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Irrtümer über den Jakobsweg

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Am 25. Juli feiert die Kirche das Fest des Heiligen Jakobus - Warum nicht einmal den Jakobsweg gehen? - Ein paar Tipps.


Santiago de Compostela (kath.net)

Am 25. Juli feiert die Kirche das Hochfest des heiligen Apostels Jakobus. Für viele ist dieses Datum der Anlass, über eine Pilgerreise nach Santiago de Compostela nachzudenken. Doch wer sich auf den Weg machen will, sollte einige weit verbreitete Irrtümer über den Jakobsweg kennen. Aleiteia hat dazu einige Tipps gegeben.

Wer an den „Camino“ denkt, hat meist dasselbe Bild vor Augen: einen staubigen Pfad in Nordspanien, eine Jakobsmuschel am Rucksack, eine verregnete Kathedrale und vielleicht Filmszenen mit Martin Sheen aus dem berühmten Spielfilm The Way. Gedacht wird dabei an den Camino Francés – den französischen Weg, der über rund 800 Kilometer von Saint-Jean-Pied-de-Port über die Pyrenäen nach Galicien führt. Er ist zweifellos wunderschön, aber er ist nur ein einzelner Faden in einem riesigen, jahrhundertealten Netz.

Der Jakobsweg ist kein einzelner Pfad, sondern ein Netzwerk

Der größte Irrtum vieler angehender Pilger besteht darin, den Jakobsweg als eine einzige, festgelegte Route zu begreifen. In der ursprünglichen, mittelalterlichen Logik des Pilgerns begann der Jakobsweg direkt vor der eigenen Haustür.

Mittelalterliche Pilger aus Paris, Rom, Krakau, Lissabon oder von den Küsten der Ostsee machten sich zu Fuß auf den Weg nach Galicien. Jeder nutzte seinen eigenen Pfad, bis sich die Wege schließlich vor dem Grab des Apostels vereinten. Aus diesem Grund erklärte der Europarat den Jakobsweg 1987 zum ersten „Europäischen Kulturweg“ – als ein lebendiges, verbindendes Element, das ganz Europa von Ost nach West durchzieht.


Heute sind diese historischen Routen fast alle wieder erschlossen und begehbar. Pilger können in Portugal, Frankreich, Deutschland, Kroatien, Polen oder sogar in Rumänien starten, wo der Camino de Romania in Iași beginnt und über die Karpaten nach Siebenbürgen führt.

Die Vielfalt der Routen: Von Asturien bis Malta

Allein auf der Iberischen Halbinsel gibt es mindestens zwölf offiziell anerkannte Routen. Jede hat ihren eigenen landschaftlichen Charakter, ihre eigenen Heiligtümer und spirituellen Prägungen:

Camino Portugués: Startet in Lissabon oder Porto und führt entlang der Atlantikküste nach Norden. Er ist milder und deutlich weniger überlaufen als der französische Weg.

Camino del Norte: Verläuft entlang der kantabrischen Küste im Baskenland, wobei man das Meer fast immer im Blick hat.

Via de la Plata: Eine Route römischen Ursprungs, die sich von Sevilla im heißen Süden durch die Extremadura und Kastilien nach Norden zieht.

Camino Primitivo (Der ursprüngliche Weg): Dies ist die älteste dokumentierte Route. König Alfons II. von Asturien beging sie bereits um 850 n. Chr., um das damals frisch entdeckte Grab des Apostels Jakobus zu verehren.

Camino Inglés: Der kurze Seeweg, den traditionell Pilger aus Großbritannien und Irland nutzten, sobald sie an der galicischen Küste anlandeten.

Camino Maltés (Der Malteserweg): Dieser erst 2023 offiziell reaktivierte Weg ist einer der faszinierendsten. Er beginnt an der St.-Paulus-Grotte im maltesischen Rabat – jener Höhle, in der Apostel Paulus nach seinem Schiffbruch Zuflucht gesucht haben soll – und führt über Sizilien und Sardinien nach Barcelona, um dort in den Camino Francés einzumünden. Historische Dokumente aus dem 17. Jahrhundert belegen, dass diese Route keine moderne Erfindung ist, sondern die Wiederentdeckung eines historischen Pilgerpfades.

Achtung vor der Sommerhitze im Juli und August

Da das Fest des heiligen Jakobus im Hochsommer liegt, planen viele Menschen ihren Aufbruch für Juli oder August. Hier ist jedoch Vorsicht geboten:

Hitzewarnung für die Meseta: In den Sommermonaten steigen die Temperaturen auf dem zentralspanischen Hochplateau zwischen Burgos und León regelmäßig auf über 35 °C, bei Hitzewellen sogar auf über 40 °C.

Zudem sind die Herbergen (Albergues) auf dem Camino Francés in dieser Zeit oft schon mittags komplett belegt, was die für eine Wallfahrt so wichtige spirituelle Einkehr und Ruhe erheblich erschweren kann.

Wer nur im Hochsommer Zeit hat, sollte auf die Küstenwege ausweichen. Der Camino del Norte oder der portugiesische Küstenweg profitieren von einer frischen Atlantikbrise, die die Temperaturen spürbar senkt. Zudem gilt hier: Ein Abmarsch um sechs Uhr morgens ist unumgänglich.

Die landschaftlich und klimatisch besten Monate für eine Pilgerschaft sind Mai, Anfang Juni und September. Wer jetzt im Juli mit der Planung für das kommende Jahr beginnt, sollte sich das Frühjahr im Kalender anstreichen.

Warum überhaupt pilgern?

Der Jakobstag lädt dazu ein, sich der Frage zu stellen, die der Camino den Menschen seit zwölf Jahrhunderten vorgibt: Warum gehst du?

Die Antworten überraschen die Pilger oft selbst. Viele brechen aus rein sportlichen Gründen oder aus Neugier auf und kehren mit einer unerwarteten spirituellen Erfahrung zurück – sei es durch ein tiefes Gespräch mit einem Fremden, die Stille in einer romanischen Dorfkirche oder das persönliche Gebet auf einem einsamen Hügel. Der Jakobsweg garantiert diese Erfahrungen nicht, aber er schafft die perfekten Voraussetzungen dafür: durch Langsamkeit, körperliche Anstrengung und das Gehen in einer Gemeinschaft, die dasselbe Ziel vor Augen hat.


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