kath.net katholische Nachrichten

Aktuelles | Chronik | Deutschland | Österreich | Schweiz | Kommentar | Interview | Weltkirche | Prolife | Familie | Jugend | Spirituelles | Kultur | Buchtipp


„Selbst wenn ein paar Omas dazu gedrängt werden – ist das nicht ein Preis, den man zahlen kann?“

vor 43 Minuten in Prolife, keine Lesermeinung
Artikel versenden | Tippfehler melden


Britische Frauenrechtlerin Fiona MacKenzie zitiert unglaublichen öffentlichen Satz des renommierten Neurochirurgen Dr. Henry Marsh CBE – Sie warnt: Assistierte Sterbehilfe gefährdet ältere Frauen, „wir alle wissen, dass es Täter gibt“


London (kath.net/pl) „Sollte Lauren Edwards’ Gesetzesentwurf zur Sterbehilfe verabschiedet werden, würde dies eine der weltweit umfangreichsten Ausweitungen der Sterbehilfe nach sich ziehen. In Verbindung mit dem Fehlen von Schutzmaßnahmen für Opfer häuslicher Gewalt stellt dieser Entwurf ein enormes Risiko für ältere Frauen dar.“ Darauf macht Fiona Mackenzie in einem Kommentar im britischen konservativen Politik und Kulturmagazin „The Critic“ aufmerksam. Mackenzie ist eine britische Frauenrechtsaktivistin, politische Analystin und Journalistin, sie schreibt regelmäßig für „The Critic“. Mit ihren Einsatz gegen die sogenannte „Rough Sex“-Verteidigung vor Gericht löste sie eine historische Gesetzesänderung in Großbritannien aus: Seither dürfen Täter vor Gericht nicht mehr behaupten, dass der Tod oder schwere Verletzungen einer Frau die Folge von einvernehmlichem harten Sex gewesen sei. MacKenzie wurde dafür mit der Mitgliedschaft im hochangesehenen „Member of the Order of the British Empire“ ausgezeichnet. Sie äußerte sich noch vor der Unterhaus-Abstimmung über eine Erweiterung der assistierten Sterbehilfe, der Gesetzentwurf wurde inzwischen mit einer knappem Mehrheit abgelehnt (kath.net hat berichtet).


Abgeordnete sollten große Bedenken haben, den Gesetzentwurf für unheilbar kranke Erwachsene zu verabschieden, ohne dass Änderungen den umfassenden Schutz dieser Gruppen gewährleisten, schreibt MacKenzie.

Denn „wir alle wissen, dass es Täter gibt“ und dass „diese vorab identifiziert werden müssen. Häusliche Gewalt wird kein Einzelfall sein, sollte die Sterbehilfe eingeführt werden“. Unter jenen, die sich für assistierte Sterbehilfe anmelden, werde „voraussichtlich jede siebte Person ein Opfer sein – zumeist Frauen über 60.“ MacKenzie fragt, wie man eigentlich erkennen wolle, dass ihre Entscheidung zu sterben wirklich freiwillig sei.

MacKenzies Bedenken erlangen besonderes Gewicht durch ihren Hinweis, dass „für Befürworter der Sterbehilfe“ „das Thema häusliche Gewalt“ keineswegs immer im Vordergrund gestanden sei. Im Gegenteil: „Die Organisation ‚Dignity in Dying‘ setzte sich in der Vergangenheit für zwei Ehemänner ein, die aus Mitleid gehandelt hatten (‚Mercy Killers‘), aber eine öffentlich bekannte Vorgeschichte häuslicher Gewalt aufwiesen.“

Experten für häusliche Gewalt bezeichnen den Gesetzentwurf als „Instrument für Femizide“ und warnen, der Staat werde sich „unwissentlich an einer Tötung beteiligen“, schildert MacKenzie. Obendrein gehe es um einen Gesetzentwurf, der bei Billigung innerhalb weniger Jahre 2 Prozent der Todesfälle ausmachen werde. 

Die Frauenrechtlerin warnt, dass kein Abgeordneter „sich durch die einzige im Entwurf enthaltene Schutzmaßnahme – Schulungen für Fachkräfte – beruhigen lassen“ sollte.“ Denn diese Maßnahme sei zwar von der Labour-Abgeordneten Jess Asato eingebracht worden, diese räume aber gleichzeitig ein, dass „keine noch so gute Schulung verhindern kann, dass Missbrauchsopfer durch das Raster fallen“.

Zum Beleg für ihre Warnungen blickt MacKenzie auf die rechtlichen Situationen in manchen Bundesstaaten von Australien. So gebe es in Westaustralien „strengere Schutzvorkehrungen, die Schulungen und Überprüfungen hinsichtlich häuslicher Gewalt vorsehen. Dennoch haben diese Kontrollen absolut niemanden identifiziert. Wie ich das Unterhaus bereits im letzten Jahr gewarnt habe, könnte die Einführung einer Sterbehilfe nach australischem Vorbild dazu führen, dass jedes Jahr mehr als tausend Opfer häuslicher Gewalt durch dieses Gesetz in den Tod begleitet werden. Dies ist ein erschütternder menschlicher Tribut – selbst wenn diese Menschen ohnehin ‚im Sterben gelegen hätten‘.“

MacKenzie schildert, dass der renommierte Neurochirurg Dr. Henry Marsh CBE“ öffentlich vertreten hatte: „Selbst wenn ein paar Omas dazu gedrängt werden – ist das nicht ein Preis, den man zahlen kann?“ Inzwischen, so die Frauenrechtlerin, bedauere er zwar seine „geschmacklose“ Äußerung, bekräftigte aber „auf Nachfrage von Abgeordneten“ „seine Haltung und gab zu, dass es im Zusammenhang mit dem Sterbehilfegesetz ‚immer einen Preis‘ gebe“.

Die Frauenrechtlerin schreibt explizit: „Die britische Öffentlichkeit wird es nicht hinnehmen, dass ältere, sterbenskranke Frauen dazu gedrängt werden, ihrem Leben ein Ende zu setzen.“ Gemäß einer Umfrage der von MacKenzie gegründeten Organisation „The Other Half“ erfolgte die bislang umfangreichste Umfrage zu diesem Gesetzesvorhaben, sie ergab: „In jedem einzelnen Wahlkreis fordert eine Mehrheit der Briten zusätzliche Schutzmaßnahmen für Opfer häuslicher Gewalt sowie eine Überwachung der Sterbehilfe durch Leichenbeschauer und eine Einbeziehung der Angehörigen; zudem sprachen sich in jedem Wahlkreis mehr Menschen dafür als dagegen aus, dass das Thema Sterbehilfe ausschließlich von Patienten (und nicht von medizinischem Personal) angesprochen werden sollte.“

 


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

Tweet 




Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können nützen sie bitte die Desktop-Version.


© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz