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„Freut euch allezeit – Dankt für alles!“ (1 Thess 5,16–18)

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Dankbarkeit, Freude und Lebensbejahung im priesterlichen Dienst. Ein geistlicher Vortrag für Priesterjubilare. Von Archimandrit Dr. Andreas-Abraham Thiermeyer


Eichstätt (kath.net) Einleitung: Wenn wir zurückschauen, sehen wir Gottes Treue
Liebe Mitbrüder im priesterlichen Dienst,
wenn Priesterjubilare zusammenkommen, begegnen sich viele Lebensgeschichten. Da sitzen Männer, die vor 25, 40, 50, 60 oder gar 70 Jahren ihre Hände in die Hände des Bischofs gelegt haben. Manche waren Kaplan in kleinen Dörfern, andere Regens, Missionar, Religionslehrer, Seelsorger, Pfarrer, Ordensmann oder Wissenschaftler. Manche haben große Werke aufgebaut, andere haben ihr Leben still und unscheinbar verschenkt.

Doch hinter allen Unterschieden steht dieselbe Erfahrung: Gott war treu.

Nicht wir feiern heute unsere Leistungen. Nicht wir feiern unsere Erfolge. Nicht einmal unsere Ausdauer steht im Mittelpunkt.

Wir feiern die Treue Gottes.

Wenn wir auf Jahrzehnte priesterlichen Lebens zurückschauen, dann erkennen wir: Vieles haben wir geplant – manches wurde ganz anders. Vieles haben wir begonnen – anderes blieb unvollendet. Manche Saat ging auf, andere blieb verborgen.

Aber durch alles hindurch blieb Christus derselbe:
„Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit“ (Hebr 13,8).

Darum darf ein Priesterjubiläum niemals nostalgische Rückschau sein. Es ist vielmehr ein österlicher Akt der Wahrheit: Der Herr hat gehandelt.

Und genau daraus entstehen die drei Grundhaltungen, über die wir heute nachdenken wollen: 1. Dankbarkeit, 2. Freude, 3. Lebensbejahung. Diese drei gehören zusammen wie die drei Flammen eines einzigen Feuers.

I. Dankbarkeit – Die Grundhaltung des Priesters
1. Alles beginnt mit einem Geschenk
Johannes Paul II. hat seine Erinnerungen an das Priestertum unter den Titel gestellt: „Geschenk und Geheimnis.“

Diese beiden Worte treffen das Wesen des Priestertums vielleicht besser als jede Definition.

Priester wird man nicht, weil man besonders begabt wäre. Priester wird man nicht, weil man besser wäre. Priester wird man auch nicht, weil man sich selbst dazu ernannt hätte. Priester wird man, weil Christus gerufen hat.

Am Anfang jeder Priesterbiografie steht nicht unsere Entscheidung, sondern Gottes Ruf.

Vielleicht erinnern Sie sich noch an den Augenblick, als der Gedanke zum ersten Mal auftauchte.

Vielleicht an einen Pfarrer, an einen Religionslehrer, an eine Wallfahrt, an Einkehrtage oder an eine stille Stunde vor dem Tabernakel. Vielleicht wissen Sie gar nicht mehr genau, wann alles begann.

Aber eines wissen wir: Es war Gnade. Und deshalb ist Dankbarkeit die angemessene Antwort.

2. Dankbarkeit ist mehr als Höflichkeit
Heute wird Dankbarkeit oft als freundliche Tugend verstanden. Die Väter verstehen sie tiefer.
Für Athanasius von Alexandrien ist Dankbarkeit die eigentliche Haltung des Christen.
Er fragt: „Was ist das Fest anderes als der Dienst der Seele? Und was ist dieser Dienst, wenn nicht ein verlängertes Gebet und eine unaufhörliche Danksagung?“
Ein erstaunlicher Satz. Fest ist für Athanasius nicht zuerst Stimmung. Fest ist Danksagung. Darum heißt die Mitte unseres priesterlichen Lebens: Eucharistie. Und dies bedeutet: Danksagung.
Der Priester lebt von der Dankbarkeit.
Er steht täglich am Altar und spricht: „Lasst uns danken dem Herrn, unserem Gott.“ Das ist nicht bloß eine liturgische Formel. Es ist eine Lebensform.


3. Der Blick zurück
Wenn wir nach Jahrzehnten zurückblicken, sehen wir vieles: Taufen, Erstkommunionen, Firmungen, Trauungen, Beerdigungen, Krankenbesuche, Gespräche. Predigten, Beichten.

Manchmal tausende von Gottesdiensten. Manchmal hunderttausende Kilometer. Manchmal ungezählte Stunden. Aber hinter allem steht die Frage: Wer hat eigentlich gewirkt? War es nicht letztlich Christus?

Paul VI. sagte einmal zu Priestern: Die größte Frucht des priesterlichen Lebens bestehe darin, dass Christus durch Glauben und Liebe in den Herzen vieler Menschen leben konnte.

Darum darf ein Priesterjubiläum niemals Selbstfeier werden. Es ist Danksagung an Christus.

II. Freude – Die österliche Seele des Priestertums
1. Freude ist keine Stimmung

Viele Menschen verwechseln Freude mit guter Laune. Die Väter tun das nicht. Freude ist für sie eine Frucht der Begegnung mit Christus.

Athanasius schreibt: „Freut euch immer. Sagt in allem Dank.“ Das ist bemerkenswert. - Nicht: „Freut euch, wenn alles gelingt.“ - Nicht: „Freut euch, wenn ihr Erfolg habt.“ Sondern: „Freut euch immer.“ Warum? Weil Christus, der uns gerufen hat, immer derselbe bleibt.

2. Der Auferstandene geht mit uns
Die größte Freude des Priesters ist nicht die Anerkennung, - die brauchen wir auch manchmal. Nicht ein volles Gotteshaus, - was durchaus schön ist. Nicht eine gelungene Predigt. Nicht ein erfolgreiches Projekt. Die größte Freude des Priesters sollte Christus selbst sein.

Johannes Paul II. formulierte einmal einen wunderbaren Satz: „Jeden Tag sind wir in einer privaten Audienz mit Jesus.“ Was für ein Gedanke!

Der Priester darf täglich vor Christus stehen. Er darf täglich seine Worte sprechen: „Das ist mein Leib.“ Er darf täglich seine Frohbotschaft verkünden. Er darf täglich Christus begegnen. Vielleicht haben wir uns im Laufe der Jahrzehnte zu sehr daran gewöhnt. Doch eigentlich ist jede Eucharistie, jedes Sakrament ein Wunder. Christus ist gegenwärtig und handelt.

3. Die Freude der Emmausjünger
Das priesterliche Leben ähnelt oft dem Weg der Emmausjünger. Auch sie waren unterwegs. Auch sie kannten Enttäuschung. Auch sie verstanden vieles nicht.

Aber dann kam Christus. Er ging mit ihnen. Er erklärte ihnen die Schrift. Er brach ihnen das Brot. Und plötzlich sagten sie: „Brannte nicht unser Herz?“ (Lk 24,32)

Ist das nicht auch die Erfahrung vieler Priester? Wie oft war Christus da, obwohl wir ihn zunächst nicht erkannten? Wie oft hat er uns, die „Unverständigen“, begleitet? Wie oft getragen? Wie oft geführt?

III. Lebensbejahung – Die Frucht des Glaubens
1. Das Priestertum kennt auch schwere Tage

Ein Jubiläum darf nichts beschönigen. Wir sind in alles Demut eben auch nur menschliches „Mittelmaß“. In einem Priesterleben findet sich daher alles: Es gab Enttäuschungen, Ungerechtigkeiten, Missverständnisse, Schuld, Krankheiten, Überforderungen, Personalmangel, Kirchliche Konflikte.

Manche von uns haben erlebt, wie Kirchen leerer wurden. Wie Gewissheiten zerbrachen. Wie Menschen sich entfernten, trotz unseres Mühens und Sorgens. - Auch das gehört zur Wahrheit: Wir waren nicht immer „erfolgreich“.

2. Die Väter kennen das Leid
Athanasius war fünfmal verbannt. Johannes Chrysostomus starb im Exil. Basilius kämpfte gegen Häresien. Gregor von Nazianz wurde von Konflikten zermürbt. Und dennoch sprechen gerade sie von Freude. Warum? Weil ihre Freude nicht auf Umständen beruhte. Sondern auf Christus.

Athanasius schreibt: „Zu jeder Zeit lasst uns dem Herrn danken – in Zeiten der Leichtigkeit wie der Bedrängnis.“
Das ist christlicher Realismus.

3. Dank auch in schweren Zeiten
Augustinus geht noch weiter. Er sagt: Wenn Gott tröstet – danke ihm. Wenn Trost fehlt – danke ihm ebenfalls. Denn auch dann bleibt Gott gerecht und treu. Das ist keine billige Vertröstung. Das ist tiefer Glaube.

Vielleicht erkennen wir gerade im Rückblick: Manche schweren Jahre waren die fruchtbarsten. Manche Kreuzwege wurden zu Segenswegen. Manche Niederlagen wurden zu verborgenen Siegen.

IV. Die Eucharistie – Herzmitte des priesterlichen Lebens
1. Wovon lebt ein Priester?

Johannes Paul II. antwortete: „Der Priester lebt von der Eucharistie,“ nicht von Programmen, nicht von Sitzungen, nicht von Strukturen, nicht von Erfolgen, sondern von der Eucharistie.

2. Die tägliche Begegnung
Jeder Priester kennt diesen Augenblick. Man tritt an den Altar. Vielleicht müde. Vielleicht krank. Vielleicht belastet. Vielleicht voller Sorgen.

Und dann geschieht trotz allem das Wunder: Christus wird gegenwärtig. Immer wieder. Seit Jahrzehnten.

Wie viele tausend Male durften wir seine heiligen Worte sprechen? Wie viele tausend Male durfte Christus durch unsere Hände zu seinem Volk kommen?

Wenn wir uns das einmal bewusst machen, dann wissen wir auch, dass unser Menschenleben nicht ausreicht, um dafür zu danken.

V. Was bleibt nach Jahrzehnten?
1. Nicht die Zahlen

Bei aller Anerkennung und Freude am Gelungenen, aber: am Ende zählen nicht die Statistiken, nicht die Bauprojekte, nicht die Verwaltungsvorgänge, nicht die Titel, nicht die Ehrungen.

2. Es bleiben Menschen
Menschen, die getauft wurden. Menschen, die Trost fanden. Menschen, die heimgefunden haben. Menschen, die gelernt haben zu beten. Menschen, die Hoffnung schöpften. Menschen, die trotz unserer Fehler und Schwächen, aus Gnade zu Christus gefunden haben und ihm begegnet sind.

3. Es bleibt Christus
Und wenn wir noch tiefer in unser Leben schauen: Er war am Anfang. Er war auf dem Weg. Er wird am Ende sein. Es ist Christus selbst, der mit uns geht: gestern, heute und in Ewigkeit.

VI. Drei kleine geistliche Übungen für die uns noch geschenkten, kommenden Jahre
1. Der tägliche Dank
Jeden Abend drei Dinge nennen, für die man danken kann.
2. Dank in Schwierigkeiten
Bewusst sagen: „Herr, ich verstehe es nicht – aber ich danke Dir dennoch.“

3. Eucharistische Dankbarkeit
Nach jeder Messe wenigstens einige Augenblicke bleiben und danken.
Johannes Paul II. nennt dies eine Quelle priesterlicher Freude.

Schluss: „Mein Herr und mein Gott“
Liebe Mitbrüder, wenn ich auf mein eigenes priesterliches Leben schaue – und viele von Ihnen werden ähnlich empfinden –, dann staune ich weniger über das, was ich getan habe, als über das, was Gott getan hat.

Er hat uns gerufen. Er hat uns getragen. Er hat uns vergeben. Er hat uns geführt. Er hat uns wieder aufgerichtet. Er hat uns nie verlassen. Darum dürfen wir heute nicht nur zurückschauen.

Wir dürfen dankbar nach vorne schauen. Denn derselbe Herr, der uns einst gerufen hat, geht weiterhin mit uns. So gilt hinsichtlich unseres Lebensweges das Wort des Apostels „Freut euch allezeit! Betet ohne Unterlass! Dankt für alles!“ (1 Thess 5,16–18). Und bis zu letztem Tag unseres Lebens dürfen wir daher immer wieder dankbar wiederholen:

Ja, Herr, alles war Gnade. - Alles war Geschenk. - Alles war Begegnung mit Dir: „Suscipe me…“ „Nimm mich an, Herr… lass mich leben… lass mich nicht enttäuscht werden von meiner Hoffnung.“ Amen.

Archimandrit Dr. Andreas-Abraham Thiermeyer ist der Gründungsrektor des Collegium Orientale in Eichstätt. Er ist Theologe mit Schwerpunkt auf ökumenischer Theologie, ostkirchlicher Ekklesiologie und ostkirchlicher Liturgiewissenschaft. Er studierte in Eichstätt, Jerusalem und Rom, war in verschiedenen Dialogkommissionen tätig. Er veröffentlicht zu Fragen der Ökumene, des Frühen Mönchtums, der Liturgie der Ostkirchen und der ostkirchlichen Spiritualität. Weitere kath.net-Beiträge von ihm: siehe Link.
 

Archivfoto (c) Pixabay/Norbert47


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