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‚Eine Verleumdung gegen einen guten Mann und heiligen Priester‘, schreibt der Autor und Philosophieprofessor Edward Feser zu dem Vorfall. Waldstein wurde von seiner Lehrtätigkeit an der Hochschule Heiligenkreuz beurlaubt.
Heiligenkreuz (kath.net/jg)
„Ich bin kein Integralist, aber das ist nicht häretisch wie viele Dinge, von denen ich gehört habe, dass sie österreichische und deutsche Theologen in den letzten Jahren von sich gegeben haben. Kümmern wir uns zuerst um die wichtigeren Themen“. Mit dieser Bemerkung reagierte P. Matthew P. Schneider LC auf einen Artikel der KAP über die Beurlaubung von P. Dr. Edmund Waldstein OCist von seiner Lehrtätigkeit an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz. Waldstein ist dort Dozent für Moraltheologie. Das Stift Heiligenkreuz hat Waldstein nun für ein Doktoratsstudium in Philosophie in Rom freigestellt.
Der bekannte US-amerikanische Autor und Professor für Philosophie Edward Feser verteidigt Waldstein ebenfalls und kritisiert die österreichischen Theologen, die in dem KAP-Artikel zu Wort kommen: „Eine Verleumdung gegen einen guten Mann und heiligen Priester. Was Pater Edmund Waldstein verteidigt, ist schlichtweg die traditionelle Lehre, von der das Zweite Vatikanische Konzil ausdrücklich sagt, dass es sie ‚unangetastet lässt‘. Was seine Verfolger vor Kritik schützen wollen, ist ihre eigene persönliche Theologie, nicht die katholische Lehre“, schreibt er auf X.
Der Blog Rorate Caeli kommentiert den Vorfall mit den Worten: „Verfolgung und Zensur eines konservativen Priesters und Professors an einer österreichischen katholischen Hochschule“. Anschließend folgt eine englische Übersetzung des KAP-Artikels mit dem Hinweis, dass es sich bei der KAP um die offizielle Nachrichtenagentur der österreichischen Bischofskonferenz handelt, die von „extremen Liberalen“ beherrscht sei. Das sei bei der Lektüre der Charakterisierung Waldsteins im Artikel zu berücksichtigen, heißt es weiter.
Sohrab Ahmari, iranisch-amerikanischer Schriftsteller, der in die katholische Kirche eingetreten ist, schreibt auf X: „Schrecklich. Pater Edmund ist ein liebenswürdiger, heiliger Priester und ein nachdenklicher Gelehrter.“
Der Vorwurf: Waldstein fordere Todesstrafe für Häretiker
Laut Bericht der KAP, die sich auf einen Bericht des Internetportals Kirche und Leben beruft, liegt der Grund für die Beurlaubung Waldsteins in Aussagen auf seinem Blog „Sancrucensis“. Er habe darin die Todesstrafe für Häretiker gefordert. Prof. Wolfgang Klausnitzer, Rektor der Hochschule Heiligenkreuz, habe von Waldstein eine wissenschaftliche Darlegung dazu verlangt. Waldstein habe versucht, seine Aussagen theologiegeschichtlich zu rechtfertigen, zitiert die KAP den Rektor. Waldstein habe dabei eine Theologische Prinzipienlehre verwendet, die er nicht einmal einem Studenten im ersten Semester durchgehen lassen würde, zitiert die KAP Klausnitzer. Laut dem Bericht von Kirche und Leben hat Klausnitzer eine Rückkehr Waldsteins in den Lehrbetrieb der Hochschule Heiligenkreuz jedenfalls für seine Amtszeit ausgeschlossen.
Waldstein hat in einem Eintrag vom 3. Mai 2025 auf seinem Blog „Sancrucensis“ klargestellt, dass er die Todesstrafe für Häretiker heute nicht gutheißt. Er räumt ein, dass er in der Verteidigung der Lehren früherer Epochen „manchmal zu weit gegangen“ sei, „wenn es um die Anwendung der Prinzipien ging.“ Das betreffe auch die Verteidigung der Lehre von Papst Leo X. zur Todesstrafe für Häretiker. Heute sieht er das anders: „Ich unterstützte voll und ganz, dass das päpstliche Lehramt die Anwendung der Todesstrafe allgemein und die Bestrafung von Häretikern durch die weltliche Gewalt heute ablehnt“, schreibt er wörtlich.
„Erleichterung“ bei österreichischen Theologen
Der KAP-Artikel berichtet von „Erleichterung“ unter Theologen an österreichischen katholischen Fakultäten über Klausnitzers Entscheidung. Die Theologen halten den von Waldstein vertretenen Integralismus für unvereinbar mit der katholischen Lehre und dem demokratischen Verfassungsstaat. Prof. Dietmar Winkler, Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Salzburg, verweist auf eine Stellungnahme der Katholisch-Theologischen Fakultäten und Kirchlichen Pädagogischen Hochschulen in Österreich vom Juli dieses Jahres. Darin haben diese „gegen rechte Tendenzen in Gesellschaft und Kirche Stellung bezogen“. Unter anderem seien „‘christlich-nationalistische Strömungen‘ wie der von Waldstein vertreten Neo-Integralismus scharf verurteilt“ worden. Vor dessen angeblich „wachsenden Einfluss“ sei gewarnt worden.
Die genannten Strömungen würden „religiöse Sprache, christliche Symbolik und das christliche Gottesbild" politisch missbrauchen, „um antidemokratische, antifeministische und ausgrenzende Ideologien zu legitimieren", heißt es wörtlich in dem Dokument. Die Fakultäten, welche die Stellungnahme unterstützen, treten „jeglicher Form von Diskriminierung, Antifeminismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit entschieden entgegen“.
Der KAP-Artikel definiert den Integralismus als „eine Machtideologie, die darauf zielt, die Gesamtheit des öffentlichen und privaten Lebens den moralischen und dogmatischen Vorgaben der katholischen Kirche zu unterwerfen.“ Waldstein sei nach „Ansicht von Experten“ Teil eines „rechtskonservativen und reaktionären Netzwerks mit guten Beziehungen in oberste Kreise der US-Politik“.
P. Edmund Waldsteins Stellungnahme
In seinem bereits zitierten Blogeintrag auf „Sancrucensis“ vom 3. Mai 2025 nimmt Waldstein zu seinem Verständnis von Integralismus Stellung. Integralismus habe viele Bedeutungen, stellt er zunächst fest. Er verstehe darunter die Verteidigung dessen, was die Erklärung „Dignitatis humanae“ des Zweiten Vatikanischen Konzils als „die überlieferte katholische Lehre von der moralischen Pflicht der Menschen und der Gesellschaften gegenüber der wahren Religion und der einzigen Kirche Christi“ bezeichne, die nach dem Konzil „unangetastet“ bestehen bleibt.
Er habe sich in seiner Arbeit stets bemüht, „eine grundlegende Kontinuität auf der Ebene der Prinzipien zwischen den Lehren der Päpste des Mittelalters und der frühen Neuzeit und denen des Zweiten Vatikanischen Konzils und der nachkonziliaren Päpste aufzuzeigen. Ich habe argumentiert, dass diese grundlegende Kontinuität auf der Ebene der Prinzipien dennoch eine Diskontinuität auf der Ebene der Anwendung zulässt. Insbesondere fordert die Kirche nicht mehr, dass weltliche Autoritäten als säkularer Arm der Kirche agieren.“
Es sei immer seine Absicht gewesen, den Lehren der Päpste Gehorsam zu erweisen, schreibt Waldstein. Das beziehe sich auch auf die unter Papst Franziskus erfolgte Neuformulierung der Stelle im Katechismus bezüglich der Todesstrafe (KKK 2267) und die Lehre von Papst Johannes Paul II. über Rechtsstaat und Demokratie, wie dieser sie in der Enzyklika Centesimus annus niedergeschrieben habe.
Der Vorwurf des Rechtsextremismus werde zu Unrecht gegen ihn erhoben, fährt Waldstein fort und verweist auf Artikel, in denen er sich gegen Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit ausspricht.
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