gebet weniger darum, die richtigen Worte zu sagen, als vielmehr darum, im Moment zu sein. Hier empfinden viele Menschen Gott als nahbarer, allein dadurch, dass sie selbst präsenter geworden sind.
Ein Gebetsspaziergang ist ohne Aufwand machbar. Er holt uns weg von Bildschirmen, Telefonaten und dem ständigen Druck, in jeder Minute unseres Tages produktiv sein zu müssen. „Das Gehen durchbricht dieses Muster, ohne dafür viel zu verlangen“, heißt es in dem Beitrag. „Es erfordert keine Vorbereitung, keine finanziellen Aufwendungen, keine spezielle Ausrüstung und nicht einmal ein klares Ziel, und doch hat es die Fähigkeit, den Tag auf eine Weise zu entschleunigen, wie es strukturiertere Aktivitäten manchmal nicht vermögen.“
„Es liegt eine stille Freude darin, zu etwas so Grundlegendem zurückzukehren. Wenn das Gehen mehr wird als nur ein Mittel, um von einem Ort zum anderen zu gelangen, beginnt es, eine andere Art von Nahrung zu bieten. Die Zeit verlangsamt sich ein wenig, die Gedanken verheddern sich weniger, und das Gebet fühlt sich nicht mehr wie eine zusätzliche Aufgabe an. Stattdessen wird es zu etwas, das die Bewegung begleitet, so natürlich wie das Atmen.“
Diese Rückkehr zur Einfachheit ist gerade heute wichtig, wo alles aufwändig scheint, das Sich-Erholen wie das Beten: Ein Paar Schuhe, eine vertraute Route und die Bereitschaft, aufmerksam zu sein, können schon ausreichen, um anzufangen. Und vielleicht ist das die stille Einladung, die dahintersteckt: „Nicht nach den perfekten Bedingungen zu suchen, sondern nach draußen zu gehen und zuzulassen, dass der gewöhnliche Akt des Gehens wieder zu einem Ort wird, an dem das Gebet Wurzeln schlagen kann.“
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