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Leo XIV.: Abschluss des Marienmonats Mai mit dem Rosenkranzgebet an der Lourdes-Grotte in den Vatikanischen Gärten. Aufruf zu Frieden, Umkehr und konkreter Verantwortung. Von Armin Schwibach
Rom (kath.net/as) Am Abend des Abschlusses des Marienmonats versammelten sich die Gläubigen an der Lourdes-Grotte in den Vatikanischen Gärten zum Rosenkranzgebet mit Papst Leo XIV. In seiner Ansprache stellte der Papst das gemeinsame Gebet unter das Wort des Psalms (85,9): „Ich will hören, was Gott redet: Frieden verkündet der Herr seinem Volk und seinen Frommen, für alle, die voll Vertrauen umkehren zu ihm“ und hob hervor, dass diese Worte „gut zu unserem Rosenkranzgebet heute Abend“ passten, weil sie jene Hoffnung zum Ausdruck brächten, „nach der wir uns sehnen, vor allem angesichts der Probleme und der Gewalt unserer Zeit“. Das Gebet habe daher das Herz für das Wort Gottes öffnen sollen, damit im Gebet der Sinn dessen verstanden werden könne, „was in der Geschichte geschieht“, und die Gläubigen die Vorsehung Gottes erkennen könnten, „die sie stets leitet und uns zu Hilfe kommt“.
Maria erschien dabei als das Vorbild des hörenden Glaubens. Der Papst verwies darauf, die Jungfrau sei „das Vorbild für alle Gläubigen, die ihr Herz öffnen, um zu hören, ‚was Gott redet‘“. In ihrem Gehorsam sei sie Beispiel dafür, wie der Mensch das göttliche Wort aufnehme, indem sie „die Menschwerdung des Sohnes Gottes in ihrem Schoß“ annahm. In der Betrachtung der Geheimnisse des Rosenkranzes werde in Jesus Christus jenes endgültige Wort sichtbar, das der Vater gesprochen habe, „ein Wort des Friedens für alle, die mit reumütigem Herzen umkehren zu ihm“. Dabei erinnerte Leo XIV. daran, dass der Herr den Menschen nicht verlasse: „Der Herr verlässt uns niemals, auch wenn wir ihn vergessen, auch wenn wir vom Weg abkommen; er kommt, um uns zu suchen, und ist uns in seiner immerwährenden Liebe nahe“. So verwies er auf das Wort des Propheten Jesaja: „Ich erschaffe Frucht der Lippen. Friede, Friede dem Fernen und dem Nahen“. Wer auf Gott vertraue, nehme diese Verheißung auf, werde selbst zum Friedensstifter und wirke mit den eigenen Händen am Frieden mit.
In der weiteren Entfaltung seiner Betrachtung wandte sich der Papst dem Frieden als konkreter Aufgabe des Menschen zu. Er hielt fest: „Der Friede ist nämlich weder eine Theorie, die im Labor überprüft werden kann, noch eine naive Illusion oder eine Angelegenheit, die interessengeleitet gehandhabt werden kann“. Frieden sei, wenn er mit aufrichtigem Herzen gesucht werde, „vor allem eine tägliche Aufgabe in unserem Leben“. Er entspringe der Gerechtigkeit und der Liebe und bilde jene Harmonie, „die Menschen, Familien, Gemeinschaften und Völker verbindet“. Auch in einer Zeit von Spannungen und Konflikten bleibe Frieden möglich, sofern die Bereitschaft bestehe, den Schrei jener zu hören, die seiner beraubt seien: „der unschuldigen Kinder, der verzweifelten Mütter und Väter, der misshandelten Gefangenen, der Flüchtlinge, der leidenden Menschen jeden Alters“. All diese Menschen hätten, wie Leo XIV. formulierte, „nur ein einziges Wort auf den Lippen: Frieden!“.
Der Friede sei Gabe Gottes und trage das Antlitz Christi. Der Papst erinnerte daran: „Wir wissen: Friede ist immer möglich, denn er ist ein Geschenk Gottes. Dieser Friede, sein Friede, hat das Antlitz Jesu Christi, des Sohnes Gottes, der mit seinem für uns hingegebenen Leben Himmel und Erde versöhnt hat“. Mit dem Wort des Apostels Paulus bekannte er: „Er ist unser Friede“, jener Christus, der „die Mauern der Feindschaft niederreißt, der den Hochmut mit Demut besiegt und die gesamte Schöpfung von der Sünde erlöst“. Daraus folge, dass der Mensch nur in der Gemeinschaft mit Christus den Weg des Friedens gehen könne. Wenn Jesus mit den Seinen sei und diese sich „wie wahre Jünger seiner Liebe“ verhielten, vermöge der Heilige Geist das zu vollbringen, „was menschlich gesehen unmöglich erscheint“. Wer sich hingegen von Gott entferne, entferne sich auch vom Menschen und werde dem Leid des Nächsten gegenüber gleichgültig. Jede Rückkehr zum Herrn mache deshalb seinen Frieden „zu unserer Verpflichtung, entsprechend den Aufgaben und Verantwortlichkeiten jedes Einzelnen“.
Von hier aus weitete Leo XIV. den Blick auf die Sendung des christlichen Gebets. Das Rosenkranzgebet dürfe nicht in sich selbst verbleiben, sondern müsse zur Sendung werden: „So wird unser Gebet zu einer Sendung und Prophezeiung“. Daraus ergäben sich konkrete Konsequenzen für das Leben der Völker und jedes einzelnen Menschen: „Es darf in unseren Städten kein Weinen Unschuldiger mehr geben; niemand soll wegen der Bedrohung durch Bomben aus seinem Zuhause fliehen müssen; Machtgier und verbale Gewalt werden dem Durst nach Gerechtigkeit und Wahrheit weichen“. Diese Verpflichtung beginne im Alltag. Jeder könne und müsse seinen Teil beitragen, indem er „mit kleinen, aber wichtigen Dingen beginnt und jegliche verbale oder körperliche Gewalt vermeidet, im Alltag und auch in den sozialen Medien“.
Zum Abschluss richtete der Papst den Blick auf den inneren Ursprung des Friedens. „Wahrer Friede beginnt in einem Herzen, das liebt; er wird bezeugt von Lippen, die Worte der Versöhnung sprechen; er spiegelt sich in Augen, die die Welt mit Güte und Weisheit betrachten“. Darin liege „die wahre Kraft, die Kraft der Wahrheit und der Liebe“.
Mit dem Ruf „Gott sucht Friedensstifter!“ schloss Leo XIV. seine Meditation und vertraute das Gebet der Fürsprache Mariens an: „Möge unsere allerseligste Mutter uns helfen, ihm jeden Tag mit unserem ‚Hier bin ich‘ zu antworten – nicht mit Worten, sondern mit Taten.“
Damit stand das Rosenkranzgebet an der Lourdes-Grotte im Zeichen jener Verbindung von marianischer Betrachtung, Umkehr des Herzens und tätiger Verantwortung für den Frieden, zu der der Papst die Kirche und die Weltgemeinschaft aufruft.
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