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vor 3 Stunden in Spirituelles, 1 Lesermeinung
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„Das heutige Evangelium ist eine tröstliche Botschaft: Unser Gott hat Vertrauen und Geduld mit uns. Eine Geduld, die viel größer ist als unsere.“ Von Archimandrit Dr. Andreas-Abraham Thiermeyer
Eichstätt (kath.net) Predigt zum 15. Sonntag im Jahreskreis A (Mt 13,1–9)
Liebe Schwestern und Brüder, es gibt Evangelien, die hört man leicht missverständlich. Das Gleichnis vom Sämann gehört dazu. Denn auf den ersten Blick scheint Jesus von Misserfolgen zu sprechen. Da fallen Samenkörner auf den Weg. Andere auf felsigen Boden. Wieder andere unter die Dornen. Vieles geht verloren.
Doch wer genauer hinhört, merkt: Jesus erzählt eigentlich gar keine Geschichte vom Scheitern. Er erzählt eine Geschichte der Hoffnung. Ja mehr noch: Er erzählt eine Geschichte von der unerschütterlichen Zuversicht und des großen Vertrauens Gottes in uns Menschen.
I. Gott gibt keinen Menschen auf
Wenn Jesus vom Sämann spricht, dann meint er letztlich sich selbst. Er ist der Sämann, der hinausgeht auf die Felder dieser Welt. Er kommt zu den Menschen. Er verkündet das Reich Gottes. Er ruft, heilt, tröstet und richtet auf. Dabei macht er keinen Unterschied. Er sät bei den Frommen und bei den Suchenden. Er sät bei den Kranken und bei den Gesunden. Er sät bei den Zweiflern und bei den Glaubenden. Er sät sogar dort, wo die Aussichten menschlich betrachtet gering erscheinen.
Genau darin liegt etwas zutiefst Tröstliches. Gott schreibt keinen Menschen ab. Wir Menschen tun das manchmal. Wir sagen: „Bei dem hat das keinen Sinn mehr.“ Oder: „Der wird sich nie ändern.“ Oder: „Die Kirche hat doch keine Zukunft mehr.“ Jesus denkt anders. Er geht trotzdem hinaus. Er sät trotzdem. Er liebt trotzdem. Denn Gott sieht Möglichkeiten, wo wir längst Grenzen sehen.
II. Die erstaunliche Bilanz des Gleichnisses
Bemerkenswert ist die Rechnung, die Jesus aufmacht. Drei Viertel der Saat scheinen verloren zu gehen: Der Weg verschluckt einen Teil. Die Steine nehmen einen Teil auf. Die Dornen ersticken einen Teil. Nur ein Viertel fällt auf guten Boden. Menschlich betrachtet ist das eine schlechte Bilanz. Ein Landwirt würde sich bei der Bilanz große Sorgen machen.
Doch Jesus schaut gar nicht zuerst auf die Verluste. Er schaut auf die Frucht. Und plötzlich verändert sich alles. Denn das eine Viertel bringt einen Ertrag hervor, der jede Vorstellung sprengt: dreißigfach, sechzigfach, hundertfach. Das bedeutet: Die Frucht ist größer als der Verlust. Die Hoffnung ist stärker als die Enttäuschung. Das Leben ist stärker als das Scheitern.
Genau das ist die Logik Gottes. Wir Menschen zählen oft die Misserfolge. Gott zählt die Früchte. Wir schauen auf das, was nicht geworden ist. Gott schaut auf das, was noch werden kann. Wir sehen das Samenkorn. Gott sieht bereits die Ernte.
III. Die Geduld Gottes
Das heutige Evangelium ist eine tröstliche Botschaft: Unser Gott hat Vertrauen und Geduld mit uns. Eine Geduld, die viel größer ist als unsere. – Wir möchten oft sofort Ergebnisse sehen. Wir möchten wissen, ob unsere Mühe etwas bringt. Wir möchten Gewissheit haben. Doch das Wachstum eines Samenkorns geschieht verborgen. Niemand kann zuschauen, wie es keimt. Wochenlang scheint nichts zu geschehen. Und dennoch wächst bereits neues Leben.
So wirkt Gott auch in den Herzen der Menschen. Manches Gebet einer Mutter geht erst nach Jahrzehnten auf. Manches Wort der Großeltern wird erst viel später verstanden. Mancher Mensch findet erst nach langen Umwegen zu Gott zurück. Der heilige Augustinus wusste davon aus eigener Erfahrung. Seine Mutter Monika hatte viele Jahre für ihn gebetet und geweint. Lange Zeit schien alles vergeblich zu sein. Doch schließlich wurde aus dem Suchenden einer der großen Heiligen der Kirche.
Gott hat Zeit. Und weil Gott Zeit für uns hat, dürfen auch wir Hoffnung haben.
IV. Das Wunder des kleinen Anfangs
Die Heilige Schrift zeigt immer wieder dieselbe Erfahrung. Gott beginnt klein: Ein alter Abraham wird zum Vater vieler Völker. Ein kleiner Hirtenjunge namens David wird König. Eine unbekannte junge Frau aus Nazareth wird die Mutter des Erlösers. Zwölf einfache Fischer verändern die Welt. Und ein Samenkorn wird zur reichen Ernte. Gott liebt die kleinen Anfänge. Deshalb sollten wir uns niemals entmutigen lassen, wenn wir nur wenig sehen.
Der heilige Johannes Chrysostomos sagt einmal sinngemäß: „Der Herr verlangt nicht, dass wir die Ernte machen. Er verlangt nur, dass wir säen.“ Das nimmt einen ungeheuren Druck von unseren Schultern. Wir müssen nicht alles lösen. Wir müssen nicht alles retten. Wir müssen nicht alles kontrollieren. Wir dürfen säen. Und den Rest dürfen wir Gott überlassen.
V. Die verborgenen Früchte unseres Lebens
Vielleicht werden wir erst im Himmel erkennen, wie viel Frucht unser Leben tatsächlich getragen hat. Vielleicht entdecken wir dann, dass ein freundliches Wort einen Menschen vor der Verzweiflung bewahrt hat. Dass eine treue Fürbitte einen anderen gestärkt hat. Dass ein gutes Beispiel mehr bewirkt, als viele Worte. Dass eine verborgene Liebe Kreise gezogen hat, von denen wir nie etwas ahnten.
Gott wirkt oft im Verborgenen. Aber nichts, was aus Liebe geschieht, geht verloren. Kein Gebet. Keine Träne. Keine Vergebung. Kein Opfer. Keine Tat der Liebe.Alles fällt in die Hände Gottes und wird von ihm verwandelt.
VI. Eine Hoffnung für die Kirche unserer Zeit
Dieses Evangelium ist deshalb auch eine große Ermutigung für die Kirche. Viele Menschen sorgen sich um ihre Zukunft. Sie sehen leere Kirchen, weniger Priester und eine zunehmende Gleichgültigkeit gegenüber dem Glauben.
All das ist Realität. Aber Jesus lädt uns ein, tiefer zu schauen. Nicht die Krise hat das letzte Wort. Nicht die Zahlen haben das letzte Wort. Nicht die Verluste haben das letzte Wort. Das letzte Wort hat die Frucht. Das letzte Wort hat die Gnade. Das letzte Wort hat Gott.
Die Geschichte der Kirche war nie eine Geschichte menschlicher Erfolge. Sie war immer eine Geschichte der Treue Gottes. Und diese Treue trägt auch heute.
VII. Am Ende steht die Ernte
Liebe Schwestern und Brüder, das Gleichnis vom Sämann ist letztlich eine Einladung an uns zum Vertrauen. Vielleicht tragen wir Enttäuschungen in unserem Herzen. Vielleicht denken wir an Menschen, die uns Sorgen machen. Vielleicht an eigene Fehler, an unerfüllte Hoffnungen oder an vieles, was anders geworden ist, als wir es uns gewünscht hätten. Dann dürfen wir heute hören: Der Herr kennt die Steine. Er kennt die Dornen. Er kennt die harten Wege. Und trotzdem geht er hinaus, um zu säen. Immer wieder. Auch heute. Auch in unser Herz. Denn Gott glaubt an die Frucht, selbst wenn wir sie noch nicht sehen. Er glaubt an das Leben, selbst wenn wir nur den Samen sehen. Er glaubt an die Zukunft, selbst wenn wir von der Gegenwart enttäuscht sind. Darum dürfen auch wir hoffen. Denn am Ende unseres Lebens wird nicht die Summe unserer Misserfolge stehen. Am Ende wird die Treue Gottes stehen. Und dann werden wir staunend erkennen, dass aus den kleinen Samenkörnern unseres Lebens eine Ernte geworden ist, die alles übertrifft, was wir jemals zu hoffen gewagt haben. Amen.
Archimandrit Dr. Andreas-Abraham Thiermeyer ist der Gründungsrektor des Collegium Orientale in Eichstätt. Er ist Theologe mit Schwerpunkt auf ökumenischer Theologie, ostkirchlicher Ekklesiologie und ostkirchlicher Liturgiewissenschaft. Er studierte in Eichstätt, Jerusalem und Rom, war in verschiedenen Dialogkommissionen tätig. Er veröffentlicht zu Fragen der Ökumene, des Frühen Mönchtums, der Liturgie der Ostkirchen und der ostkirchlichen Spiritualität. Weitere kath.net-Beiträge von ihm: siehe Link.
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Stefan Fleischer vor 2 Stunden: Solche Worte
sind es, die ich, die wir und alle anderen immer wieder brauchen. "Vergelt's Gott!"
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