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Fast der gleiche Glaube?

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Anmerkungen zu den Islam-Einlassungen eines katholischen Dogmatikers aus Mainz vom 11. September. Kommentar von Dr. theol. Jürgen Henkel


München (kath.net) Historische Reminiszenzen
Am 15. August 1714, dem Hochfest Mariä Himmelfahrt, das in der orthodoxen Welt als Entschlafen der Gottesmutter gefeiert wird, ließ der türkische Sultan Ahmed III. (*1673-1732; Regierungszeit 1703-1730) den christlich-orthodoxen Fürsten der Walachei Constantin Brâncoveanu, seine vier – teilweise minderjährigen – Söhne und seinen Berater Ianache Văcărescu öffentlich enthaupten, weil sie nicht zum Islam konvertieren wollten. Sie alle wurden 1992 von der Heiligen Synode der Rumänischen Orthodoxen Kirche als christliche Märtyrer heiliggesprochen. 

Brâncoveanu  war von 1688 bis 1714 Fürst der Walachei als unabhängiges Fürstentum unter türkischer Oberhoheit. Als Regent, Kulturförderer und Mann des Glaubens lenkte er die Geschicke seines Landes, das im Einflussbereich dreier großer Imperien lag: des Osmanischen Reiches, des Habsburgerreiches und des Russischen Reiches. Er förderte Manufakturen und Kultur, die Architektur und die Künste und ließ zahlreiche Kirchen und Klöster erbauen. Der Baustil jener Zeit erhielt nach dem Herrscher die Bezeichnung „Brâncoveanu-Stil“. Die Zeit von Constantin Brâncoveanu ist bekannt als die blühendste Epoche der Geschichte Rumäniens vor der Herausbildung des neuzeitlichen Rumänien als Staat im 19. Jahrhundert. Der Herrscher setzte die Politik seiner Vorgänger fort und förderte finanziell die Christen in Ländern unter osmanischer Herrschaft: Palästina, Syrien, Georgien, Serbien und Bulgarien, wie auch die Christen in Konstantinopel, auf dem Heiligen Berg Athos und dem Sinai. All dies missfiel der Hohen Pforte in Konstantinopel. So wurde die gesamte Fürstenfamilie am 24. März 1714 verhaftet und nach Istanbul/Konstantinopel gebracht, wo sie über Monate in dem berüchtigten Gefängnis Edikul gefoltert wurden.1

Seine Ehefrau Maria und die sieben Töchter der Familie sind frei gekommen, während der Fürst mit seinen vier Söhnen und dem Rat Ianache am 15. August, dem 60. Geburtstag des Fürsten und christlichen Hochfest, öffentlich enthauptet wurden. Die Hinrichtung fand auf dem Platz vor dem Serail statt, wo Tausende von Menschen mit Sultan Ahmed an der Spitze und Vertretern ausländischer Mächte versammelt waren. Unter anderem waren die Gesandten Frankreichs, Englands, Österreichs und Russlands Zeugen des unwürdigen Spektakels. Man fühlt sich an heute erinnert, was das Interesse der Politiker und Medien aus christlichen Ländern an der Christenverfolgung betrifft…

Andrea Memmo, der Gesandte von Venedig an der Hohen Pforte, schildert alle Details dieser Enthauptung. Zuerst wurde der Fürst gefragt, ob er sein Leben und das seiner Söhne retten wollte, indem er zum Islam übertritt. Er lehnte dies kategorisch ab und ermunterte seine Kinder mit den Worten: „Meine Söhne! Seht, wir haben allen Besitz und alles, was wir haben, verloren; verlieren wir nicht auch noch unsere Seelen! Seid tapfer und stark und verachtet den Tod! Seht auf Christus, unseren Erlöser, was Er um unseretwillen erduldet hat und welchen grausamen Tod Er gestorben ist! Glaubt fest daran und weicht nicht von eurem wahren Glauben ab um eures Lebens und dieser Welt willen!“ 

Anschließend wurden alle nacheinander enthauptet: zuerst der Rat Ianache, danach die vier Söhne Constantin, Stefan, Radu und Matei vor den Augen des Vaters, zuletzt der Fürst selbst. Die Leichen der Märtyrer wurden in die Gewässer des Bosporus geworfen und ihre Köpfe auf Speeren aufgespießt durch die Straßen von Istanbul/Konstantinopel getragen und drei Tag lang an den Toren des Serail aufgehängt. 

Szenenwechsel. Am 11. September 2001, also vor exakt 25 Jahren, gab es den schlimmsten terroristischen Anschlag aller Zeiten in New York. Terroristen des islamistischen Al-Kaida-Terrornetzwerks von Osama Bin Laden entführten vier Flugzeuge und steuerten zwei davon in die Zwillingstürme des World Trade Centers in New York, wodurch beide Türme einstürzten, sowie eines in das US-Verteidigungsministerium Pentagon bei Washington D.C. Das vierte Flugzeug stürzte nach dem Widerstand der Passagiere auf einem Feld in Pennsylvania ab. Bei den Anschlägen starben 2.996 Menschen, über 6.000 wurden verletzt. 

Am letzten Freitag, auf den Tag genau 25 Jahre nach dem Anschlag, gedachten die USA in New York dieses beispiellosen islamistischen Terrorakts. Die Namen aller Todesopfer wurden verlesen. Die Nation der USA trägt bis heute tiefe Trauer. Selbst der sonst politisch wie rhetorisch so oft irrlichternde Präsident Donald Trump äußerte sich mit der gebührenden Würde bei der Gedenkfeier. Die ganze demokratische freie westliche Welt blickte über die Fernsehberichterstattung auf dieses Gedenken an die Anschläge vom 11. September in New York. Der Verfasser dieses Beitrags konnte die Gedenkfeier in Rumänien in breiter Berichterstattung auf allen relevanten TV-Kanälen verfolgen. 


Seit 2001 gab es in Deutschland, Europa und weltweit eine Vielzahl von islamistischen Attentaten und Anschlägen, die oft lautstark von „Allahu akbar“-Rufen begleitet und motiviert waren. Die nach wie vor multikultibegeisterten deutschen Medien geben das natürlich meist pauschal mit „Gott ist groß“ wieder zur Vermeidung der Nennung des islamischen Gottesnamens Allah. Es soll kein Schatten auf den Islam fallen, der immer noch von den Medien als kulturelle Bereicherung gefeiert wird. Schließlich sind auch viele Politiker aller Ebenen heute eher beim Fastenbrechen und islamischen Gemeindefesten mit Couscous-Büffet anzutreffen, als bei Gemeindefesten und Veranstaltungen der Pfarrgemeinden. So wegen Vielfalt und multikulturellem Zusammenleben in Buntdeutschland und so… 

Die vielen Anschläge und Attentate seit 2001 treffen einzelne Christen und ganze Gemeinden bei Gottesdiensten, feiernde Menschen in Diskotheken, Homosexuelle wie jetzt beim CSD-Anschlag in Berlin oder auch einfach Menschen, die im falschen Moment am falschen Ort oder im falschen Zugabteil waren. Erinnert sei auch an die 21 koptischen Christen, die 2015 von Islamisten vor laufenden Kameras enthauptet wurden, weil sie nicht zum Islam konvertieren wollten. Die Blutspur der islamistischen Attentate nach dem 11. September zieht sich bis heute und wird immer breiter. Auch daran mahnen die USA jedes Jahr neu mit ihrem Gedenken an den 11. September 2001. 

Nur geschmacklos? Geschichtsvergessen? Verharmlosung? Auffallen um jeden Preis? Oder bloß politisch-korrekter Kotau im alles beherrschenden „Kampf gegen Rechts“?

Genau am 11. September 2026 beglückte nun der Professor für Dogmatik und Fundamentaltheologie an der Katholischen Hochschule in Mainz, Oliver Wintzek, das Volk Gottes und die Öffentlichkeit in Deutschland auf „katholisch.de“ mit ganz besonderen Einlassungen zum Islam unter dem Titel „So ‚anders‘ ist das islamische Credo gar nicht“ (https://katholisch.de/artikel/70274-so-anders-ist-das-islamische-credo-gar-nicht, veröffentlicht am 11.09.2026). 

Der Kooperator an der Jesuitenkirche in Mannheim vertritt dabei Thesen, die die christlichen Märtyrer der islamistischen Attentate vom 11. September 2001 und aller Terroranschläge seither nachgerade verhöhnen und einen Schlag ins Gesicht aller Opfer der islamistischen Christenverfolgungen weltweit und deren Familien bedeuten. Es schreibt sich natürlich auch bequem und locker vom deutschen Professorenschreibtisch aus über den Islam, wenn man nicht wie Millionen Christen in islamischen Ländern weltweit unter Lebensgefahr seinen Glauben lebt und Gottesdienste besucht. Bekanntlich gelten in keinem mehrheitlich islamischen Land der Welt wirklich Religions-, Meinungs- und Pressefreiheit, Menschen-, Minderheiten-, Frauen- und Bürgerrechte. Auf Übertritt zum Christentum steht in einzelnen islamischen Ländern sogar die Todesstrafe. Und wie viele islamische Staaten weltweit sind denn funktionierende demokratische Rechtsstaaten? Der Theologe aus der Pfalz könnte sich mühelos beim Hilfswerk „Kirche in Not“ in München über Leben und Lebensgefahr der Christen in islamischen Ländern informieren.

Nach seinen Worten blickt der Gedenktag „Mariä Namen“ am 12. September zurück auf den 12. September 1683, „als die christlichen Heere unter dem Oberbefehl des polnischen Königs Johann III. Sobieski die zweite Türkenbelagerung mit der siegreichen Schlacht am Kahlenberg vor Wien beendeten.“ Das, so folgert er, „ist inzwischen Geschichte“. Wie wahr: inzwischen sind und leben Türken (und andere muslimische Ethnien) in Wien und allen Großstädten im deutschsprachigen Raum wie Berlin, Duisburg, Essen, Hamburg, Köln, Mannheim usw. Viele haben sich sehr gut integriert, arbeiten und zahlen Steuern. Das reicht von Gemüse-, Auto- und Teppichhändlern über Facharbeiter bis hin zu den Betreibern der so beliebten Dönerbuden und türkischen oder anderen orientalischen Restaurants. Doch es gibt auch die andere Seite, die vor allem die deutschen Medien in ihrer Zuwanderungsbegeisterung gerne ausblenden. Denn es gibt schon lange mittlerweile Stadtviertel mit Parallelgesellschaften, in denen bereits die Scharia zur Anwendung kommt und mächtige Clans die Macht und Kontrolle übernommen haben. Jetzt wird politisch und polizeilich zaghaft versucht, den Clans beizukommen. Wer noch vor wenigen Jahren vor diesen Entwicklungen speziell der Clankriminalität mahnte und warnte, galt sofort als Rassist und islamophob. Über die Katholische Kirche wird in deutschen Medien bekanntlich kritischer berichtet als über den Islam, vor allem im öffentlich-rechtlichen „Staatsfunk“.2

Wintzek zitiert den damaligen Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU), der schon 2006 „unaufgeregt“ festgestellt habe, der Islam sei ein Teil Deutschlands und Europas. Vielleicht liegt ja in solcher identitätsmäßiger Selbstaufgabe des christlichen Europa bei früheren Konservativen und Christdemokraten der Grund, warum europaweit heute die politische Rechte einen Triumph nach dem anderen feiert. Dass es auch anders geht, zeigt die heutige italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, die in ihrem äußerst lesenswerten Buch „Ich bin Giorgia. Meine Wurzeln, meine Vorstellungen“ von 2021 ein klares Bekenntnis zu einer christlich geprägten Gesellschaft und einem christlichen Europa ablegt und auch ausführt, was das bedeutet.3

Doch schnell wird bei dem Beitrag Wintzeks deutlich, worum es (wieder einmal) geht: um den Kampf gegen Rechts und die AfD, an der sich der Kommentar vor allem abarbeitet. Immerhin lässt sich der Mainzer Theologe zu der Erkenntnis herab: „Fraglos gibt es gewaltbereiten Islamismus, der seine Metastasen auch in Deutschland hat.“ Der islamistische Terror ist ihm immerhin einen Satz in seinem Beitrag wert. Doch wird dies gleich relativiert: „Gleichwohl verbietet sich die dümmliche Unterstellung, der Islam sei eine politische Ideologie, die mit dem Grundgesetz nicht vereinbar ist – so Beatrix von Storch.“ Nun, im Islam in Reinform gibt es keine Trennung zwischen Staat und Religion – idealtypisch zu besichtigen unter anderem im Iran und in Afghanistan. Die Scharia stellt das islamisch-religiöse Recht über das staatliche Recht. Das ist mit dem Grundgesetz definitiv nicht vereinbar. Und die von Beatrix von Storch und vielen anderen kritisierte „Islamisierung“ bezieht sich gewiss nicht auf die nur 2,7 Prozent muslimischer Menschen, die in Sachsen-Anhalt leben und auf die Wintzek verweist, sondern auf die schleichende Veränderung des öffentlichen Raums und den vorauseilenden Gehorsam gegenüber dem Islam vom Halal-Speiseplan in Kitas über die Umbenennung christlicher Feiertage bis zu Ramadan-Festbeleuchtung in deutschen Großstädten. 

An den öffentlichen Pflichtschulen (Volks-, Mittel-, Sonderschulen und Polytechnische Schulen) in Wien liegt der Anteil muslimischer Schülerinnen und Schüler mittlerweile übrigens bereits bei 42 Prozent.4 Das ist in vielen deutschen Großstadtvierteln und Problemschulen in sozialen Brennpunkten nicht viel anders, vielleicht noch im beschaulichen Mainz. Christliche Schulkinder werden heute in Deutschland unter Androhung von Sanktionen zur Teilnahme am Schulbesuch in Moscheen verpflichtet. Schon muslimische Grundschulkinder verweigern hingegen in von Kirchengemeinden unterhaltenen Kinderhorten die Teilnahme an Führungen durch die örtlichen Kirchen. Warum sollen sie auch die ursprüngliche – wenn auch derzeit absterbende – religiöse (Leit)Kultur des Landes kennenlernen, in dem sie leben. Und natürlich ist jedes Minarett auch ein Herrschaftsanspruch, was Wintzek ebenfalls bestreitet. Alte Moscheen wie etwa in der Dobrudscha in Rumänien, wo Muslime seit über 800 Jahren friedlich mit anderen Volksgruppen zusammenleben, kommen üblicherweise mit einem Minarett aus. In Deutschland werden selbst in Kleinstädten Moscheen mittlerweile gerne mit zwei Minaretten erbaut, vor allem wenn zwei Kirchen und Kirchtürme in der Umgebung sind.

Wenn aber nun ein christlicher katholischer Dogmatiker und Fundamentaltheologe sich auch noch dazu versteigt, mit Verweis auf irgendwelche Zitate von Kirchenvätern zu behaupten: „So ‚anders‘ ist das islamische Credo nämlich gar nicht.“ Schon Kirchenvater Johannes von Damaskus (um 650–754) habe den Islam nicht als eine neue Weltreligion eingestuft, sondern ihn als eine „christliche Häresie“ betrachtet, dann ist das christliche Selbstaufgabe und geistig-intellektuelle Kapitulation in Reinform – und zudem respektlos und übergriffig gegenüber dem Islam selbst. 

Da werden sich zunächst alle muslimischen Theologen, Imame, Muftis, Mullahs und Ayatollahs der großen weiten Welt und des Nahen Ostens bedanken, wenn ein Professor aus Buntdeutschland den Islam als „christliche Häresie“ reminisziert und aus islamischer Sicht damit sogar beleidigt. Zudem ist das christliche Credo schlicht und ergreifend unvereinbar mit dem islamischen Glauben, der den Christen schon immer ihr Bekenntnis zu Jesus von Nazareth als Sohn Gottes und zur Heiligen Trinität als dem Islam unvermittelbar vorgehalten hat. Neben dem Credo sind die beiden heilsnotwendig zu glaubenden Dogmen – das trinitarische Dogma und das christologische Dogma – für den Islam theologisch inakzeptabel. Ist das 1700-jährige Jubiläum des Konzils und des Glaubensbekenntnisses von Nizäa aus dem Jahr 325 im letzten Jahr an Mainz vorbeigerauscht? 

So darf man sich angesichts dieses Statements von Oliver Wintzek fragen, was das überhaupt war: Eine besondere Geschmack- und Taktlosigkeit am 11. September 2026, auf den Tag genau 25 Jahre nach den Attentaten von New York? Pure Geschichtsvergessenheit? Wirklichkeitsverdrängung? Ignoranz? Verharmlosung? Ein Auffallen-Wollen um jeden Preis? Oder einfach ein politisch-korrekter Kotau vor den Juste Milieus in Staat, Gesellschaft, Medien, akademisch-wissenschaftlicher Landschaft und Kirchen im allgegenwärtigen „Kampf gegen Rechts“, der neuen deutschen Staatsdoktrin neben Wokismus und Klimawandel? 

Sehenden Auges in den Abgrund

Der weltberühmte französische Schriftsteller Michel Houellebecq hat in seinem grandiosen Roman „Unterwerfung“ bereits 2015 messerscharf und in der ihm eigenen Sprachgewalt die Strukturen der schleichenden Anpassung der freien westlichen Welt an den Islam durch vorauseilenden Gehorsam bis hin zur intellektuell-geistigen Selbstverleugnung beschrieben. Beiträge wie der von Oliver Wintzek sind symptomatisch  auf diesem Irrweg, den Houellebecq für Europa literarisch prophezeit hat. Dabei ist eines auch klar: unter der Scharia wird es keine Regenbogen- und CSD-Paraden mehr geben. Letzteres sei den „Free Palestine“-Schreihälsen und -hälsinnen aus der Queer-Bewegung ins Stammbuch geschrieben. Queeres Leben darf sich nämlich im freien Westen christlich geprägter Länder – und in Israel! – toleriert austoben, auch im öffentlichen Raum, in arabischen und muslimischen Ländern ist das wohl eher nicht der Fall…

Der deutsch-jüdische Publizist Rafael Korenzecher zeigte jüngst auf, wie islamische Expansion funktioniert.5 Solange der Islam in der Minderheit sei, poche er auf Minderheitenrechte. Wo er aber die Macht erlange oder die kritische Masse überschreite, verschwänden nicht nur die Minderheitenrechte, sondern mit ihnen auch die Minderheiten. Und er wird deutlich und konkret:

„Kleinasien, das Land der ersten christlichen Gemeinden, war noch 1914 zu einem Fünftel christlich, heute: 0,2 Prozent. In Ägypten, jahrhundertelang christliches Kernland, ist von der einstigen koptischen Mehrheit eine bedrängte Minderheit geblieben, deren Kirchen brennen. Nordafrika, die Heimat des heiligen Augustinus, wurde restlos entchristianisiert. Der Libanon, 1932 das einzig mehrheitlich christliche Land des Nahen Ostens, hat seine Mehrheit verloren (…). Pakistan zählte vor der Teilung ein Fünftel Hindus und Sikhs – heute kaum drei Prozent. Von Afghanistans buddhistischer Vergangenheit blieben die gesprengten Buddhas von Bamiyan. Und Bethlehem, die Geburtsstadt Jesu, um die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts eine überwältigend christliche Stadt, ist nach drei Jahrzehnten ‚palästinensischer‘ Herrschaft bei einer christlichen Restminderheit von kaum zehn Prozent angekommen. Das Muster wiederholt sich auf drei Kontinenten und durch vierzehn Jahrhunderte: Wo der Islam zur Herrschaft gelangt, verschwinden die anderen. Europa ist der einzige Kontinent, der glaubt, bei ihm werde es anders ausgehen.“ 

Wenn nun zur Geschichtsvergessenheit und Wirklichkeitsverdrängung, zur Anpassung, Anbiederung und dem vorauseilenden Gehorsam im Alltagsleben auch noch Ver(w)irrung im Blick auf den eigenen Glauben und das eigene Credo kommt, dann marschiert das Christentum in Europa sehenden Auges und selbstverschuldet in den Abgrund.

Der Autor, Pfarrer Dr. Jürgen Henkel (siehe Link), ist Gemeindepfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern in Selb (Oberfranken), Professor h. c. an der Universität Babes-Bolyai in Klausenburg/Cluj-Napoca (Rumänien) und Schriftleiter der Zeitschrift „Auftrag und Wahrheit. Ökumenische Quartalsschrift für Predigt, Liturgie und Theologie“; die Zeitschrift erscheint in der Verlagsbuchhandlung Sabat, Kulmbach (vgl. https://www.vb-sabat.de/auftrag-und-wahrheit/). 

Bild: Fresko der Brâncoveanu-Märtyrer im Kirchenschiff/Naos der Kathedrale der rumänischen orthodoxen Metropolie von Deutschland, Zentral- und Nordeuropa in Nürnberg, die dem Patronat dieser heiligen Märtyrer geweiht ist. Foto © Jürgen Henkel

Anmerkungen:
1 Quellen: Protosingel Ioan Popoiu: Heilige der rumänischen Lande. Ins Deutsche übersetzt von Diakon Julian Dettling, Schiller Verlag, Bonn-Sibiu 2025 (DRThB 13), S. 199-203; https://orthpedia.de/index.phpa/Constantin_Br%C3%A2ncoveanu_und_seine_S%C3%B6hne (abger. 14.06.2026). 
2 Vgl. dazu das exzellente neue Buch von Josef Kraus und Walter Krämer (Hrsg.): Schwarzbuch Staatsfunk. Desinformation statt Information. Verlag LMV, München 2026, zum Thema besonders S. 182-199.
3 Giorgia Meloni: „Ich bin Giorgia. Meine Wurzeln, meine Vorstellungen“. Europaverlag, [Originalausgabe 2021] München 22025,  besonders S. 251-306. 
4 Quelle: „Österreichweite Zahlen: Der Islam dominiert bereits an den Wiener Schulen“ (vgl. Kronenzeitung, 05.09.2026; https://www.krone.at/4282341, abger. 16.09.2026). Dort auch zahlreiche weitere statistische Daten. 
5 Vgl. „Kolumne des Herausgebers Dr. Kronenzecher“, in: Jüdische Rundschau, Nr. 8 (144), August 2026, S. 1-2.10, hier S. 10.


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