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Der Bericht präsentiere Zeugnisse von Homosexuellen ohne Einordnung in das Lehramt. Wahre Pastoral suche keine Kompromisse mit der moralischen Wahrheit, sondern führe die Menschen zu Christus und zur Übereinstimmung mit den Normen.
Rom/Utrecht (kath.net/jg)
Der Bericht der Arbeitsgruppe 9 der Synode zur Synodalität stellt nach Ansicht des niederländischen Kardinals Willem Jacobus Eijk eine schwerwiegende Abweichung von der beständigen moralischen Lehre der Katholischen Kirche dar. In einem Kommentar für den National Catholic Register kritisiert der Erzbischof von Utrecht den Bericht scharf und fordert dessen entschiedene Zurückweisung.
Der Bericht präsentiert persönliche Zeugnisse von Personen mit homosexueller Neigung, ohne diese in den Rahmen der kirchlichen Morallehre einzuordnen. Ein Zeuge behauptet, die Sünde liege nicht in der gleichgeschlechtlichen Beziehung selbst, sondern in einem Mangel an Glauben an einen Gott, der unsere Erfüllung wolle. Die Autoren des Berichts geben diese Aussage ohne Korrektur oder Erläuterung wieder.
Kardinal Eijk widerspricht klar: Homosexuelle Handlungen seien nach der beständigen Lehre der Kirche intrinsisch schlecht. Zwar fehle es einem gläubigen Christen, der solche Handlungen setzt, an Vertrauen in Gottes Gnade, die zur Vermeidung der Sünde befähigt – doch dies ändere nichts daran, dass die Sünde in der Handlung selbst liege und nicht primär im Glaubensmangel.
Ein zweites Zeugnis kritisiert das katholische Apostolat Courage International, das Menschen mit gleichgeschlechtlicher Neigung zu einem Leben in Keuschheit nach der kirchlichen Lehre begleitet. Der Bericht stelle Courage negativ dar und behaupte fälschlich, es betreibe „Konversionstherapie“. Stattdessen werde eine Integration in Gemeinden nahegelegt, die Personen aus der „LGBT-Community“ willkommen heißen – mit der impliziten Billigung gleichgeschlechtlicher Beziehungen.
Durch die unkommentierte Aufwertung solcher Zeugnisse normalisiere der Bericht homosexuelle Beziehungen im kirchlichen Kontext und schwäche die Verkündigung der katholischen Morallehre, kritisiert Kardial Eijk.
Methodischer Bruch mit der Tradition
Das grundlegendere Problem liege jedoch im gesamten methodischen Ansatz der Studiengruppe. Die Autoren stellen den „synodalen Prozess“ in den Vordergrund, der sich auf Erfahrungen und Praktiken der Menschen konzentriere. Sie lehnen es ab, „abstrakt Prinzipien zu verkünden und deduktiv anzuwenden“, die als „unveränderlich und starr“ gelten. Stattdessen plädieren sie für eine „fruchtbare Spannung“ zwischen Lehre, Pastoral und Lebenswirklichkeit.
Kardinal Eijk sieht darin eine radikale Abkehr von der katholischen Moraltheologie. Die Autoren berufen sich auf das Jesus-Wort, der Sabbat sei für den Menschen gemacht und nicht umgekehrt, um zu suggerieren, moralische Normen seien nicht absolut. Dies sei eine Fehlinterpretation: Während positive liturgische Gesetze des Alten Bundes ihre Geltung verlieren konnten, handele es sich bei den Normen zur Ehe und Sexualität um natürliches Sittengesetz. Diese seien universell gültig, da sie in der Schöpfungsordnung Gottes verwurzelt sind – Mann und Frau, Totalhingabe und Offenheit für Leben.
Der Bericht erzeuge bewusst Mehrdeutigkeiten, indem er behaupte, die universale Wahrheit des Menschlichen könne nicht ein für alle Mal festgelegt werden, sondern entstehe im Dialog der Kulturen und Erfahrungen. Dies widerspreche der Lehre, dass die Grundwahrheiten über Ehe und Sexualität durch das natürliche Sittengesetz und die Heilige Schrift erkennbar seien (vgl. Röm 2,14-15).
„Pastoralität“ statt Anwendung der Lehre
Zentral sei das Prinzip der „Pastoralität“, welches statt der Lösung des Problems ein „Bleiben beim Problem“ bevorzuge. Statt Normen auf konkrete Fälle anzuwenden, solle man auf allgemeine Lösungen verzichten und lediglich „Prozesse des Zuhörens“ initiieren. Damit werde bewusst vom das klassischen Modell, wonach die Praxis aus der Lehre abgeleitet wird, abgewichen.
Kardinal Eijk erinnert an die klare Zurückweisung solcher Ansätze durch Papst Johannes Paul II. in der Enzyklika Veritatis Splendor. Wahre Pastoral suche keine Kompromisse mit der moralischen Wahrheit, sondern führe die Menschen zu Christus und zur Übereinstimmung mit den Normen. Es gebe keine echte pastorale Liebe darin, die Wahrheit zu verschleiern oder Ausnahmen von universellen Geboten zuzulassen.
Der Bericht relativiere die Morallehre der Kirche nicht nur in Fragen der Sexualität, sondern berge Gefahren für den gesamten Bereich des Lebensschutzes. Kardinal Eijk schließt mit der Feststellung, dass die Lehre der Kirche nicht dunkel und auch nicht durch synodale Prozesse revisionsbedürftig sei. Sie sei vielmehr die Wahrheit, die frei macht.
© Foto Kardinal Eijk: Erzbistum Utrecht
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