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Leo XIV., Begegnung mit den Teilnehmern des Jugendfestivals ‚GO! Franciscan Youth Meeting 2026‘ in Assisi: das christliche Zeugnis, der Mut zu endgültigen Entscheidungen und die Erneuerung der Kirche aus der Nachfolge Christi. Von Armin Schwibach
Assisi (kath.net/as) Nicht eine Ansprache, sondern der Dialog mit den Jugendlichen prägte die Begegnung von Papst Leo XIV. mit den Teilnehmern des Jugendfestivals „GO! Franciscan Youth Meeting 2026“ auf der Piazza Santa Maria degli Angeli in Assisi. Drei Fragen junger Menschen aus Kroatien und Italien gaben dem Papst Gelegenheit, über das Zeugnis des Evangeliums, den Weg der Berufung und das Leben der Kirche zu sprechen. Dabei verband Leo XIV. die Erfahrungen der Jugendlichen mit dem Beispiel des heiligen Franziskus und führte seine Antworten immer wieder auf Christus zurück, dessen Gegenwart Ursprung jeder christlichen Berufung und jeder Erneuerung der Kirche bleibe.
Zu Beginn stellte der Papst das christliche Zeugnis in den Mittelpunkt. Der Glaube, so führte er aus, werde nicht zuerst durch Worte weitergegeben, sondern durch eine Lebensweise, die von Einfachheit, Geschwisterlichkeit und der Nähe zum Mitmenschen geprägt sei. Gerade diese Erfahrung habe viele Jugendliche in ihren franziskanischen Gemeinschaften gemacht. Wo Menschen einander aufnähmen und das Evangelium im Alltag Gestalt gewinne, könne der Glaube reifen. Deshalb griff Leo XIV. die Worte einer Teilnehmerin auf und bemerkte, ihre Frage habe bereits einen Teil der Antwort enthalten. Sie habe selbst von jenem Stil gesprochen, „der dich überzeugt und es dir ermöglicht hat, im Glauben zu reifen - als Teil einer Gemeinschaft, die jedoch allen offensteht“.
Mit Blick auf die jüngere Geschichte Europas erinnerte der Papst daran, dass Krieg und die Vermischung von Religion und Nationalismus tiefe Wunden hinterlassen hätten. Umso mehr komme den Christen heute die Aufgabe zu, Versöhnung zu fördern und Brücken zwischen Menschen zu bauen. Die jahrhundertelange Präsenz der Franziskaner habe gezeigt, dass das Evangelium den Dialog fördere und Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenführen könne. Deshalb erklärte Leo XIV.: „Von den Christen wird immer mehr verlangt werden, Friedensstifter in Gesellschaften zu sein, die versucht sind, die Religion zur Konfrontation von Identitäten zu instrumentalisieren“. Der heilige Franziskus bleibe dafür das Vorbild. Seine Radikalität habe nicht in Abgrenzung oder Gewalt bestanden, sondern in der entschiedenen Nachfolge Christi: „Lernt jedoch vom heiligen Franziskus die Radikalität des Evangeliums, die das Gegenteil von Fundamentalismus ist: Es macht nicht blind und gewalttätig, sondern feinfühlig, aufmerksam, stets auf die Nachfolge Jesu ausgerichtet und somit bescheiden und allen gegenüber offen“. Gerade diese Offenheit ermögliche es, den Menschen ohne Vorurteile zu begegnen und die „Zivilisation der Liebe“ aufzubauen.
Anschließend führte Leo XIV. die Jugendlichen gedanklich an den Ursprung des Ortes zurück, an dem sie sich versammelt hatten. Vor achthundert Jahren hätten sich dort Hunderte Brüder um den heiligen Franziskus versammelt, um gemeinsam zu beten und über Gott nachzudenken. Der Papst zitierte die alten Franziskusquellen, nach denen die Brüder „ausschließlich mit dem Gespräch über Gott, mit Gebet, Tränen und Übungen der Liebe beschäftigt“ gewesen seien. Dieses Schweigen bezeichnete er als „das Gegenteil des Krieges mit seiner Gewalt, seinen Schreien und seiner Grausamkeit“. Die Kirche werde dort sichtbar, wo Menschen sich um Christus versammelten. „Die Kirche“ sei „eine Versammlung von Brüdern und Schwestern, zu der alle eingeladen sind“. Deshalb rief Leo XIV. den Jugendlichen zu: „Wie schön ist es, zusammen zu sein, um ,über Gott nachzudenken‘ und so in seinem Licht auch über das Leben selbst, in seiner Schönheit, in seinem Geheimnis, in seiner Ernsthaftigkeit!“. Gerade in einer Zeit, in der technische Möglichkeiten das persönliche Miteinander verdrängten, komme dieser Erfahrung besondere Bedeutung zu.
Mit dem Beispiel des heiligen Franziskus verband der Papst auch dessen Entscheidung für die Armut. Sie sei kein Selbstzweck, sondern ermögliche Begegnung und gegenseitiges Vertrauen. Das Evangelium lasse sich nicht von der Person Jesu Christi trennen, „der arm wurde, um uns reich zu machen“. Wo Christus gegenwärtig sei, wachse eine Freude, die über äußere Umstände hinausreiche: „Diese Freude verkündet das Evangelium mehr als Worte und sie lässt sich nicht verbergen“.
Ein weiterer Schwerpunkt der Begegnung galt der Berufung des Menschen. Leo XIV. stellte der verbreiteten Kultur des Vorläufigen den Mut gegenüber, sich endgültig zu entscheiden. Freiheit erschöpfe sich nicht darin, alle Möglichkeiten offenzuhalten. Vielmehr könne der Mensch seine Berufung erst entdecken, wenn er sich vertrauensvoll auf Gott einlasse: „In diesem Zusammenhang ist der Mut, eine endgültige Entscheidung zu treffen, vielleicht der revolutionärste Akt überhaupt“. Deshalb sperre eine Entscheidung „für immer“ den Menschen nicht ein: „Lieben ist ein Exodus, ein Weg, den es zu entdecken gilt, ein Weg, den Gott mit uns geht, und darin liegt der wahre Sinn jeder Berufung“. Wer dagegen jeder Bindung ausweiche, laufe Gefahr, trotz vieler Erfahrungen innerlich stehenzubleiben: „Man kann zwar Erfahrungen, Kontakte und Konsum vervielfachen, bleibt dabei aber immer am selben Punkt stehen“. Aus eigener Erfahrung bekannte der Papst, Gott habe ihn auf seinem Weg niemals allein gelassen: „Der Herr hat mich nie allein gelassen: Er hat mich stets begleitet und mir auch Menschen geschenkt, mit denen ich gemeinsam den Weg gehen konnte“. Seine Berufung zum Priester, zum Augustiner, zum Missionar und schließlich zum Papst verstand Leo XIV. als einen Weg, auf dem Gott ihn Schritt für Schritt geführt habe.
Zum Abschluss richtete der Papst den Blick auf die Kirche. Er verschwieg ihre Wunden und Krisen nicht, führte die Jugendlichen jedoch auf den Willen Christi zurück, der Menschen zu einem Volk sammeln wolle, in dem Trennungen überwunden würden. Deshalb erinnerte Leo XIV. an das Wort Jesu: „Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein“. Das Wort Gottes, die Sakramente und die geschwisterliche Liebe bezeichnete er als die Wege, auf denen Christus seine Kirche erneuere. Den Auftrag an den heiligen Franziskus, „geh hin und stell mein Haus wieder her“, bezog der Papst auf alle Christen. Jeder habe seinen Platz auf dieser „stets offenen Baustelle“ der Kirche und trage Verantwortung dafür, dass das Evangelium im eigenen Leben sichtbar werde. Mit der Verheißung des auferstandenen Herrn – „Und siehe, ich bin mit euch, alle Tage bis zum Ende der Welt“ – schloss Papst Leo XIV. die Begegnung. In dieser Zusage erkannte er den Grund christlicher Hoffnung. Die Erneuerung der Kirche gehe nicht vom Menschen aus, sondern von der bleibenden Gegenwart Christi, der seine Kirche führe und die Gläubigen dazu befähige, das Evangelium glaubwürdig zu leben.
Einen weiteren Schwerpunkt setzte die Frage eines jungen Teilnehmers aus Sizilien, der auf die Treue des heiligen Franziskus zur Kirche und zum Papst verwies. Angesichts der Wunden und Widersprüche der Kirche fragte er, weshalb es heute vielen jungen Menschen schwerfalle, sie als Mutter anzunehmen und wie eine Liebe möglich werde, die nicht verurteile, sondern die Kirche mittrage und erneuere. Leo XIV. führte die Antwort auf den Wunsch Christi selbst zurück. Franziskus habe diesen Wunsch vor dem Gekreuzigten vernommen und ihn zum Maßstab seines Lebens gemacht. Deshalb gelte es, immer wieder zu diesem Ursprung zurückzukehren. Der Papst räumte ein, dass viele Menschen die Kirche im Laufe der Geschichte nicht so erfahren hätten, wie Christus sie gewollt habe. Daraus seien Wunden, Enttäuschungen und Hindernisse für den Glauben entstanden. Dennoch bleibe die Kirche der Ort, an dem Christus Menschen zu einem Volk versammle, in dem die Trennungen der Welt überwunden würden: „Wie viele Diskriminierungen und Ungleichheiten könnten sofort ein Ende finden, sobald wir uns als Brüder und Schwestern anerkennen!“.
Die Erneuerung der Kirche, beginne deshalb nicht mit Anklage oder Abgrenzung, sondern mit der eigenen Umkehr und der Bereitschaft zum Dienst. Er erinnerte an die Worte Jesu: „Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein“, und bezeichnete das Wort Gottes, die Sakramente und die geschwisterliche Liebe als die Wege, auf denen Christus seine Kirche erneuere. Den Auftrag an den heiligen Franziskus - „Franziskus, geh hin und stell mein Haus wieder her“ - verstand Leo XIV. als Auftrag an alle Gläubigen: „Jeder von uns hat eine Aufgabe auf dieser stets offenen Baustelle“. Die Kirche mit der Liebe zu betrachten, die man einer Mutter entgegenbringe, werde dort möglich, wo Christen ihren eigenen Platz in ihr entdeckten und gemeinsam Verantwortung für ihre Sendung übernähmen.
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