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Hochfest der Heiligsten Dreifaltigkeit (Mt 28,16–20) – Das göttliche Geheimnis der Liebe

vor 4 Stunden in Spirituelles, 2 Lesermeinungen
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„Es gibt Feste im Kirchenjahr, die uns sofort ansprechen… Doch das heutige Hochfest der Heiligsten Dreifaltigkeit scheint vielen zunächst fern und schwer zugänglich.“ Von Archimandrit Dr. Andreas-Abraham Thiermeyer


Eichstätt (kath.net) Liebe Schwestern und Brüder, es gibt Feste im Kirchenjahr, die uns sofort ansprechen. Weihnachten berührt das Herz: Gott wird Mensch. Ostern erfüllt uns mit Hoffnung: Christus lebt. Pfingsten entzündet die Sehnsucht nach Kraft und Erneuerung: Der Heilige Geist kommt über die Kirche.

Doch das heutige Hochfest der Heiligsten Dreifaltigkeit scheint vielen zunächst fern und schwer zugänglich. Vater, Sohn und Heiliger Geist – ein Gott in drei Personen: Das klingt für manche wie ein theologisches Rätsel, wie eine komplizierte Formel aus vergangenen Jahrhunderten.

Und doch ist dieses Fest vielleicht das menschlichste und tröstlichste aller christlichen Feste. Denn die Dreifaltigkeit sagt uns etwas Entscheidendes über Gott – und zugleich über uns selbst: Gott ist nicht Einsamkeit. Gott ist Beziehung. Gott ist Liebe.

Der christliche Glaube verkündet keinen fernen Herrscher, keinen kalten Weltenlenker und keinen einsamen Monarchen über den Wolken. Der Gott Jesu Christi ist lebendige Gemeinschaft: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Gott ist ewige Liebe, die sich schenkt, empfängt und erwidert. Darum ist die Dreifaltigkeit nicht zuerst ein Problem für den Verstand, sondern eine Heimat für das Herz.

I. Gott ist nicht einsam
Viele Menschen unserer Zeit haben nicht nur Schwierigkeiten mit dem Glauben – sie haben Schwierigkeiten mit dem Gottesbild. Nicht wenige können sich Gott nur noch als unendliche Macht vorstellen: als den Allwissenden, der alles kontrolliert, alles sieht und alles richtet. Ein solcher Gott bleibt fremd. Er kann Angst hervorrufen, aber kaum Liebe.

Der christliche Glaube sagt jedoch etwas anderes: Gott ist nicht Selbstverschlossenheit. Gott ist nicht kalte Macht. Gott ist Liebe – und Liebe gibt es niemals ohne Beziehung.

Der Vater liebt den Sohn von Ewigkeit her. Der Sohn empfängt alles vom Vater und schenkt sich ihm vollkommen zurück. Und diese lebendige Liebe zwischen Vater und Sohn ist der Heilige Geist – der Atem Gottes, die Kraft des Lebens, die Wärme göttlicher Gemeinschaft.

Der heilige Augustinus von Hippo formulierte einmal einen tiefen Gedanken: „Wo Liebe ist, dort ist Dreifaltigkeit.“ Denn wo echte Liebe geschieht, da gibt es immer den Liebenden, den Geliebten und die Liebe selbst. So leuchtet in jeder wahren Liebe etwas vom innersten Wesen Gottes auf.

Das bedeutet zugleich: Der Mensch ist nicht geschaffen für Isolation. Er ist geschaffen für Beziehung, für Hingabe, für Gemeinschaft. Darum verletzt Einsamkeit den Menschen so tief. Darum kann Lieblosigkeit eine Seele austrocknen. Der Mensch trägt die Sehnsucht nach Gemeinschaft in sich, weil er aus dem dreifaltigen Gott hervorgegangen ist.

II. Einheit ohne Zwang – Verschiedenheit ohne Spaltung
Natürlich bleibt das Geheimnis der Dreifaltigkeit schwer begreifbar. Unser Denken stolpert über die Zahl Drei. Wir zählen eins, zwei, drei — aber bei Gott zählen wir keine Dinge und keine Teile.


Der große Kirchenvater Gregor von Nazianz schrieb: „Ich kann das Eine nicht denken, ohne vom Drei umstrahlt zu sein; und ich kann das Drei nicht betrachten, ohne zum Einen zurückgeführt zu werden.“

Was bedeutet das? In Gott gibt es Einheit ohne Einförmigkeit. Der Vater ist nicht der Sohn. Der Sohn ist nicht der Geist. Und doch sind sie vollkommen eins.

Das ist vielleicht eine der wichtigsten Botschaften für unsere Zeit. Denn unsere Welt kennt oft nur zwei Möglichkeiten: entweder Gleichmacherei oder Spaltung. Entweder muß alles gleich sein — oder alles zerbricht in Gegensätze.

Die Dreifaltigkeit zeigt einen anderen Weg: Gemeinschaft ohne Vereinnahmung. Einheit ohne Zwang. Verschiedenheit ohne Trennung. Gerade darin liegt eine tiefe Hoffnung für Kirche und Gesellschaft. Menschen müssen nicht identisch sein, um einander lieben zu können. Wahre Gemeinschaft entsteht nicht durch Uniformität, sondern durch Liebe. - Der dreieinige Gott wird so zum Urbild jeder versöhnten Gemeinschaft.

III. Die Dreifaltigkeit ist Bewegung
Das Evangelium des Dreifaltigkeitssonntags führt uns nicht in einen Hörsaal theologischer Spekulation, sondern auf einen Berg in Galiläa. Die Jünger begegnen dem Auferstandenen. Sie tragen ihre Angst mit sich, ihre Schuld, ihr Versagen, ihre Zweifel — und Christus sendet sie hinaus: „Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

Hier zeigt sich etwas Entscheidendes: Die Dreifaltigkeit ist kein Stillstand. Gott ist lebendige Bewegung der Liebe. Der Vater sendet den Sohn in die Welt. Der Sohn schenkt den Heiligen Geist. Der Geist führt die Kirche durch die Geschichte. Der heilige Irenäus von Lyon verwendete dafür ein schönes Bild: Der Vater wirke durch seine „zwei Hände“ den Sohn und den Heiligen Geist. Mit diesen Händen forme Gott den Menschen, berühre die Welt und heile das Verwundete.

Darum bedeutet Glaube niemals Erstarrung. Wer aus der Dreifaltigkeit lebt, lernt hinauszugehen aus sich selbst: auf andere Menschen zu, auf die Leidenden, auf die Einsamen, auf jene, die Trost brauchen. – Die Liebe Gottes will weiterfließen.

IV. Die Dreifaltigkeit begleitet unser ganzes Leben
Wir begegnen der Dreifaltigkeit nicht nur an einem einzigen Sonntag im Kirchenjahr. Sie begleitet unser ganzes Leben.

Wir wurden getauft im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Das war nicht bloß eine Formel. Es war Aufnahme in das Leben Gottes selbst. Seitdem trägt unser Leben einen göttlichen Namen.

Und jedes Mal, wenn wir das Kreuzzeichen machen, bekennen wir mit unserem Leib: Ich gehöre nicht mir allein. Ich komme vom Vater. Ich bin erlöst durch den Sohn. Ich lebe aus der Kraft des Heiligen Geistes. Das Kreuzzeichen ist eine stille Zusammenfassung des ganzen Evangeliums. Von der Stirn zum Herzen, von Schulter zu Schulter: Denken, Lieben und Handeln sollen unter den Namen Gottes gestellt werden.

Die Dreifaltigkeit bedeutet darum vor allem dies: Der Mensch ist nicht verlassen. Nicht das Nichts trägt die Welt, sondern Liebe. Nicht die Angst ist das letzte Wort, sondern Gemeinschaft. Der heilige Basilius der Große sagte einmal: „Durch den Heiligen Geist kehren wir ins Paradies zurück, steigen auf in das Himmelreich und werden wieder Kinder Gottes.“

V. Die Sehnsucht des Menschen und die Nähe Gottes
Der moderne Mensch ist oft von Menschen umgeben — und dennoch innerlich einsam. Er ist vernetzt wie nie zuvor und fühlt sich doch häufig verlassen. Vieles ist möglich geworden, aber das Herz bleibt oft unruhig. Der Mensch sucht Anerkennung, Liebe, Heimat und Sinn. Und manchmal verlangt er von anderen Menschen etwas, das kein Mensch endgültig geben kann: die völlige Erfüllung der Seele.

Darum bleiben Beziehungen oft überfordert. Kein Mensch kann für einen anderen Gott sein. Doch genau in diese innere Leere hinein spricht die Dreifaltigkeit Gottes.

Der Vater sagt: „Du bist mein geliebtes Kind.“ Der Sohn sagt: „Ich gehe deinen Weg mit dir.“ Der Heilige Geist sagt: „Ich wohne in dir und stärke dich von innen und bringe dich wieder heim.“

So wird Einsamkeit nicht einfach ausgelöscht, aber verwandelt. Sie kann zu einem Raum werden, in dem Gott spricht. Die Kirchenväter wussten: Wer in die Tiefe seines Herzens hinabsteigt, kann dort Gott begegnen. Der heilige Gregor von Nyssa schrieb: „Das Herz des Menschen ist weit genug, um Gott aufzunehmen.“

VI. Demut vor dem Geheimnis
Und dennoch bleibt Gott Geheimnis. Wir können die Dreifaltigkeit nicht berechnen wie eine Formel. Gott übersteigt unsere Begriffe. Unsere Worte reichen an ihn heran — aber sie umfassen ihn nicht. Darum sagte Augustinus den berühmten Satz: „Wenn du es begriffen hast, ist es nicht Gott.“

Das bedeutet nicht, daß der Glaube unvernünftig wäre. Es bedeutet vielmehr: Gott ist größer als unser Denken. Die rechte Haltung vor der Dreifaltigkeit ist deshalb nicht Besserwisserei, sondern Staunen. Nicht Rechthaberei, sondern Anbetung.

Vielleicht braucht unsere Zeit genau diese Demut neu. Denn wir leben in einer Welt, die alles erklären, messen und kontrollieren möchte. Aber das Wichtigste im Leben entzieht sich letztlich dem Zugriff: Liebe, Schönheit, Vertrauen, Gnade.

Die Dreifaltigkeit erinnert uns daran, daß Wahrheit nicht kalt ist. Wahrheit ist Liebe.

VII. Aus der Dreifaltigkeit leben
Was bedeutet das nun konkret für unser Leben?

Wir brauchen heute Menschen, die aus der Dreifaltigkeit leben: Menschen, die wie der Vater Raum geben. Menschen, die wie der Sohn dienen. Menschen, die wie der Geist trösten und verbinden. Dann verändert sich auch unser Blick auf die Welt.
Der andere Mensch wird nicht mehr zum Konkurrenten, sondern zum Bruder und zur Schwester. Verschiedenheit wird nicht Bedrohung, sondern Gabe. Kirche wird nicht Festung, sondern Haus der Gemeinschaft.

Gerade in einer zerrissenen Zeit könnte die Kirche neu lernen, ein Zeichen dreifaltiger Gemeinschaft zu sein: nicht vollkommen, aber versöhnt; nicht gleichförmig, aber geeint in der Liebe Christi. Der heilige Augustinus beschreibt dieses Ziel unseres Lebens mit wunderbaren Worten: „Dort werden wir dann sehen und lieben, lieben und loben.“ Das ist die Hoffnung des Christen: hineingenommen zu werden in die ewige Liebe Gottes.

Schluss: In Gottes Liebe geborgen
Liebe Schwestern und Brüder, wenn wir heute das Fest der Heiligsten Dreifaltigkeit feiern, dann feiern wir nicht eine komplizierte Lehre am Rand des Glaubens. Wir feiern das Herz des Christentums.

Wir feiern Gott als Ursprung allen Lebens. Wir feiern Christus als unseren Bruder und Erlöser. Wir feiern den Heiligen Geist als Tröster und Lebenskraft.

Die Dreifaltigkeit ist kein Rätsel, das gelöst werden muß. Sie ist ein Raum, in den wir eintreten dürfen. Ein Licht, das uns umfängt. Ein göttlicher Kreis der Liebe, der offensteht für die ganze Welt.

Darum dürfen wir vertrauensvoll beten:
Dreifaltiger Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, Ursprung unserer Hoffnung, Mitte unseres Lebens, Ziel unserer Sehnsucht: lass uns wohnen in deiner Liebe. Lehre uns glauben, hoffen und lieben. Mache unser Herz weit für dich und für die Menschen. Und führe uns einst hinein in die ewige Gemeinschaft deiner Herrlichkeit. Amen.

Archimandrit Dr. Andreas-Abraham Thiermeyer ist der Gründungsrektor des Collegium Orientale in Eichstätt. Er ist Theologe mit Schwerpunkt auf ökumenischer Theologie, ostkirchlicher Ekklesiologie und ostkirchlicher Liturgiewissenschaft. Er studierte in Eichstätt, Jerusalem und Rom, war in verschiedenen Dialogkommissionen tätig. Er veröffentlicht zu Fragen der Ökumene, des Frühen Mönchtums, der Liturgie der Ostkirchen und der ostkirchlichen Spiritualität. Weitere kath.net-Beiträge von ihm: siehe Link.


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Lesermeinungen

Mariat vor 2 Stunden: Eine der 14. Nothelferinnen - die hl. Barbara

Es gibt eine Legende von einer Tochter namens Barbara, der ihr heidnischer Vater Dioskuros alles angedeihen ließ, was ein wohlhabender Kaufmann seinem Kind bieten konnte. Der Hintergedanke dabei war: damit seine Tochter ja nicht Christin würde oder sich zu einer Heirat verleiten ließ, die gegen seine Absicht war. So durfte sich das Mädchen auch nach eigenem Wunsch, in einem Turm ihre Wohnung einrichten. Sie wurde dort von guten Lehrern unterrichtet. Doch, von einem Lehrer, einem Freund des bekannten Schriftstellers Origines, erfuhr sie vom Christentum und ließ sich taufen.
Um einen eigenen Betraum zu haben, der auch Treffpunkt für andere Christen sein sollte, erbat sich Barbara von ihrem Vater die Einrichtung eines Badezimmers. Auch diesen Wunsch erfüllte der Vater ihr nichtsahnend.
Barbara ließ zu den beiden Badezimmerfenstern ein drittes fügen – als Lob des dreifaltigen Gottes.
Hl. Barbara bitte für die Christenheit.

girsberg74 vor 3 Stunden: Eine Bgegnung am frühen Morgen.

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