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„Nicht der Sturm hat das letzte Wort – Christus hat das letzte Wort. Amen.“

vor 6 Stunden in Spirituelles, 1 Lesermeinung
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„Noch bevor die Jünger nach Christus rufen, betet Christus bereits für sie.“ Sonntagspredigt von Archimandrit Dr. Andreas-Abraham Thiermeyer


Eichstätt (kath.net) Christus kommt uns entgegen. Predigt am 19. Sonntag im Jahreskreis (A) „Habt Vertrauen! Ich bin es. Fürchtet euch nicht!“ (Mt 14,22–33)

I. Christus betet – der Himmel vergisst die Erde nicht
Liebe Schwestern und Brüder, das heutige Evangelium beginnt nicht mit dem Sturm, sondern mit dem Gebet Christi. Nachdem der Herr die vielen Menschen mit den wenigen Broten gesättigt hat, schickt er seine Jünger über den See. Er selbst steigt auf den Berg, um zu beten. Während unten die Wellen toben, steht oben der Sohn vor dem Vater; während die Jünger gegen Wind und Wellen kämpfen, trägt er sie bereits in seiner Fürbitte.

Der heilige Johannes Chrysostomos erkennt darin eine tiefe geistliche Wahrheit. Christus entzieht sich dem Blick der Jünger, aber niemals seiner Liebe. Er lässt den Gegenwind zu, damit ihr Glaube nicht auf eigenen Kräften, sondern auf ihm selbst ruht. Solange der See ruhig ist, vertrauen sie auf sich; erst der Sturm lehrt sie, dass niemand das andere Ufer ohne den Herrn erreicht.

Auch wir kennen solche Stunden. Solange Gesundheit, Familie oder Beruf selbstverständlich erscheinen, bauen wir leicht auf das, was wir besitzen und können. Erst Krankheit, Sorge oder Abschied machen unsere Zerbrechlichkeit sichtbar und lassen die Frage aufsteigen: Wo ist Gott? Sieht er meine Not? Hört er mein Beten?

Das Evangelium antwortet überraschend: Noch bevor die Jünger nach Christus rufen, betet Christus bereits für sie. Darin sahen die Kirchenväter das Bild der Kirche auf ihrem Weg durch die Geschichte. Der auferstandene Herr ist zum Vater heimgekehrt, aber er lebt, um für die Seinen einzutreten. Keine Nacht ist so dunkel, dass seine Fürbitte sie nicht erreicht. Der heilige Ephrem der Syrer sagt: „Die Wellen erkannten ihren Schöpfer und wurden ihm zum Weg; nur das Herz des Menschen braucht Zeit, den zu erkennen, der ihm entgegenkommt.“

Noch bevor wir Gott suchen, trägt Christus uns bereits in seiner Liebe und Fürbitte.


II. Christus kommt über die Wellen
Mitten in der Nacht, als Wind und Wellen das Boot hin und her werfen, kommt Christus den Jüngern entgegen – nicht am Ufer entlang, sondern mitten im Sturm und über das Meer. Doch sie erkennen ihn nicht. Von der Angst beherrscht, halten sie ihn für ein Gespenst. So geschieht es auch uns: Wer lange gegen den Sturm kämpft, erwartet oft eher neues Unheil als Gottes Nähe.

Da spricht Christus jene Worte, die seit Jahrhunderten Trost und Hoffnung schenken: „Habt Vertrauen! Ich bin es. Fürchtet euch nicht!“ Für die griechischen Väter ist dieses „Ich bin es“ weit mehr als eine Beruhigung. Es offenbart den Herrn selbst, den Gott, der zu Mose sprach: „Ich bin, der ich bin.“ Derselbe Schöpfer steht nun über den Wellen des Meeres.

Darum sagen die Väter: Nicht das Meer trägt Christus – Christus trägt das Meer. Keine Welle und kein Sturm können ihn aufhalten; deshalb kann auch keine Macht dieser Welt seine Liebe zu uns überwinden. Krankheit, Schuld, Einsamkeit oder selbst der Tod verlieren ihre letzte Gewalt, weil Christus größer ist als alles, was uns bedroht. Glaube beginnt daher nicht mit unserem Suchen nach Gott, sondern damit, dass Gott uns entgegenkommt – oft gerade dort, wo wir ihn am wenigsten erwarten.

Nicht wir finden zuerst Christus – Christus findet uns und spricht: „Fürchtet euch nicht!“

III. Der Blick, der trägt
Petrus wagt den Schritt. Auf das schlichte Wort Jesu – „Komm!“ – steigt er aus dem Boot. Der Wind hat nicht nachgelassen, die Wellen sind nicht kleiner geworden, und doch tragen sie ihn, solange sein Blick auf Christus gerichtet bleibt. Der heilige Gregor von Nyssa beschreibt das geistliche Leben als einen immer neuen Anfang und Aufbruch zu Gott. Glaube bedeutet nicht, alle Sicherheiten zu besitzen, sondern dem zu vertrauen, der den Weg kennt.

Das eigentliche Wunder besteht deshalb nicht darin, dass ein Mensch auf dem Wasser geht, sondern dass er dem Wort Christi mehr glaubt als seiner Angst. Christus verheißt uns nicht ein Leben ohne Stürme, wohl aber seine Gegenwart mitten in ihnen.

Erst als Petrus den Blick vom Herrn löst und nur noch Wind und Wellen sieht, beginnt er zu sinken. Der Sturm hat sich nicht verändert – sein Herz hat sich verändert. Der heilige Isaak der Syrer sagt: „Wo das Herz auf Christus ruht, findet es Frieden; wo es sich selbst betrachtet, wird es unruhig.“ Auch wir verlieren leicht den Blick für den, der uns trägt, wenn Sorgen und Ängste unser Herz einengen. Gerade deshalb lädt uns das Evangelium ein, den Blick immer neu auf Christus zu richten.

Nicht die Größe der Wellen entscheidet über unser Leben, sondern die Treue des Blickes auf Christus.

IV. Die rettende Hand Christi
Als Petrus zu sinken beginnt, bleibt ihm nur noch ein einziger Ruf: „Herr, rette mich!“ Dieses kurze Gebet enthält das ganze Evangelium. Die Mönchsväter liebten es, weil darin die Wahrheit unseres Glaubens aufleuchtet: Nicht der Mensch rettet sich selbst – Gott rettet den Menschen.

Der Evangelist berichtet: „Sogleich streckte Jesus die Hand aus und ergriff ihn.“ Dieses „sogleich“ offenbart das Herz Gottes. Christus zögert nicht, fordert keine Rechtfertigung und stellt keine Bedingungen. Seine Barmherzigkeit ist schneller als unsere Angst, seine Gnade kommt unserem Versagen zuvor.

Gerade deshalb ist Petrus uns so nahe. Er ist kein makelloser Held, sondern ein Jünger mit einem großen Herzen, das spontan wagt, dann doch wieder zweifelt und schließlich sich retten lässt. Auch unser Glaube kennt diese Stunden der Unsicherheit. Doch unsere Hoffnung ruht nicht auf der Stärke unseres Glaubens, sondern auf der Treue Christi.

Nicht unser Glaube hält Christus fest – Christus hält unseren Glauben fest.

V. Christus hat das letzte Wort
Als Jesus mit Petrus in das Boot steigt, legt sich der Wind. Die Jünger schauen nicht länger auf die Wellen, sondern auf den Herrn und sprechen: „Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn.“ Damit erreicht das Evangelium sein Ziel. Nicht der Sturm steht im Mittelpunkt, sondern Christus.

Die griechischen Väter sahen im Boot das Bild der Kirche, die seit den Tagen der Apostel über das bewegte Meer der Geschichte fährt. Sie kennt Gegenwind, Verfolgung und Krisen, doch sie geht nicht unter, weil Christus in ihrer Mitte bleibt. Dasselbe gilt für unser eigenes Leben: Die Kirchenväter sehen auch unser Herz als das Boot. Der Herr hat uns kein Meer ohne Wellen versprochen, wohl aber seine bleibende Gegenwart. Er stärkt uns durch sein Wort, nährt uns in der Eucharistie und begleitet uns in der Gemeinschaft seiner Kirche und in unserem persönlichen Leben.

Meine Lieben, wenngleich auch manche Fragen offen und manche Kreuze schwer bleiben. Doch eines bleibt gewiss: Christus lässt die Seinen nicht los. Darum dürfen wir unseren Weg mit Hoffnung weitergehen – nicht weil wir stark wären, sondern weil er treu ist. So wird das Bekenntnis der Jünger zu unserem eigenen: „Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn.“

Nicht der Sturm hat das letzte Wort – Christus hat das letzte Wort. Amen.

Archimandrit Dr. Andreas-Abraham Thiermeyer ist der Gründungsrektor des Collegium Orientale in Eichstätt. Er ist Theologe mit Schwerpunkt auf ökumenischer Theologie, ostkirchlicher Ekklesiologie und ostkirchlicher Liturgiewissenschaft. Er studierte in Eichstätt, Jerusalem und Rom, war in verschiedenen Dialogkommissionen tätig. Er veröffentlicht zu Fragen der Ökumene, des Frühen Mönchtums, der Liturgie der Ostkirchen und der ostkirchlichen Spiritualität. Weitere kath.net-Beiträge von ihm: siehe Link.


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Lesermeinungen

gebsy vor 5 Stunden: Die Treue des Blickes auf Jesus

gib die nötige Sicherheit.
Wo ist in meinem Alltag diese Treue erforderlich, um nicht "unrund" und ängstlich zu werden?

Mich spricht der Umstand an, dass Petrus Jesus BEFIEHLT, dass er zu ihm über das tobende Wasser kommt; ohne Befehl ist der Mensch nicht fähig, Gottvertrauen zu wecken ...

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