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Leo XIV.: Zwischen Erfolg und eigener Ohnmacht. Die Gegenwart Christi, die auch mitten im Sturm Frieden schenkt. Die Erfahrung der menschlichen Hinfälligkeit als Weg zur Gotteserkenntnis. Von Armin Schwibach
Rom (kath.net/as) Das Evangelium des Neunzehnten Sonntags im Jahreskreis erzählt von Jesus, der am See Gennesaret mitten in einem Sturm zu seinen Jüngern kam und auf dem Wasser wandelte (vgl. Mt 14,22–33). Papst Leo XIV. stellte die Szene in unmittelbaren Zusammenhang mit dem Wunder der Brotvermehrung. Nachdem die Jünger die Speisung der Menge erlebt hatten, forderte der Meister sie auf, „ins Boot zu steigen und in See zu stechen“, während er sich „allein auf den Berg zurückzieht, um zu beten“. Weit vom Ufer entfernt seien die Jünger jedoch dem Wind ausgeliefert gewesen und nur mühsam vorangekommen. Auf die Erfahrung des Erfolgs, bei der sie selbst Protagonisten eines wundersamen Zeichens gewesen seien, sei nun eine Situation gefolgt, in der sie sich „machtlos und verängstigt angesichts der Bedrohung durch die Wellen und den Gegenwind“ wiedergefunden hätten.
Für Leo XIV. liegt gerade in diesem Gegensatz ein wesentlicher Zugang zum Evangelium. Die Jünger hätten zunächst die Erfahrung gemacht, an einem Wunder beteiligt zu sein, und seien anschließend mit einer Situation konfrontiert gewesen, in der ihre eigenen Kräfte nicht ausgereicht hätten. Gegen Ende der Nacht sei Jesus ihnen auf dem unruhigen Wasser entgegengekommen. Die Jünger hätten ihn zunächst nicht erkannt und erschrocken „für ein Gespenst“ gehalten. In diese Situation hinein habe Jesus ihnen zugerufen: „Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!“
Die Gegenwart des Herrn habe die Situation verändert. Petrus habe es sogar vermocht, einige Schritte über die Wellen auf Jesus zuzugehen. Dann habe er sich erschrocken, sei versunken und von Jesus gerettet worden. Als der Meister in das Boot gestiegen sei, habe sich der Sturm gelegt. Aus dieser Erfahrung sei aus dem Herzen der Jünger das Glaubensbekenntnis hervorgegangen: „Wahrhaftig, Gottes Sohn bist du“. Damit ist für den Papst aber noch nicht die eigentliche Bedeutung des Geschehens erschöpft gewesen. Um zu diesem Bekenntnis zu gelangen, habe es den Jüngern nicht genügt, ein Wunder miterlebt oder vor den Menschen Erfolg gehabt zu haben. Sie hätten vielmehr „die Erfahrung ihrer eigenen Schwäche durchleben und darin die Gegenwart Gottes erkennen“ müssen. Erst dadurch hätten sie „ihre Augen und ihr Herz wirklich für seine Nähe öffnen“ können. Gerade so hätten sie „auch mitten im Sturm wieder Frieden finden“ können.
Leo XIV. machte damit deutlich, dass die Erfahrung des Glaubens nicht einfach aus dem Erfolg hervorgehe. Die Jünger hätten das Wunder der Brotvermehrung erlebt, doch erst die Erfahrung ihrer eigenen Schwäche habe sie zu einer tieferen Erkenntnis der Gegenwart Gottes geführt. Der Sturm habe ihnen ihre eigenen Grenzen vor Augen geführt. Gerade in dieser Situation sei ihnen Christus entgegengekommen. Die Erfahrung der Ohnmacht sei damit zum Ort geworden, an dem sie seine Nähe erkennen lernten.
Der Papst verwies sodann auf ein Wort Jesu, das dieser seinen Jüngern einige Zeit später sagen werde: „Wenn ihr Glauben habt und nicht zweifelt […], selbst wenn ihr zu diesem Berg sagt: ‚Heb dich empor und stürz dich ins Meer!‘ wird es geschehen“ (Mt 21,21). Genau dies hätten die Jünger bereits auf dem See erfahren: „Der Friede Christi, der auf dem Berg gebetet hatte, hat sie inmitten der tobenden Wellen erreicht“. Während Jesus auf dem Berg gebetet habe, seien die Jünger auf dem See dem Sturm ausgesetzt gewesen. Dennoch habe der Friede Christi sie gerade dort erreicht, wo sie den Gegenwind und die Macht der Wellen erfahren hätten.
Aus diesem Geschehen leitete Leo XIV. eine Weisung für das Leben der Gläubigen ab. Das Wunder lehre zunächst, „uns angesichts des Erfolgs nicht zu sehr zu überschätzen und niemals überheblich zu werden“. Zugleich dürfe der Mensch „nicht verzweifeln, auch nicht in dunklen Momenten, in denen wir uns in Anbetracht der Probleme machtlos fühlen und es uns trotz unserer Bemühungen so vorkommt, als würden wir eher Rückschritte machen als voranzukommen“. Der Papst bezog diese Worte damit sowohl auf die Erfahrung des Erfolgs als auch auf jene Situationen, in denen der Mensch trotz seiner Anstrengungen keinen Fortschritt erkenne. In beiden Fällen müsse die Beziehung zu Christus den Maßstab bilden. Denn, so die Zusage des Papstes: „Jesus lässt uns unter keinen Umständen im Stich“. Daraus ergebe sich die Notwendigkeit, Christus in das eigene Leben aufzunehmen. Dies geschehe „durch das Gebet, durch die Sakramente, durch das Hören auf sein Wort“. Wer den Herrn auf diese Weise „demütig in das Boot unseres Lebens“ aufnehme, werde in ihm Frieden finden und zugleich Licht und Kraft für unseren Weg finden. Das Bild des Bootes verwies dabei auf das konkrete Leben des Menschen: Christus werde nicht erst dann aufgenommen, wenn der Sturm bereits vorüber sei, sondern gerade mitten in der Fahrt, wenn Gegenwind und Wellen den eigenen Weg erschwerten.
Zum Abschluss seiner Katechese richtete Leo XIV. den Blick auf die Gottesmutter: „Möge Maria uns helfen, so zu leben – in vertrauensvoller Hingabe an Gott –, sie, die ob ihres Glaubens seliggepriesen wurde“ (vgl. Lk 1,45).
Foto (c) Vatican Media
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