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vor 6 Stunden in Aktuelles, 1 Lesermeinung
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Aus den ersten Studenten wurden die Rektoren – „Für mich als Gründungsrektor des Collegium Orientale ist dieser Augenblick von besonderer Bedeutung.“ Von Archimandrit Dr. Andreas-Abraham Thiermeyer
Eichstätt (kath.net) Manchmal schreibt das Leben Geschichten, die schöner sind als jede Planung. Sie entstehen nicht über Nacht, sondern wachsen langsam – über Jahrzehnte. Eine solche Geschichte ereignet sich in diesen Wochen am Collegium Orientale in Eichstätt.
Mit dem Beginn des Studienjahres 2026/27 geht eine Ära zu Ende und zugleich beginnt eine neue. Nach zwölf Jahren als Rektor verabschiedet sich Erzpr. Dr. Oleksandr Petrynko, ebenso scheidet Dr. Mykola Dobra aus dem Amt des Vizerektors aus. Die Leitung übernehmen künftig apl. Prof. Dr. Andriy Mykhaleyko als neuer Rektor und Erzpr. Dr. Robert Rapljenović als neuer Vizerektor. Was zunächst wie ein gewöhnlicher Personalwechsel erscheint, ist in Wirklichkeit ein außergewöhnliches Zeichen gelebter Kontinuität.
Für mich als Gründungsrektor des Collegium Orientale ist dieser Augenblick von besonderer Bedeutung. Zehn Jahre lang durfte ich das Haus aufbauen und leiten. Als wir im September 1998 die ersten Kollegiaten im neu gegründeten Collegium Orientale begrüßten, war vieles noch Vision und Hoffnung. Wir wollten mehr schaffen als ein Studentenwohnheim oder eine Ausbildungsstätte. Unser Ziel war ein geistliches Zuhause für Priester und Seminaristen der katholischen Ostkirchen und der orthodoxen Kirchen, ein Ort, an dem wissenschaftliche Bildung, liturgische Schönheit, geistliches Leben und ökumenische Offenheit eine lebendige Einheit bilden.
Unter jenen ersten Studenten des Jahres 1998 befanden sich zwei junge ukrainische Priesterstudenten: Oleksandr Petrynko und Andriy Mykhaleyko.
Damals konnte niemand ahnen, welchen Weg Gott mit ihnen gehen würde. Heute, fast drei Jahrzehnte später, erfüllt es mich mit tiefer Freude und Dankbarkeit, dass der eine zwölf Jahre lang das Collegium als Rektor geprägt hat und der andere nun seine Nachfolge antritt. Dieses Leitmotiv bewegt mich besonders: Aus den ersten Studenten des Gründungsrektors wurden später seine Nachfolger als die Leiter des Hauses.
Schöner kann die Geschichte eines Priesterkollegs kaum geschrieben werden. Sie zeigt, dass das Collegium Orientale Menschen nicht nur akademisch ausbildet, sondern Berufungen begleitet, Persönlichkeiten formt und Verantwortung wachsen lässt. Hier wird Leitung nicht importiert, sondern aus dem eigenen geistlichen Leben des Hauses heraus entwickelt.
Mit Erzpr. Dr. Oleksandr Petrynko verabschiedet sich eine Persönlichkeit, deren Lebensweg nahezu vollständig mit dem Collegium Orientale verbunden ist. Seit seiner Ankunft als Student im Jahr 1998 hat er das Haus in immer neuer Verantwortung begleitet: als Kollegiat, Wissenschaftler, Priester, Vizerektor und schließlich von 2014 bis 2026 als dritter Rektor. Während seiner Amtszeit führte er das Collegium mit großer Besonnenheit, menschlicher Wärme, geistlicher und wissenschaftlicher Kompetenz.
Sein bleibendes Verdienst reicht jedoch weit über organisatorische Aufgaben hinaus. Mit großer Treue hat er das geistliche Erbe des Collegium Orientale bewahrt und weiterentwickelt. Er verstand es, das Wesen und den besonderen Charakter des Hauses zu erhalten: seine liturgische Ordnung und Schönheit, die Spiritualität der Ostkirchen, den Rhythmus des gemeinsamen Gebetes und jene Kultur des Miteinanders, die das Collegium seit seinen Anfängen prägt. Diese Haltung zeigte sich nicht nur in der würdigen Feier der verschiedenen Liturgietraditionen, in seiner Liebe zur liturgischen Dichtung und zum Gesang, sondern ebenso im alltäglichen Leben – von der Gastfreundschaft über die Feier- und Festtags-Kultur im Refektorium bis hin zur Sorge um Ikonen, sakrale Kunst und die ästhetische Ausstrahlung des Hauses. Er wusste, dass ein Priesterseminar nicht allein durch Vorlesungen lebt, sondern ebenso durch Schönheit, Ordnung und eine Atmosphäre, in der der Glaube sichtbar und erfahrbar wird.
Gerade in den schwierigen Jahren der Corona-Pandemie und des russischen Angriffskrieges gegen seine ukrainische Heimat erwies sich diese innere Stabilität als großer Segen für die Gemeinschaft. Nach achtzehn Jahren verantwortungsvollen Wirkens als Vizerektor und Rektor wechselt Dr. Petrynko nun auf eigenen Wunsch in den pastoralen Dienst des Bistums Chur in der Schweiz. Für sein segensreiches Wirken gebühren ihm Dank, hohe Anerkennung und die besten Segenswünsche.
Mit Dr. Mykola Dobra verabschiedet sich zugleich ein weiterer Priester, der ebenfalls in besonderer Weise als ein echtes „Gewächs des Collegium Orientale“ bezeichnet werden darf. Über viele Jahre hat er das Leben des Hauses entscheidend mitgetragen. Mit großer Selbstverständlichkeit brachte er seine Begabungen in die Gemeinschaft ein und wurde für viele Kollegiaten zu einem geschätzten Mitbruder und geistlichen Begleiter.
Besonders prägend war sein außerordentliches Engagement für die Liturgie. Mit seiner musikalischen Begabung, seiner tiefen Vertrautheit mit der byzantinischen Gesangstradition und seinem sicheren liturgischen Gespür hat er den Gottesdiensten des Collegium Orientale eine unverwechselbare Schönheit verliehen. Für viele Generationen von Kollegiaten war er Lehrmeister des liturgischen Gesangs und zugleich Vorbild dafür, dass die Schönheit der Liturgie selbst Verkündigung des Evangeliums ist. Sein Wechsel in das Apostolische Exarchat für die Ukrainer des byzantinischen Ritus in Deutschland und Skandinavien bedeutet für das Collegium einen Abschied, für seine Kirche aber einen großen Gewinn.
Dass nun apl. Prof. Dr. Andriy Mykhaleyko die Leitung des Collegium Orientale übernimmt, erfüllt mich ebenfalls mit großer Zuversicht und Freude. Auch er gehörte zu jener ersten Studentengeneration des Jahres 1998. Schon damals beeindruckte er durch seine wissenschaftliche Begabung, seine ruhige Besonnenheit und seine kirchliche Weite. Sein weiterer Lebensweg bestätigt diese frühen Eindrücke eindrucksvoll: Studium und Promotion in Eichstätt, sein langjähriger Dienst als Diakon im Haus, dann die Leitung des Instituts für Kirchengeschichte an der Ukrainischen Katholischen Universität in Lemberg, Rückkehr als Spiritual und Repetitor des Collegium Orientale, Habilitation und Ernennung zum außerplanmäßigen Professor.
Er kennt das Collegium nicht nur von außen, sondern von innen – als Student, Priester, Wissenschaftler, Erzieher und Seelsorger. Gerade deshalb bin ich überzeugt, dass er die gewachsene Tradition des Hauses behutsam bewahren und zugleich mit neuen Impulsen weiterentwickeln wird. Dass wiederum einer der ersten Kollegiaten des Jahres 1998 die Leitung übernimmt, empfinde ich als ein starkes Zeichen gewachsener und bewährter Kontinuität des Collegium Orientale.
Mit Dr. Robert Rapljenović gewinnt das Collegium Orientale zugleich einen Vizerektor, der internationale Erfahrung, wissenschaftliche Kompetenz, seine umfassende Kenntnis in der Informatik, des Publikationswesens und pastorale Reife miteinander verbindet. Seine Tätigkeit in Eichstätt und Zagreb, seine enge Verbundenheit mit den Ostkirchen und seine menschliche Offenheit werden das Leitungsteam in hervorragender Weise ergänzen. Gemeinsam mit Vizerektor Markiian-Illia Mykytchyn und dem Spiritual Ivan Katschala steht damit wieder eine vollständige Hausleitung bereit, die das Collegium mit Kompetenz und geistlicher Tiefe in die Zukunft führen wird.
Wenn ich heute auf nahezu drei Jahrzehnte Collegium Orientale zurückblicke, erfüllt mich vor allem ein Gefühl: tiefe Dankbarkeit. Dankbarkeit gegenüber Gott, der dieses Werk begleitet hat; gegenüber den vielen Patriarchen, Bischöfen, Priestern, Mitarbeitern, Wohltätern und Freunden, die seinen Weg mitgetragen haben; und Dankbarkeit darüber, dass Verantwortung auch in einer Weise weitergegeben werden kann, die nicht Brüche, sondern Kontinuität erkennen lässt.
Dass zwei der ersten Kollegiaten des September 1998 nacheinander Rektoren des Collegium Orientale werden durften, hätte ich damals niemals vorhersehen können. Heute sehe ich darin ein schönes Zeichen der Vorsehung Gottes. Es zeigt, dass eine geistliche Gemeinschaft dann Zukunft hat, wenn sie junge Menschen begleitet, ihnen Vertrauen schenkt und sie in ihre Verantwortung hineinwachsen lässt.
Dem scheidenden Rektor Erzpr. Dr. Oleksandr Petrynko, dem scheidenden Vizerektor Dr. Mykola Dobra, dem neuen Rektor apl. Prof. Dr. Andriy Mykhaleyko und dem neuen Vizerektor Erzpr. Dr. Robert Rapljenović wünsche ich von Herzen Gottes reichen Segen. Möge das Collegium Orientale auch künftig das bleiben, was es von Anfang an sein wollte: ein geistliches Zuhause der Ostkirchen, eine ökumenische Plattform, eine Schule liturgischer und theologischer Bildung und eine lebendige Brücke zwischen Ost und West.
Gerade darin liegt seine Zukunft. Und dafür bin ich von Herzen dankbar.
Foto: v.l.n.r: Petrynko, Thiermeyer, Mykhaleyko © privat
VIDEO: Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt - Ostern im Collegium Orientale in Eichstätt
VIDEO aus dem Jahr 2001 von Kirche in Not: Collegium Orientale - das weltweit einzigartige ostkirchliche Priesterseminar des Bistums Eichstätt
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SpatzInDerHand vor 5 Stunden: Interessant, danke!!!
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