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Emeritierter Kurienkardinal Sarah: „Riten können nicht willkürlich abgeschafft werden“

vor 52 Minuten in Weltkirche, 5 Lesermeinungen
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Kardinal Sarah: Manche überzogene Haltungen zugunsten der traditionellen Liturgie seien zum Teil eine Reaktion auf „drastische und weitverbreitete Missbräuche“ bei der Feier der ordentlichen Form des Römischen Ritus.


Vatikan (kath.net/Katholische Nachrichtenagentur Polen KAI/red) Die Spaltung rund um die traditionelle Heilige Messe ist laut Kardinal Robert Sarah eine „Tragödie, eine wirkliche und echte Sünde“. Der emeritierte Präfekt des Dikasteriums für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung plädierte für eine Rückkehr zu der von Benedikt XVI. eingeführten Lösung, die ein Nebeneinander der ordentlichen und der außerordentlichen Form des Römischen Ritus vorsah. Seiner Ansicht nach erlebt die Kirche im Westen derzeit eine „Zeit großer Schwierigkeiten und sogar der Verwirrung“, die sich auf die Bereiche Lehre, Moral und Disziplin erstreckt. Dies erläuterte Sarah in einem Interview mit der italienischen Tageszeitung „Il Foglio“, das er dem Chefredakteur Matteo Matzuzzi gab, wie die polnische Katholische Nachrichtenagentur (KAI) berichtet.

Der emeritierte Kurienkardinal kritisierte, dass die Liturgie zu einer Quelle der Spaltung geworden sei. „Es ist eine Tragödie, eine wirkliche und echte Sünde, dass eine Art Krieg um eine so wesentliche Angelegenheit wie die Liturgie geführt wird“, sagte er. Er betonte, dass die Liturgie das Fundament der Einheit der Kirche sei und nicht zu Konflikten führen dürfe.


Kardinal Sarah stellte weiter fest, dass liturgische Riten zur lebendigen Tradition der Kirche gehörten und nicht Gegenstand willkürlicher Entscheidungen sein könnten. „Niemand hat die Befugnis über Riten, die aus der jahrhundertealten Geschichte der Kirche stammen. Riten können nicht willkürlich abgeschafft werden“, erklärte er. Seiner Ansicht nach sei eine Rückkehr zur „ausgewogenen Position“ Benedikts XVI. notwendig; dieser hatte das Nebeneinander der beiden Formen des Römischen Ritus zugelassen, damit sie sich gegenseitig bereichern und den Gläubigen dienen könnten.

Dem aus Guinea stammenden Prälaten zufolge befindet sich die westliche Kirche derzeit in einer tiefen Krise. Er argumentierte, dass die Glaubensweitergabe sich nicht mehr auf die vorherrschende Kultur stützen könne, sondern auf Gemeinschaften, die im Gebet, in der Stille, in einer würdevoll gefeierten Liturgie und in der Treue zum Evangelium verwurzelt seien. Trotz der Schwierigkeiten äußerte er die Überzeugung, dass die Kirche ihre gegenwärtigen Prüfungen überstehen werde. „Im Laufe der Jahrhunderte hat die Kirche viele Stürme überstanden, doch wir dürfen nie vergessen, dass sie göttlichen Ursprungs ist und daher niemals verschwinden wird“, betonte er.

Kardinal Sarah räumte ein, dass in Kreisen, die der traditionellen Liturgie verbunden sind, durchaus überzogene Haltungen vorkommen. Zugleich erkannte er an, dass diese zum Teil eine Reaktion auf – wie er es formulierte – „drastische und weitverbreitete Missbräuche“ bei der Feier der ordentlichen Form des Römischen Ritus seien.

Zudem kritisierte er Predigten, die auf die Erwartungen der Zuhörer und aktuelle kulturelle Trends zugeschnitten sind. Seiner Ansicht nach werden Homilien, die sich auf soziale Fragen beschränken, banal und verfehlen es, auf die tiefsten menschlichen Bedürfnisse einzugehen. „Es ist niemals gerechtfertigt, das Evangelium auf soziale und horizontale Themen zu reduzieren“, merkte er an.

Auf die Frage, wie die gegenwärtige Krise der Kirche überwunden werden könne, verwies er vor allem auf die Notwendigkeit einer fundierten Ausbildung. „Der Schlüssel liegt in der liturgischen Bildung, Bildung und nochmals Bildung – für Bischöfe, Priester und Laien“, schloss er.

Die Äußerungen von Kardinal Sarah folgten auf jüngste Aussagen von Kardinal Arthur Roche, dem Präfekten des Dikasteriums für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung. Dieser hatte erklärt, Papst Leo habe nicht die Absicht, das 2021 erlassene Motu proprio „Traditionis custodes“ aufzuheben, welches die Feier der Liturgie nach den liturgischen Büchern der Zeit vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil einschränkt.

Archivfoto Kardinal Sarah (c) Vatican Media


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Lesermeinungen

gebsy vor 4 Minuten: Vergelt's Gott Eminenz!

Diese kostbaren Worte in Gottes Ohr.

Wie kann die "URSÜNDE" Relativismus aus der Kirche entfernt werden? Muss bis zur Ernte Geduld geübt werden?

Stefan Fleischer vor 43 Minuten: @ SarahK

Ich habe schon seit einiger Zeit hier immer wieder auf die Fehlentwicklung hingewiesen, welche m.E. die Befreiungstheologie mit sich gebracht hat. Da ich diese nicht genau kenne, weiss ich nicht, ob diese Theologie an sich dafür verantwortlich, oder ob eine falsche, eine allzu einseitige Interpretation derselben die Wurzel dafür ist. Wichtig scheint mir, dass wir alle in der Verkündigung wie in unserem Leben, in unserer ganzen Gottesbeziehung, wieder wirklich katholisch, allumfassend werden. Einseitigkeiten jeder Art sind die gefährlichsten Verstösse gegen die Einheit unserer Kirche. Rechthaberei und Besserwisserei, Unordnung und Disziplinlosigkeit sind die Sprengsätze, welcher der Widersacher gegen die Kirche unseres Herrn heute nur allzu gerne einsetzt.

Hardenberg vor 2 Stunden: @sdamon

"Und warum möchte man im Westen wieder die Alte Messe feiern?"

Will man das? In meiner Geburtsstadt wird sonntags eine unreformierte Messe gelesen - 40 Teilnehmer. In der Pfarre, aus der ich komme, gibt es 3 Messen; die Zahl der Feiernden: 400. Und dann gibt es noch gut 15 weitere Pfarren sowie Klöster. Und im Umland ist der Besuch noch besser. Ein dringender Wunsch scheint das nicht zu sein.

doda vor 3 Stunden: Kurienreform

Vielleicht wird Papst Leo Kardinal Roche und andere ersetzen, wenn er seine Kurienreform abgeschlossen hat, um dann auch "Traditiones Custodes" zu ersetzen.

sdamon vor 4 Stunden: der Westen und die hl. Messe

„“Seiner (Kard. Sarah) Ansicht nach erlebt die Kirche im Westen derzeit eine „Zeit großer Schwierigkeiten und sogar der Verwirrung“, die sich auf die Bereiche Lehre, Moral und Disziplin erstreckt.““

Und warum möchte man im Westen wieder die Alte Messe feiern? Weil:
1) Entweder: ist der NOM - wie die FSSPX glaubt – schlecht, häretisch und letztendlich ungültig und man möchte nicht zugeben, dass man in den letzten 50-60 Jahren die Liturgie zum Laientheater umgewandelt hat.
2) Oder: der korrekt gefeierter NOM ist die gültige, promulgierte Heilige Messe der Kirche, die den Auftrag Jesu erfüllt („Tut dies zu meinem Gedächtnis!“)
wenn 1) - dann haben die Kardinäle, Bischöfe und Priester den Bluff erkannt und wollen ihn nicht mehr.
wenn 2) – warum sollte man eine solche hl. Messe nicht feiern wollen? Gute Frage – die Antwort ist einfach: Weil der homogene Westen nicht gerne das macht, was Rom will und gerne die Verlautbarungen aus Rom sabotiert.

SarahK vor 4 Stunden: Schön wenn es mal jemand anders sagt.

Aber das denke ich schon so lange: . „Es ist niemals gerechtfertigt, das Evangelium auf soziale und horizontale Themen zu reduzieren“… hat mich glaube ich noch kürzlich die „Freundschaft“ mit einem Priester „gekostet“ und wirtzigerweise dachte ich es noch eben, als ich im Auto mitträllerte „…let’s talk about all the good things and the bad things that maybe…“ eigentlich ist meine die erste richtig freie Generation nämlich sich trotz dessen das einem alles offen steht frei für Gott und seine Kirche entscheiden zu dürfen, nur „raffen“ das die meisten Gottesdiener nicht und ich muss weiter „Lied, dass die Welt umkreist“ in der Kirche singen, wo ich doch da lieber „Alles meinem Gott zu Ehren singe“ und genau das in mein Leben hinaustrage. Das kann man verstehen (wohlgemerkt letzteres wird bei uns auch oft gesungen) das erste ist Räucherstäbchen für mich. Ja, ich kann Kard Sarah verstehen.

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