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Ist ein linker Punksänger klüger als Bischof Feige?

vor 10 Stunden in Kommentar, 4 Lesermeinungen
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Die Kirchen Deutschlands sind beim AfD-Thema stark dabei, unliebsame Stimmen auszugrenzen. Dass es auch anders geht, zeigt ein linker Punk-Rocker aus Ostdeutschland. Ob Bischof Feige & Co. von ihm etwas lernen wollen? – Ein Kommentar von Roland Noé


Berlin (kath.net/rn)

Jan Gorkow („Monchi“), ein bekannt linker Punksänger, hat ein Buch geschrieben: „Jenseits der Brandmauer. Mein Leben in der ostdeutschen Provinz“. Soweit, so (un)spannend für mich persönlich. Doch der Inhalt des Buches zeigt, dass Monchi als Linker offensichtlich bereit ist, das Gerede von der „Brandmauer“ angesichts ostdeutscher Orte, an denen die AfD mehr als 50 % der Stimmen hat, nicht mehr wirklich ernst zu nehmen. Der Punker beschreibt den Zerfall der „Brandmauer“ als beobachtbare Realität. Wenn alternative Medien wie NIUS fast schon die „einzigen Informationsquellen“ sind und das Gespräch zwischen politischen Lagern im Dorf Alltag ist, stoßen theoretische Abgrenzungsstrategien an ihre Grenzen. Betrachtet man diese Entwicklung unter Einbezug der Haltung der großen Kirchen in Deutschland, zeigt sich ein Spannungsfeld zwischen institutionalisierter Haltung und der Wirklichkeit der Menschen im Alltag. Monchi erzählt laut NDR, wie er im Laufe der Zeit seinen Blick geweitet hat und zu verstehen versuchte, warum die Leute AfD wählen. „Je näher ich den Menschen bin, umso schwerer kann ich sie hassen“, sagt er im Interview. Die Grenze sieht er nur bei überzeugten Nazis.

Was für ein Kontrast zur DBK und zur EKD! Diese haben sich mit zweifelhaften Beschlüssen klar auf die Anti-AfD-Regierungslinie gestellt und damit einen Beitrag dazu geleistet, dass die Partei immer stärker geworden ist. Eine Mitgliedschaft oder Mandatswahrnehmung für die AfD hat jetzt sofort Auswirkungen auf kirchliche Gremien, während sich gleichzeitig Linke und Linksextreme ohne Probleme in den Kirchen engagieren können. Dies zeigt die ethisch-moralische Einseitigkeit der deutschen Kirchen.


Besonders wirr sind die regelmäßigen Meldungen von Bischof Feige, der im Wochentakt mitteilen lässt, dass es keine Gemeinsamkeiten zwischen der AfD und der Kirche gebe. Soso, es gibt wirklich keine Gemeinsamkeiten? Das kann nur behaupten, wer sich mit katholischen Themen nicht groß beschäftigen möchte. Vanessa Behrendt, die familienpolitische Sprecherin der AfD-Landtagsfraktion Niedersachsen, hat sich vergangene Woche immerhin auf Twitter/X superklar gegen das Töten ungeborener Kinder ausgesprochen: „Ein Kind ist kein Accessoire. Kein Lifestyle-Produkt. Keine Bestellung, die man nachträglich korrigieren kann, wenn die Lieferung ‚zu viel‘ war. Wer so handelt, hat die Grenze des Menschlichen überschritten.“ Respekt! Aber vielleicht ist der Schutz des Lebens für Bischof Feige wirklich kein Thema mehr und deswegen gibt es auch keine „Gemeinsamkeiten“? Denn beim Thema „Lebensrecht“ hört man von Feige das ganze Jahr kein Sterbenswörtchen.

Zuletzt mokierte sich Feige in einem Podcast sogar darüber, dass die AfD sich für die klassische Kernfamilie einsetze. WOW – das Einsetzen für eine Familie mit Vater, Mutter und Kindern ist für den Bischof von Magdeburg schon ein Problem. Ich würde meine Kinder nicht zum Erstkommunion- oder Firmunterricht dieses Bischofs schicken wollen. Aber Feiges Meldung ist schon interessant angesichts einer AfD-Führungspersönlichkeit, die in einer homosexuellen Verbindung lebt. Damit sollte die AfD doch eigentlich eines der Lieblingsthemen der meisten Deutschen Bischöfe treffen oder?

„Und face it, liebe Bischöfe: Wenn die Kirchen vom Staat weniger Geld als Unterstützung bekommen, würde das den Kirchen durchaus guttun. Vermutlich hätten die meisten Christen mit diesen AfD-Forderungen kein Problem.“

Wie unbarmherzig die Kirchen beim Thema AfD auftreten, zeigt der jüngste Fall der AfD-Spitzenkandidatin Martina Müller, wie Berichte auf WELT verdeutlichen. Nach 15 Jahren Dienst beim diakonischen Hospizträger mission:lebenshaus wurde ihr wegen ihrer kommunalen Kandidatur in Friesland fristlos gekündigt, nachdem sie eine geforderte schriftliche Distanzierung verweigert hatte. Auch wenn man die AfD nicht wählt oder nicht mag: Ein solches Verhalten ist beschämend.

Wenn Institutionen – ob Medien, Parteien oder Kirchen – vor allem auf Kündigungen und rhetorische Ausgrenzung setzen, verfehlen sie oft diejenigen, die sich ohnehin von den etablierten Strukturen abgewendet haben. Der Befund, dass NIUS oder soziale Medien für viele zur Primärquelle werden, ist auch das Resultat eines abgerissenen Dialogs.

Monchis Positionierung markiert einen bemerkenswerten Wandel innerhalb der linken Subkultur. Wenn die moralische Abgrenzung dazu führt, dass man mit der Lebensrealität der Menschen im Dorf nicht mehr im Gespräch bleibt, beschleunigt das genau die Entfremdung, die man eigentlich bekämpfen möchte.

Eine Frage an Bischof Feige & Co hätte ich daher noch: Eine Frage hätte ich daher noch an Bischof Feige & Co.: Wäre es nicht an der Zeit, die unfreiwillige Wahlwerbung für die AfD zu beenden und einen gelasseneren Kurs im Umgang mit der Partei einzuschlagen?“

P.S. Ja, mich nervt die AfD auch gewaltig wegen ihrer Russland-Bewunderung, der Verharmlosung des Angriffskriegs der Russen auf die Ukraine und einigem anderem mehr. Als Österreicher kann ich sie aber ohnehin nicht wählen, daher mein Blick von außen auf die Partei. ;-)


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Lesermeinungen

Versusdeum vor 3 Stunden: @Schillerlocke

Allein der Begriff "Unterwanderung" ist eine tendenziöse Unterstellung: Die gefeuerte Mitarbeiterin arbeitete dort schon, als die AfD noch nicht einmal gegründet war! Der Skandal ist vielmehr, dass die Kirche in D selbstgewählt (!) niemanden mehr wegen seines Lebenswandels feuert (egal, wie schwer z.B. ein Ehebruch auch war oder wie öffentlich man mit wie vielen Personen "was hat"), aber genau jene ausgrenzt, die sich angesichts des selbstzerstörerischen Linksrucks der CDU und damit des ganzen Landes für konservative Werte und ebensolche Politik eintreten, die die Kirche selbst vertritt (nicht mehr in D), während die bis heute radikal linke Stasipartei SED der DDR für die DBK wählbar ist (2024 warnte die DBK skandalöserweise nur vor der AfD!)! Schämen Sie sich nicht, liebe linke Wahlkampfhelfer der Bischofskonferenz?

Schillerlocke vor 7 Stunden: Ich hatte seinerzeit

schon den von Willy Brandt initiierten Radikalenerlass für richtig gehalten. Dabei bleibe ich. Die Unterwanderung kirchlicher Gremien durch AfD-Funktionsträger lehne ich ab, genauso wie ich dort keine Kommunisten drinhaben will. In den Gottesdienst kann ja nach wie vor jeder kommen. Das ist ok.

Vox coelestis vor 7 Stunden: Auf der einen Seite geht alles...

Das kirchliche Arbeitsrecht wurde in den letzten Jahren immer mehr gelockert und liberalisiert, da kann jetzt jeder mitmachen, auch wenn er nicht mehr viel mit dem christlichen Glauben am Hut hat.
Aber wehe jemand liebäugelt zu sehr mit der laut Umfragen stärksten Partei in Deutschland, dann geht gar nichts mehr, wird pauschal ge- und verurteilt, ohne Ansehen und Prüfung der einzelnen Person. Ja, wirklich beschämend!

Fink vor 9 Stunden: "...längst den christlichen Glauben verloren...!"

Das gilt für einige Theologen und Kirchenleute (früher habe ich mir das überhaupt nicht vorstellen können!).
Ääh, warum fällt mir jetzt beim Bischof von Magdeburg dieser Spruch ein, ääh...?

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