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Leo XIV.: die Apostolische Reise nach Spanien. Die Bedeutung des christlichen Erbes Europas und der Dialog zwischen den Völkern. Christus: Fundamen des Zusammenlebens in einer Zeit globaler Herausforderungen. Von Armin Schwibach
Rom (kath,net/as) „Sagt ihr nicht: Noch vier Monate dauert es bis zur Ernte? Sieh, ich sage euch: Erhebt eure Augen und seht, dass die Felder schon weiß sind zur Ernte! […] Ich habe euch gesandt zu ernten, wofür ihr euch nicht abgemüht habt; andere haben sich abgemüht und euch ist ihre Mühe zugutegekommen“ (Joh 4,35.38).
Bei der heutigen Generalaudienz zog Papst Leo XIV. eine Bilanz seiner Apostolischen Reise nach Spanien, die ihn nach Madrid, Barcelona, in die Abtei Montserrat sowie auf die Kanarischen Inseln geführt hatte. Nach seiner vorhergehenden Reise durch vier afrikanische Länder habe er sich diesmal in einem europäischen Land mit einer langen katholischen Tradition befunden. Dabei sei deutlich geworden, dass der Papst im heutigen Spanien, das tiefgreifende gesellschaftliche und kulturelle Veränderungen erlebt habe, überall mit Begeisterung, Offenheit und Aufmerksamkeit empfangen worden sei. Leo XIV. dankte Gott sowie dem spanischen Volk, dem König, den staatlichen Autoritäten, den Bischöfen und den kirchlichen Gemeinschaften für den Empfang. Besonders habe ihn die Glaubensfreude des Gottesvolkes gestärkt. Zugleich habe er die Gläubigen in seinem Dienst als Bischof von Rom ermutigt, jede Form von Spaltung und Gegensätzen zu überwinden und stattdessen „immer die Gemeinschaft, den Dialog und die Einheit in der Verschiedenheit zu pflegen“. Dies sei der besondere Dienst des Nachfolgers Petri, der bei Apostolischen Reisen jeweils eine konkrete Gestalt entsprechend den kirchlichen und gesellschaftlichen Situationen der besuchten Länder annehme.
Mit Freude habe er gerade in Spanien wahrgenommen, wie Menschen aller Altersgruppen und gesellschaftlichen Schichten den Besuch des Papstes erwartet hätten. Überall seien große Menschenmengen zusammengekommen. Dies sei keineswegs selbstverständlich und verdiene eine nähere Betrachtung. Die Teilnahme drücke zunächst den Glauben des spanischen Volkes aus. Gleichzeitig sei darin das verbreitete Bedürfnis zu erkennen, „sich auf einem wahren und tiefen Fundament wieder vereint zu finden, das weder ideologisch noch von Teilinteressen bestimmt ist“. Ein solches Fundament könne letztlich nur Christus selbst geben. Das Evangelium könne dieses Fundament in das Leben der Völker hineintragen, da seine Botschaft sowohl der Suche nach Wahrheit als auch dem Verlangen nach Gerechtigkeit entspreche.
Der Papst erinnerte an die verschiedenen Stationen seiner Reise. In Madrid und Barcelona seien die Gläubigen in den großen Kathedralen und in modernen Stadien zusammengekommen. In Montserrat habe man gemeinsam den Rosenkranz gebetet. In der Sagrada Família sei die Eucharistie gefeiert worden. Das Gotteshaus erfasste Leo XIV. als „ein majestätisches Symbol, eine Symphonie aus Stein und Licht, die allen vom christlichen Geheimnis spricht“. Die Begegnung von Altem und Neuem, von katholischer Tradition und zeitgenössischer Kultur habe ihn die besondere Gestalt Europas neu erkennen lassen. Darin liege ein Erbe, das nicht der Vergangenheit angehöre, sondern Gegenwart sei. Dieses Erbe müsse bewahrt werden, um es in die Herausforderungen der heutigen Welt einzubringen. Als solche Herausforderungen nannte Leo XIV. den Frieden, die ganzheitliche Ökologie, eine gerechte und nachhaltige Entwicklung sowie die Achtung der Menschenwürde. Bereits das Zweite Vatikanische Konzil habe diese Fragen erkannt. Das nachfolgende Lehramt habe sie weiter vertieft. In diesem Zusammenhang verwies der Papst auch auf seine Enzyklika Magnifica humanitas, die den Schutz der menschlichen Person im Zeitalter der künstlichen Intelligenz zum Ziel habe.
Während der verschiedenen Begegnungen habe er das Bedürfnis vieler Menschen wahrgenommen, in der Stimme des Papstes das „Evangelium der Hoffnung“ für die heutige Menschheit zu hören. Diese Menschheit sei von den negativen Folgen eines irreführenden Entwicklungsmodells gezeichnet. Dieses Verlangen habe sich in zahlreichen Zeugnissen gezeigt, die er während der Reise gehört habe. Besonders deutlich sei es ihm in den Gesichtern der Menschen begegnet. Der Papst erinnerte an das Kind, das ihm in einer Pfarrei seinen Brief vorgelesen habe, an Missbrauchsopfer, die darum baten, gehört zu werden, an Gefangene, die ihn im Gefängnis erwarteten, an junge Menschen mit ihren Sorgen und Plänen sowie an Migranten in den Erstaufnahmezentren der Kanarischen Inseln. Gerade die Kanarischen Inseln hätten ihm schließlich einen Schlüssel zum Verständnis der gesamten Reise gegeben. Einerseits ergebe sich dies aus der geographischen Lage des Archipels, andererseits aus der Wirklichkeit einer Ortskirche, die zahlreiche Zwangsmigranten aufnehme, die vor allem aus Afrika kämen. Der Papst räumte ein, dass das Phänomen der Migration komplex sei und abgestimmte sowie umfassende Maßnahmen erfordere.
Zugleich eröffne diese Erfahrung eine weitere Perspektive. Sie lasse verstehen, dass Christen dazu berufen seien, „das Evangelium in der Welt von heute neu zu lesen, indem wir die Gaben unserer jeweiligen Kulturen austauschen und insbesondere die Früchte teilen, die in ihnen durch die Fruchtbarkeit der Botschaft Christi hervorgebracht wurden“. Zu diesen Früchten gehöre insbesondere der Dialog zwischen den Menschen und Völkern. Dieser Dialog ermögliche eine Begegnung im Geist der Brüderlichkeit und helfe, die Werte des anderen zu entdecken und anzuerkennen. Leo XIV. erklärte: „Dieser Weg ist nicht leicht. Er verlangt guten Willen und die Hilfe Gottes. Aber es ist der Weg, der zur Zivilisation der Liebe führt.“
Am Ende seiner Katechese griff der Papst das Motto seiner Spanienreise auf: „Erhebt den Blick!“. Es seien dies Worte Jesu aus dem Johannesevangelium, mit denen er seine ersten Jünger gelehrt habe, in den Menschen und den Menschenmengen die Sehnsucht nach Leben, Wahrheit und Fülle zu erkennen. Diese Worte habe der Herr auch an ihn selbst gerichtet. Während der Reise habe er ihre Bedeutung neu erfahren. Deshalb richtete er die gleiche Einladung an die Gläubigen: „Erheben wir den Blick!“, und fügte hinzu: „Lernen wir von Jesus, auf den Nächsten, auf die Menschen und auf die Welt ‚mit den Augen Gottes‘ zu schauen, das heißt mit Liebe, Achtung und Mitgefühl“.
Abschließend dankte Leo XIV. allen, die für das Gelingen der Apostolischen Reise gebetet hatten. Sein besonderer Dank galt den kontemplativen Ordensgemeinschaften Spaniens. Er bat darum, weiterhin für ihn zu beten, „damit die Samen, die ich ausgestreut habe, auf die Fürsprache der Jungfrau Maria reiche Frucht bringen“.
Die Pilger und Besucher aus dem deutschen Sprachraum begrüßte der Heilige Vater miot den folgenden Worten:
Liebe Brüder und Schwestern, das Motto der Apostolischen Reise nach Spanien lautete: „Erhebt den Blick“ (vgl. Joh 4,35). Richten wir alle unseren Blick auf Jesus Christus, den guten Hirten. Von ihm lernen wir, unsere Mitmenschen und die ganze Welt mit den Augen Gottes zu sehen – voller Liebe, Respekt und Mitgefühl.
Foto (c) Vatican Media
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