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3. Juni 2026 in Chronik, 9 Lesermeinungen
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Österreichischer Ökonom Franz Schellhorn: Wer mit der Bekämpfung von Armut seinen Lebensunterhalt verdiene, habe ein vitales Interesse daran, dass das Problem statistisch sichtbar bleibe
Wien (kath.net)
In einem aktuellen Gastkommentar für das Magazin PROFIL übt der bekannte österreichische Ökonom Franz Schellhorn scharfe Kritik an der gängigen medialen und politischen Debatte über Armut in Österreich. Trotz eines Sozialstaates, der mit 31,2 Prozent seiner Wirtschaftsleistung weltweit im Spitzenfeld liegt, werde regelmäßig ein dramatisches Bild gezeichnet, wonach rund 1,7 Millionen Menschen vom „Absturz ins Nichts“ bedroht seien. Hilfsorganisationen wie die Caritas oder die Volkshilfe würden diese Zahlen nutzen, um mehr staatliche Maßnahmen zu fordern.
Schellhorn legt jedoch dar, dass hierbei ein wesentlicher Unterschied verschwiegen wird: Die sogenannte „Armutsgefährdung“ sei kein Maß für reale Armut, sondern lediglich ein statistisches Maß für Ungleichheit. Sie betrifft jeden, der weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens (Median) zur Verfügung hat. Darunter fallen statistisch auch Studenten mit wohlhabenden Eltern, Familien im schuldenfreien Eigentum oder Pensionisten mit Ersparnissen, deren monatliche Überweisung formal unter der Schwelle liegt.
Der Autor pointiert dies mit einem Rechenbeispiel: Würde man jedem Haushalt morgen eine Million Euro schenken, bliebe die Zahl der statistisch „Armutsgefährdeten“ exakt gleich, da sich die relative Schwelle entsprechend nach oben verschöbe. Paradoxerweise steige die Armutsgefährdung bei wirtschaftlichem Erfolg und steigenden Löhnen an, während sie in schweren Krisen – wenn mittlere Einkommen einbrechen – statistisch sinke, obwohl das Land real ärmer wird.
Schellhorn spricht in diesem Zusammenhang von einer „Empörungsmaschine“ und einer „Armutsindustrie“. Wer mit der Bekämpfung von Armut seinen Lebensunterhalt verdiene, habe ein vitales Interesse daran, dass das Problem statistisch sichtbar bleibe, da Budgets nach Problemlagen vergeben werden. Dies sei keine Verschwörungstheorie, sondern menschliches Verhalten.
Dabei gäbe es laut Schellhorn einen echten Grund zur Freude, der von den Hilfsorganisationen jedoch meist in den Fußnoten versteckt werde: Die Zahl der Menschen in echter materieller Not sei in Österreich – trotz starker Zuwanderung mittelloser Menschen – deutlich von 336.000 auf 261.000 gesunken. Der österreichische Sozialstaat leiste dort, wo es zählt, hervorragende Arbeit.
Der Ökonom fordert daher eine ehrliche Debatte, die strikt zwischen relativer Einkommensposition und realer Not unterscheidet. Nur so könne man sich von einer manipulativen Statistik lösen und sicherstellen, dass sich die „Heerscharen von Helfern“ zielgerichtet auf jene Menschen konzentrieren, die die Hilfe der Solidargemeinschaft tatsächlich dringend benötigen.
Foto: (c) pixabay
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scientia humana vor 7 Tagen: Manipulieren vs. falsch interpretieren
@Per-Mariam-ad-Jesum-Christum
Manipulation besteht darin, Daten zu fälschen bzw. von der angegebenen Rechenvorschrift abzuweichen. Selbst so etwas kann statistisch nachgewiesen werden, z.B. dass die russischen Coronafallzahlen seinerzeit erheblich von der Benfordverteilung abwichen.
Falschinterpretation kann sogar sofort erkannt werden mit einfachen (Schul)Statistikkenntnissen:
Nachdem ich mich mit der sogenannten Armutstatistik beschäftigt habe, bin ich beeindruckt, wie aussagekräftig sie untere Einkommen abbildet. Aber auf absolute Armutsgefährdung zu schließen, erscheint, wie die Überschrift aussagt und Sie und andere richtig bemerken, wenig seriös. Das gibt diese Statistik (Daten, Rechenvorschrift, Auswertung) nicht her.
Per-Mariam-ad-Jesum-Christum 3. Juni 2026: @scientia humana: Armutsstatistik
Da haben Sie recht: Die Armutsstatistik ist wesentlich komplexer und hängt nicht nur von einem Medianwert ab. Wenn schon müsste man die mittlere Abweichung vom Median wie auch andere Kenn- und Referenzgrössen mitberücksichtigen. In der CH z.B. hängt es stark ab, in welchem Kanton man lebt, da die Fixkosten (Mietpreise, Steuerbelastung, Krankenkassen- und Versicherungsprämien, ev. Warenkorb etc.) stark variieren können. Da müsste wenn schon aufgrund der kantonalen Lebenshaltungskosten ein Mindesteinkommen definiert werden als Referenzpunkt zur Bestimmung der Armutsgrenze.
Wie Sie wissen, lassen sich Statistiken auf verschiedenste Arten manipulieren, da helfen auch gute Statistikkenntnisse nichts; ich habe unten allgemein formuliert, ich bin nicht spezifisch auf das Rechenbeispiel im Artikel eingegangen, das haben Sie dankenswerterweise erledigt.
scientia humana 3. Juni 2026: Die Rechenvorschrift ist gut, ihr Name ist irreführend
@ Lieber Jothekieker: Danke für Ihren Einwand, aber bitte rechnen Sie doch nach:
Wenn von den 9 Personen im Beispiel Personen 6,7,8 und 9 eine Milllion verdienen, Personen 1, 2,3,4 und 5 aber weiterhin jeweils 1,2,3,4 und 5 Euro verdienen, bleibt der Median bei 5 Euro (der Median ist kein Mittelwert sondern der Wert, der in der Mitte liegt -- deswegen ist der Median ja auch robust gegen Ausreißer).
Also ein Elon Musk oder auch einige haben kaum Einfluss auf die "Armuts"statistik.
Jothekieker 3. Juni 2026: @scientia humana
Ihr Beispiel ist ganz nett, aber es spiegelt das Kernproblem nicht wider. Das ist nämlich folgendes:
Nehmen wir an, Sie leben in einem wohlhabenden Ort, in dem nur fleißige Bürger leben und alle ein gutes Auskommen haben. Dann zieht plötzlich Elon Musk als Neubürger in Ihren Ort und schon sind Sie alle bitterarm.
girsberg74 3. Juni 2026: Stark,
dass man bei (der Beseitigung von) Armut von einer Industrie sprechen kann, mit all den Anzeichen, die sonst für Industrien typisch sind.
scientia humana 3. Juni 2026: Fragwürdige Statistik des Ökonomen
@ Jörgen: Sie haben völlig Recht.
Dazu für das Forum ein Rechenbeispiel mit 9 Personen: die erste verdient 1 Euro, die zweite 2 Euro, die neunte 9 Euro. Der Median ist dann 5 Euro, von dem sind 3 Euro 60 %. Damit sind per Definition Personen 1 und 2 armutsgefährdet. Jetzt kriegt jeder 100 Euro dazu, dann liegt der Median bei 105 Euro, 53 Euro sind dann ca. 60 % und keiner ist mehr per Definition armutsgefährdet.
Also: Der Median ist invariant unter Addition (da hat der Ökonom recht), aber die Armutsstatistik ist komplexer. Prozentrechnung ist eben nicht invariant unter Addition.
@ Per-Mariam-ad-Jesum-Christum: Sich die notwendigen Statistikkenntnisse anzueignen ist nicht schwer (s.o.). Dann werden Sie und alle, die sich auskennen nicht mehr manipuliert.
Jörgen 3. Juni 2026:
Mir war die Berechnungsmethodik der Armutsgrenze seit jeher suspekt. Ein absoluter statt relativer Wert wäre sicher schwieriger festzulegen, aber dennoch praxisgerechter.
Auch wenn der Ökonom aus meiner Sicht mit seiner Kritik richtig liegt, das Rechenbeispiel (plus 1 Mio) ist nicht korrekt.
Fisher 3. Juni 2026: „Empörungsmaschine“ ist Teil des Kirchenapparats
Gefühlt jeden zweiten Tag warnen kirchliche Organisationen vor „Einsparungen bei den Ärmsten“, „Diskriminierungen von vulnerablen Personengruppen“ und „steigender Armutsgefährdung“.
Umso erfreulicher ist es, dass die Zahlen das hervorragende Funktionieren des öster-reichischen Sozialstaates bestätigen und dies trotz des immensen Zustroms von Migranten in das Sozialsystem.
Katholische Caritas, evangelische Diakonie, sowie linke und populistische Verbände sind tagtäglich im Wettstreit, um als vermeintliches Sprachrohr „die stärkste Stimme aller Benachteiligten zu sein.
Ich werde das Gefühl nicht los, dies ist im ureigensten Interesse dieser Sozialkonzerne. Umso mehr freue ich mich auf jeden Tag, an dem diese sozialpolitischen Agitateure schweigen.
Per-Mariam-ad-Jesum-Christum 3. Juni 2026: Manipulative Statistik scheint omnipräsent
"Nur so könne man sich von einer manipulativen Statistik lösen und sicherstellen", heisst es im obigen Artikel. Die Coronazeit lässt grüssen, wie auch viele offiziellen Angaben bei Demonstrationen im Bereich Lebensschutz (Zahl stark marginalisiert) oder bei Manifestationen, welche Forderungen des links-grünen Politspektrums vertreten (Zahlen werden nach oben 'beschönigt'). Der durchschnittliche Mensch "leidet" zudem an seinem Kurzzeitgedächtnis: Er vergisst schnell und viel, wenn sich die Umstände normalisiert haben; dient natürlich auch als "psychischer Selbstschutz". Fazit für uns: Zahlen, Fakten und Verlautbarungen - gerade von sog. Experten - seitens öffentlicher Stelle kritisch untersuchen und verifizieren bzw. falsifizieren. Die letzten paar Jahre haben einem diese Tatsache überdeutlich vor Augen geführt.
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