
Aktuelles | Chronik | Deutschland | Österreich | Schweiz | Kommentar | Interview | Weltkirche | Prolife | Familie | Jugend | Spirituelles | Kultur | Buchtipp

vor 3 Stunden in Aktuelles, 1 Lesermeinung
Artikel versenden | Tippfehler melden
Leo XIV.: Die Spannung zwischen menschlichen Erwartungen und dem Weg, den Gott mit dem Menschen ging. Den Dialog mit Gott nicht abbrechen und sein Handeln nicht nach eigenen Maßstäben beurteilen. Zwei Weisungen des Glaubens. Von Armin Schwibach
Castel Gandolfo (kath.net/as) Auf der Piazza della Libertà in Castel Gandolfo richtete Papst Leo XIV. beim Gebet des Angelus am Zweiundzwanzigsten Sonntag im Jahreskreis den Blick auf das Evangelium des Tages und auf die Ankündigung des Leidens, des Todes und der Auferstehung Jesu. Das Evangelium berichte davon, wie Jesus seinen Jüngern das Geheimnis seines bevorstehenden Weges nach Jerusalem offenbarte. Der Messias müsse, so habe Jesus angekündigt, „nach Jerusalem gehen und von den Ältesten und Hohepriestern und Schriftgelehrten vieles erleiden, er müsse getötet und am dritten Tag auferweckt werden“ (Mt 16,21).
Diese Ankündigung habe den Erwartungen der Jünger an den Messias entgegengestanden. Sie hätten einen siegreichen und mächtigen Messias erwartet, mit dessen Hilfe die Feinde besiegt und niedergetreten werden könnten. Während ihrer gemeinsamen Zeit mit Jesus hätten die Jünger bereits zahlreiche seiner Taten und Worte erlebt und darüber gestaunt. Doch die Ankündigung seines Leidens habe ihre bisherigen Vorstellungen überschritten. Besonders Petrus habe darauf mit Unverständnis reagiert und Jesus zurechtgewiesen: „Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen!“.
Leo XIV. stellte diese Reaktion dem Bekenntnis des Petrus unmittelbar gegenüber. Kurz zuvor habe Petrus in Jesus „den Christus, den Sohn des lebendigen Gottes“ erkannt. Nun aber habe er angesichts der Worte über das Leiden Einwände erhoben. Der Papst machte verständlich, was hinter dieser Reaktion gestanden habe: Petrus habe gleichsam gesagt: „Ja, ich glaube, dass du der Messias bist, aber so rettet man die Welt nicht“. Sein Verhalten sei aus seinem Eifer hervorgegangen und von aufrichtiger Liebe bestimmt gewesen. Dennoch habe seine Reaktion eine Frage berührt, die auch für den Glauben der Christen von Bedeutung sei. Leo XIV. führte aus, dass es auch dem Menschen heute nicht immer leichtfalle, die Wege Gottes zu verstehen und anzunehmen, besonders dann, wenn sie weit von den eigenen Vorstellungen entfernt seien. In solchen Situationen könne die Versuchung entstehen, entgegen der Logik des Glaubens anzunehmen, Gott irre sich. Ebenso könne der Mensch zu dem Schluss kommen, Gott höre nicht zu oder kümmere sich nicht um ihn. Gerade angesichts dieser Unklarheit habe Petrus trotz seiner Impulsivität zwei Dinge gelehrt, die für das christliche Leben von Bedeutung seien.
Als erstes hob der Papst hervor, dass der Dialog mit dem Herrn niemals abgebrochen werden dürfe. Auch in Augenblicken des Unverständnisses müsse der Mensch Gott seine Schwierigkeiten mitteilen und offen aussprechen, was er nicht verstehe. Zum Glauben gehöre deshalb auch die Freiheit, vor Gott die eigenen Fragen und Unsicherheiten zur Sprache zu bringen und mit ihm darüber zu ringen, „das zu verstehen, was er von uns möchte“.
Als zweites müsse der Mensch darauf verzichten, Gottes Wirken nach seinen eigenen Maßstäben zu beurteilen. Leo XIV. bekräftigte, man müsse „im Gebet mit Demut auf das hören, was er uns durch sein Handeln offenbart, auch wenn es nicht unseren Erwartungen entspricht“. Damit verband der Papst das Gebet mit einer Haltung des Hörens und der Bereitschaft, die eigenen Vorstellungen am Handeln Gottes zu messen und nicht umgekehrt Gottes Handeln an den eigenen Vorstellungen. Gerade darin zeigte sich auch die Bedeutung des Petrus. Seine Reaktion auf die Leidensankündigung habe ihn nicht dauerhaft von Jesus getrennt. Jesus habe ihm vielmehr mit großer Deutlichkeit geantwortet: „Tritt hinter mich, du Satan!“. Zugleich habe Jesus Petrus und den anderen Jüngern erklärt, dass sie sich selbst verleugnen, ihr Kreuz auf sich nehmen und ihm nachfolgen müssten, wenn sie in seine Fußstapfen treten wollten.
Leo XIV. verwies dabei auf den weiteren Weg des Petrus. Dieser werde die Herausforderung annehmen. Nachdem er Jesus zugehört habe, werde er den Worten des Christus treu bleiben, den er als seinen Erlöser erkannt habe. Diese Treue werde sein gesamtes Leben bestimmen und bis zu seinem Martyrium reichen. Damit erschien die anfängliche Unverständigkeit des Petrus nicht als das letzte Wort über seine Jüngerschaft. Entscheidend sei vielmehr gewesen, dass er sich von Jesus korrigieren ließ und schließlich bereit war, den Weg anzunehmen, den sein Herr ihm eröffnete.
Aus der Geschichte des Petrus leitete Leo XIV. schließlich eine Bitte für das eigene Glaubensleben und das Gebet ab. Die Gläubigen sollten den Herrn um dieselbe Aufrichtigkeit bitten, die Petrus gezeigt habe. Sie sollten Gott demütig sagen, was sie wirklich empfänden, „auch wenn unser Herz verwirrt ist“. Zugleich sollten sie jene Verfügbarkeit besitzen, die Petrus auf seinem weiteren Weg gezeigt habe: Sie sollten annehmen, „was der Herr von uns verlangt, auch wenn es über unsere Erwartungen hinausgeht“. Damit verband der Papst zwei Haltungen, die zusammengehören: die Aufrichtigkeit des Dialogs mit Gott und die Bereitschaft, sich von Gott führen zu lassen. Der Mensch müsse seine Fragen und sein Unverständnis nicht verbergen. Er dürfe den Dialog mit Gott gerade dann nicht abbrechen, wenn dessen Wege seinen Vorstellungen widersprächen. Zugleich müsse er bereit bleiben, die eigenen Maßstäbe zurückzustellen und im Gebet auf das zu hören, was Gott durch sein Handeln offenbare.
Zum Abschluss wandte sich Leo XIV. an die Jungfrau Maria. Er bat darum, dass Maria den Menschen auf diesem Weg helfe. Sie sei den Plänen Gottes bis unter das Kreuz ihres Sohnes Jesus gehorsam geblieben. In ihr verbanden sich damit jene Bereitschaft und jene Treue, zu denen der Papst auch die Gläubigen aufrief: den Weg Gottes nicht nach den eigenen Erwartungen zu beurteilen, den Dialog mit ihm nicht abzubrechen und auch dort zu folgen, wo der Weg über das eigene Verständnis hinausführe.
Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!
Fink vor 2 Stunden: "...der nehme sein Kreuz auf sich..." - was bedeutet das ?
Jesus sagt das VOR seiner Kreuzigung ! War das eine bekannte Metapher (Bildsprache) in der Antike oder im Judentum ?
Die Kreuzigung war eine besonders grausame Tötungsart bei den Römern. Bedeutet es, man soll das Kreuz selber hintragen zur eigenen Hinrichtung, bildlich gesprochen ?
Um selbst Kommentare verfassen zu können nützen sie bitte die Desktop-Version.

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz