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vor 4 Stunden in Kommentar, 6 Lesermeinungen
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Die Bischöfe schweigen mehrheitlich zum Kinderkauf deutscher Politiker. Es ist ein feiges Wegtauchen, obwohl vom ordentlichen Lehramt alles vorgegeben ist und nur darauf verwiesen werden muss. Der Montagskick von Peter Winnemöller
Linz (kath.net)
Es ist nun einige Wochen her, seit der ehemalige Fraktionsvorsitzende Jens Spahn und sein Partner Daniel Funke sich in den USA ein Kind gekauft haben. Keinesfalls sollte man erwarten, dass ein Bischof zu jedem Fehl- oder sonstigen Tritt eines Politikers Stellung bezieht. Hier aber liegt ein Fall vor, der nicht nur aus katholischer Sicht ein ethisches und moralisches Problem von erheblichem Ausmaß darstellt. Die Kirche hat die Leihmutterschaft in der Vergangenheit mehrfach und sehr deutlich verurteilt. Wer jenseits der moraltheologischen Beurteilung wissen will, was Leihmutterschaft ist und wie der Vorgang abläuft, dem sei das Buch „Ich kaufe mir ein Kind“ von Birgit Kelle empfohlen: Leihmutterschaft ist Menschenhandel. Leihmutterschaft macht aus gebärfähigen Frauen Surrogate, die ihre Gesundheit, ihr Leben, ihre Seele und die des ausgetragenen Kindes gegen Geld aufs Spiel setzen. Die Kirche lehnt die Praxis der Leihmutterschaft entschieden ab und stellte bereits 1987 in der Erklärung „Donum vitae“ fest: „Die Ersatzmutterschaft stellt einen objektiven Verstoß gegenüber den Pflichten der Mutterliebe, der ehelichen Treue und der verantwortlichen Mutterschaft dar.“ Wem es bisher nicht eingeleuchtet hat, dass die römisch-katholische Kirche in ihrem Lehramt die Würde und Rechte der Frauen dezidiert schützt, insofern sich diese nicht in einem „Recht auf Abtreibung“ als „Frauenrecht“ erschöpfen, dem dämmert es vielleicht allmählich.
Als weitere schwerwiegende Gründe für die Ablehnung nennt das Dokument die Würde und die Rechte des Kindes. Leihmutterschaft trenne genetische Elternschaft, Austragung, Geburt und Erziehung voneinander und füge dadurch der Familie Schaden zu. Der Katechismus der Katholischen Kirche fasst die Lehre von Donum vitae zusammen: „Techniken, durch die im Rahmen der Fruchtbarkeit eine dritte Person eingeschaltet wird (Samenspende, Eizellenspende, Leihmutterschaft), sind äußerst verwerflich.“ (Nr. 2376) Ferner stellt Nr. 2378 fest, dass ein Kind kein geschuldeter Gegenstand, sondern ein Geschenk sei. Papst Franziskus sagte in seiner Ansprache an das beim Heiligen Stuhl akkreditierte Diplomatische Korps am 8. Januar 2024: „Ein Kind ist immer ein Geschenk und niemals ein Vertragsgegenstand. Ich plädiere daher […] für ein weltweites Verbot dieser Praxis.“ In der Erklärung Dignitas infinita entfaltet das Glaubensdikasterium in den Nummern 48–50 drei Argumentationslinien: Die Würde des Kindes. Das Kind darf nicht zum Gegenstand eines Vertrages oder zur Erfüllung eines vermeintlichen „Rechts auf ein Kind“ werden. Die Würde der Fortpflanzung. Das Kind hat ein Recht auf eine menschliche, nicht technisch hergestellte Herkunft. Zeugung und Geburt dürfen nicht von der ehelichen Vereinigung abgetrennt werden. Die Würde der Frau. Die austragende Frau wird von dem in ihr heranwachsenden Kind getrennt und zum Mittel für den Wunsch anderer gemacht.
Die lehramtlichen Äußerungen zur Leihmutterschaft sind folglich sehr klar und eindeutig. Die Ablehnung des Lehramtes der Kirche beruht auf vier miteinander verbundenen Grundsätzen. Zum ersten gibt es kein Recht auf ein Kind. Zum zweiten ist das Kind Person und Geschenk, niemals Produkt oder Vertragsgegenstand. Der dritte Aspekt ist, dass die austragende Frau nicht zum Mittel eines Fremden Kinderwunsches werden. Der vierte Grund ist, dass genetische Elternschaft, Austragung, Geburt und Erziehung nicht planmäßig auseinandergerissen werden dürfen. Die Position ist gut fundiert und gehört zum beständig vorgetragenen ordentlichen Lehramt der Kirche. Sie wurde 1987 lehramtlich formuliert, in den Katechismus aufgenommen und 2024 mit päpstlicher Approbation ausdrücklich bekräftigt. Damit hätte sich kein Bischof in Deutschland allzu weit aus dem Fenster lehnen müssen, hätte er die Handlung von Spahn mit scharfen Worten verurteilt.
Der einzige deutsche Bischof, der sich geäußert hatte, war Stefan Oster, der Bischof von Passau. Oster hatte am 17. Juli unter der Überschrift „Ware gegen Würde?“ eine ausführliche Stellungnahme auf seiner persönlichen Webseite veröffentlicht. Er bezeichnete Spahns Vorgehen als „echten Skandal“. Seine Argumentation umfasst die folgenden Punkte: Leihmutterschaft, so Oster, verletze die Menschenwürde, weil das Kind und die Schwangerschaft zum Gegenstand einer bezahlten Vereinbarung würden. Kinder seien aus christlicher Sicht „ein Geschenk Gottes“ und keine verfügbare oder käufliche Leistung. Das ist übrigens keine radikal fundamentalistisch-christliche Erkenntnis und auch kein Arkanwissen – es entspricht exakt Artikel 1 des deutschen Grundgesetzes und dem Kernwert der Menschenrechte, wie sie in der Präambel der Charta der Vereinten Nationen verankert sind. Oster weiter: Das Kind habe ein vorrangiges Recht auf seine natürlichen Eltern. Ein Recht potentieller Eltern, sich ein Kind „machen zu lassen“ oder „einzukaufen“, gebe es nicht. Die Beziehung zwischen Mutter und Kind beginne bereits im Mutterleib und werde bei einer Leihmutterschaft planmäßig abgebrochen. Spahn habe zur Erfüllung seines persönlichen Wunsches gegen die Grundlinien seiner Partei und gegen „die Gesetze des Landes“ gehandelt. Besonders schwer wiege, dass Spahn sich öffentlich als Katholik bekenne und seine Entscheidung gleichwohl als mit seinem Glauben vereinbar darstelle. Damit ist der Bischof von Passau ganz auf der Linie des ordentlichen Lehramtes, das er in seiner Stellungnahme referiert. Osters verurteilt die Handlung Spahns mit klaren Worten: „Er hat aus meiner Sicht damit einen Schritt getan, den wir als Glaubensgemeinschaft auch in Zukunft nie werden mitgehen können.“ Über das von Spahn und Funke käuflich erworbene Kind sagte der Bischof: „Dieses Kind von Jens Spahn und Daniel Funke heißt Georg und ist jetzt schon öffentliche Person – und es ist diese Person als ‚gekaufte Ware‘.“ Bischof Oster hat das getan, was man von einem katholischen Bischof erwarten sollte. Man muss nicht das Rad neu erfinden, mithin hätte jeder Bischof in Deutschland sich einfach hinter die Erklärung von Oster stellen und diese auf der Webseite seines Bistums verlinken können.
Ein grandioses Beispiel für eine versemmelte Chance ist das Liborifest in Paderborn. Der Erzbischof der westfälischen Metropolie hielt am Patronatsfest im Pontifikalamt eine nichtssagende Predigt aus geistlich und theologisch verdünnter Wassersuppe, die um Menschenwürde, Gemeinwohl und gesellschaftlichen Zusammenhalt kreiste. Am Liborifest sind viele Personen des öffentlichen Lebens, darunter auch Politiker, im Dom. Das passende Auditorium wäre anwesend gewesen. Wie man seine Meinung in einem solche Kontext kundtun kann, hat die Paderborner Bevölkerung eindrucksvoll gezeigt. Bei Begrüßung des Paderborner Bundestagsabgeordneten Carsten Linnemann ging ein empörtes Raunen durch den Dom. Danach hatte keiner mehr den Hauch eines Zweifels daran, was die Bevölkerung im Hochstift von der deutschen Regierungsrochade und der Rolle ihres Abgeordneten darin hält. Ein Bischof sollte sich nicht zum fröhlichen Grüßaugust machen lassen. Das Liborifest wäre der Moment gewesen, in dem ein auch in einer breiteren Öffentlichkeit zur Kenntnis genommenes Wort zur Leihmutterschaft, Frauenwürde, Kindeswohl etc. hätte fallen können. Chance verpasst. Oder um es am diesjährigen Leitmotiv des Festes („Mittendrin“) aufzuhängen. Die Predigt war mittendrin und ging doch daneben.
Auch ansonsten war im deutschen Episkopat das große Schweigen angesagt. Während ansonsten zu allem und jedem nur denkbaren Anlass eine Pressemeldung aus Bonn kommt, hier kam nix – nada - niente. Episkopalschweigen. Ein laues Lüftchen wehte aus dem Katholischen Büro in Berlin. Der Leiter des Büros, Prälat Jüsten erklärte, ein unerfüllter Kinderwunsch könne mit großem Leid verbunden sein. Menschliches Leben sei dennoch unverfügbar und es gebe „kein Recht auf ein Kind“. Die Bischöfe hielten deshalb das bestehende Verbot der Leihmutterschaft für richtig, erklärt der Prälat. Besonders problematisch seien die Benachteiligung und mögliche Ausbeutung der Frauen sowie die Kommerzialisierung menschlicher Fortpflanzung. Jüsten verurteilte die Tat der Herren Spahn und Funke nicht persönlich und erwähnte auch die politische Doppelmoral, für ein Verbot zu sein und es dennoch zu tun, mit keinem Wort. Spahn hatte beim jüngsten Parteitag noch für die Beibehaltung des Verbots der Leihmutterschaft votiert. Die Stellungnahme Katholischen Büros richtete sich auch nicht gegen den Sachverhalt als solchen, sondern allein gegen Forderungen, als Folge der jetzt aufflammenden Debatte das deutsche Verbot von Leihmutterschaft zu lockern.
Damit kann wohl ohne Zweifel festgestellt werden, dass sich der deutsche Episkopat mal wieder feige weg duckt, als es galt, mutig und offen Stellung zu beziehen. Das ist insofern bedauerlich, weil hier in einem prominenten Fall ausgerechnet ein christdemokratischer Politiker gezeigt hat, dass er sich nicht nur über die Lehre der Kirche erhaben fühlt, sondern dass er, als jemand der über genug Geld verfügt, sich auch nicht an deutsche Gesetze halten muss, sich mithin in der Lage sieht, ohne jede Hemmungen moralisch und rechtlich umstrittene Schlupflöcher zu nutzen. Das Schweigen der Bischöfe zeigt nur erneut und aus einer anderen Perspektive, in welch einem Zustand der Schwäche die Kirche in Deutschland trotz ihres ganzen materiellen Reichtums ist.
Bild oben: Symbolbild – Stoppt Leihmutterschaft. Foto: Peter Winnemöller mit KI hergestellt.
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naiverkatholik vor 1 Stunden: Bin ehrlich gesagt auch feige
Ich kenne Personen, die In-Vitro-Fertilisation (IVF) gemacht haben, mit eigenem Samen und eigener Eizelle. Das ist moraltheiologisch-kirchlich verboten. Ich gehe nicht hin und frage: Was ist mit den vielen entstandenen eingefrorenen aber nicht eingesetzten Embryonen, manche werden zur Forschung berwendet. Da bin ich zu feige, wenn Betroffene dabei sind. Oder halte es nicht für meine Aufgabe, an der Stelle den Profeten zu spielen. Die Beziehung wäre sofort für immer beendet.
Jörgen vor 1 Stunden:
Natürlich hätte die geforderte, klare Positionierung auch Kritik aus der bekannten Ecke hervorgerufen. So passiert auch bei Bischof Oster. Diese Erwartung reichte offenbar schon aus, dass sich Bischöfe nicht mehr trauen, zur Lehre zu stehen. Oder sind gar im Rahmen der neuen Sexualmoral auch diese Dämme gebrochen?
SalvatoreMio vor 2 Stunden: Missbilligung der Leihmutterschaft
@Jothekieker: Würden die Bischöfe den Kindeseinkauf missbilligen, so unterstützten sie doch unsere Rechtsordnung, aber der Öffentlichkeit würde auch auffallen, dass es in Deutschland noch Bischöfe gibt!
René_007 vor 3 Stunden: Homosexuelle Männer können eben gemeinsam keine Kinder bekommen - Punkt!
Ein Kind ist ein Geschenk und kein Anspruch, den man mit technischen Mitteln oder finanziellen Möglichkeiten (100 T-Euro…) erzwingen kann. Die Lehre der Kirche lehnt deshalb Leihmutterschaft ab, weil sie Zeugung, Schwangerschaft und Elternschaft voneinander trennt und das Kind zum Gegenstand eines Vertrages machen kann.
Dabei muss auch eine einfache biologische Tatsache anerkannt werden: Gleichgeschlechtlich lebende Menschen können als Paar kein gemeinsames Kind auf natürlichem Weg zeugen. Diese Grenze der menschlichen Natur mag für manche schmerzhaft sein, sie bleibt dennoch eine Realität, die akzeptiert werden muss.
Aus einem verständlichen Kinderwunsch entsteht kein Recht, jede biologische Grenze durch technische Verfahren zu überwinden. Das Wohl des Kindes und die Würde aller Beteiligten müssen höher stehen als der persönliche Wunsch Einzelner. Unsere Gesellschaft betrachtet größtenteils jede natürliche Grenze als verhandelbar…
Jothekieker vor 3 Stunden: Man will nicht die Hand beißen, die einen füttert
Die Bischöfe müssen bei gesellschaftspolitischen Themen vorsichtig sein. Bevor sie sich gegen den woken Mainstream positionieren, müssen sie berücksichtigen, wer ihnen die Kirchensteuer eintreibt.
Fink vor 3 Stunden: Längst den Glauben verloren ? Oder ist es "nur" Feigheit und Angepasstheit ?
Leihmutterschaft ist mit dem christlichen Menschenbild in keiner Weise vereinbar !
Besonders befasst sich mit diesem Thema die Journalistin Birgit Kelle.
Im Link ein Gespräch mit ihr.
www.youtube.com/watch?v=TFz4FjjpkQg
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