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Christus bleibt nicht im Tempel! Fronleichnam: Einladung für die Gegenwart

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Leo XIV.: Nicht Folklore, sondern Gegenwart. Fronleichnam als Begegnung Christi mit den Menschen von heute. Kein Museum der Vergangenheit, sondern Schule des Glaubens für die Zukunft. Von Armin Schwibach


Madrid (kath.net/as) Fronleichnam in Madrid mit Papst Leo XIV., Heilige Messe auf der Plaza de Cibeles. An die Eucharistiefeier schließt sich die traditionelle Fronleichnamsprozession durch die Straßen der Hauptstadt an, die mit dem eucharistischen Segen endet.

In seiner Predigt erklärte Leo XIV. das Fronleichnamsfest nicht in erster Linie als Darstellung der eucharistischen Lehre, sondern als Ausdruck der Gegenwart Christi im Leben eines Volkes und in der Geschichte. Das Wesen der Prozession erschien dabei als sichtbares Zeichen dafür, dass Christus „nicht im Tempel eingeschlossen bleibt“, sondern den Menschen auf ihren Wegen begegnet, ihre Städte, ihre Häuser, ihre Hoffnungen und ihre Verwundungen aufsucht. Vor diesem Hintergrund erhielt auch die spanische Fronleichnamstradition ihre besondere Bedeutung. Der Papst würdigte sie nicht als kulturelles Erbe, das lediglich bewahrt werden müsse, sondern als lebendige Wirklichkeit des Glaubens. Die Religiosität Spaniens dürfe deshalb „kein Museum der Vergangenheit“ werden, sondern müsse „eine Schule des Glaubens“ bleiben, aus der auch heute Orientierung, Verantwortung und Engagement für das Gemeinwohl erwachsen. Gerade darin lag der Kern seiner Botschaft: Die Erinnerung an die Gegenwart Christi in der Eucharistie erschöpft sich nicht in der Bewahrung einer Tradition, sondern drängt dazu, die Gegenwart im Licht Christi zu verstehen und die Geschichte aus dieser Begegnung heraus mitzugestalten.

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Zu Beginn seiner Predigt bekannte der Papst, er stehe zu Beginn seiner Apostolischen Reise „mit dem Herzen voll Freude“ der Feier dieser Eucharistie am Hochfest Fronleichnam vor. Die Gläubigen seien um die Eucharistie versammelt, „das Geschenk der lebendigen Gegenwart Christi in unserer Mitte“. Christus habe sein Leben hingegeben, um die Menschen in die Gemeinschaft des Vaters einzuführen und zu seinen Kindern zu machen. Er sei gegenwärtig „als lebendiges Brot, das vom Himmel herabgekommen ist“, das den Menschen mit dem Leben Gottes selbst nähre, „mit einer Liebe, die stärker ist als der Tod“.


Leo XIV. erinnerte daran, dass das Gedächtnis des im eucharistischen Brot gegenwärtigen Herrn zum Kern des Glaubens und der Geschichte Spaniens gehöre. Fronleichnam sei in Madrid und an vielen anderen Orten des Landes nicht einfach ein Fest des liturgischen Kalenders, sondern eine Rückkehr zu den Wurzeln des Glaubens, um die Liebe und Treue zu Gott zu erneuern. Die Prozessionen dieses Tages hätten über Jahrhunderte Frömmigkeit, Kunst, Musik, Architektur und das Leben des spanischen Volkes geprägt. Der Papst betonte, bei den äußeren Formen der Feier gehe es weder um Folklore noch um ästhetische Gestaltung. Vielmehr gehe es um den Glauben an die Gegenwart des auferstandenen Herrn, „der lebt und noch immer in unserer Mitte vorübergeht, der Brot wird für unseren Hunger nach Leben und die Winkel unseres Herzens und unserer Geschichte besucht, auch die dunkelsten“.

Von dieser Perspektive aus deutete Leo XIV. die anschließende Prozession. Wenn Christus sich in der Eucharistie als Speise schenke, dann zeige die Prozession, dass er nicht im Tempel eingeschlossen bleibe, sondern den Menschen entgegenkomme: „Jesus geht durch die Straßen, durchquert die Plätze, besucht unsere Viertel, wohnt an den Orten unseres alltäglichen Lebens“. Christus erscheine als der Gott, der mit seinem Volk gehe, als Trost für die Schwachen, Hoffnung für die Verletzlichen und Frieden für die Leidenden. Der Papst erinnerte daran, dass derselbe Christus, der in der Monstranz durch die Straßen getragen werde, sich mit den Armen, den Kranken, den Einsamen und den Ausgegrenzten identifiziere. Deshalb sei es kein Zufall, dass die Kirche in Spanien über viele Jahre das Fronleichnamsfest mit dem Tag der Caritas verbunden habe.

Leo XIV. unterstrich, die Prozession bedeute nicht nur, eine Monstranz nach draußen zu tragen. Die Gläubigen müssten sich vielmehr selbst aus Egoismus, Gleichgültigkeit und einem bequemen privaten Glauben herausführen lassen. Christus lade zur Umkehr ein und dazu, den Blick zu verändern, seine Gegenwart aufzunehmen und sich von ihr verwandeln zu lassen, um zu Erbauern einer neuen Welt zu werden. Der Papst wandte sich gegen eine rein nostalgische Sicht auf die Fronleichnamstradition. Die Erinnerung an die Prozessionen dürfe nicht in der Vergangenheit eingeschlossen bleiben, sondern werde zu einer Einladung für die Gegenwart, für das persönliche Leben, die Beziehungen, die Gesellschaft und die Zukunft. In diesem Zusammenhang verwies er auf die Mahnung aus dem Buch Deuteronomium, sich an den Weg zu erinnern, den Gott sein Volk geführt habe. Erinnern bedeute, den Herrn nicht zu vergessen und nicht der Versuchung zu erliegen, sich anderen Götzen zuzuwenden und sich von einem Brot zu nähren, das den Menschen nicht sättige.

Daraus leitete Leo XIV. einen Auftrag für das Spanien von heute und morgen ab. Die Religiosität, die das Land seit Jahrhunderten geprägt habe, dürfe „kein Museum der Vergangenheit“ sein, sondern müsse „eine Schule des Glaubens“ bleiben. Diese Schule lehre, vor Gott und vor dem Nächsten niederzuknien, denn niemand könne vor dem Herrn niederknien und zugleich den Bruder verachten. Sie lehre die Unentgeltlichkeit der Liebe, die sich verschenke und die Ketten des Egoismus sprenge. Sie lehre auch, dass Gott reale Gegenwart sei und deshalb auch Christen aufgerufen seien, in den Herausforderungen der Gesellschaft präsent zu sein und sich für das Gemeinwohl einzusetzen. Besonders erinnerte der Papst an den spanischen Heiligen Manuel González, den „Bischof der verlassenen Tabernakel“. Dessen Leben bezeuge, dass die Eucharistie nicht nur in großen Feierlichkeiten geehrt werde, sondern ebenso in der Treue des täglichen Gebets und in einer stillen Freundschaft mit Christus. Daneben griff Leo XIV. auf die Dichtung des heiligen Johannes vom Kreuz zurück und zitierte dessen Verse: „Ich kenne wohl jene Quelle, die fließt und strömt, auch wenn die Nacht tief ist“. Der Kirchenlehrer habe während seiner Gefangenschaft in Toledo gerade in der Dunkelheit die verborgene Gegenwart Gottes erkannt. Christus in der Eucharistie sei „jene ewige verborgene Quelle“, die den Menschen tränke, ohne sich aufzudrängen oder durch äußere Macht zu imponieren.

Zum Abschluss rief der Papst dazu auf, mit aufrichtiger Liebe zu Christus zurückzukehren und sich von ihm neu beschenken zu lassen. Die Gläubigen sollten aus der Begegnung mit dem Herrn aufbrechen, um in die Welt „einen Strom frischen Wassers, einen Strom der Liebe, des Friedens, der Gerechtigkeit und der Freude“ zu tragen. Die eucharistische Quelle dürfe nicht in eine private Frömmigkeit einschließen, sondern sende die Christen zu den Brüdern und Schwestern, zu den Familien, den Armen, den Leidenden und den Hoffnungslosen. Die eucharistische Gnade verwandle den Menschen und mache ihn zugleich „zum Protagonisten der Verwandlung der Geschichte und zum Zeichen der Hoffnung für jene, denen wir begegnen“. Mit einem Gebet für Spanien schloss Leo XIV. seine Predigt: Christus, gegenwärtig in der Eucharistie, möge die Gläubigen zu „gebrochenem, geschenktem und hingegebenem Brot“ machen, damit ein volles Leben hervorströme „für euch, für eure Familien und für euer Land“.

 


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