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Leben und Wirken der deutsch-russischen Laienmissionarin Gertrude Detzel

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In Zeiten in denen der Priesternachwuchs fehlt, ist es wichtiger denn je, dass engagierte Laien von ihrem Glauben Zeugnis ablegen und so die Glaubensweitergabe an die nächsten Generationen sicherstellen: dies tat Grtrude Detzel.Von Elmar Lübbers-Paal


Hildesheim (kath.net) Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine und die Beteiligung der benachbarten Länder in diesem ernsten Konflikt führt uns vor Augen, wie wichtig ein Vermittler und Versöhner zwischen den „Fronten“ ist. Im geistlichen Bereich könnte dies die Aufgabe der Deutsch-Russin Gertrude Detzel sein, die 1971 im Ruf der Heiligkeit starb.

In Zeiten, in denen der Priesternachwuchs fehlt, ist es wichtiger denn je, dass engagierte Laien von ihrem Glauben Zeugnis ablegen und so die Glaubensweitergabe an die nächsten Generationen sicherstellen. Genau dies tat die in Kasachstan wirkende Gertrude Detzel, die eigentlich Ordensfrau werden wollte. Bereits Papst Franziskus würdigte das vorbildliche Beispiel Detzels bei seiner Ansprache in der Kathedrale von Nur-Sultan. Ihr diözesaner Seligsprechungsprozess ist bereits erfolgreich beendet und die Gläubigen aus der Diözese St. Clemens in Saratow harren derzeit auf den Abschluss des Prozesses im Vatikan. In Kasachstan möchte man, dass schon bald diese Dienerin Gottes als erste Laienmissionarin aus Zentralasien zur Schar der Seligen gehört.

Am 8. November 1903 wird Gertrude in eine große Russland-deutsche Familie im Dorf Rozhdestvenskaya (Fürstendorf/Nordkaukasus), das von Wolgadeutschen gegründet wurde, hineingeboren. Die Eltern sind fromme Menschen. Ihr Vater ist Kirchenorganist. Der gelebte Glaube ist Alltag der Familie Detzel. 

So wundert es wenig, dass Gertrude bereits in jungen Jahren den Wunsch verspürt Gott ganz und gar dienen zu dürfen, als Ordensfrau. 


Doch in der UDSSR ist es nicht möglich, katholische Ordensschwester werden zu können. Nichts desto trotz gestaltet sie ihren Tagesablauf ähnlich einer Klosterfrau, geprägt von Beten und Arbeiten. Zudem erfüllt sie die Aufgaben einer Glaubensvermittlerin. 

Im kommunistischen System werden Priester verfolgt und inhaftiert. So leitet Gertrude Detzel im Geheimen den Katechismusunterricht und bereitet die Kinder auf den Tag der ersten heiligen Kommunion vor. Auch die Vorbereitung der Gläubigen auf die weiteren Sakramente ist ihr ein Herzensanliegen. 

Für den Fall, dass ein Priester in ihre Gegend kommt, versteckt sie die liturgischen Geräte für die Messfeier. Steht kein Priester zur Verfügung, werden die Messtexte und der Rosenkranz gebetet. Für die lange Zeit der Priesterferne spendet sie selbst das Sakrament der Taufe. 

Bischof Adelio Dell`Oro bestätigt, dass nur durch diese Art der Glaubensweitergabe von Gertrude Detzel und weiterer mutiger Frauen „ganze Generationen von exilierten Katholiken die Sakramente unter den Bedingungen der Kirchenverfolgung leben konnten“. Und weiter: „Durch ihren innbrünstigen Glauben und ihr Lebensbeispiel wurde das Entstehen von Berufungen zum Priesteramt und zum Ordensleben gefördert“. 

Für den Seligsprechungsprozess sagt Schwester Velentina Schmidtlein, die gebürtig aus demselben Dorf stammt, aus, dass Gertrude ihre Familie mal allein, mal mit ihrer Schwester oder mit Clara Romme besuchte und mit ihnen betete, sang und biblischen Geschichten vortrug. Auch der Katechismusunterricht blieb nicht aus. Manchmal spielte Gertrude auf dem Klavier und erzählte aus den Lebensbeschreibungen von Papst Pius X. und Johannes XXIII. Wenn sie wegen des Weges bei Schmidtleins übernachtet, gehört Gertrude zu den letzten die schlafen gehen. Es wird bezeugt, dass sie in den späten Abendstunden noch lange auf Knien betet und dabei ihr Oberkörper häufig bis zum Boden gebeugt ist.

Mit dem Kriegsbeginn 1941 deportiert man auch Gertrude in die Stadt Pakhta/Südkasachstan. Als Baumwollpflückerin wirkt sie auch hier missionarisch und setzte sich seelsorgerisch für die Menschen der Wolga-Region ein. 

Doch den Machthabern bleibt das Wirken der frommen Frau nicht verborgen. Eine Denunziation sorgt dafür, dass Gertrude insgesamt acht Jahre schwerste Lagerhaft in verschiedenen Arbeits- und Umerziehungslagern durchleiden muss. Der letzte Lagerleiter entlässt sie schließlich 1956, nach dem er fast gläubig geworden wäre, hätte er im Verhör ihr weiter zugehört. 

elbst in der brutalen Lagerhaft legt die fromme Seele beredt, sowohl gegenüber Mitgefangenen, als auch gegenüber Wärtern, Zeugnis von der barmherzigen Liebe Gottes ab. 

Nach der Haftentlassung bringt man sie zunächst in die deutsche Sondersiedlung bei Semei/Kasachstan, die Gertrude nicht verlassen darf. Doch heimlich sucht sie mit ihrer Schwester Walentina Deutschstämmige in den Nachbardörfern auf. Ob Katholiken oder Protestanten, sie betet mit ihnen, steckt ihnen abgeschriebene Gebete zu und tauft Kinder und Erwachsene. Auch Trauungen von Eheleuten vollzieht sie. 

Gertrude erklärt den Mitmenschen die Bibel und berichtet ermutigend aus den Leben der Heiligen. Die Schwestern gehen dieses Wagnis für den Glauben ein, obwohl ihnen bewusst ist, dass beim Auffliegen dieses „Vergehens“ ihnen weitere 20 Jahre Zwangsarbeit sicher sind. Als sie die Siedlung offiziell verlassen darf, zieht es sie nach Karaganda, der Wiege der katholischen Untergrundkirche, wo sie bis zu ihrem Tod am 16. August 1971 wie eine Ordensfrau lebt und sich weiterhin in der katholischen Gemeindearbeit engagiert. Ihre Glaubensverbreitung trägt reichlich Früchte.

Viele Menschen in Kasachstan sind von der Wirkmacht ihrer Fürsprecherin Gertrude Detzel überzeugt. Vielleicht sollten auch wir uns an sie wenden, um sowohl einen schnellen Frieden zwischen Russland und der Ukraine herbeizuführen, als auch um eine generelle Harmonisierung zwischen Ost und West zu bitten.

Ganze 15 Kilogramm an Dokumenten, geschilderte Zeugnisse und Berichte über Wunder, die sich auf die Fürsprache Gertrude Detzels ereignet haben sollen, hat der Weihbischof von Karaganda, Jewgeni Sinkowski, Papst Leo XIV. bereits übergeben. Damit ist die Kanonisation Gertrude Detzels in greifbare Nähe gerückt.

Archivbild Gertrude Detzel (c) gemeinfrei


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