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Es ist noch nicht zu spät! Die Schöpfung als Ruf zur Umkehr

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Leo XIV. eröffnet die Schöpfungszeit mit dem Ruf zur Betrachtung, Umkehr und Verantwortung. Von der Betrachtung der Schöpfung zur Begegnung mit dem Schöpfer und zum Auftrag des Menschen. Von Armin Schwibach


Castel Gandolfo (kath.net/as) Bei der Heiligen Messe zum Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung im Garten der „Madonnina del Borgo Laudato si’“ in den Päpstlichen Gärten von Castel Gandolfo stellte Papst Leo XIV. die Betrachtung der Schöpfung an den Anfang seiner Predigt. Die für die Liturgie ausgewählten Lesungen hätten zweimal dazu eingeladen, über die Werke des Herrn nachzudenken, und dies falle „inmitten dieser wunderschönen Gärten“ nicht schwer. Das Buch der Weisheit fordere dazu auf, die Schönheit und die Gewaltigkeit der Schöpfung zu betrachten, um ihren Schöpfer würdigen zu können (vgl. Weish 13,1-9). Leo XIV. betonte, es sei oberflächlich, bei der Betrachtung des Feuers, des Windes, des stürmischen Wassers oder der Sterne am Himmel stehenzubleiben, ohne zum Schöpfer all dieser Wunder zurückzugehen. Auch der Psalm 18 habe dazu angespornt, den Blick zu erheben und den Himmel zu betrachten, der von der Herrlichkeit Gottes erzähle, sowie das Firmament, das das Werk seiner Hände verkünde. Leo XIV. führte aus, die ganze Schöpfung spreche von der Erhabenheit des Schöpfers, sofern Blick und Herz des Menschen für dieses Geheimnis offen seien. Die Schöpfung habe damit für den Menschen nicht nur eine sichtbare, materielle Dimension, sondern verweise über sich hinaus auf ihren Ursprung.

Auch das Matthäusevangelium (vgl. Mt 6,24-34) habe zur Betrachtung der Schöpfung eingeladen und dabei die Liebe des Herrn zum Menschen hervorgehoben. Leo XIV. verwies auf die Vögel des Himmels und die Lilien des Feldes. Wenn der Mensch sie mit Staunen betrachte und erkenne, welchen Wert sie in den Augen des Schöpfers besäßen, könne er verstehen, wie groß die Liebe Gottes zu ihm sei. Der Papst stellte dabei die Frage, die das Evangelium selbst nahelege: Wenn der Herr Pflanzen und Tieren Schönheit verleihe und für das Notwendige sorge, „um wie viel mehr wird er dann auf die Bedürfnisse seiner geliebten Söhne und Töchter achten!“.


Von dieser Betrachtung ausgehend führte Leo XIV. zum Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung und zum Beginn der „Schöpfungszeit“. Diese umfasse fünf Wochen und sei dem Gebet und dem Engagement für die Bewahrung des „gemeinsamen Hauses“ gewidmet. Der Papst lud dazu ein, „heute und an den kommenden Tagen ein paar Minuten Pause vom Trubel des Alltags“ einzulegen und die Harmonie wahrzunehmen, deren Teil der Mensch sei. Er forderte dazu auf, angesichts der Geräusche menschlicher Werke gleichsam die „Stummschaltung“ einzustellen, „um der wohlklingenden Stimme der Schöpfung zu lauschen, durch die Gott, der Schöpfer aller Dinge, zu uns spricht“. Leo XIV. verband diese Haltung der Kontemplation unmittelbar mit der Begegnung mit Gott. Die Betrachtung der Schöpfung könne eine Begegnung mit dem Herrn fördern und stelle damit einen ersten Schritt zu „einer echten ökologischen Umkehr“ dar. Der Papst griff dabei die Botschaft zum 11. Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung auf, die eine solche Umkehr dort erkenne, „wo die Auswirkungen unserer Begegnung mit Jesus Christus in unserer Beziehung zur uns umgebenden Welt deutlich sichtbar werden“.

Aus der Betrachtung der Schöpfung und aus der Begegnung mit ihrem Schöpfer entstehe nach Leo XIV. das Bewusstsein für den besonderen Platz des Menschen innerhalb des Plans Gottes. Damit wachse zugleich das Bewusstsein für die persönliche und gemeinschaftliche Verantwortung, die ursprüngliche Harmonie der Schöpfung zu bewahren. Der Papst verband dieses Bewusstsein auch mit der Erkenntnis menschlicher Grenzen und Fehler. Gerade daraus könne ein neues Engagement entstehen, die Beziehungen unter den Geschöpfen nach dem Willen ihres Schöpfers wiederherzustellen.

Damit führte Leo XIV. von der Schöpfung zur Frage nach der menschlichen Gewalt und nach der Möglichkeit einer Veränderung. Die Botschaft zum Weltgebetstag greife den „prophetischen Aufruf“ des Buches Jesaja auf, „Schwerter zu Pflugscharen umzuschmieden“ (Jes 2,4) und „Leid in Leben zu verwandeln“. Der Papst unterstrich dabei: „Es ist noch nicht zu spät“. Die Schöpfungszeit rufe zu einer Umkehr auf, die nicht bei Worten stehenbleibe, sondern die Nutzung menschlicher Mittel und Kräfte neu ausrichte. Er zitierte die Botschaft des Weltgebetstags: „Was zur Zerstörung genutzt wurde, kann nun für das Leben eingesetzt werden, zur Sorge für die Armen, zur Ernährung der Hungernden und zur Bewahrung der Schöpfung“. Die Bewahrung der Schöpfung erschien damit bei Leo XIV. nicht als von der Sorge um den Menschen getrennte Aufgabe. Die Umkehr müsse vielmehr Beziehungen wiederherstellen: die Beziehung des Menschen zu Gott, zu den anderen Menschen und zur Schöpfung. Was der Mensch zur Zerstörung eingesetzt habe, könne nach den Worten des Papstes für das Leben verwendet werden. Die Sorge um die Schöpfung schließe deshalb die Sorge für die Armen und die Hungernden ein.

Der Papst verband den Beginn der Schöpfungszeit zugleich mit dem Gedenken an den heiligen Franz von Assisi. Der Zeitraum, den die Kirche an diesem Tag eröffnete, ende am 4. Oktober, dem Tag, an dem der 800. Jahrestag des Transitus des heiligen Franz von Assisi begangen werde. Leo XIV. erinnerte daran, dass Papst Franziskus sich von Franz von Assisi inspirieren ließ, als er die Enzyklika Laudato si’ verfasste und das Dorf gründete, in dem die Messe gefeiert wurde. Leo XIV. lud deshalb dazu ein, sich im Gebet mit dem „Poverello“ von Assisi zu verbinden und dessen Lobgesang zu übernehmen. Gemeinsam mit Franz von Assisi sollte der Mensch die Schöpfung nicht nur betrachten, sondern sie als Geschöpf Gottes anerkennen und Gott für seine Werke loben: „Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen, besonders dem Herrn Bruder Sonne, […]. Gelobt seist du, mein Herr, für Schwester Mond und die Sterne. […]. Gelobt seist du, mein Herr, für Bruder Wind, […]. Gelobt seist du, mein Herr, für Schwester Wasser. […]. Gelobt seist du, mein Herr, für Bruder Feuer, […]. Gelobt seist du, mein Herr, für unsere Schwester Mutter Erde, die uns erhält und lenkt“.

Der Lobgesang des Franz von Assisi führte Leo XIV. schließlich zurück zur Verantwortung des Menschen. Der Papst verband das Lob Gottes für die Geschöpfe mit dem Auftrag, die Schöpfung zu bewahren. Zusammen mit dem heiligen Franz von Assisi sollten die Gläubigen ihr Engagement erneuern, „jene universale Geschwisterlichkeit zu leben und zu fördern, die mit der Aufgabe, die Schöpfung zu bewahren, untrennbar verbunden ist“.

 


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